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	<title>Netznirwana &#187; Thomas</title>
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		<title>Die Wahrheit liegt auf dem&#160;Platz</title>
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		<pubDate>Fri, 06 May 2011 07:10:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fußball]]></category>

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		<description><![CDATA[Otto Rehagel ist ein Fu&#223;ballweiser. Aber damit steht er nicht allein. Nahezu jeder, der sich am Wochenende ein Fu&#223;ballspiel live oder am TV ansieht, h&#228;lt sich f&#252;r ebenso kompetent. Schlimmer noch: Alle wissen alles besser. Und alle fordern sofort und zuerst den Kopf des Trainers, wenn der eigene Verein nicht den Erfolg hat, den sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Otto Rehagel ist ein Fu&#223;ballweiser. Aber damit steht er nicht allein.  Nahezu jeder, der sich am Wochenende ein Fu&#223;ballspiel live oder am TV  ansieht, h&#228;lt sich f&#252;r ebenso kompetent. Schlimmer noch: Alle wissen  alles besser. Und alle fordern sofort und zuerst den Kopf des Trainers,  wenn der eigene Verein nicht den Erfolg hat, den sich der Zuschauer  w&#252;nscht.</p>
<p>Wenn ein paar Spiele verloren gehen, werden die Helden  von vor ein paar Wochen in den Herzen der Fans pl&#246;tzlich zu  arbeitsscheuen Ackerg&#228;ulen. Auf der Trib&#252;ne regt sich der Unmut in Form  von verbalen P&#246;beleien, wenig schmeichelhaften Spruchb&#228;ndern und  geworfenen Sitzkissen. Trainer und Spieler werden allzu schnell der  Arbeitsverweigerung bezichtigt, obwohl sie nur Formschwankungen  unterliegen, die im Arbeitsprozess immer mal wieder vorkommen k&#246;nnen.  Und auch die Zuschauer selbst sind im Beruf nicht frei davon, wenn sie  ehrlich sind.</p>
<p>Dabei vergessen die Fans oft ein paar grundlegende  Tatsachen. Verdiente Millionen machen nicht per se schneller, nicht  st&#228;rker und nicht automatisch erfolgreicher. Insbesondere geben sie  nicht mehr Anlass dazu, alles zu geben, als es die L&#246;hne und Geh&#228;lter  der Zuschauer tun. Denn ob ein paar Millionen oder ein paar Tausend Euro  pro Jahr: Ich bin immer verpflichtet, f&#252;r mein Geld alles zu geben. Und  nur daran sollte das Stadionrund die Spieler messen.</p>
<p>Profi-Fu&#223;baller  sind Spitzensportler und das gilt auch f&#252;r die Spieler der gegnerischen  Mannschaft. Leichte Siege sind nicht selbstverst&#228;ndlich, wenn der  Gegner gut eingestellt ist und aufopferungsvoll k&#228;mpft. Ein Fu&#223;ballspiel  ist ein z&#228;hes Ringen mit oft ungewissem und gelegentlich &#252;berraschendem  Ausgang. Sein Team ausschlie&#223;lich am  Erfolg zu messen, geht deshalb an  der Realit&#228;t vorbei. Was z&#228;hlt, ist einzig und allein der unbedingte  Wille zum Sieg, den die Spieler an Tag legen. Doch die Formel scheint zu  einfach und zu verlockend, um sie zu hinterfragen: Kein Erfolg = zu  faul zu Laufen. <span id="more-129"></span></p>
<p>Was treibt die Zuschauer auf der Trib&#252;ne dazu,  derart ungerechtfertigt den Stab &#252;ber Trainer und Spieler zu brechen?  Und was gibt ihnen das Gef&#252;hl, bei einem Sieg selbst mitgespielt zu  haben, obwohl man nur Sprechch&#246;re skandiert hat, w&#228;hrend die Spieler  sich auf dem Gr&#252;n abgerackert haben?</p>
<p>Fu&#223;ballprofis gegen&#252;ber  herrscht eine Art Stellvertreterdenken: Oftmals sollen die Kicker des  Stammvereins den Erfolg haben, den die Zuschauer in ihren Leben  vermissen m&#252;ssen. Wenn sich die erhofften Siege einstellen, greift das  gro&#223;e Wir-Gef&#252;hl und alle haben mitgespielt. Bleiben die  Erfolgserlebnisse aus, sind es pl&#246;tzlich die Spieler allein, die die  Niederlage zu verantworten haben. Statt zum Schulterschluss kommt es zum  Liebesentzug – oftmals j&#228;h und schmerzhaft.</p>
<p>K&#246;pfe m&#252;ssen rollen  und nicht selten ist es das Publikum, das eine Trainerentlassung  entweder erzwingt oder dem Vereinsvorstand den Vorwand dazu bietet. Doch  mal ehrlich: Welcher Fu&#223;ballfan w&#252;rde akzeptieren, im eigenen Beruf  permanent an kurzfristigen Erfolgserlebnissen gemessen zu werden? Wohl  niemand &#8211; und kaum einer w&#252;rde es aushalten, dauerhaft mit der absoluten  Spitze in seinem Job verglichen zu werden. Irgendwie hat das Problem  hier auch eine biblische Komponente: „Wer von Euch ohne S&#252;nde ist, der  werfe den ersten Stein.“ Es ist leicht von Gladiatoren den vollen  Einsatz zu verlangen, obwohl man selbst mit seinen Lebenschancen  fahrl&#228;ssig und verschwenderisch umgegangen ist.</p>
<p>Wenn ein  Fu&#223;baller im Bruchteil einer Sekunde unter dem Druck des Gegenspielers  eine fatale Entscheidung trifft, gilt er schnell als &#252;berbezahlter  Versager. Dabei blendet der Fan allzu gern die eigenen Fehlleistungen  aus, bei denen er sicher mehr Zeit hatte, die rechten Schritte zu tun.  Und wer am Arbeitsplatz die Angebote von eBay und Amazon durchst&#246;bert,  statt seine volle Leistung zu bringen, hat nicht das Recht zu P&#246;beleien  gegen einen Spieler, der nach einem harten Sprint mal durchschnaufen  muss. Letzterer zumindest ist an seine Grenze gegangen, so wie es sich  geh&#246;rt.</p>
<p>Die Briten kennen eine feine sprachliche Unterscheidung,  die uns im Deutschen nur als Wortspiel zur Verf&#252;gung steht: „Do you  earn, what you deserve?“ fragen sie: „Verdienst Du, was Du verdienst?“<br />
Wer &#252;ber die Millionengeh&#228;lter der Fu&#223;ballspieler wettert, sollte  ber&#252;cksichtigen, dass lange Lehrjahre, viel Biss und ein permanenter  Leistungswille n&#246;tig sind, um an die gro&#223;en Vertr&#228;ge zu kommen. Ein  Spitzenfu&#223;baller hat mehr Konkurrenz auf dem Weg nach oben verdr&#228;ngen  m&#252;ssen als mancher Abteilungsleiter. Ohne absolute Hingabe kann man als  Fu&#223;ballprofi die Spitze nicht erreichen.</p>
<p>Aus Sicht des Fu&#223;ballers  sieht die Angelegenheit allerdings etwas anders aus. Als Fu&#223;ballprofi  muss ich die soeben formulierte Ungerechtigkeit akzeptieren. Sie sollte  Teil meines Selbstverst&#228;ndnisses sein. Eben deshalb ist ein Teil des  Fu&#223;ballerhonorars auch Schmerzensgeld. So ungerecht ich es als Fu&#223;baller  auch finde: Ich habe weder das Recht, mein Publikum um meine Leistung  zu betr&#252;gen, noch darf ich es gering achten. Ich muss wissen, welche  Funktion ich auch neben dem Spiel habe und darf nicht nur den Jubel  einheimsen, wenn es l&#228;uft. Ich muss auch die Kritik aushalten k&#246;nnen, so  ungerechtfertigt sie auch scheinen mag, wenn der Erfolg ausbleibt.</p>
<p>Ungeachtet  aller Publikumsschelte muss ich eines sein und sein wollen: ein  Vorbild. Mein verdientes Geld verdanke ich auch den Zuschauern, die das  Stadion f&#252;llen und Trikots mit meiner R&#252;ckennummer kaufen. Statt die  Fans f&#252;r ihre Ignoranz zu schelten, sollte ich immer repr&#228;sentieren,  dass man mit Leistung auch hoch gesteckte Ziele erreichen kann.  Kritischen Rufen von den R&#228;ngen begegne ich nicht mit H&#228;me, sondern mit  unvermindertem Einsatz f&#252;r mein Team und mein Publikum. Viele haben es  nicht einfach auf der Trib&#252;ne, verschuldet und unverschuldet. Als  Fu&#223;baller bin ich nicht da, ihr Leben zu reparieren, wohl aber, es ihnen  ein bisschen sch&#246;ner zu machen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Niete im&#160;Bett</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Jan 2010 06:27:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mann & Frau]]></category>

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		<description><![CDATA[Kaum etwas gibt ein Mann weniger gern zu, als dass er ein schlechter Autofahrer ist. Auch ich halte mich f&#252;r einen sicheren und versierten PKW-Lenker, ausgestattet mit der Reaktionssicherheit eines Michael Schumacher und den Instinkten eines Walter R&#246;hrl. Davon lasse ich mich auch nicht so leicht durchs Fernsehen abbringen – schnell fahren kann ich auch, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kaum etwas gibt ein Mann weniger gern zu, als dass er ein schlechter Autofahrer ist.</p>
<p>Auch ich halte mich f&#252;r einen sicheren und versierten PKW-Lenker, ausgestattet mit der Reaktionssicherheit eines Michael Schumacher und den Instinkten eines Walter R&#246;hrl.<br />
Davon lasse ich mich auch nicht so leicht durchs Fernsehen abbringen – schnell fahren kann ich auch, und um die Kurve schlittern und schleudern f&#228;llt mir auch nicht schwer, wenn mir das ESP auch manches Mal ein bisschen Hilfestellung leistet, sofern ich mal wieder meinen Bleifu&#223; einen Tick zu lange auf dem falschen Pedal hatte. &#220;berhaupt sind die Stra&#223;en zu schmal, die Kurven zu eng, und Fu&#223;g&#228;nger sollten die Fahrbahn nur an wenigen genau gekennzeichneten Stellen &#252;berschreiten d&#252;rfen, um den Verkehr nicht zu gef&#228;hrden.</p>
<p>Aber ich schweife ab – wahrscheinlich um mich um ein Gest&#228;ndnis zu dr&#252;cken, das mir seit ein paar Tagen auf der Seele lastet: ich bin vermutlich eine Flasche im Bett &#8211; und wer jetzt glaubt, ich, als typischer Mann, d&#228;chte dabei an einen brandhei&#223;en Molotowcocktail, der sieht sich get&#228;uscht.<br />
Offenbar bin ich eher ein Exemplar der Marke „nicht richtig zugeschraubte Cola, die zu lange in der Sonne gestanden hat“. Wie ich darauf komme? Gut, ich will es erkl&#228;ren.</p>
<p>Ich bin eine Nachteule und habe fr&#252;h am Abend einen toten Punkt, der mich gegen 21:00 Uhr auf dem Sofa ins R&#246;chelkoma fallen l&#228;sst. M&#228;nner kennen das: Kopf nach hinten, Garage auf und Platons H&#246;hlengleichnis geben, w&#228;hrend aus dem Rachen ein Ger&#228;usch von industrieller Kl&#228;ranlage nach au&#223;en dringt. Zum Gl&#252;ck h&#228;lt dieser Zustand nicht so lange an, bis Schwalben beginnen ihr Nest in der sich einladend &#246;ffnenden H&#246;hle zu bauen, und gegen 22:00 Uhr bin ich dann wieder so fit wie ein Turnschuh, w&#228;hrend der ausgetrocknete Gaumen daf&#252;r sorgt, dass ich auch in etwa so rieche. Also schnell ab ins Bad, Z&#228;hne putzen und&#8230; Aber ich schweife schon wieder ab&#8230;<span id="more-113"></span></p>
<p>Also raus mit der Sprache:</p>
