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	<title>Netznirwana &#187; Fußball</title>
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		<title>Die Wahrheit liegt auf dem&#160;Platz</title>
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		<pubDate>Fri, 06 May 2011 07:10:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fußball]]></category>

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		<description><![CDATA[Otto Rehagel ist ein Fu&#223;ballweiser. Aber damit steht er nicht allein. Nahezu jeder, der sich am Wochenende ein Fu&#223;ballspiel live oder am TV ansieht, h&#228;lt sich f&#252;r ebenso kompetent. Schlimmer noch: Alle wissen alles besser. Und alle fordern sofort und zuerst den Kopf des Trainers, wenn der eigene Verein nicht den Erfolg hat, den sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Otto Rehagel ist ein Fu&#223;ballweiser. Aber damit steht er nicht allein.  Nahezu jeder, der sich am Wochenende ein Fu&#223;ballspiel live oder am TV  ansieht, h&#228;lt sich f&#252;r ebenso kompetent. Schlimmer noch: Alle wissen  alles besser. Und alle fordern sofort und zuerst den Kopf des Trainers,  wenn der eigene Verein nicht den Erfolg hat, den sich der Zuschauer  w&#252;nscht.</p>
<p>Wenn ein paar Spiele verloren gehen, werden die Helden  von vor ein paar Wochen in den Herzen der Fans pl&#246;tzlich zu  arbeitsscheuen Ackerg&#228;ulen. Auf der Trib&#252;ne regt sich der Unmut in Form  von verbalen P&#246;beleien, wenig schmeichelhaften Spruchb&#228;ndern und  geworfenen Sitzkissen. Trainer und Spieler werden allzu schnell der  Arbeitsverweigerung bezichtigt, obwohl sie nur Formschwankungen  unterliegen, die im Arbeitsprozess immer mal wieder vorkommen k&#246;nnen.  Und auch die Zuschauer selbst sind im Beruf nicht frei davon, wenn sie  ehrlich sind.</p>
<p>Dabei vergessen die Fans oft ein paar grundlegende  Tatsachen. Verdiente Millionen machen nicht per se schneller, nicht  st&#228;rker und nicht automatisch erfolgreicher. Insbesondere geben sie  nicht mehr Anlass dazu, alles zu geben, als es die L&#246;hne und Geh&#228;lter  der Zuschauer tun. Denn ob ein paar Millionen oder ein paar Tausend Euro  pro Jahr: Ich bin immer verpflichtet, f&#252;r mein Geld alles zu geben. Und  nur daran sollte das Stadionrund die Spieler messen.</p>
<p>Profi-Fu&#223;baller  sind Spitzensportler und das gilt auch f&#252;r die Spieler der gegnerischen  Mannschaft. Leichte Siege sind nicht selbstverst&#228;ndlich, wenn der  Gegner gut eingestellt ist und aufopferungsvoll k&#228;mpft. Ein Fu&#223;ballspiel  ist ein z&#228;hes Ringen mit oft ungewissem und gelegentlich &#252;berraschendem  Ausgang. Sein Team ausschlie&#223;lich am  Erfolg zu messen, geht deshalb an  der Realit&#228;t vorbei. Was z&#228;hlt, ist einzig und allein der unbedingte  Wille zum Sieg, den die Spieler an Tag legen. Doch die Formel scheint zu  einfach und zu verlockend, um sie zu hinterfragen: Kein Erfolg = zu  faul zu Laufen. <span id="more-129"></span></p>
<p>Was treibt die Zuschauer auf der Trib&#252;ne dazu,  derart ungerechtfertigt den Stab &#252;ber Trainer und Spieler zu brechen?  Und was gibt ihnen das Gef&#252;hl, bei einem Sieg selbst mitgespielt zu  haben, obwohl man nur Sprechch&#246;re skandiert hat, w&#228;hrend die Spieler  sich auf dem Gr&#252;n abgerackert haben?</p>
