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	<title>Kommentare zu: Freier Wille, oder&#160;was?</title>
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		<title>Von: Ingo-Wolf Kittel, Augsburg</title>
		<link>http://www.netznirwana.de/2009/08/15/freier-wille-oder-was/comment-page-1/#comment-6717</link>
		<dc:creator>Ingo-Wolf Kittel, Augsburg</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Aug 2009 21:19:44 +0000</pubDate>
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		<description>Hirnforscher haben m.W. noch nie den realen Vorgang der Willensbildung untersucht, noch weniger nat&#252;rlich die einzelnen Schritte dabei, etwa die, sich die Handlungsalternativen klar zu machen, die in einer Situation gegebenen oder m&#246;glich sind, sie in verschiedenster Hinsicht einzusch&#228;tzen und gegenseitig abzuw&#228;gen, sie zu pers&#246;nlichen Zielen in Beziehung zu setzen, die Schritte ihrer evtl. Umsetzung zu bedenken und ihre absehbaren Folgen, sie miteinander in ihren Vor- und Nachteilen zu vergleichen und das F&#252;r und Wider abzukl&#228;ren, dann nach irgendwelchen Kriterien eine evtl. Vorauswahl und irgendwann schlie&#223;lich eine &#039;endg&#252;ltige&#039; Wahl zu treffen, die Umsetzung der gew&#228;hlten Handlungsalternative &quot;in die Tat&quot; dann evtl. zu planen und schlie&#223;lich auch noch all die dabei zu ber&#252;cksichtigenden Einzelheiten &quot;im einzelnen&quot; festzulegen...

Hirnforscher theoretisieren stattdessen viel lieber &#252;ber eine, wie Gerhard Roth das immer ausdr&#252;ckt, &quot;starke&quot; Auffassung von Willensfreiheit. Darunter verstehen sie eine Art spukhaften Wesens, das sie sich an nichts gebunden und insofern absolut &#039;frei&#039; vorstellen, genannt &quot;Wille&quot;, von dem sie behaupten, wir w&#252;rden normalerweise alle glauben, dass dieser omin&#246;se &quot;Wille&quot; uns veranlassen oder bewegen w&#252;rde zu tun, was wir (nur) glauben, tun zu wollen. (Die Illusionsthese m&#252;sste eigentlich hier ansetzen! Nebenbei bemerkt ist m.W. noch kein Hirnforscher soweit gegangen, auch &quot;den letzte Wille&quot; eines Menschen zur Illusion zu erkl&#228;ren, da mindestens hier offensichtlich ist, dass mit Wille normalerweise eine Willensbekundung oder Willenserkl&#228;rung eines Menschen gemeint ist.) 

Soviel ich wei&#223;, glaubt niemand au&#223;er derart forschen Hirnforschern, was die glauben, dass alle glauben. Jedenfalls habe ich weder im privaten Umfeld noch beruflich jemals jemanden kennengelernt, der glaubt zu wollen, was sein Wille will, dass er will, was er will. Wenn Hirnforscher gegen einen derartigen selbstgeschaffenen Unsinn Sturm laufen, rennen sie weit offene T&#252;ren ein, und schie&#223;en auf eine Vogelscheuche, die sie selbst geschaffen haben. 

Manche von ihnen gehen aber noch weiter: sie geben zwar als selbstverst&#228;ndlich zu, dass es &quot;Handlungsautonomie&quot;, auch &quot;Erw&#228;gungsprozesse&quot; und sogar &quot;Entscheidungen&quot; gebe. Doch behaupten sie gleichzeitig, man wiege sich in einer Illusion, wenn man glaubte, hierbei &#039;frei&#039; zu sein; denn als Naturwissenschaftler m&#252;sse man von einem durchgehenden Determinismus der Welt oder Wirklichkeit ausgehen! 

Muss man nicht und tut auch kaum ein Naturwissenschaftler, jedenfalls keiner, der argumentiert, andere mit &quot;guten Gr&#252;nden&quot; zu &#252;berzeugen sucht, Widerlegungen akzeptieret (sofern er sich &#252;berzeugen l&#228;sst; Dogmatiker gibt es auch unter Naturwissenschaftlern), nach dem Richtigen sucht und das Falsche zu erkennen versucht. Das sind keine Naturkategorien, sondern unsere eigenen Setzungen wie etwa Mathematikregeln, die wir beim Rechnen beachten oder nicht, wie wir Gesetze beachten oder &#252;bertreten k&#246;nnen und zwar in voller Absicht oder vollem Bewusstsein, aus eigenen Entschluss, aus freien St&#252;cken oder eben freiwillig, wie wir umgangssprachlich dazu eben sagen. 