<p>Statt ins Bett zu gehen, setze ich mich noch ein Weilchen aufs Sofa, schl&#252;rfe ein Gutenachtbierchen, kratze mich ausgiebig am Bauch und zappe im Feinripp durchs Sp&#228;tabendprogramm. Die &#252;blichen schl&#252;pfrigen Telefonangebote ignoriere ich, weil ich es nicht n&#246;tig habe, mir von irgendeiner Schantall im Neeklischee was von hei&#223;er Liebe ins Ohr st&#246;hnen zu lassen, die in Wirklichkeit Elfriede hei&#223;t und mit eingeklemmtem H&#246;rer die Kr&#228;henn&#228;gel an ihren Schwielenf&#252;&#223;en bearbeitet.</p>
<p>Es vergehen kaum f&#252;nf Minuten und ich lande bei einem stinknormalen, zweitklassigen Krimi und Liebesfilm, dessen erotisches Highlight mich traditionell in etwa auf zwei Drittel der Filmdauer erwartet. Zwei unglaublich sch&#246;ne Menschen schauen sich bedeutungsschwanger in die Augen und z&#246;gern einen Moment bevor sie sich wie zwei ausgehungerte Hy&#228;nen auf den Mund des anderen st&#252;rzen, als wollten sie ihm die letzte Mahlzeit aus dem Magen saugen.</p>
<p>R&#252;de rempelt er sie gegen die Wand, was sie mit einem guttural unterlegten Lustlaut quittiert. w&#228;hrend sie, schon nach ca. f&#252;nf Sekunden prall erregt, ihren Schenkel nach oben zieht und ihren Gespielen einbeinig stehend, wie ein Flamingo damit umschlingt, als wolle sie ihm das Leben aus den Lenden pressen. Ihr viel zu kurzer Minirock rutscht nach oben und gibt den Blick auf einen makellosen, s&#252;ndhaft teuer bestrapsten Schenkel frei, der einen unwillk&#252;rlich an den letzten Besuch beim Wienerwald denken l&#228;sst – nur, dass dort die Haut irgendwie krosser war.</p>
<p>Mann, muss der Kerl k&#252;ssen k&#246;nnen&#8230;</p>
<p>Die Hirne lustumnebelt, torkeln die zwei ins Schlafzimmer, sofern Kamin und B&#228;renfell nicht vorhanden sind, und verteilen den gr&#246;&#223;ten Teil ihrer Designerklamotten &#252;berall in der Wohnung, so wie H&#228;nsel und Gretel die Brotkr&#252;mel, damit sie wieder nach Hause finden. Sie sinken aufs Bett. Zuerst ist er auf ihr, um ihr zu zeigen, dass ein ganzer Kerl die Z&#252;gel in der Hand h&#228;lt, presst sie mit seinem ganzen Gewicht aufs Laken und k&#252;sst sie, als g&#228;be es kein Morgen, w&#228;hrend sie ein wie verdurstend klingendes „Ich will dich“ herausst&#246;hnt, das er mit einem ebenso ger&#246;chelten „Dein Mann muss ein Idiot sein!“ quittiert, was zumindest deshalb ein bisschen sonderbar klingt, weil der benannte Idiot schon, von den zwei hei&#223; erregten Verschw&#246;reren massakriert, im Vestib&#252;l liegt.</p>
<p>Dann drehen sie sich um, und sie setzt sich auf ihn. W&#228;hrend er an ihren Knien fummelt, schaut sie ihn mit funkelnden Augen an, kreuzt ihre unglaublich schlanken Arme, reckt ihren Schwanenhals und streift sich das nat&#252;rlich viel zu knappe Top &#252;ber den Kopf, w&#228;hrend das Mondlicht romantisch auf ein paar Br&#252;ste von der Gr&#246;&#223;e neuseel&#228;ndischer Braeburn f&#228;llt. Unruhig wogt ihr Oberk&#246;rper hin und her, was vermuten l&#228;sst, dass sie auf etwas sitzen muss, dass sich jeglicher Beschreibung zu entziehen scheint.</p>
<p>Mann, muss der Kerl gebaut sein&#8230;</p>
<p>Er setzt sich auf und nestelt an ihrem B&#252;stenhalter, w&#228;hrend sie zugleich an seinem Shirt zieht, als wolle sie ihm, wie der Adler dem Prometheus, ein St&#252;ck Leber aus dem Bauch rei&#223;en. Sein freigelegter Brustkorb wirkt im Mondenschein, als h&#228;tte man zwei Pflastersteine vom B&#252;rgersteig direkt vor sein Herz transplantiert, und sein Bauch ist so fettfrei wie eine Blumenwiese, aber zugleich so hart, dass eine Pistolenkugel davon abgeprallt w&#228;re, wenn der arme Idiot im Vestib&#252;l ein bisschen schneller gewesen w&#228;re und geschossen h&#228;tte, statt weinerlich um sein Leben zu winseln.</p>
<p>Mann hat der Kerl eine Figur&#8230;</p>
<p>Die Slips haben sich unterdessen wie von selbst in Wohlgefallen aufgel&#246;st, so als seien sie aus einem geheimen Material gefertigt, dass sich bei aufkeimender Lust in zarten Rauch aufl&#246;st, der nach feinen arabischen Gew&#252;rzen duftet und noch zus&#228;tzlich aphrosisierend wirkt. Kaum sind beide nackt beginnt er in seiner Trickkiste zu kramen. Er hat die H&#228;nde an ihren Rippen, w&#228;hrend sie mit geschlossenen Augen auf ihm d&#252;mpelt, wie ein vollgeladener Lastkahn auf der Havel und unverst&#228;ndliche Worte brabbelt.</p>
<p>Er setzt sich auf und schlabbert mit spitzen Lippen an ihrem Dekollete, w&#228;hrend ihr Haupt, wie an einem Scharnier geklappt, nach hinten kippt und ihre langen Haare an ihrem absolut pickelfreien R&#252;cken nach unten flie&#223;en, wie ein subtropischer Wasserfall. Sie vergr&#228;bt ihre tadellos manik&#252;rten, weil mit k&#252;nstlichen N&#228;geln versehenen Finger, in seinem nat&#252;rlich mehr als vollen Haupthaar, zappelt wie ein frisch gefangener Fisch an Land und st&#246;hnt: „Oooooh mein Gott&#8230;!“ w&#228;hrend ihr makelloser K&#246;rper zu erschauern scheint, als h&#228;tte man sie aus dem hei&#223;en Whirlpool direkt in einen Trog mit Eiswasser geworfen.</p>
<p>Man muss der Kerl ein Liebhaber sein&#8230;</p>
<p>So sitze ich, vollkommen entr&#252;ckt, vor der Flimmerkiste, das schal gewordene Bier in der Hand, das verschwitzte Unterhemd am Leib, und frage mich, ob mich eine Frau im Schlafzimmer schon mal „Gott!“ gerufen hat.</p>
<p>Dem wahren &#8220;Herrn&#8221; sei Dank, bin ich wenigstens ein hervorragender Autofahrer, wenn auch offenbar eine absolute Niete im Bett&#8230;</p>
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		<title>Scha-hatz?!</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Aug 2009 13:20:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mann & Frau]]></category>
		<category><![CDATA[Ehebett]]></category>
		<category><![CDATA[nachts]]></category>
		<category><![CDATA[Schatz]]></category>
		<category><![CDATA[was denkst Du gerade?]]></category>

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		<description><![CDATA[Schahatz? Was denkst Du gerade. Nichts, mein Engel. Man kann aber doch nicht nichts denken Doch, ich schon. Gute Nacht. Schahatz, was f&#252;hlst Du gerade? Nichts, mein Engel. Warum fragst Du? Das Gef&#252;hl habe ich ja auch. Du liebst mich nicht mehr. Doch, mein Engel, nat&#252;rlich liebe ich dich noch. Wie kommst Du darauf? Du [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schahatz? Was denkst Du gerade.<br />
<em>Nichts, mein Engel. </em></p>
<p>Man kann aber doch nicht nichts denken<br />
<em>Doch, ich schon. Gute Nacht.</em></p>
<p>Schahatz, was f&#252;hlst Du gerade?<br />
<em>Nichts, mein Engel. Warum fragst Du?</em></p>
<p>Das Gef&#252;hl habe ich ja auch. Du liebst mich nicht mehr.<br />
<em>Doch, mein Engel, nat&#252;rlich liebe ich dich noch. Wie kommst Du darauf?</em></p>
<p>Du sprichst nicht mehr mit mir.<br />
<em>Was tun wir denn gerade?</em></p>
<p>Was denkst Du denn, was wir tun?<br />
<em>Reden nat&#252;rlich – sag mal was soll das?</em></p>
<p>Also, wenn du denkst, dass wir reden, dann denkst Du doch was?<br />
<em>Ach Engel, ich f&#252;hl mich so m&#252;de&#8230; </em></p>
<p>Siehst Du Schatz, und f&#252;hlen tust Du auch was. Nur reden willst Du nicht &#252;ber Gef&#252;hle.<br />
<em>Engel ich liebe dich noch, und basta!</em></p>
<p>Wenn Du mich noch lieben w&#252;rdest, w&#228;rst Du nicht so schroff zu mir.<br />
<em>H&#246;r mal, Engel, wieso musst Du mich jetzt so aufregen.</em></p>
<p>Ja, ja, aufregen tue ich dich noch, erregen schon lange nicht mehr.<br />
<em>Aaargh, nat&#252;rlich begehre ich dich noch.</em></p>
<p>Glaubst Du das, denkst Du das, oder f&#252;hlst Du das?<br />
<em>Ich f&#252;hle es – aber jetzt lass uns schlafen.</em></p>
<p>Vermutlich glaubst Du nur, dass Du es f&#252;hlst. Oder denkst Du das nur?<br />
<em>Ich wei&#223; es einfach, mein Engel.</em></p>
<p>Aber ein Gef&#252;hl zu wissen ist doch Denken, von dem man glaubt, dass man es f&#252;hlt, oder nicht?<br />
<em>Also Engelchen: ich wei&#223;, ich denke, ich glaube und ich f&#252;hle, dass ich dich liebe.</em></p>
<p>Und was davon am meisten?<br />
<em>Du machst mich wahnsinnig! Alles zugleich.</em></p>
<p>Aber glauben ist doch weniger als wissen.<br />
<em>Daf&#252;r ist es aber eine tiefe seelische &#220;berzeugung!</em></p>
<p>Und Denken bedeutet doch entweder nur eine Art Glauben, oder Wissen ganz ohne Gef&#252;hl.<br />
<em>Engel, jetzt ist aber mal gut. Ich f&#252;hle, dass ich dich liebe.</em></p>
<p>Aber eben hast du noch gesagt, Du f&#252;hlst nichts – und dass Du auch nichts denkst.<br />
<em>Als Du mich gefragt hast, habe ich auch nichts gef&#252;hlt und nichts gedacht.</em></p>
<p>Aber wenn Du mich liebst, dann musst Du doch immer was f&#252;hlen?<br />
<em>Ja tue ich auch, aber mehr latent.</em></p>
<p>Das war fr&#252;her aber ganz anders.<br />
<em>Nein, war es nicht, ich habe es nur &#246;fter gesagt.</em></p>
<p>Siehst Du, Du redest nicht mehr richtig mit mir.<br />
<em>Nur weil, ich dir nicht mehr so oft sage, dass ich dich liebe, hei&#223;t das nicht&#8230;</em></p>
<p>Beweise es mir!<br />
<em>Wie denn?</em></p>
<p>Schlaf mit mir!<br />
<em>Na sch&#246;n, Engelchen. Sag das doch gleich!</em></p>
<p>Das ist mal wieder typisch – f&#252;r Sex bin ich grad noch gut genug!<br />
<em>Moment mal bitte, mein Engel.</em></p>
<p>Was machst du da mit dem Messer Schatz?<br />
<em>Ich glaube, Du gehst mir auf den Geist, ich denke, es ist Zeit daran etwas zu &#228;ndern, ich f&#252;hle mich am Rande des Wahsinns und ich wei&#223;, es gibt keine andere L&#246;sung!</em></p>
<p>SCHAHATZ!!!!!!!<br />
<em>Schlaf sch&#246;n, mein Engel!</em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Weiberfastnacht, oder wie M&#228;nner&#160;ticken</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Aug 2009 12:00:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mann & Frau]]></category>
		<category><![CDATA[Fastnacht]]></category>
		<category><![CDATA[Karneval]]></category>
		<category><![CDATA[Weiberfastnacht]]></category>