<p>Fu&#223;ballprofis gegen&#252;ber  herrscht eine Art Stellvertreterdenken: Oftmals sollen die Kicker des  Stammvereins den Erfolg haben, den die Zuschauer in ihren Leben  vermissen m&#252;ssen. Wenn sich die erhofften Siege einstellen, greift das  gro&#223;e Wir-Gef&#252;hl und alle haben mitgespielt. Bleiben die  Erfolgserlebnisse aus, sind es pl&#246;tzlich die Spieler allein, die die  Niederlage zu verantworten haben. Statt zum Schulterschluss kommt es zum  Liebesentzug – oftmals j&#228;h und schmerzhaft.</p>
<p>K&#246;pfe m&#252;ssen rollen  und nicht selten ist es das Publikum, das eine Trainerentlassung  entweder erzwingt oder dem Vereinsvorstand den Vorwand dazu bietet. Doch  mal ehrlich: Welcher Fu&#223;ballfan w&#252;rde akzeptieren, im eigenen Beruf  permanent an kurzfristigen Erfolgserlebnissen gemessen zu werden? Wohl  niemand &#8211; und kaum einer w&#252;rde es aushalten, dauerhaft mit der absoluten  Spitze in seinem Job verglichen zu werden. Irgendwie hat das Problem  hier auch eine biblische Komponente: „Wer von Euch ohne S&#252;nde ist, der  werfe den ersten Stein.“ Es ist leicht von Gladiatoren den vollen  Einsatz zu verlangen, obwohl man selbst mit seinen Lebenschancen  fahrl&#228;ssig und verschwenderisch umgegangen ist.</p>
<p>Wenn ein  Fu&#223;baller im Bruchteil einer Sekunde unter dem Druck des Gegenspielers  eine fatale Entscheidung trifft, gilt er schnell als &#252;berbezahlter  Versager. Dabei blendet der Fan allzu gern die eigenen Fehlleistungen  aus, bei denen er sicher mehr Zeit hatte, die rechten Schritte zu tun.  Und wer am Arbeitsplatz die Angebote von eBay und Amazon durchst&#246;bert,  statt seine volle Leistung zu bringen, hat nicht das Recht zu P&#246;beleien  gegen einen Spieler, der nach einem harten Sprint mal durchschnaufen  muss. Letzterer zumindest ist an seine Grenze gegangen, so wie es sich  geh&#246;rt.</p>
<p>Die Briten kennen eine feine sprachliche Unterscheidung,  die uns im Deutschen nur als Wortspiel zur Verf&#252;gung steht: „Do you  earn, what you deserve?“ fragen sie: „Verdienst Du, was Du verdienst?“<br />
Wer &#252;ber die Millionengeh&#228;lter der Fu&#223;ballspieler wettert, sollte  ber&#252;cksichtigen, dass lange Lehrjahre, viel Biss und ein permanenter  Leistungswille n&#246;tig sind, um an die gro&#223;en Vertr&#228;ge zu kommen. Ein  Spitzenfu&#223;baller hat mehr Konkurrenz auf dem Weg nach oben verdr&#228;ngen  m&#252;ssen als mancher Abteilungsleiter. Ohne absolute Hingabe kann man als  Fu&#223;ballprofi die Spitze nicht erreichen.</p>
<p>Aus Sicht des Fu&#223;ballers  sieht die Angelegenheit allerdings etwas anders aus. Als Fu&#223;ballprofi  muss ich die soeben formulierte Ungerechtigkeit akzeptieren. Sie sollte  Teil meines Selbstverst&#228;ndnisses sein. Eben deshalb ist ein Teil des  Fu&#223;ballerhonorars auch Schmerzensgeld. So ungerecht ich es als Fu&#223;baller  auch finde: Ich habe weder das Recht, mein Publikum um meine Leistung  zu betr&#252;gen, noch darf ich es gering achten. Ich muss wissen, welche  Funktion ich auch neben dem Spiel habe und darf nicht nur den Jubel  einheimsen, wenn es l&#228;uft. Ich muss auch die Kritik aushalten k&#246;nnen, so  ungerechtfertigt sie auch scheinen mag, wenn der Erfolg ausbleibt.</p>