Die hier waltenden Verh&#228;ltnisse k&#246;nnen nicht durch Analyse von Gehirnvorg&#228;ngen erforscht und gekl&#228;rt werden. Das k&#246;nnen Hirnforscher nicht einmal bei einfachstem Denken; dazu brauchen sie die Psychologie, die ihnen sagt, worum es dabei &#252;berhaupt geht. Schon gar nicht finden Hirnforscher ihre Begriffe durch ihre Forschung, sondern entnehmen sie aus unterschiedlichsten Quellen, wie der Wissenschaftsphilosoph Peter Janich in seinem j&#252;ngsten Buch &quot;Kein neues Menschenbild – Zur Sprache der Hirnforscher&quot; gezeigt hat.* 

Ebenso kann auch nur psychologisch klar gemacht werden, wie wir dazu kommen, uns bewusst f&#252;r etwas zu entscheiden statt &quot;intuitiv aus dem Bauch heraus&quot; zu reagieren. (Leider wird blo&#223;es Reagieren auch oft Entscheiden genannt und etwas zu begehren ein Wollen; die Ungenauigkeit umgangssprachlichen Geredes, auf das Hirnforscher auch oft hereinfallen,** macht es fast durchgehend n&#246;tig, besonderes Augenmerk auf den Sinn des Gemeinten zu richten.)

Dass und wovon wir uns durch die &quot;Bildung unseres Willens&quot;, wie wir auch sagen k&#246;nnen, frei machen, ist nicht einmal so schwierig zu sehen und einzusehen; ich habe das auf dem ersten deutschsprachigen Philosophy-Slam 2008 in Augsburg vorgetragen. Auf der Homepage zum Slam ist der Text bis heute immer noch nicht online gestellt worden; er ist stattdessen hier http://www.sprache-werner.info/Artikel_Kittel.1954.html zu finden (wie zwei weitere Texte zum Thema). 