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		<description><![CDATA[Disclaimer: Der Autor weist vorsorglich darauf hin, dass dieser Text nicht frauenfeindlich gemeint ist, und dass jede &#196;hnlichkeit mit noch lebenden, bereits verstorbenen und Personen, die zwar noch leben, sich aber nicht mehr wehren k&#246;nnen, rein zuf&#228;llig ist. Es ist mal wieder soweit. Die kommenden Ereignisse werfen schon seit Wochen ihre Schatten voraus, als wir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Disclaimer: Der Autor weist vorsorglich darauf hin, dass dieser Text nicht frauenfeindlich gemeint ist, und dass jede &#196;hnlichkeit mit noch lebenden, bereits verstorbenen und Personen, die zwar noch leben, sich aber nicht mehr wehren k&#246;nnen, rein zuf&#228;llig ist. </em></p>
<p>Es ist mal wieder soweit. Die kommenden Ereignisse werfen schon seit Wochen ihre Schatten voraus, als wir uns in Schale f&#252;r den wichtigsten Abend des Jahres werfen.<br />
„Weiberfastnacht“ klingt es in unseren Ohren und l&#246;st einen Speichelflussreflex aus, gegen den selbst die Hunde Pawlows eine W&#252;ste Gobi im Maul gehabt haben m&#252;ssen. </p>
<p>Nat&#252;rlich tr&#228;umen wir der eher von einer w&#252;sten Gabi, als wir den unaufh&#246;rlichen Speichelfluss mit einem ersten Bierchen zum Warmmachen in Jupps Bude bek&#228;mpfen. </p>
<p>„Vorgl&#252;hen“ nennen wir das &#8211; und wir, das sind Jupp, Mattes und meine Wenigkeit, das Trio Infernale des Karnevals, dessen legend&#228;rer Ruf jedes Jahr mehr und mehr V&#228;ter dazu bewegt, ihre 40-j&#228;hrigen M&#228;dchen im Keller wegzusperren, damit sie nicht, ihrer letzten Illusionen &#252;ber die holde M&#228;nnlichkeit beraubt, einem ca. vierzig Jahre dauernden altj&#252;ngferlichen Lebensabend ins Auge sehen m&#252;ssen. </p>
<p>Mit einem leichten Alkoholpegel gegen das gelegentlich aufkeimende schlechte Gewissen gewappnet, machen wir uns auf den Weg, der gepflastert ist mit Anekd&#246;tchen und Hist&#246;rchen verblassender M&#228;nnlichkeit aus den letzten Jahren, die nun, im Lichte gegenseitiger Beweihr&#228;ucherung den Nimbus gro&#223;artiger Legenden annehmen. </p>
<p>Als wir mental und alkoholisch gest&#228;rkt den Turnierplatz betreten, scheint ein Raunen durch die Menge zu gehen, die Musik verstummt f&#252;r einen Moment und alle Blicke ruhen auf uns, die wir in drohlich erscheinender Phalanx mit st&#228;hlernem Blick und erhabenen Ganges den Saal betreten. </p>
<p>Die Herren halten ihre Frauen fester und wissen nun, es wird ein harter Abend, voller &#196;ngste von drohender Einsamkeit und der Gewissheit ihrer nur relativen m&#228;nnlichen Bedeutung vor dem maskulinen Orkan, der nun &#252;ber sie hinwegzufegen beginnt.<br />
Aufatmend und erst einmal beruhigt l&#246;st sich die Stimmung, als wir zuerst einmal ein Bier bestellen und uns im Eingangsbereich an einem Stehtisch platzieren, um den Zu- und Abfluss begattbaren Materials zu taxieren.<span id="more-95"></span> </p>
<p>Wir lachen und unterhalten uns, benoten die anwesenden Damen nach einem komplexen Schema einer A- und B-Note, das dem Eiskunstlauf entlehnt ist und beginnen das anwesende Weibsvolk in Einflusssph&#228;ren einzuteilen. </p>
<p>Mattes entscheidet sich im Allgemeinen f&#252;r die unscheinbaren Entlein mit jedoch prangendem Inhalt ihrer Blusen und viel zu knappen Kost&#252;mchen &#8211; kleine Luder in mittleren Jahren, die auch mit 40 noch kichernd und gackernd in der Ecke stehen und sich ausmalen, an Stelle ihres langweiligen Ehemannes mal einen echten Kerl vom Schlage Mattes befriedigen zu d&#252;rfen. </p>
<p>Jupp entscheidet sich immer f&#252;r die vermeintlich Sch&#246;nsten &#8211; schlanke, fast schmale Dinger mit Wespentaillen und Br&#252;sten, die wie kleine Fesselballone der Schwerkraft trotzend &#252;ber den flachen B&#228;uchen zu schweben scheinen, w&#228;hrend ihre grell geschminkten M&#252;nder permanent lustige verbale Blubberbl&#228;schen erzeugen, die wir aus den bunten Comic-Heftchen unserer lang verflossenen Jugend erinnern. </p>
<p>Mir bleiben zumeist die kleinen, drallen und h&#252;bsch bebrillten Intelligenzk&#228;ferchen, und das vor allem aus praktischen Gr&#252;nden. Ich bin derjenige unter uns Dreien, der mittels seiner Sprachbegabung auch das kalte Eis selbst ausgefallenst konstruierter Gewissenblockaden zum Schmelzen zu bringen vermag &#8211; oder wie Mattes immer sagt, der jede Frau dazu bringen kann ein: „Denkst Du das wirklich, oder sagst Du das nur, weil Du wei&#223;t, das Frauen das gerne h&#246;ren“ zu fl&#246;ten. Jupp formuliert da weniger umst&#228;ndlich und meint gemeinhin, ich k&#246;nne selbst Fort Knox ins Bett quatschen. </p>
<p>W&#228;hrend wir nun so da stehen, und die Damen in unserer N&#228;he nerv&#246;s von einem Fu&#223; auf den anderen treten, weil sich, ob des souver&#228;nen und doch &#252;beraus sympathischen Anblicks den wir bieten, die ersten Vorboten des Begehrens in ihren H&#246;schen manifestieren, entscheiden wir nun, dass es Zeit f&#252;r Phase zwei unserer sich allj&#228;hrlichen wiederholenden und aufs feinste abgestimmten Strategie sein d&#252;rfte. </p>
<p>Wir verlassen den Eingangsbereich, nachdem wir uns vom Zugang einigen verwertbaren Materials &#252;berzeugt haben und streben nun auch rein r&#228;umlich dem Zentrum des bunten Treibens zu &#8211; immer gemessenen Schrittes und peinlich darauf bedacht, zugleich im Zentrum des allgemeinen Interesses zu verbleiben, wozu sich eine kleine Pinkelpause des Dj&#8217;s am besten eignet, weil die Blicke der Damen dann, mangels anderer sinnlicher Gen&#252;sse wie gebannt auf unseren hopfengest&#228;rkten, astralgleichen K&#246;rpern ruhen. </p>
<p>Mit unseren ruhigen Blicken teilen wir das Volk vor uns, wie Moses in biblischen Zeiten das Rote Meer und genie&#223;en die versch&#228;mten Blicke der Damen, und die neidvoll und zugleich ehrf&#252;rchtig dreinschauenden Gesichter der Herren, die ihre Felle in den schon feuchten H&#246;schen der Frauen davonschwimmen sehen. „Auch eine Art den Schamh&#252;gel zu enthaaren&#8230;“ denke ich mir, und &#252;berlege, ob wir nicht Geld verlangen k&#246;nnen f&#252;r diesen Service schmerzloser Schamenthaarung, die wir &#228;hnlich den gro&#223;en Bibelpredigern des amerikanischen Mittelwestens in gro&#223;en und &#252;berf&#252;llten Hallen der Mittelst&#228;dte und Metropolen anbieten k&#246;nnten&#8230; </p>
<p>Wie von Zauberhand taucht vor uns ein verf&#252;gbarer Stehtisch auf, den seine urspr&#252;nglichen Okkupanten ob des Anblicks unserer unausweichlich nahenden Pr&#228;senz, unter dem Vorwand dringender urinaler Gesch&#228;fte ger&#228;umt haben &#8211;<br />
nur um sich nicht eingestehen zu m&#252;ssen, von der darwinistischen Kraft unserer beeindruckenden Statur, notariell beglaubigter Intelligenztests in den Taschen und der prallen M&#228;nnlichkeit unserer gef&#252;llten Geldb&#246;rsen hinweggefegt worden zu sein – von dem an Halbliterflaschen eines belebenden amerikanischen Softgetr&#228;nkes gemahnenden Inhalt unserer Hosen ganz zu schweigen&#8230; </p>
<p>Wir &#252;bernehmen den Tisch mit der Souver&#228;nit&#228;t des L&#246;wen, dessen purer Anblick das Wasserloch von durstigen Neidern zu befreien in der Lage ist, schauen uns unser Revier markierend um und&#8230; bestellen noch ein Bier&#8230; </p>
<p>Nach einem Augenblick atemloser Stille l&#246;st sich das trinkende Volk aus seiner ehrf&#252;rchtigen Erstarrung und beginnt langsam wieder zur Normalit&#228;t des karnevalistischen Wahnsinns zur&#252;ckzukehren &#8211; w&#228;hrend einige der inzwischen h&#246;chst erregten Weibchen sich unmerklich einen Schritt vor ihren Besch&#252;tzern davonstehlen, die nach unserem Auftritt in den Augen ihrer Begleiterinnen nur noch wie ein flaches Abziehbildchen der wahren m&#228;nnlichen Kraft jener Drachent&#246;ter scheinen, die sie seit ein paar Sekunden mit ihren vor Aufregung bebenden Br&#252;sten und laut klopfenden Herzen vor sich sehen. </p>
<p>Wir bez&#228;hmen unseren Hunger nach der uns zustehenden Huldigung und warten – und w&#228;hrend wir noch kleine Scherze &#252;ber die drallen Schenkel der jugendlichen Funkenmariechen machen, geschieht es: eine Gruppe von vier hochfiligran aufgebrezelten Damen mittleren Alters gesellt sich zu uns, h&#228;ngt sich ungefragt in unsere Armbeugen ein und n&#246;tigt uns zu einem erotischen Geschunkel, das ihre Wangen err&#246;ten, ihre Br&#252;ste h&#252;pfen, und ihre K&#246;rper in sexuelle Wallung geraten l&#228;sst. </p>
<p>Sie ziehen uns aus mit ihren Blicken, himmeln uns an und fl&#246;ten uns zweideutige Versprechen ins Ohr, die bei zweien der vier Damen wie eine &#228;sthetische Verhei&#223;ung, und bei den anderen wie eine optisch unterf&#252;tterte Bedrohung wirken. </p>
<p>Jupp kriegt wie immer die minderbemittelte Elfe mit den k&#252;nstlichen Fingern&#228;geln und den mit allerlei hinterlistigen Tricks hochgepushten M&#246;psen, w&#228;hrend Mattes sich zielgenau das graue M&#228;uschen geangelt hat, das nackt &#252;ber die Offenbarung eines K&#246;rpers zu verf&#252;gen scheint, gegen die des Paradies eine dunkle Spelunke sein d&#252;rfte. </p>
<p>Er wird sie sich wie immer auf ihn setzen lassen und ihr vorher sagen, dass er vierzig Minuten am St&#252;ck zaubern kann, wenn sie sich eine Skim&#252;tze &#252;ber den Kopf zieht, damit ihr, von den Sorgen des Alltages gezeichnetes, Gesicht ihn nicht vom Reiz ihrer schweren und niemals gestillt habenden Br&#252;ste ablenkt. </p>
<p>„Nein&#8230;“ sie habe keine Kinder hatte sie ihm eingefl&#252;stert, was er als untr&#252;gliches Versprechen auf kr&#228;ftige runde Br&#252;ste und ein weiches und enges Futteral f&#252;r seine erotische Blockfl&#246;te interpretiert hatte, der sie f&#252;rderhin allersch&#246;nste Melodeien entlocken sollte&#8230; </p>
<p>Susi h&#228;ngt schon die ganze Zeit an meinem Arm und an meinen Lippen und wird nicht m&#252;de zu betonen, was f&#252;r ein netter Kerl ich doch sei, so ruhig und nicht so ein Prolet wie all die anderen hier, die nicht m&#252;de werden ihr l&#252;sterne Blicke zuzuwerfen und ihr im Vor&#252;bergehen an den ausladenden aber &#252;beraus einladenden Hintern zu fassen. </p>
<p>Wie alle Frauen zur Karnevalszeit hatte sie vor ein paar Minuten angefangen ihre erhitzte Wange an die meine zu schmiegen, ihre kleinen Br&#252;ste in die aufkeimende Mittvierzigercellulitis meiner Oberarme zu dr&#252;cken und ihr Heiligstes wie ein kleines N&#228;hmaschinchen nimmerm&#252;de an meinem Schenkel zu reiben, w&#228;hrend sie ein Bierchen nach dem anderen wegzischte, das wir ihr und den Damen in der Hoffnung auf ein am Stammtisch verwertbares erotisches Gepl&#228;nkel zukommen lie&#223;en. </p>
