Ein Kobold, der lieben kann. Vormerk bringt den Thermofick

Der neue Thermofick

Sensation aus dem Hause Vormerk:

Zum Geschenke-Endspurt wartet der bergische Elektro-Gigant mit einer absoluten Weltneuheit auf. Gerade noch rechtzeitig vor dem Fest liegt der neu entwickelte Thermofick in den Regalen lizenzierter Haushaltswarengeschäfte und Kaufhäuser. Am prioritären Haustürverkauf hält das Unternehmen aber nach wie vor fest. „Der Thermofick ist ein extrem erklärungsbedürftiges Produkt“, verlautet es aus der Firmenzentrale, „und am überzeugendsten demonstrieren lässt sich seine Leistungsfähigkeit vor Ort am lebenden Objekt.“

Vielfalt und Technik

Begründet wird das seitens des Vormerk-Pressesprechers Piet Lance-Alot mit der enormen Funktionsvielfalt und der ausgeklügelten Technik hinter dem liebemachenden Wunderwerk. „Wenn unser Kobold der König der Staubsauger ist, kann man den Thermofick mit Fuck und Recht als die Krone des Sexspielzeugs bezeichnen“, heißt es werbewirksam aus seinem Munde.

„Ausgiebige und kostspielige Marktforschung durch hunderte Interviews mit von der häuslichen Erotik enttäuschten Frauen hat Vormerk wichtige Fingerzeige gegeben. 2016 wird der heimische Penis in den Ruhestand versetzt. Schluss mit hormonell bedingten, durch Stress und Alkoholkonsum ausgelösten Qualitätsschwankungen im Schlafzimmer. Ihr neuer Thermofick lässt jede handübliche Erektion zum Soft-Skill werden“, lässt der Produktflyer wissen und setzt plakativ hinzu: „Weibliche Orgasmus-Probleme gehören mit dem Thermofick der Vergangenheit an. Mit seinen innovativen Aufsätzen und multiplen Techniken, vom „Rüden Rammler“ über den „Heroischen Hammer“ bis zum „Zärtlichen Zipfel, zeigt sich Ihr technischer Freund jeder Herausforderung gewachsen.“

Vertraute Spiele – sauber und effizient

„Ihr Partner verbringt seine Zeit lieber beim Skat oder der Sportschau, doch Sie sehnen sich nach vertrauten Spielen? Kein Problem, mit Thermoficks „Stereotypem Stößchen“ bringen Sie den gewohnten Sex zurück auf Ihre Matratze – ganz ohne die Laken wechseln zu müssen. Ihr Thermofick ist sauber, effizient sowie unermüdlich und: Er hat tatsächlich 20 Zentimeter – falls Sie es wirklich wünschen“, ergänzt Lance-Alot mit dem hintergründigen Lächeln des Connaisseurs.

Wie bei seinem weltbekannten Küchengerät hält das westfälische Traditionshaus am Trend zur innovativen Onlineanbindung auch bei klassischer Hauselektrik fest. Per Fernwartung kann das Liebeswunder von der Wupper um neue Techniken erweitert werden. Denkbar sind Simulationen und Stimulationen aller Art. Ganz gleich, ob lüsterner Vollrausch-Quickie im Hinterzimmer oder lustvolle Liebesspiele im Vestibül und egal, ob die Kundinnen für karibische Rhythmen, afrikanisches Feuer oder „schon wieder liebenswürdige südländische Selbstüberschätzung“ brennen: Der Thermofick scheint endlich zu wissen UND zu liefern, was Frauen schon lange wollen.

Auch Männer profitieren

Auch für Männer habe das Gerät etwas Gutes, so der Pressevertreter. Endlich könnten sie ungestört von der ungezügelten Lustbarkeit ihrer Partnerinnen nach Herzenslust an ihren Autos schrauben, den Märklin-Trafo zum Glühen bringen oder im Stadion die heimische Bierindustrie fördern. Männer, die auf revolutionäre Technik stehen und ihre Frauen lieben, kommen um den Thermofick unterm Christbaum nicht herum. Und wer mag, kann sogar seinen Namen auf den Motorblock gravieren lassen. Offenbar haben die Haushaltsprofis von Vormerk an alles gedacht.

Niete im Bett (reloaded)

Sensual eveningKaum etwas gibt ein Mann weniger gern zu, als dass er ein schlechter Autofahrer ist.
Auch ich halte mich für einen sicheren und versierten PKW-Lenker, ausgestattet mit der Reaktionssicherheit eines Michael Schumacher und den Instinkten eines Walter Röhrl.