______________________________________
* http://www.suhrkamp.de/buecher/kein_neues_menschenbild-peter_janich_26021.html
** http://www.michael-funken.de/information-philosophie/philosophie/kittelzuroth.html</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Hirnforscher haben m.W. noch nie den realen Vorgang der Willensbildung untersucht, noch weniger nat&#252;rlich die einzelnen Schritte dabei, etwa die, sich die Handlungsalternativen klar zu machen, die in einer Situation gegebenen oder m&#246;glich sind, sie in verschiedenster Hinsicht einzusch&#228;tzen und gegenseitig abzuw&#228;gen, sie zu pers&#246;nlichen Zielen in Beziehung zu setzen, die Schritte ihrer evtl. Umsetzung zu bedenken und ihre absehbaren Folgen, sie miteinander in ihren Vor- und Nachteilen zu vergleichen und das F&#252;r und Wider abzukl&#228;ren, dann nach irgendwelchen Kriterien eine evtl. Vorauswahl und irgendwann schlie&#223;lich eine &#8216;endg&#252;ltige&#8217; Wahl zu treffen, die Umsetzung der gew&#228;hlten Handlungsalternative &#8220;in die Tat&#8221; dann evtl. zu planen und schlie&#223;lich auch noch all die dabei zu ber&#252;cksichtigenden Einzelheiten &#8220;im einzelnen&#8221; festzulegen&#8230;</p>
<p>Hirnforscher theoretisieren stattdessen viel lieber &#252;ber eine, wie Gerhard Roth das immer ausdr&#252;ckt, &#8220;starke&#8221; Auffassung von Willensfreiheit. Darunter verstehen sie eine Art spukhaften Wesens, das sie sich an nichts gebunden und insofern absolut &#8216;frei&#8217; vorstellen, genannt &#8220;Wille&#8221;, von dem sie behaupten, wir w&#252;rden normalerweise alle glauben, dass dieser omin&#246;se &#8220;Wille&#8221; uns veranlassen oder bewegen w&#252;rde zu tun, was wir (nur) glauben, tun zu wollen. (Die Illusionsthese m&#252;sste eigentlich hier ansetzen! Nebenbei bemerkt ist m.W. noch kein Hirnforscher soweit gegangen, auch &#8220;den letzte Wille&#8221; eines Menschen zur Illusion zu erkl&#228;ren, da mindestens hier offensichtlich ist, dass mit Wille normalerweise eine Willensbekundung oder Willenserkl&#228;rung eines Menschen gemeint ist.) </p>
<p>Soviel ich wei&#223;, glaubt niemand au&#223;er derart forschen Hirnforschern, was die glauben, dass alle glauben. Jedenfalls habe ich weder im privaten Umfeld noch beruflich jemals jemanden kennengelernt, der glaubt zu wollen, was sein Wille will, dass er will, was er will. Wenn Hirnforscher gegen einen derartigen selbstgeschaffenen Unsinn Sturm laufen, rennen sie weit offene T&#252;ren ein, und schie&#223;en auf eine Vogelscheuche, die sie selbst geschaffen haben. </p>
<p>Manche von ihnen gehen aber noch weiter: sie geben zwar als selbstverst&#228;ndlich zu, dass es &#8220;Handlungsautonomie&#8221;, auch &#8220;Erw&#228;gungsprozesse&#8221; und sogar &#8220;Entscheidungen&#8221; gebe. Doch behaupten sie gleichzeitig, man wiege sich in einer Illusion, wenn man glaubte, hierbei &#8216;frei&#8217; zu sein; denn als Naturwissenschaftler m&#252;sse man von einem durchgehenden Determinismus der Welt oder Wirklichkeit ausgehen! </p>
<p>Muss man nicht und tut auch kaum ein Naturwissenschaftler, jedenfalls keiner, der argumentiert, andere mit &#8220;guten Gr&#252;nden&#8221; zu &#252;berzeugen sucht, Widerlegungen akzeptieret (sofern er sich &#252;berzeugen l&#228;sst; Dogmatiker gibt es auch unter Naturwissenschaftlern), nach dem Richtigen sucht und das Falsche zu erkennen versucht. Das sind keine Naturkategorien, sondern unsere eigenen Setzungen wie etwa Mathematikregeln, die wir beim Rechnen beachten oder nicht, wie wir Gesetze beachten oder &#252;bertreten k&#246;nnen und zwar in voller Absicht oder vollem Bewusstsein, aus eigenen Entschluss, aus freien St&#252;cken oder eben freiwillig, wie wir umgangssprachlich dazu eben sagen. </p>
<p>Die hier waltenden Verh&#228;ltnisse k&#246;nnen nicht durch Analyse von Gehirnvorg&#228;ngen erforscht und gekl&#228;rt werden. Das k&#246;nnen Hirnforscher nicht einmal bei einfachstem Denken; dazu brauchen sie die Psychologie, die ihnen sagt, worum es dabei &#252;berhaupt geht. Schon gar nicht finden Hirnforscher ihre Begriffe durch ihre Forschung, sondern entnehmen sie aus unterschiedlichsten Quellen, wie der Wissenschaftsphilosoph Peter Janich in seinem j&#252;ngsten Buch &#8220;Kein neues Menschenbild – Zur Sprache der Hirnforscher&#8221; gezeigt hat.* </p>
<p>Ebenso kann auch nur psychologisch klar gemacht werden, wie wir dazu kommen, uns bewusst f&#252;r etwas zu entscheiden statt &#8220;intuitiv aus dem Bauch heraus&#8221; zu reagieren. (Leider wird blo&#223;es Reagieren auch oft Entscheiden genannt und etwas zu begehren ein Wollen; die Ungenauigkeit umgangssprachlichen Geredes, auf das Hirnforscher auch oft hereinfallen,** macht es fast durchgehend n&#246;tig, besonderes Augenmerk auf den Sinn des Gemeinten zu richten.)</p>
<p>Dass und wovon wir uns durch die &#8220;Bildung unseres Willens&#8221;, wie wir auch sagen k&#246;nnen, frei machen, ist nicht einmal so schwierig zu sehen und einzusehen; ich habe das auf dem ersten deutschsprachigen Philosophy-Slam 2008 in Augsburg vorgetragen. Auf der Homepage zum Slam ist der Text bis heute immer noch nicht online gestellt worden; er ist stattdessen hier <a href="http://www.sprache-werner.info/Artikel_Kittel.1954.html" rel="nofollow"></a><a href='http://www.sprache-werner.info/Artikel_Kittel.1954.html'>http://www.sprache-werner.info/Artikel_Kittel.1954.html</a> zu finden (wie zwei weitere Texte zum Thema). </p>
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* <a href="http://www.suhrkamp.de/buecher/kein_neues_menschenbild-peter_janich_26021.html" rel="nofollow"></a><a href='http://www.suhrkamp.de/buecher/kein_neues_menschenbild-peter_janich_26021.html'>http://www.suhrkamp.de/buecher/kein_neues_menschenbild-peter_janich_26021.html</a><br />
** <a href="http://www.michael-funken.de/information-philosophie/philosophie/kittelzuroth.html" rel="nofollow"></a><a href='http://www.michael-funken.de/information-philosophie/philosophie/kittelzuroth.html'>http://www.michael-funken.de/information-philosophie/philosophie/kittelzuroth.html</a></p>
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