<p>Und als ich gerade zum Angriff auf ihr eheliches Treuverbrechen blasen will, schaut sie mir tief in die Augen, leckt sich lasziv die Lippen, l&#228;sst ihr Raubtier ein letztes Mal weinbergschneckengleich an meinem Schenkel entlang gleiten und fl&#252;stert mir mit dem Arm um meine H&#252;fte zu: „Hab ich dihir schohon erz&#228;h&#228;lt, daaaass ich totaaal gl&#252;cklich verheiratet bin? </p>
<p>Das Halali meines, sich gerade zur voller Gr&#246;&#223;e einer Klopapierrolle entfalten wollenden, Gliedes erstirbt augenblicklich und mutiert zum Kr&#228;chzen eines sterbenden Frosches, w&#228;hrend ich mich von einem Augenblick zum n&#228;chsten ganzk&#246;rperlich in eine zweibeinige frustrierte erogene Zone verwandele und versuche, im brutalen Deja Vu des Vorjahres, der Vorvorjahres und &#8211; wenn ich ehrlich bin &#8211; auch der f&#252;nf Jahre zuvor, das Gesicht zu wahren, indem ich ihr schnell ein paar oberfl&#228;chliche Komplimente mache. </p>
<p>Und wie jedes Jahr h&#246;re ich mich r&#252;ckenmarksgesteuert sagen: „Ja, es ist ein gro&#223;es Gl&#252;ck jemanden zu haben, mit dem man durch dick und d&#252;nn&#8230; und der einen versteht&#8230; und bei dem noch echtes Vertrauen m&#246;glich ist&#8230; und und und&#8230;“<br />
Ich sch&#228;me mich daf&#252;r, sehe aber keine andere M&#246;glichkeit, ohne den Verlust meiner Selbstachtung aus der Sache rauszukommen. </p>
<p>Ich sehe mit ge&#252;btem Blick, dass meine Kumpels ebenso den Vorjahresstatus erreicht haben, und wir beschlie&#223;en mit einem gegenseitigen Kopfnicken, dass es nun Zeit ist zu gehen, weil die Frauen auch in diesem Jahr nicht unseren Anspr&#252;chen zu gen&#252;gen scheinen, und weil wir unsere Potenz nicht f&#252;r das Linsengericht ein paar warmer Worte auf dem Altar einer bis zur Unkenntlichkleit verheirateten Vagina opfern wollen. </p>
<p>Wir sch&#252;tteln uns kurz wie nass gewordene Hunde, sagen brav „Servus“ und „Danke f&#252;r den netten Abend.“, dr&#252;cken den Damen noch ein B&#252;tzchen auf die Wange, bevor wir gemessenen Schrittes dem Ausgang zuschreiten, w&#228;hrend uns die bewundernden Blicke der Umstehenden verfolgen. </p>
<p>Drau&#223;en angekommen schlagen wir die Kragen hoch und Mattes sagt: „Die h&#228;tten wir alle haben k&#246;nnen&#8230; ging ab wie wie Schmidts Katze&#8230; hei&#223; wie Nachbars Lumpi&#8230;“ w&#228;hrend wir uns auf dem Heimweg machen. Und wie jedes Jahr sind wir uns an der Kreuzung, an der wir uns trennen einig: </p>
<p>„Alles Schlampen au&#223;er Mutti&#8230;“ </p>
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		<title>Fremde&#160;Haut</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Aug 2009 11:58:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mann & Frau]]></category>
		<category><![CDATA[Ehe]]></category>
		<category><![CDATA[Fremdgehen]]></category>
		<category><![CDATA[Paartherapie]]></category>
		<category><![CDATA[Partnerschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Treue]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn man den Statistiken glauben mag, gehen ein Gro&#223;teil der M&#228;nner und eine wachsende, mittlerweile fast gleich gro&#223;e Zahl der Frauen fremd. Das Internet tr&#228;gt nat&#252;rlich seinen Teil dazu bei, in dem es ein altes Sprichwort best&#228;tigt: „Gelegenheit macht Diebe“. Zum einen ver&#228;ndert das Netz Moralvorstellungen insofern, als durch seine anarchische Struktur auch teils fragw&#252;rdige [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man den Statistiken glauben mag, gehen ein Gro&#223;teil der M&#228;nner und eine wachsende, mittlerweile fast gleich gro&#223;e Zahl der Frauen fremd. Das Internet tr&#228;gt nat&#252;rlich seinen Teil dazu bei, in dem es ein altes Sprichwort best&#228;tigt: „Gelegenheit macht Diebe“. </p>
<p>Zum einen ver&#228;ndert das Netz Moralvorstellungen insofern, als durch seine anarchische Struktur auch teils fragw&#252;rdige Wertvorstellungen eine Plattform erhalten, die diesen im praktischen Leben nicht m&#246;glich w&#228;re, andererseits schafft es auch ein F&#252;llhorn von Kontaktm&#246;glichkeiten, die in ihrer Menge real kaum zu realisieren sind, zumal dann, wenn man in sich einer festen Beziehung mit geregelten zeitlich Abl&#228;ufen befindet. </p>
<p>Doch was bewegt Menschen dazu, sich real oder online eine k&#252;rzere oder l&#228;ngere entweder nur erotische, oder auch amour&#246;se Erfahrung zu suchen? </p>
<p>Es gibt eine Form von N&#228;he, die einem nur die Partnerschaft geben kann und die von gro&#223;er, fast allumfassender Bedeutung ist. Diese N&#228;he hat aber nicht unbedingt zuerst mit erotischer N&#228;he zu tun, sondern mit einem Gef&#252;hl von Geborgenheit und Verl&#228;sslichkeit, das man nicht f&#252;r das Linsengericht einiger schneller sexueller Erlebnisse aufs Spiel setzen m&#246;chte. </p>
<p>Eine Folge dieser Art von Verl&#228;sslichkeit ist aber auch eine starke Gew&#246;hnung aneinander, und wo man positiv sagen kann: „Ich habe mich so an dich gew&#246;hnt.“, so muss man in der Paarbeziehung sehr darauf achten, dass aus dieser positiven Gew&#246;hnung nicht ein „Du bist mir so gew&#246;hnlich geworden.“ wird. Sicher sollte ein Gro&#223;teil der Beziehungsarbeit ihr Augenmerk darauf legen, was aber im Alltag, der allzuoft von einer rasanten Eigendynamik gepr&#228;gt ist, sehr h&#228;ufig vernachl&#228;ssigt wird. </p>
<p>Deshalb aber, laufen nicht nur schon besch&#228;digte Beziehungen Gefahr, zum Opfer einer Aff&#228;re zu werden, sondern auch sehr gut funktionierende Partnerschaften, und darunter auch solche, in denen die Erotik durchaus noch einen besonderen, wenn, vielleicht auch zu Recht, nicht mehr den ersten Stellenwert hat.<span id="more-93"></span> </p>
<p>Irgendwann, durch welchen Zufall, oder welchen Vorsatz auch immer, tritt jemand Neues in das Leben eines Partners &#8211; jemand, mit dem man durchaus unterschiedliche Erwartungen verbinden kann, der aber immer eine Spannung zu verhei&#223;en scheint, die einem der Beziehungsalltag scheinbar nicht mehr zu schenken vermag.<br />
Man entdeckt das aufgeregte Herzklopfen wieder und eine erotische Stimulation, die in vielen langj&#228;hrigen Beziehungen vermisst wird, wobei man auch hier nicht &#252;bersehen sollte, dass der vertraute Sex mit dem Partner eine gro&#223;e seelische und k&#246;rperliche Qualit&#228;t in sich birgt, die aber vor dem Hintergrund des Prickelns, das sich am Horizont abzeichnet, allzu schnell verblasst – wenn nicht dauerhaft, so aber zumindest vor&#252;bergehend. </p>
<p>Es ist aber ein recht wahrscheinliches Prinzip des Rauschhaften, wie z.B. einer &#252;berraschenden sexuellen Begegnung, dass es nach dem Raketenprinzip steil nach oben geht, und nach einem kurzen Parabelflug der Schwerelosigkeit in einem j&#228;hen Absturz enden kann. Bedauerlich nur, dass die Rakete beim Aufprall oft tief in der Erde dringt und damit qualitativ an einem Punkt endet, der noch unter dem Ausgangspunkt liegt, der vielleicht nicht ganz so spannend, aber dennoch vertraut und geliebt ist. </p>
<p>Gef&#228;hrlicher sind da schon intensivere Begegnungen, die das Klischee des &#8220;andere Haut sp&#252;ren zu wollen&#8221; insofern &#252;bersteigen, als da ganz viel Z&#228;rtlichkeit und Verschmelzung zu sein scheint &#8211; eine Intensit&#228;t, die man mit dem Partner, f&#252;r etwas anderes, ebenso Tiefes, nicht mehr hat, und die man „im Rausch“ losgel&#246;st von Alltagssorgen sp&#252;ren kann. Man ist dann mit dem anderen Menschen auf Wolke Sieben und muss zusehen, die Bodenhaftung zum Vertrauten und Sicheren nicht zu verlieren. </p>
<p>Wenn man sich dann von seinem Partner trennt, wird man aber oft bemerken, dass vieles mit dem anderen auf Projektionen gegr&#252;ndet ist, und dass einem die Sehnsucht nach diesem, wom&#246;glich ganz besonderen, Menschen, insofern einen Streich spielt, als eben jene Sehnsucht, so real sie sein m&#246;ge, sich gerne als Liebe maskiert und aufspielt und dass sie sich, wenn man den anderen dann wirklich &#8220;haben&#8221; kann, verfl&#252;chtigt, ohne ein tragf&#228;higes emotionales &#196;quivalent zu hinterlassen. </p>
<p>Insofern ist eine lange Beziehung immer ein Handel mit sich selbst. Man gibt Freiheiten und auch Abenteuer auf, f&#252;r etwas anderes, ebenso Tiefes, dass aber den Vorteil der Best&#228;ndigkeit und damit eines befriedigten und gl&#252;cklich gemachten Urvertrauens bietet. </p>
<p>Was den Betrug selbst angeht, ist oberfl&#228;chliches Moralisieren grunds&#228;tzlich keine gute L&#246;sung.<br />
Oft ist es so, dass z.B. ein Freundeskreis sehr eindeutig Position f&#252;r den betrogenen Partner bezieht, w&#228;hrend der vermeintlich B&#246;se ausgegrenzt und isoliert wird, ohne dass jedoch die Au&#223;enstehenden &#252;ber Gr&#252;nde und Ausl&#246;ser des Ausrittes voll orientiert sind. </p>
<p>Wenn man vom Fall des b&#246;swilligen Fremdg&#228;ngers absieht, der trotz eigentlich intakter Verh&#228;ltnisse rein aus sexueller Eigensucht handelt, sind sie Gr&#252;nde f&#252;r einen Fehltritt oft sehr komplex und werden auch von den beiden Betroffenen in der Ursprungsbeziehung auch oft nicht bewusst wahrgenommen und reflektiert. </p>
<p>Leider verhindert aber die zumeist berechtigte Verletzung des betrogenen Partners, dass man das Vergehen, so schmerzhaft und verst&#246;rend es auch war, als etwas begreift, dass es neben dem Sargnagel f&#252;r die Beziehung auch sein kann – n&#228;mlich auch eine Chance, eine Beziehung zu retten, die wom&#246;glich vor dem Hintergehen des einen durch den anderen schon hochgradig defekt war, oder zumindest an einem Mangel an Kommunikation gelitten hat, der das Aussprechen von, durchaus nicht nur erotischen, W&#252;nschen blockiert hat. </p>
<p>Eine Beziehung, die es schafft, eine vor&#252;bergehende Dreieckskonstellation als eine Art Paardepression zu begreifen, aus der das Paar nach einer Phase der Aufarbeitung, des Verzeihens und des langsamen R&#252;ckgewinns an Vertrauen, gest&#228;rkt hervorgehen kann, hat die Chance zu altem Gl&#252;ck zur&#252;ckzufinden. Die Krise kann dann als Wendepunkt auf einem Weg, der bei aller Treue, in die endg&#252;ltige Langweile und sp&#228;tere Trennung gef&#252;hrt h&#228;tte, erlebt werden. </p>