<p>Ungeachtet  aller Publikumsschelte muss ich eines sein und sein wollen: ein  Vorbild. Mein verdientes Geld verdanke ich auch den Zuschauern, die das  Stadion f&#252;llen und Trikots mit meiner R&#252;ckennummer kaufen. Statt die  Fans f&#252;r ihre Ignoranz zu schelten, sollte ich immer repr&#228;sentieren,  dass man mit Leistung auch hoch gesteckte Ziele erreichen kann.  Kritischen Rufen von den R&#228;ngen begegne ich nicht mit H&#228;me, sondern mit  unvermindertem Einsatz f&#252;r mein Team und mein Publikum. Viele haben es  nicht einfach auf der Trib&#252;ne, verschuldet und unverschuldet. Als  Fu&#223;baller bin ich nicht da, ihr Leben zu reparieren, wohl aber, es ihnen  ein bisschen sch&#246;ner zu machen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Deutschland, ein&#160;Sommerm&#228;rchen</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Oct 2006 06:01:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fußball]]></category>
		<category><![CDATA[Nachgedacht]]></category>

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		<description><![CDATA[Gestern abend habe ich mit einem Freund im Kino &#8220;Deutschland ein Sommerm&#228;rchen&#8221; von S&#246;nke Wortmann gesehen (wurde auch langsam Zeit&#8230;). Ich muss sagen, der Film geht unter die Haut, auch weil er Einblicke erlaubt, die man sonst als unbedarfter Zuschauer der Ereignisse dieses Fussballsommers nicht mitbekommen hat. Viele der mannschaftlichen Abl&#228;ufe hatten nat&#252;rlich eine Art [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img style="margin-bottom: 0px; margin-right: 7px" height="354" alt="wortmannsommermaer" src="http://www.netznirwana.de/wp-content/uploads/wortmannsommermaer.jpg" width="250" align="left" /></p>
<p>Gestern abend habe ich mit einem Freund im Kino &#8220;Deutschland ein Sommerm&#228;rchen&#8221; von S&#246;nke Wortmann gesehen (wurde auch langsam Zeit&#8230;).</p>
<p>Ich muss sagen, der Film geht unter die Haut, auch weil er Einblicke erlaubt, die man sonst als unbedarfter Zuschauer der Ereignisse dieses Fussballsommers nicht mitbekommen hat.</p>
<p>Viele der mannschaftlichen Abl&#228;ufe hatten nat&#252;rlich eine Art Deja Vu- Charakter, wenn ich an meine eigene verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig lange, aber ebenso verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig erfolglose? Karriere <img src='http://www.netznirwana.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  zur&#252;ckdenke&#8230;</p>
<p>Im Bus gefeiert, rumgeflachst, mehr oder minder fruchtlos diskutiert wird in jeder Fussballmannschaft &#8211; gefeiert &#252;brigens auch (oder eben gerade) wenn man keinen Erfolg hat.<br />
Es war nur interessant zu sehen, wie fussballerisch und sportlich-menschlich &#8220;normal&#8221; es auch bei einer Fussballweltmeisterschaft (darf ich das Wort benutzen ohne die Copyrights von Herrn Blatter zu verletzen?) zugeht, und mitzuerleben, wer die Leitw&#246;lfe, die klugen K&#246;pfe (sind nicht immer identisch&#8230;) und wer die Mitl&#228;ufer und unersetzliche Wassertr&#228;ger sind, die den Kitt zwischen den gro&#223;en Protagonisten bilden &#8211; auf und neben dem Platz.</p>
<p>Mir wurde aber auch klar, warum J&#252;rgen Klinsmann, und ich sage ganz bewusst, <strong>einer</strong> der Architekten des Erfolges, nach der WM gegangen ist und ich denke auch, dass er schon lange vorher diesen Schritt geplant haben muss.<br />
So wie die Mannschaft vom Trainerstab auf den Punkt fit gemacht wurde, so hat er die Mannschaft auf den Punkt und bis in die Fussballstiefelspitzen motiviert.</p>