Davon lasse ich mich auch nicht so leicht durchs Fernsehen abbringen – schnell fahren kann ich auch, und um die Kurve schlittern und schleudern fällt mir auch nicht schwer, wenn mir das ESP auch manches Mal ein bisschen Hilfestellung leistet, sofern ich mal wieder meinen Bleifuß einen Tick zu lange auf dem falschen Pedal hatte. Überhaupt sind die Straßen zu schmal, die Kurven zu eng, und Fußgänger sollten die Fahrbahn nur an wenigen genau gekennzeichneten Stellen überschreiten dürfen, um den Verkehr nicht zu gefährden.

Aber ich schweife ab – wahrscheinlich um mich um ein Geständnis zu drücken, das mir seit ein paar Tagen auf der Seele lastet: ich bin vermutlich eine Flasche im Bett – und wer jetzt glaubt, ich, als typischer Mann, dächte dabei an einen brandheißen Molotowcocktail, der sieht sich getäuscht.
Offenbar bin ich eher ein Exemplar der Marke „Offene Cola, die zu lange in der Sonne gestanden hat“. Wie ich darauf komme? Gut, ich will es erklären.

Ich bin eine Nachteule und habe früh am Abend einen toten Punkt, der mich gegen 21:00 Uhr auf dem Sofa ins Röchelkoma fallen lässt. Männer kennen das: Kopf nach hinten, Garage auf und Platons Höhlengleichnis geben, während aus dem Rachen ein Geräusch von industrieller Kläranlage nach außen dringt. Zum Glück hält dieser Zustand nicht so lange an, bis Schwalben beginnen ihr Nest in der sich einladend öffnenden Höhle zu bauen, und gegen 22:00 Uhr bin ich dann wieder so fit wie ein Turnschuh, während der ausgetrocknete Gaumen dafür sorgt, dass ich auch in etwa so rieche. Also schnell ab ins Bad, Zähne putzen und… Aber ich schweife schon wieder ab…

Also raus mit der Sprache: „Niete im Bett (reloaded)“ weiterlesen

Scha-hatz?!

Schahatz? Was denkst Du gerade.Scha-ha-hatz
Nichts, mein Engel.

Man kann aber doch nicht nichts denken
Doch, ich schon. Gute Nacht.

Schahatz, was fühlst Du gerade?
Nichts, mein Engel. Warum fragst Du?

Das Gefühl habe ich ja auch. Du liebst mich nicht mehr.
Doch, mein Engel, natürlich liebe ich dich noch. Wie kommst Du darauf?

Du sprichst nicht mehr mit mir.
Was tun wir denn gerade?

Was denkst Du denn, was wir tun?
Reden natürlich – sag mal was soll das?

Also, wenn du denkst, dass wir reden, dann denkst Du doch was?
Ach Engel, ich fühl mich so müde…

Siehst Du Schatz, und fühlen tust Du auch was. Nur reden willst Du nicht über Gefühle.
Engel ich liebe dich noch, und basta!

Wenn Du mich noch lieben würdest, wärst Du nicht so schroff zu mir.
Hör mal, Engel, wieso musst Du mich jetzt so aufregen.

Ja, ja, aufregen tue ich dich noch, erregen schon lange nicht mehr.
Aaargh, natürlich begehre ich dich noch.

Glaubst Du das, denkst Du das, oder fühlst Du das?
Ich fühle es – aber jetzt lass uns schlafen.

Vermutlich glaubst Du nur, dass Du es fühlst. Oder denkst Du das nur?
Ich weiß es einfach, mein Engel.

Aber ein Gefühl zu wissen ist doch Denken, von dem man glaubt, dass man es fühlt, oder nicht?
Also Engelchen: ich weiß, ich denke, ich glaube und ich fühle, dass ich dich liebe.

Und was davon am meisten?
Du machst mich wahnsinnig! Alles zugleich.

Aber glauben ist doch weniger als wissen.
Dafür ist es aber eine tiefe seelische Überzeugung!

Und Denken bedeutet doch entweder nur eine Art Glauben, oder Wissen ganz ohne Gefühl.
Engel, jetzt ist aber mal gut. Ich fühle, dass ich dich liebe.

Aber eben hast du noch gesagt, Du fühlst nichts – und dass Du auch nichts denkst.
Als Du mich gefragt hast, habe ich auch nichts gefühlt und nichts gedacht.

Aber wenn Du mich liebst, dann musst Du doch immer was fühlen?
Ja tue ich auch, aber mehr latent.

Das war früher aber ganz anders.
Nein, war es nicht, ich habe es nur öfter gesagt.

Siehst Du, Du redest nicht mehr richtig mit mir.
Nur weil, ich dir nicht mehr so oft sage, dass ich dich liebe, heißt das nicht…

Beweise es mir!
Wie denn?

Schlaf mit mir!
Na schön, Engelchen. Sag das doch gleich!

Das ist mal wieder typisch – für Sex bin ich grad noch gut genug!
Moment mal bitte, mein Engel.