<p>Und dann kann man endlich beginnen, jene Abenteuer zu suchen, die man auch zu Zweit erleben kann, an die man aber schon von Anfang an, oder zumindest seit langer Zeit nicht mehr geglaubt hat. </p>
<p>Buchtipp: Hans Jellouschek &#8211; „Warum hast Du mir das angetan“ </p>
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		<title>Freier Wille, oder&#160;was?</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Aug 2009 11:57:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Denken]]></category>
		<category><![CDATA[Entscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[freier Wille]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Freier Wille, oder nicht? Wir Menschen sind es gewohnt jeden Tag Entscheidungen zu treffen. Schon der ersten Handlung des Tages, dem Aufstehen, liegt eine Willensentscheidung zu Grunde. Wir k&#246;nnten ja auch liegen bleiben, den Arbeitstag Arbeitstag und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Die freie Willensbildung ist vermutlich der Eckpfeiler, der die menschliche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Freier Wille, oder nicht? </p>
<p>Wir Menschen sind es gewohnt jeden Tag Entscheidungen zu treffen. Schon der ersten Handlung des Tages, dem Aufstehen, liegt eine Willensentscheidung zu Grunde. Wir k&#246;nnten ja auch liegen bleiben, den Arbeitstag Arbeitstag und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. </p>
<p>Die freie Willensbildung ist vermutlich der Eckpfeiler, der die menschliche Existenz von der Instinkthaftigkeit des Tieres unterscheidet. Unser Leben besteht aus freien Wahl unter den M&#246;glichkeiten, die jeden Tag an uns herantreten und die wir f&#252;r uns entwerfen. </p>
<p>Nat&#252;rlich h&#246;ren wir uns selbst und andere oft sagen: „Ich kann das nicht weil&#8230;“, aber dieser Satz ist in den meisten F&#228;llen ja nur eine &#220;bersetzung eines: „Es hat keinen Sinn, das zu probieren, weil&#8230;“, was bedeutet, dass wir sehr wohl Anstrengungen in die angesprochenen Richtung unternehmen k&#246;nnten, wenn wir wollten. Wir treffen lediglich die pragmatische Entscheidung, dass eine Handlung in diese Richtung deshalb sinnlos ist, weil das erw&#252;nschte Ergebnis nicht erreichbr scheint. </p>
<p>Aber auch hier spricht der freie Wille. Wir sind letztlich sogar in der Lage, schweren Herzens auf einen Weg zur Selbstverwirklichung zu verzichten, wenn wir diesen Weg als zu beschwerlich, oder das Ziel als unerreichbar ansehen. Ein anderer wiederum mag den Weg bereits als das Ziel betrachten und geht mutig voran – allen Erschwernissen und allen Zweifeln zum Trotz. </p>
<p>Interessanterweise setzen zwei wesentliche, aber grunds&#228;tzlich verschiedenen Weltanschauungen gleicherma&#223;en auf den freien Willen als bestimmendes Element des Menschseins: das Christentum und der Existentialismus, wobei der zweite in der Auslegung Sartres ganz bewusst eine atheistische Philosophie sein soll.<span id="more-91"></span> </p>
<p>&#220;ber das Christentum wissen wohl fast alle mehr, als &#252;ber den Existentialismus – und auch die Rolle des freien Willens im christlichen Glauben ist weitl&#228;ufig bekannt. Nur wenn der Mensch in seinem Handeln frei ist, hat er die Bef&#228;higung zum Guten und das Gute hat nur dann seinen Wert, wenn das B&#246;se m&#246;glich ist. Das ist im Kern auch schon ein Ansatz des Theodiezeeproblems in der Theologie, bei dem sich die Frage stellt, warum ein guter Gott das B&#246;se in der Welt zulassen kann. </p>
<p>Im Christentum gibt es Regeln von au&#223;en, aber wir sind frei diese zu befolgen, oder nicht. </p>
<p>Der Existentialismus hat eine andere Marschrichtung. Sartre zitiert einen Satz Dostojeweskis: „Wenn Gott nicht existiert, ist alles erlaubt.“ und formuliert um diesen Gedanken herum das Konzept einer Ethik, das ganz ohne ein &#228;u&#223;eres Regelwerk auskommt, und den Menschen brutal auf seine Eigenverantwortung wirft.<br />
F&#252;r ihn sind wir im Handeln allein gelassen, nur auf unseren freien Willen verwiesen, mit dem wir in jeder Minute unseres Daseins aus den gegebenen M&#246;glichkeiten ausw&#228;hlen, und eben auch mit den Konsequenzen unseres Handelns leben m&#252;ssen. </p>
<p>W&#228;hrend jedoch die Religion die menschliche Freiheit als Gut und als Geschenk an den Menschen begreift, neigt sie Existenzphilosophie dazu, die Qual in der Wahl zu betonen. Der Mensch ist zur Freiheit verdammt &#8211; eine objektive Moral existiert nicht, und f&#252;r alles, das wir tun, m&#252;ssen wir die volle Verantwortung &#252;bernehmen. </p>
<p>Insofern ist der Existentialist freier als der Christ, weil im zweiten Fall zumindest klar ist, welches Verhalten von Gott erw&#252;nscht ist, und es nur gilt, den Verf&#252;hrungen s&#252;&#223;er S&#252;nden zu widerstehen, w&#228;hrend im ersten Fall das Gute und das B&#246;se gleich m&#246;glich sind, was dem Menschen eine &#228;u&#223;ere Leitlinie f&#252;r dessen Handeln verweigert. </p>
<p>In der Wissenschaft mehren sich allerdings Zeichen, dass es mit dem freien Willen nicht so einfach bestellt ist, wie der Mensch entweder t&#228;glich stillschweigend voraussetzt, oder wie er es aktiv glauben mag, wenn er diese Grundfrage bedenkt. Neueste Ergebnisse der Hirnforschung legen nahe, dass jede unserer Handlungen im Vorfeld von physiologischen Hirnprozessen begleitet werden, die keine andere, als die gezeigte Handlung zulassen konnten, auch wenn wir subjektiv annehmen, eine Wahl gehabt zu haben. </p>
<p>F&#252;r diese Handlungsgrundlage gibt es aber auch Ursachen, die nicht allein biologischer Natur sind, die sich aber in der Schaltzentrale unseres Kopfes abbilden und verarbeitet werden. Dass das Gehirn auf einen Schmerzreiz mit Vermeidung reagiert ist nat&#252;rlich verst&#228;ndlich, aber auch Erziehung und Sozialisation stellen ja Handlungsrahmen zur Verf&#252;gung, in denen wir uns bewegen k&#246;nnen. </p>
<p>Im Kopf w&#228;gen wir m&#246;gliche Verhaltensweisen, sozial erlaubte, ebenso wie unerlaubte, ab, bevor wir zur Tat schreiten und oft glauben wir, dass gerade das &#220;bertreten sozialer, oder anderer Verbote ein Zeichen f&#252;r willentliches Handeln ist, weil es einen gewissen Mut und &#220;berwindung kosten kann. Dabei &#252;bersehen wir aber zu leicht, dass uns ein anderer, vermutlich st&#228;rkerer Impuls, wie z.B. ein Lustempfinden, dazu bewogen haben, das andere, das vermeintlich „Falsche“ zu tun. </p>
<p>Der Hirnforschung gelingt es offenbar zur Zeit schon recht gut, bei einfacheren Lebensformen ein Verhalten &#252;ber die dahinter liegenden physiologischen Prozesse zu verstehen, und es stellt sich sehr die Frage, ob das beim Menschen so ganz anders ist, mit dem Unterschied, dass dessen Komplexit&#228;t nat&#252;rlich das Verst&#228;ndnis der Prozesse erschwert, die aber dennoch unvermeidlich stattfinden. </p>
<p>Auch ein paar andere einfache &#220;berlegungen k&#246;nnen helfen zu verstehen: </p>
<p>wenn wir etwas tun, oder besser, getan haben, k&#246;nnen wir in aller Regel Gr&#252;nde daf&#252;r angeben, warum wir uns f&#252;r unsere Handlung zum Nachteil einer anderen entschieden haben.<br />
Gr&#252;nde kommen aber nicht aus dem Nichts – sie liegen entweder in einem Bed&#252;rfnis, egal ob es sich um ein Grundbed&#252;rfnis, oder ein Lustempfinden handelt, denen man recht einfach eine physiologische Entsprechung zuordnen kann, oder folgen einer Abw&#228;gung, entweder praktischer, oder ethischer Natur, die aber wiederum nat&#252;rlich auf pers&#246;nlichen Angelegtheiten fu&#223;en. </p>
<p>Das gibt dem ganzen Prozess der Entscheidungsfindung aber einen kausalen, sich zwangsweise &#252;ber Ursache und Wirkung entwickelnden Anstrich. </p>
<p>Auch muss man sich sehr fragen, ob das Gef&#252;hl der M&#246;glichkeit von A oder B vor der Handlung nicht rein subjektiv ist, wenn der sp&#228;ter bereits vollzogene Akt doch scheinbar erweist, dass streng genommen nur eine M&#246;glichkeit bestand, weil wir eben Gr&#252;nde daf&#252;r angeben k&#246;nnen, die schwerer wogen als jene, die f&#252;r die Alternative sprachen. </p>
<p>Ohne mich da festlegen zu wollen, liegt also der Verdacht nahe, dass das Grundprinzip des Menschseins und die Basis seines Erfolges in der Natur nicht der freie Wille selbst ist, sondern nur die Illusion desselben, und dass diese Illusion einer der Gr&#252;nde daf&#252;r ist, dass der Mensch (obwohl prinzipiell genauso, aber eben nur komplexer als programmiert, als ein Tier), nichts weiter als eine Maschine aus biologisch abbaubaren Bauteilen ist. </p>
<p>All das h&#228;tte nat&#252;rlich auch weitreichende ethische Folgen, z.B. f&#252;r das Strafrecht, das ja auch bei bestimmten Delikten schon die mangelnde „Steuerungsf&#228;higkeit“ eines Delinquenten ber&#252;cksichtigt. Was w&#228;re, wenn jeder T&#228;ter sich unter den „Schutz“ einer gar nicht gegebenen Willensfreiheit zur&#252;ckziehen k&#246;nnte? </p>
<p>W&#252;rde der Richter dann urteilen und sagen: „Auch das Volk hat keinen freien Willen und unterliegt darin dem Zwang sich sch&#252;tzen zu m&#252;ssen. Der Angeklagte wird nicht zur Strafe, aber zum Schutz der Allgemeinheit verurteilt, in der Hoffnung, ihn in der Form umprogrammieren zu k&#246;nnen, dass er keine Gefahr mehr f&#252;r die Menschen darstellt.“ ? </p>
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		<title>Mut oder&#160;Tollk&#252;hnheit</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Aug 2009 11:55:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nachgedacht]]></category>
		<category><![CDATA[Armee]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Kriegsdienstverweigerung]]></category>
		<category><![CDATA[Soldat]]></category>

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		<description><![CDATA[Kaum eine Kriegsszene in einem Film ist aufw&#252;hlender und realistischer gemacht, als die Landung an Frankreichs K&#252;ste in „Ein Soldat namens James Ryan“. Wie Ameisen springen Soldaten aus ihren Landungsbooten und waten schwer bepackt und schie&#223;end ans Ufer, an dem ein schier uneinnehmbarer Bunker der Reichswehr sie erwartet, bemannt mit Soldaten des Gegners und schweren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kaum eine Kriegsszene in einem Film ist aufw&#252;hlender und realistischer gemacht, als die Landung an Frankreichs K&#252;ste in „Ein Soldat namens James Ryan“. </p>