<p>Von seinem Einstieg beim DFB bis zum Halbfinale hat er jedes Spiel f&#252;r die Mannschaft ein Spiel des Lebens sein lassen, hat sie mit starken, teilweise brachialen Verbalmethoden f&#252;r jedes Spiel eingepeitscht und eingeschworen, ihnen vermittelt, dass es die Chance zur Teilnahme an einer WM im eigenen Land rein statistisch nur einmal gibt und dass man einen Gegner, der mit mit dem R&#252;cken zu Wand steht f&#252;r dieses Ziel eben auch mal durch die Wand durchtreten muss&#8230;</p>
<p>Ich will solche Spr&#252;che, wie den letzten moralisch nicht kritisieren, obwohl man es k&#246;nnte. F&#252;r mich war Fussball fr&#252;her und ist Schach heute kein Krieg (was einer der Gr&#252;nde daf&#252;r sein mag, dass ich mangels Aufr&#252;stung im Vorfeld und kriegerischer Haltung im Vollzuge nicht zu wirklich h&#246;heren Weihen gelangt bin&#8230;).<br />
Sicher ist, dass eine solche Motivation sich abnutzt, dass die Spieler von dem schier unbezwinglichen Berg, den sie vom Trainer getrieben am Ende (fast ganz, oder eben doch vollkommen) besiegt haben, am Ende des Turniers wieder heruntersteigen m&#252;ssen und dass sie mit den selben Worten und Methoden da nie wieder hinaufkommen werden.</p>
<p>So wie dieses Turnier f&#252;r jeden Spieler einmalig war, so war es dieses?  Grossereignis einer Fu&#223;ballerkarriere auch mental und emotional, und in gewisser Weise hat Klinsmann sich f&#252;r die Jungs und das Ziel geopfert, weil er wissen musste, dass seine Art die Mannschaft zu f&#252;hren zwar die Kraft einer Saturnrakete haben w&#252;rde, dass? diese? aber? am Ende ihrer Mission, nachdem alle Triebwerkstufen ausgebrannt und abgeworfen waren, ihre Aufgabe erf&#252;llt, aber sich eben darin unwiderruflich verbraucht haben w&#252;rde.</p>
<p>Man muss wegen dieses &#8220;Opfers&#8221; Klinsmann aber nicht zum altruistischen Heroen des deutschen Fu&#223;balls hochsterilisieren (Danke, Bruno&#8230;).<br />
Dass er als eher suboptimaler Fu&#223;baller in technischer Hinsicht zu einem der besten Angreifer der Fussballgeschichte wurde, verdankt der B&#228;ckersjunge aus dem Schwabenland nicht? nur seinem unb&#228;ndigen Willen, seiner angeborenen, aber auch hart antrainierten Dynamik, sondern auch seinem gro&#223;en (auch positiven) Egoismus, gepaart mit der F&#228;higkeit sich immer wieder auf das n&#228;chste Ziel zu fokussieren.</p>
<p>So, wie er spielte, Puls immer auf 200, volle Pulle, wie ein aufgezogener hochenergetischer Brummkreisel am Deuserband seiner kleinb&#252;rgerlichen Herkunft, so trainierte er auch das Team -<br />
und so, wie er seine Karriere beendete, ausgebrannt, die Nase voll von der Schinderei und Plackerei und alles endlich hinter sich lassen wollend, so hat er auch sein Traineramt niedergelegt.</p>
<p>Er hat wirklich f&#252;r das Ziel alles gegeben, und sogar seinen Nimbus des semi-intellektuellen Sonnyboywunderst&#252;rmers auf dem Altar der medialen Transparenz geopfert, die sich bei einem solchen Ereignis nicht vermeiden l&#228;sst.<br />
Wir sollten dankbar sein, dass er die Gr&#246;&#223;e hat sich zur&#252;ckzuziehen und nicht der Versuchung anheimf&#228;llt, sich hier im Lichte des Erfolges als Lichtgestalt des deutschen Fussballs von allen den Bauch pinseln zu lassen.</p>
<p>Daf&#252;r haben wir ja schon den Kaiser Franz und das wei&#223; auch der J&#252;rgen&#8230; <img src='http://www.netznirwana.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
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