Was machst du da mit dem Messer Schatz?
Ich glaube, Du gehst mir auf den Geist, ich denke, es ist Zeit daran etwas zu ändern, ich fühle mich am Rande des Wahsinns und ich weiß, es gibt keine andere Lösung!

SCHAHATZ!!!!!!!
Schlaf schön, mein Engel!

Weiberfastnacht, oder wie Männer ticken

Disclaimer: Der Autor weist vorsorglich darauf hin, dass dieser Text nicht frauenfeindlich gemeint ist, und dass jede Ähnlichkeit mit noch lebenden, bereits verstorbenen und Personen, die zwar noch leben, sich aber nicht mehr wehren können, rein zufällig ist.

Es ist mal wieder soweit. Die kommenden Ereignisse werfen schon seit Wochen ihre Schatten voraus, als wir uns in Schale für den wichtigsten Abend des Jahres werfen.
„Weiberfastnacht“ klingt es in unseren Ohren und löst einen Speichelflussreflex aus, gegen den selbst die Hunde Pawlows eine Wüste Gobi im Maul gehabt haben müssen.

Natürlich träumen wir der eher von einer wüsten Gabi, als wir den unaufhörlichen Speichelfluss mit einem ersten Bierchen zum Warmmachen in Jupps Bude bekämpfen.

„Vorglühen“ nennen wir das – und wir, das sind Jupp, Mattes und meine Wenigkeit, das Trio Infernale des Karnevals, dessen legendärer Ruf jedes Jahr mehr und mehr Väter dazu bewegt, ihre 40-jährigen Mädchen im Keller wegzusperren, damit sie nicht, ihrer letzten Illusionen über die holde Männlichkeit beraubt, einem ca. vierzig Jahre dauernden altjüngferlichen Lebensabend ins Auge sehen müssen.

Mit einem leichten Alkoholpegel gegen das gelegentlich aufkeimende schlechte Gewissen gewappnet, machen wir uns auf den Weg, der gepflastert ist mit Anekdötchen und Histörchen verblassender Männlichkeit aus den letzten Jahren, die nun, im Lichte gegenseitiger Beweihräucherung den Nimbus großartiger Legenden annehmen.

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Fremde Haut

Wenn man den Statistiken glauben mag, gehen ein Großteil der Männer und eine wachsende, mittlerweile fast gleich große Zahl der Frauen fremd. Das Internet trägt natürlich seinen Teil dazu bei, in dem es ein altes Sprichwort bestätigt: „Gelegenheit macht Diebe“.

Zum einen verändert das Netz Moralvorstellungen insofern, als durch seine anarchische Struktur auch teils fragwürdige Wertvorstellungen eine Plattform erhalten, die diesen im praktischen Leben nicht möglich wäre, andererseits schafft es auch ein Füllhorn von Kontaktmöglichkeiten, die in ihrer Menge real kaum zu realisieren sind, zumal dann, wenn man in sich einer festen Beziehung mit geregelten zeitlich Abläufen befindet.

Doch was bewegt Menschen dazu, sich real oder online eine kürzere oder längere entweder nur erotische, oder auch amouröse Erfahrung zu suchen?

Es gibt eine Form von Nähe, die einem nur die Partnerschaft geben kann und die von großer, fast allumfassender Bedeutung ist. Diese Nähe hat aber nicht unbedingt zuerst mit erotischer Nähe zu tun, sondern mit einem Gefühl von Geborgenheit und Verlässlichkeit, das man nicht für das Linsengericht einiger schneller sexueller Erlebnisse aufs Spiel setzen möchte.

Eine Folge dieser Art von Verlässlichkeit ist aber auch eine starke Gewöhnung aneinander, und wo man positiv sagen kann: „Ich habe mich so an dich gewöhnt.“, so muss man in der Paarbeziehung sehr darauf achten, dass aus dieser positiven Gewöhnung nicht ein „Du bist mir so gewöhnlich geworden.“ wird. Sicher sollte ein Großteil der Beziehungsarbeit ihr Augenmerk darauf legen, was aber im Alltag, der allzuoft von einer rasanten Eigendynamik geprägt ist, sehr häufig vernachlässigt wird.

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Neulich beim Speed-Dating…

Hallo, mein Name ist Julius, und wer bist Du Hübsches?
Ich.. ich… bin die Roswitha…
Hallo Roswitha, was treibt dich her?
Ich… ich… suche eine Beziehung…
Was machst Du beruflich?
Ich… ääh… Kommu…ni…kationspsychologin – und Du?
Hans Dampf, hahaha, ich verkaufe Dampfreiniger.
Im Fernsehen…?
Nein an der Haustür. Hast du ein Hobby?Speeddating
Ja ähm… Makramee und Bonsai und… Du?
Ikebana und Sado Maso.
Ist das was … mit Kampfsport?
Nein, hat was mit Meditation zu tun.
Möchtest Du meine Num…?