<p>Wie Ameisen springen Soldaten aus ihren Landungsbooten und waten schwer bepackt und schie&#223;end ans Ufer, an dem ein schier uneinnehmbarer Bunker der Reichswehr sie erwartet, bemannt mit Soldaten des Gegners und schweren Maschinengewehren. </p>
<p>Die amerikanischen GI marschieren nach vorne und sterben wie die Fliegen. Maschinengewehrfeuer rattert, M&#246;rsergranaten schlagen ein, und verst&#252;mmelte Soldaten, denen K&#246;rperteile fehlen, und bei denen die D&#228;rme aus dem aufgerissenem B&#228;uchen quellen pflastern den Strand. Sanit&#228;ter robben zwischen ihnen hin und her, ein Arzt bestimmt mit einem schnellen und ge&#252;bten Blick, wem geholfen wird und wer nur eine Morphiuminjektion bekommt, um m&#246;glichst schmerzfrei verbluten zu k&#246;nnen. </p>
<p>Bedr&#252;ckend, wie sich meine Haltung zu den dargestellten Greueln ver&#228;ndert.<br />
Haben mich die ersten explizit gezeigten verst&#252;mmelten Gliedma&#223;en noch erschreckt und verst&#246;rt, so sp&#252;re ich mit fortschreitender Dauer des brutalen Schlachtens, wie das schon zur Routine wird, wie sich mein Fokus wieder auf die Kampfhandlungen richtet, an denen die Hauptdarsteller beteiligt sind. Nat&#252;rlich wird noch gestorben und versehrt, aber die st&#252;rzenden Leiber der Getroffenen verkommen zur realit&#228;tsnahen Staffage der filmischen Dramaturgie. </p>
<p>In einem Moment des Innehaltens denke ich mich zur&#252;ck zu den realen Geschehnissen, die diesen bedr&#252;ckenden Szenen die Vorlage geboten haben, und frage mich, was wohl in den K&#246;pfen der jungen M&#228;nner vorgegangen sein muss, die in den Booten auf das Ufer zuglitten und die wissen mussten, dass die Eroberung der Gestade nach dem Muster eines einfachen blutigen Abz&#228;hlreimes vor sich gehen musste. Es m&#252;ssen so viele von ihnen geopfert werden, bis ein Teil den Weg an den Strand und in den toten Winkel des Bunkers schafft, aus dem heraus ein ebensolches Gemetzel an den vermeintlich „B&#246;sen“ geplant und in Angriff genommen werden kann, die selbst schon jung, als S&#246;hne, oder V&#228;ter kleiner Kinder von ihren Familien getrennt und in den Kampf geschickt wurden.<span id="more-88"></span> </p>
<p>Ich bin selbst Kriegsdientverweigerer, noch zu einer Zeit, als Pershingraketen und der Nato-Doppelbeschluss den Bl&#228;tterwald bestimmten, habe die letzten Jahre und das Ende des kalten Krieges erlebt. Doch interessiert mich hier nicht die moralische Frage, ob ein Krieg &#252;berhaupt zu rechtfertigen ist, sondern die Gedanken in den K&#246;pfen jener, die sich an einem solchen Tag zum Opferlamm machen – ein Tag, von dem sie vermeintlich wissen mussten, dass ihr &#220;berleben keine Frage k&#228;mpferischen Geschicks, sondern einfach eine Frage puren Gl&#252;cks sein musste. </p>
<p>Was bewegte diese Soldaten voranzust&#252;rmen, obwohl sie ein t&#246;dlicher Kugelhagel erwartete? </p>
<p>War es der Glaube an die Gute Sache und die Liebe zu ihrem Vaterland? War es insofern heroischer Mut, der sie antrieb &#8211; ein Mut, der jegliche Gefahr im Vertrauen auf g&#246;ttliche F&#252;gung in den K&#246;pfen auszublenden vermochte? Oder ist genau dieser Mut irreal, weil er nicht auf einer echten &#220;berwindung der Angst beruht,nach dem man ihr wachen Sinnes ins Auge gesehen hat? </p>
<p>War es nicht vielmehr die Kombination eines starren Prinzips von Befehl und Gehorsam, gekoppelt mit einem sich gegenseitig Aufputschen, sowie einem Angebtriebenwerden durch die Vorgesetzten, der die nat&#252;rlichen Selbsterhaltungsmechanismen au&#223;er Kraft gesetzt und durch eine widernat&#252;rliche Tollk&#252;hnheit ersetzt hatte? </p>
<p>Brauchte es wirklich mehr Tapferkeit, als die des ersten Schrittes, weil danach das Adrenalin die F&#252;hrung in Geist und K&#246;rper &#252;bernommen hatte, w&#228;hrend das Anrennen selbst wie in Trance erfolgte, bis eine Kugel t&#246;dlich traf, oder eine Granate einen Teil des K&#246;rpers vernichtete? </p>
<p>Wie wird wohl der Moment gewesen sein, wenn ein Geschoss den eben noch jugendlich starken K&#246;rper traf, so als sei er mit voller Wucht gegen eine Wand geprallt – ein Treffer, der den Atem raubte und die Beine unter dem K&#246;rper wegriss, bis man blutend und schreiend auf dem Boden lag, und, mit ein wenig Gl&#252;ck durch den Schock vor den &#228;rgsten Schmerzen gesch&#252;tzt, aufs Sterben wartete? </p>
<p>Diese Fragen habe ich mir gestellt, und auch wieviel Unterschied zwischen diesem pers&#246;nlichen, schmerzvollen Sterben, und dem unterk&#252;hlten Klang des Briefes von der Front an die Familie bestanden haben muss. Ein Mitglied der Familie sei im Kampf gefallen und habe gro&#223;e Tapferkeit bewiesen. Der Staat bedauert und betrauert den schweren Verlust und spricht sein Beileid daf&#252;r aus, dass ein junges Leben f&#252;r ein vermeintlich h&#246;heres Ziel geopfert werden musste? </p>
<p>Mir wird wieder ganz klar, dass hinter der Zahl der Gefallenen in den Nachrichten immer die genau gleiche Zahl von Einzelschicksalen steht, die jeder ganz individuell Menschen hinterlassen, die sie liebten und die sie geliebt haben, und dass jeder Einzelne, trotz der Vermassung einer statistischen Zahl, einen ganz pers&#246;nlichen Tod gestorben ist. </p>
<p>Und wieder, nach fast drei&#223;ig Jahren, bin ich mir sicher, dass ich wieder den Schritt von damals gehen w&#252;rde. Zu t&#246;ten und sich der Gefahr, get&#246;tet zu werden auszusetzen, darf immer nur meine pers&#246;nliche Entscheidung sein und bleiben – und ich darf mir diese Entscheidung nie durch andere abnehmen lassen&#8230; </p>
<p>Und wieder nehme ich mir vor, mit meinem Sohn ein weiteres Gespr&#228;ch zu f&#252;hren&#8230;. </p>
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		<title>Auf der Suche nach dem&#160;Sinn</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Aug 2009 11:51:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Sinn des Lebens]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Welt ist ein Panoptikum &#8211; dies ist f&#252;r mich eine unumst&#246;&#223;liche Tatsache. Ein buntes Kaleidoskop sonderbarer Gestalten bev&#246;lkert unseren Planeten und fristet sein existentiell k&#228;rgliches Dasein auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Nun ist die Suche nat&#252;rlich keine einfache &#8211; manch einer glaubt, der Sinn fliege durch die Luft und kann eingefangen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Welt ist ein Panoptikum &#8211; dies ist f&#252;r mich eine unumst&#246;&#223;liche Tatsache.<br />
Ein buntes Kaleidoskop sonderbarer Gestalten bev&#246;lkert unseren Planeten und fristet sein existentiell k&#228;rgliches Dasein auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. </p>
<p>Nun ist die Suche nat&#252;rlich keine einfache &#8211; manch einer glaubt, der Sinn fliege durch die Luft und kann eingefangen werden wie<br />
ein farbenfroher Schmetterling. Er jagt ihm nach, hascht nach ihm und kann ihn dennoch nicht fassen.<br />
Die anderen sehen sein H&#252;pfen und fr&#246;hliches Rudern mit den Armen und bedauern den armen Irren, der best&#228;ndig den Bodenkontakt zu verlieren scheint und am Ende mehr wie eine plumpe Motte wirkt, die versucht einen Schmetterling zum Beischlaf zu &#252;berreden. </p>
<p>Ein anderer glaubt den Sinn in der Erde zu finden. Er w&#252;hlt im Dreck und versucht dort den Dingen auf den Grund zu gehen.<br />
Er sucht den Sinn in dem Teil der Welt, der von seinen Artgenossen vornehmlich mit F&#252;&#223;en getreten wird, die Finger wund vom Kampf gegen das Erdreich und die Nase schmutzig vom St&#246;bern im Unrat nach der ultimativen existentiellen Tr&#252;ffel. </p>
<p>Gemeinhin f&#252;hlt sich gerade die W&#252;hlmaus der Motte &#252;berlegen, weil sie glaubt die Welt verstanden zu haben und frei von<br />
Illusionen zu sein. Doch sie w&#252;hlt so lange, bis ihr die Kraft ausgeht und ein anderer ihr die Grube gr&#228;bt, in der ihr Sinn zu finden ist.<span id="more-84"></span></p>
<p>Ein dritter sucht den Sinn in sich selbst. Leider ist ihm auf der Suche nach h&#246;heren Einsichten in seinem Kopf nur allzu h&#228;ufig die Verdauung im Weg. Es ist ziemlich schwierig, hochfliegenden Gedanken nachzuh&#228;ngen, wenn ein Furz sich Bahn brechen m&#246;chte aus dem Kellergew&#246;lbe der Denkfabrik, die er zu sein glaubt, und ein darmatisches Inferno ank&#252;ndigt, nach dessen Eintreten man glauben mag, das Ziel allen menschlichen Trachtens l&#228;ge im vegetativen Nervensystem verborgen. </p>
<p>Ein weiterer glaubt ein ganz schlauer zu sein. Er sucht den Sinn in B&#252;chern. Diese haben den ganz unbestreitbaren Vorteil, weder<br />
h&#252;pfen noch kriechen, noch best&#228;ndig m&#252;ssen zu m&#252;ssen. Man kann zuhause auf dem Sofa sitzen, den Sinn studieren und einen Kaffee schl&#252;rfen.<br />
Existentialisten nehmen ihn &#8220;au lait&#8221;, trinken einen Pastis dazu und r&#228;sonnieren &#252;ber den freien Willen, wenn sie sich nicht gerade ins Buch einer Motte, einer W&#252;hlmaus oder eines Kackadu vergraben haben. Fr&#252;her war der B&#252;cherwurm der Kl&#252;gste unter den Sinnsuchern &#8211; </p>
<p>auch er konnte ihn zwar nicht finden, aber immerhin musste er sich daf&#252;r nicht verausgaben, oder sich vor den anderen zum Affen machen. </p>
<p>Heutzutage sucht man jedoch den Sinn im Internet. Das ist sogar ziemlich praktisch, weil Wikipedia automatisch aktualisiert wird, wenn jemand etwas neues &#252;ber den Sinn in Erfahrung gebracht hat. Au&#223;erdem ist Wikipedia objektiv und &#252;ber jeden Zweifel erhaben.<br />
Die Motte, die W&#252;hlmaus, der Kackadu und der B&#252;cherwurm sind online und verfolgen gespannt die neuesten Tendenzen in der Sinnforschung, w&#228;hrend fast alle nebenher auftretenden menschlichen Bed&#252;rfnisse &#252;ber das gleiche Medium abgewickelt werden k&#246;nnen. </p>
<p>F&#252;r den kleinen Hunger zwischendurch bestellt man sich im Web seine Pizza Debilia, platziert sie neben dem Monitor und stellt &#252;berrascht fest,dass ein Vorteil der Laserm&#228;use neuster Generation darin besteht, dass sie auch auf verlaufenem Mozarella funktionieren. </p>
<p>Auch gelegentliche sexuelle und bei der Sinnsuche eher st&#246;rende Anwandlungen k&#246;nnen mithilfe einer Kreditkarte und flinken Fingern schnell aus der Welt geschafft werden.<br />
Sogar die Liebe l&#228;sst sich online finden, und ganze Beziehungen k&#246;nnen mithilfe einer Webcam und eines Headset<br />
simuliert werden, was zumindest den unbestreitbaren Vorteil hat, dass man die Ausd&#252;nstungen des Partners nicht ertragen muss, und dass eheliche Gewalt eher keine Gefahr zu sein scheint.. </p>
<p>Man kann sich also ganz auf die Suche nach dem Sinn konzentrieren, der sich irgendwo hinter der Bildschirmdiagonale des heimischen Monitors zu verbergen scheint.<br />
Mithilfe von Maus, Tastur und Gugel&#246;rs kann an die ganze Welt nach dem Sinn absuchen und sich in Internetforen mit anderen Usern &#252;ber seine neuesten Fortschritte austauschen. </p>
<p>Eine sch&#246;ne neue Welt. </p>
<p>Nach einer Weile erfolglosen Suchens jedoch &#252;berf&#228;llt einen die Einsicht mit brachialer Gewalt:<br />
Man hat im Wald vor lauter B&#228;umen denselben vollst&#228;ndig &#252;bersehen, und den Sinn bereits gefunden, ohne es zu bemerken. </p>
<p>Der Sinn soll uns ausf&#252;llen, unser Herz begeistern und unser Leben bereichern. Er soll das verbindende Element zwischen unseren Handlungen sein, uns zu H&#246;herem berufen und unser Handeln positiv bestimmen. Er soll die Zeit zwischen Leben und Tod interessant, wertvoll und gl&#252;cklich machen und uns<br />
bef&#228;higen ein besserer und gl&#252;cklicher Mensch zu sein. </p>
<p>Doch all das haben wir l&#228;ngst gefunden und sind bereits auf wunderbarste Weise tief mit ihm verwoben:<br />
ein Hoch auf den Sinn des Lebens &#8211; es lebe das Sinnternet. </p>
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		<title>Meditationen &#252;ber den&#160;Tod</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Aug 2009 11:48:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Meditation]]></category>
		<category><![CDATA[Sinn des Lebens]]></category>
		<category><![CDATA[Sterben]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich meditiere nicht, aber ich habe seltene und kostbare meditative Momente. Der unerm&#252;dlich kreisende Gedankenl&#246;ffel in der gro&#223;en R&#252;hrsch&#252;ssel meines Kopfes kommt f&#252;r eine Weile zu Ruhe und ich kann mich einen Moment zur&#252;ckziehen aus der permanenten Produktion von Sinn und Unsinn, die in meinem Gehirn mit der Konstituierung meiner Welt einhergehen. In diesen Momenten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich meditiere nicht, aber ich habe seltene und kostbare meditative Momente. </p>
<p>Der unerm&#252;dlich kreisende Gedankenl&#246;ffel in der gro&#223;en R&#252;hrsch&#252;ssel meines Kopfes kommt f&#252;r eine Weile zu Ruhe und ich kann mich einen Moment zur&#252;ckziehen aus der permanenten Produktion von Sinn und Unsinn, die in meinem Gehirn mit der Konstituierung meiner Welt einhergehen. </p>
<p>In diesen Momenten aber strebe ich nicht nach einer Befreiung vom Denken an und f&#252;r sich, weil ich akzeptiert habe, dass die best&#228;ndige Reflektion ein Grundbestandteil meines Charakters und damit auch meiner Existenz ist. Vielmehr ziehe ich mich in mich zur&#252;ck und lasse die vielf&#228;ltigen Str&#246;me in meinem Kopf sich zu einem ruhigen Fluss vereinigen, indem es mir gelingt das wilde Spiel der Assoziationen zu b&#228;ndigen und zum Verstummen zu bringen. </p>
<p>Sonderbarerweise erlebe ich diese meditativen Momente am st&#228;rksten, wenn ich mich mit schwersten und schwierigsten Gedanken besch&#228;ftige. Oftmals besch&#228;ftigen mich weltanschauliche Probleme, durch die mein Denken und Empfinden in diesem intensiven Moment gegen jede St&#246;rung von innen gefeit sind. </p>
<p>Oder ich blicke in den Himmel, oder in die Wipfel der B&#228;ume und sehe Figuren, betrachte das leichte Wogen der Baumkronen und mache meinen Frieden mit meiner Endlichkeit.<br />
Diese Momente sind nicht prim&#228;r R&#252;ckzug aus der Welt, sondern vielmehr ein reichhaltiges Mich-Versenken in die Existenz &#8211; eine Art, meinem Kern am n&#228;chsten zu kommen und zu sp&#252;ren, dass dieser Kern &#252;ber ein energetisches Band mit der Welt verbunden ist. </p>
<p>Manchmal konfrontiere ich mich mit dem Tod. Statt ihm in allerlei Gedanken zu Alltagsgesch&#228;ften und Trivialit&#228;ten auszuweichen, denke ich mich voran zu dem Tag, an dem er mich ereilen wird, und frage mich, wie sich dieser letzte Moment, sofern ich ihn wachen Sinnes erleben kann, anf&#252;hlen mag, welches Bewusstsein mich in jenem Augenblick &#252;berfallen wird, und auf wen ich an meiner Seite hoffen darf.<span id="more-81"></span></p>
<p>Diese Konfrontation hat, im Gegensatz zum best&#228;ndigen Ausweichen vor dieser letzten Grenze im Alltag, bei allem damit einhergehenden Schrecken aber auch etwas Erfrischendes. </p>
<p>Sie ruft mich an, mein Leben als etwas Kostbares zu begreifen, und jedem einzelnen Tag einen besonderen Wert beizumessen. Sie fordert mich auf, mich im best&#228;ndigen Abgleich des Strebens nach „Sinn“ mit den Erfordernissen der Allt&#228;glichkeit zu stellen, und mich auf diesem Grat so zu bewegen, dass ich mich, im Angesicht meines letzten pers&#246;nlichen Schrittes, weder resignierend und selbstmitleidig in ein weltabgewandtes Schneckenhaus zur&#252;ckziehe, noch mich ohne Unterlass von den gurgelnden Wildb&#228;chen der Trivialit&#228;t davonrei&#223;en lasse. </p>
<p>Im ersten Fall wird der Mensch weltfremd, eigenbr&#246;tlerisch und vereinsamt in seiner Verzweiflung, w&#228;hrend im zweiten Fall das Leben dahinrauscht, bis das strudelnde Wasser in den letzten Ozean m&#252;ndet, und man sich fragt, ob das schon alles gewesen sein soll, und warum man nicht mehr von den Dingen geschafft hat, die man sich fr&#252;her als von existentieller Bedeutung ertr&#228;umt hat. </p>
<p>Manches Mal, wenn ich mich in einer gro&#223;en Menschenmenge befinde, &#252;berf&#228;llt mich der Gedanke, dass von all diesen verschiedenen Leben, das meine eingeschlossen, im besten Fall noch eine Erinnerung in den Herzen jener bleiben wird, die uns &#252;berdauern, die aber sp&#228;ter wieder selbst vom gro&#223;en Gleichmacher angerufen und zum finalen Stelldichein gebeten werden. </p>
<p>In dieser Vorstellung wird zugleich etwas Erschreckendes, wie auch etwas paradox Beruhigendes offenbar. Im Gegensatz zu fast allen Dingen des Lebens und der Unbestimmtheit der Schicksalswaage, hat der Tod eine sichere Gewissheit, die im krassen Gegensatz zur Unw&#228;gbarkeit der Lebensf&#252;hrung steht. Ein ber&#252;hmter Philosoph nannte ihn einmal, verk&#252;rzt dargestellt, die letzte, un&#252;berholbare, un&#252;bertragbare, allein zeitlich ungewisse M&#246;glichkeit der Existenz, und in dieser „Un&#252;bertragbarkeit“ klingt schon an, dass er zwar als Massenph&#228;nomen unabweisbar, aber im Prinzip eine ganz pers&#246;nliche Sache f&#252;r jeden ist, die wir sprichw&#246;rtlich „letzten Endes“ nicht in der Hand haben, weil der Tod es ist, der uns in seiner Hand hat. </p>
<p>Aber das Beste aus ihm zu machen, kann nur im Leben gelingen, denn in ihm und nach ihm ist kein Tun und Machen mehr m&#246;glich, insofern er tats&#228;chlich die menschlich letzte M&#246;glichkeit ist. </p>
<p>Es ist, als seien wir in die weit ge&#246;ffnete Hand es Todes geboren, die sich mit den Jahren langsam um uns schlie&#223;t. Wir existieren im Licht des Lebens, in dem die Schatten von den sich langsam zusammenschlie&#223;enden Fingern immer mehr werden, bis die Dunkelheit uns ganz umfasst. </p>
<p>Aber es kommt auch auf die innere Einstellung an: h&#246;rt sich das eben Gesagte noch schwerm&#252;tig und be&#228;ngstigend an, so kann man eben diese Hand, die ja selbst nur eine Metapher f&#252;r etwas anderes ist, auch als Bild f&#252;r ein anderes Bild begreifen – als seien wir der Bl&#252;tenstaub in einer Bl&#252;te, der Zeit hat sich auf den Weg in die Welt zu machen, Spuren zu hinterlassen und sich fortzupflanzen, bevor die Bl&#252;tenbl&#228;tter sich zur Nacht langsam schlie&#223;en. </p>
<p>Paradoxerweise haben Literatur und Philosophie den Tod schon oft als den gro&#223;en Schlaf begriffen, w&#228;hrend sie ebenso gelegentlich den Schlaf, als eine Art kleinen Tod verstanden haben.<br />
Und so finde ich Trost in einem Bild und in einem Wort, das im Alltagsgebrauch, gerade weil es das am wenigsten allt&#228;gliche Tun begleitet, einen negativen Beiklang hat.<br />
So wie wir am Ende eines angef&#252;llten Tages m&#252;de in die Kissen sinken, so glaube ich auch daran, dass wir im besten Sinne des Wortes „lebensm&#252;de“ werden k&#246;nnen und irgendwann, wenn auch nie freiwillig, so aber doch den letzten Schritt akzeptierend, gehen k&#246;nnen. </p>
<p>Doch ist es mit der letzten gro&#223;en M&#252;digkeit so, wie mit der M&#252;digkeit, die uns jeden Tag ereilt.<br />
Wir k&#246;nnen einfach ersch&#246;pft von sinnlosem Tun, wie an Marionettenf&#228;den gezogen, ins Bett gezwungen werden und mit einem letzten Aufst&#246;hnen der zerqu&#228;lten Seele hinwegd&#228;mmern, oder aber, erf&#252;llt von einem gro&#223;en Reichtum des Gesehenen und Erlebten, mit einem befreienden Seufzer und vielen sch&#246;nen Erinnerungen in einen tiefen, erl&#246;senden Schlaf fallen. </p>
<p>Es gilt, aus dem Unausweichlichen das Beste zu machen. Aber das Beste dieses Unausweichlichen liegt eben nicht im Tod selbst, sondern im Davor des Lebens. </p>
<p>Schlie&#223;en m&#246;chte ich mit einem Gedicht Rilkes, das mich immer sehr bewegt, wenn ich es lese: </p>
<p>Herbst </p>
<p>Die Bl&#228;tter fallen, fallen wie von weit,<br />
als welkten in den Himmeln ferne G&#228;rten;<br />
sie fallen mit verneinender Geb&#228;rde.<br />
Und in den N&#228;chten f&#228;llt die schwere Erde<br />
aus allen Sternen in die Einsamkeit. </p>
<p>Wir alle fallen. Diese Hand da f&#228;llt.<br />
Und sieh dir andre an: es ist in allen.<br />
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen<br />
unendlich sanft in seinen H&#228;nden h&#228;lt. </p>
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		<title>Halt&#160;Polizei!</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Aug 2009 11:44:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist noch fr&#252;h am Morgen. Die Sonne ist eben aufgegangen und der Verkehr auf der Autobahn flie&#223;t st&#246;rungsfrei dahin. Aus meinem CD-Spieler klingt meine Lieblingsband, und obwohl ich kein begeisterter Autofahrer bin, genie&#223;e ich die Minuten f&#252;r mich auf dem t&#228;glich gleichen Weg zur Arbeit, bevor mich Kollegen, Kunden und Vorgesetzte wie jeden Tag [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist noch fr&#252;h am Morgen. Die Sonne ist eben aufgegangen und der Verkehr auf der Autobahn flie&#223;t st&#246;rungsfrei dahin. Aus meinem CD-Spieler klingt meine Lieblingsband, und obwohl ich kein begeisterter Autofahrer bin, genie&#223;e ich die Minuten f&#252;r mich auf dem t&#228;glich gleichen Weg zur Arbeit, bevor mich Kollegen, Kunden und Vorgesetzte wie jeden Tag gegen eine geringe monatliche Aufwandsentsch&#228;digung in die Maske des freundlichen Hans Dampf zwingen, der f&#252;r jeden stets ein offenes Ohr und eine hilfsbereite Hand zur Verf&#252;gung hat.</p>
<p>Die Autobahn ist durchaus befahren, aber noch lange nicht voll, und ich fahre jeden Morgen eine halbe Stunde fr&#252;her als n&#246;tig, um dem Stau zu entgehen, der sich in in paar Minuten am Autobahnkreuz hinter mir in die Stra&#223;e ergie&#223;en wird, als w&#252;rde ein Vulkan hei&#223;es Metall speien und seine chromgl&#228;nzende Lava in den engen Kanal zwischen den Leitplanken flie&#223;en lassen.</p>
<p>Ich blicke nach vorn, das Lenkrad locker in der linken Hand, w&#228;hrend die Finger der rechten im Takt zur Musik auf meinen Schenkel trommeln. Neben mir auf dem Beifahrersitz finden sich wie immer mein Handy und mein Akkurasierer – beide Zeichen meines Morgenrituals, das einen Anruf bei meinem Sohn, kurz bevor er zur Schule geht, und eine Rasur bei 120km/h vorsieht.</p>
<p>W&#228;hrend ich mich mit meinem Gef&#228;hrt geschmeidig durch die langsam anschwellende Woge des Berufsverkehrs schl&#228;ngele, n&#228;here ich mich einer jener typischen Lendkradschnecken, die sich angstvoll an ihr Volant krallen, die Nase an die Windschutzscheibe dr&#252;cken und versuchen ihr Auto vernunftwidrig mit Hilfe des Bremspedals zum Ziel zu bugsieren.<br />
Das Steuer in der Linken, den Rasierer in der Rechten und ein Auge im R&#252;ckspiegel, um die ordnungsgem&#228;&#223;e Schur zu gew&#228;hrleisten, lenke ich meinen Wagen routiniert auf die &#220;berholspur und sehe im letzten Moment einen gr&#252;nen Farbtupfer im Seitenspiegel aufpoppen.</p>
<p>Polizei!</p>
<p>Ich lasse den Rasierer fallen und setze blitzschnell den Blinker, um nicht unangenehm aufzufallen und wegen einer Lappalie ein Kn&#246;llchen zu bekommen, nur weil der Staat in Zeiten der Wirtschaftskrise auf jeden rostigen Heller angewiesen ist. Schnell bin ich an der Schnecke vorbei, entspanne mich etwas und steuere zur&#252;ck auf die rechte Spur.</p>
<p>Mir ist immer ein bisschen mulmig, wenn unser aller Freunde und Helfer mir auf der Autobahn begegnen, und auch heute habe ich das Gef&#252;hl, dass sie es nur auf mich abgesehen haben. Irgendwie scheinen sie ihre Geschwindigkeit &#252;ber aus exakt der meinen anzupassen und nur auf einen kleinen Fehler zu warten, um unter dem Deckmantel der Verkehrssicherheit das S&#228;ckel des Verwaltungswasserkopfes zu f&#252;llen.</p>
<p>Ich konzentriere mich aufs Fahren, &#252;berlege fieberhaft, wie nochmal die Abstandsberechnung funktioniert, und frage mich zweifelnd, wann ich zuletzt die R&#252;cklichter auf ihre Tauglichkeit &#252;berpr&#252;ft habe. Meines Wissens m&#252;ssen sie in Ordnung sein, zumindest kann ich mich grob erinnern, sie zuletzt beim Beladen des Hecks am Baumarkt in Aktion gesehen zu haben.<br />
Bei dem Bremsleuchten bin ich da gar nicht so sicher. Ich werde nerv&#246;s und beginne meine Geschwindigkeit so zu w&#228;hlen, dass ich nach M&#246;glichkeit nicht bremsen muss.</p>
<p>T&#220;V und ASU sind ok, Reifenprofil sollte in Ordnung sein – aber Mist – habe ich eine Warnweste im Auto? Mich plagt das schlechte Gewissen und meine H&#228;nde werden zunehmend feuchter.<br />
Trotz meiner nun defensiven Fahrweise l&#228;sst sich der n&#228;chste Schnecken&#252;berholvorgang nicht vermeiden, ich besinne mich kurz der Position des Blinkers, der in meinen Augen ansonsten nur Staffage ist, dr&#252;cke aufgeregt den Hebel nach unten und&#8230;</p>
<p>verdammt! –</p>
<p>rechts blinken, links &#252;berholen, und der Jagdinstinkt der gr&#252;nberockten Exekutive w&#228;re geweckt. Schnell den Hebel nach oben, kurz aufs Gas&#8230;</p>
<p>KRACK! -<span id="more-77"></span></p>
<p>der Rasierer &#8211; und die Beschleunigung des Wagens bleibt ein sch&#246;ner Traum in der gerade den Horizont erklimmenden Morgensonne.</p>
<p>W&#228;hrend ich mich bem&#252;he, aufrecht zu sitzen und &#252;beraus souver&#228;n zu wirken, versuche ich das brummende Teil mit den F&#252;&#223;en aus der Gefahrenzone zu bugsieren und hoffe, dass es nicht unter die Bremse ger&#228;t, w&#228;hrend gerade ein LKW vor mir ausschert, um mit einem mehrmin&#252;tigen &#220;berholvorgang zu beginnen.</p>
<p>Geschafft!</p>
<p>Der Apparat brummt unter dem Vordersitz, der eben noch ersterbende Motor heult auf, und ich ziehe gekonnt nach links, um die vierr&#228;drige Verkehrsbehinderung vor mir zu &#252;berholen.</p>
<p>Laut und vernehmlich h&#246;re ich pl&#246;tzlich Blue Oyster Cults „Don&#8217;t fear the Reaper“ &#8211; mein Klingelton – vermutlich mein Sohn, der seinen Morgenanruf vermisst.<br />
Die gr&#252;ne Minna hat etwas aufgeholt, und ich kann unm&#246;glich ans Telefon gehen. Bl&#246;derweise blinkt auch das Display meines Nokias hell auf, das ich mir ebenso bl&#246;derweise zugelegt habe, kurz bevor die Finnen deutsche Arbeitspl&#228;tze vernichtet haben. Ich sch&#252;ttele innerlich den Kopf, frage mich ernsthaft, welchen Unterschied jetzt ein Sony Ericsson machen w&#252;rde, und greife, stocksteif in den Sitz gepresst, nach recht, um das Handy auf den Bauch zu drehen.</p>
<p>Puh, das war knapp.</p>
<p>Meine H&#228;nde sind inzwischen schwitznass, mein Herz klopft wild in der Brust, und ich klammere mich mit aller Kraft ans Lenkrad , als w&#252;rde es davonfliegen , wenn ich es nicht fest im Griff hielte.<br />
Ich glaube, ich bin noch niemals zuvor so exakt geradeaus gefahren wie heute morgen und sp&#252;re eine Konzentration beim Fahren, die ich bei jeder anderen Gelegenheit f&#252;r eine Verschwendung von<br />
Ressourcen halten w&#252;rde.</p>
<p>Ich bin so damit besch&#228;ftigt, die staatliche Ordnung &#252;ber den R&#252;ckspiegel zu kontrollieren, dass ich fast den Anfang der Baustelle und das Schild &#252;bersehen h&#228;tte, dass fortan 80 zu fahren sind.<br />
Ich trete voll in die Eisen. Der Wagen bockt kurz, wie ein Stier beim Rodeo, und der immer noch wie entfesselt brummende Rasierer rutscht wieder zwischen meine F&#252;&#223;e. Mein Handy klingelt ein zweites Mal und, noch bevor ich reagieren kann, sp&#252;re ich, wie sich der gr&#252;n-wei&#223;e Passat neben mich setzt.</p>
<p>Schwei&#223; tropft von meiner Stirn, w&#228;hrend Iron Maiden von CD, Blue Oyster Cult vom Handy und ein brummender Braun, untermalt vom Motorenger&#228;usch, eine schr&#228;ge Jam Session abhalten.</p>
<p>Wie schnell bin ich eigentlich? Normalerweise m&#252;sste ich ungef&#228;hr 83 fahren, immer ein Minimum schneller als erlaubt, um nicht verd&#228;chtig zu sein, etwas zu verbergen zu haben. Sicherheitshalber nehme ich kurz den Fu&#223; vom Gas, weil ich nicht wei&#223;, ob sich das Brummger&#228;t unter die Bremse verirrt hat, und halte den Blick stocksteif geradeaus gerichtet, w&#228;hrend die zweckentfremdete Familienkutsche mit dem lustigen blauen Licht auf dem Dach an mir vorbeizieht.</p>
<p>„Die k&#246;nnten auch mal &#8216;ne Farbberatung gebrauchen. Wei&#223;, gr&#252;n und blau geht ja gar nicht&#8230;!“, denke ich mir, w&#228;hrend ich versuche so zu wirken, als seien mein Smart und ich ein einziger symbiotisch verbundener Cyborg auf vier R&#228;dern.</p>
<p>Da – vor mir eine Ausfahrt – und noch bevor ich mir &#252;berlegen kann, hier abzufahren und des Rest meiner Fahrtstrecke auf der Landstra&#223;e zur&#252;ckzulegen, weil einfach mal wieder viel zu viel Polizei auf der Autobahn ist, w&#228;hrend Schwerverbrecher und Terroristen die Innenst&#228;dte &#252;berfluten – sehe ich erleichtert, wie die Polizeikutsche fast h&#246;hnisch blinkend die Ausfahrt nimmt.</p>
<p>Aaah, das tut gut. Der Schwei&#223; brennt in meinen Augen, aber ich entkrampfe mich augenblicklich.<br />
Mit dem rechten Fu&#223; versuche ich den Rasierer in Reichweite meiner Hand zu schieben, greife nach rechts, um das Handy aufzunehmen und trete befreit aufs Gaspedal.<br />
Als ich wieder nach vorne schaue, sehe ich sie:</p>
<p>die Kamera am Stra&#223;enrand.</p>
<p>Mein Wagen ger&#228;t ins Schlingern, w&#228;hrend ich verzweifelt zu bremsen versuche. Leider muss ich bemerken, dass sich der Rasierapparat nun doch endlich im Schatten der Bremse versteckt hat, was deren Wirkung gegen Null tendieren l&#228;sst, und ich ergebe mich in mein Schicksal.<br />
Ein roter Blitz scheint mein Cockpit auszuf&#252;llen, meine H&#228;nde rutschen vom Steuer und das n&#228;chste was ich sehe, ist ein Fernseher unter der Decke, ein wei&#223;es Laken auf meinem Bauch und mein rechtes Bein, dass, komplett eingegipst, mittels einer abenteuerlichen Konstruktion an einem Gest&#228;nge befestigt ist, w&#228;hrend mein dicker Onkel vorwitzig und lustig orange leuchtend oben herauslinst.</p>
<p>Und das alles nur, weil die Polizei, statt Verbrecher zu fangen, harmlose Autofahrer jagt, die sich nichts zu Schulden haben kommen lassen, und die doch nur friedlich und st&#246;rungsfrei zum Arbeitsplatz gelangen m&#246;chten.<br />
Mich wundert gar nichts mehr, und ich w&#228;re nicht &#252;berrascht zu h&#246;ren, dass die ganze perfide Aktion minuti&#246;s geplant war, und schon mit dem ersten Auftauchen der Polizeikarre in meinem R&#252;ckspiegel begonnen hat, nur um an meinen F&#252;hrerschein und mein Bares zu kommen.</p>
<p>Das n&#228;chste Mal, wenn ich was Gr&#252;n-Wei&#223;es auf der Bahn hinter mir sehe, trete ich aufs Gas meines, notgedrungen neuen, Autos und mache, dass ich wegkomme. Alles andere ist mir zu gef&#228;hrlich&#8230;</p>
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