NÄCHSTER!

Frank, Hallo.
Hi Frank
Und wie heißt Du ?
Birgit. Du siehst nett aus…
Ist „nett“ nicht die kleine Schwester von…?
Nein, nein, wirklich, was machst Du so?
Ich leite eine Surfschule.
Super, ich surfe für mein Leben gern. Ich bin Sportlehrerin.
Ich finde dich auch hübsch. Schon was dabei gewesen heute für dich?
Nein, nicht wirklich, aber ich habe das Gefühl…
Geht mir ähnlich. Wollen wir vielleicht mal…
Magst Du Kinder?
Ähm, ja schon, wieso?
Ich habe zwei – vier und sechs.
Zwölf?
Nein zwei – vier und sechs Jahre alt.
Also drei?
Nein, zwei Kinder, je vier und sechs Jahre.
Ach Du… weißt Du… ich glaube… ich bin noch nicht…
Schon gut…

NÄCHSTER!

Huhu, ich heiße Saaabine,
Du heiße Sabine? Ich lustige Hans! Haha! Servus!
Du hast aber viele Muskeln?!
Jo, von nix kommt nix, was machst Du so?
Stenotypistin und Bürokauffrau, und Du?
Hundefriseur.
Ich reise gern, ich war schon in Italien, Ägypten, Mallorca, Gran Canaria, Mexiko, Malaysia, Sri Lanka, Corfu, Dubai, Frankreich, Bulgarien…
Vulgarien, haha,
Kreta, Türkei… und Du?
Wacken!
Eigentlich mag ich ja keine langen Haare bei Männern…
Magst Du Motorradfahren?
Nicht so sehr… ich hab ein Pferherd.
Hm!
…und einen Hund, zwei Katzen, drei Kaninchen und…
…einen Vogel, so wie’s aussieht.
Ja, einen Wellensittich – woher wusstest Du…?
Hier, meine Karte, falls dein Hund…
Mein Hund fährt auch kein Motorrad…
Aaargh…

NÄCHSTER!

Wer bist denn Du?
Steht doch auf dem Schild. Machst Du dir immer so wenig Mühe?

Sicher wieder so einer, der nix tut, nur faul in der Gegend rumsitzt, und…

…den ganzen Tag den Fernseher laufen und die leeren Bierflaschen rumstehen lässt.

Davon hab ich schon genug gehabt. Ich will mal was Richtiges. Einen ganzen Kerl halt.

Aber Du kriegst ja nicht mal den Mund auf.

Sag mal, ist das eine echte Rolex?
Jepp!
Ich bin die Ellen, und für den Richtigen könnte ich mir auch vorstellen nur noch Hausfrau zu sein…

NÄCHSTER!

Grüß Dich – Angie…
Hallo, ich Ahmed,






Ja, dann…

NÄCHSTER!

Hallo
Hallo.
Ich bin der Sebastian, 42, Werbekaufmann, leitende Position und Du?
Susanne, 38. Ich habe eine Putzstelle.
Tja dann… Ich denke nicht, das wir gesellsch…
Ich bin Nymphomanin…
…und ich hab ein Cabrio…wollen wir…?

Ich will einen Babybauch!

BabybauchIhre Klagen klingen noch in meinen Ohren. Es sei ja so beschwerlich Mutter zu werden. Da kann ich als Mann aber nur herzlich lachen. Ich gäbe was drum, die Segnungen der Mutterschaft als Frau selbst erleben zu dürfen, die mir die Natur in so schnöder Weise vorenthält.

Das fängt schon mit dem Zeugungsakt an. Mich plagen weder Ängste um Potenz und vorzeitigen Samenerguss, noch muss ich viel mehr tun, als gleich einem abgestürzten Maikäfer auf dem Rücken zu liegen, und benötige zudem keinen Orgasmus, um hinterher zufrieden einzuschlafen. Der Verzicht auf ein paar Zärtlichkeiten, die ich als Mann ja schon komplett überflüssig finde, wird mir da sicher nicht so schwer fallen.

Außerdem fiele mit dem Einsetzen der Schwangerschaft das einzige Äquivalent für die tägliche Last des Mannes mit der Rasur, die monatliche Regelblutung aus, so dass ich mich als Frau von allen körperlichen Unbilden befreit auf die Geburt meines Kindes vorbereiten und freuen kann.

Von Stund an muss ich nur noch mit dem Finger schnippen und alles um mich herum fragt sofort, wie es mir geht, ob man mir etwas Gutes tun kann, und ob ich womöglich Schmerzen habe. Ich kann mich von vorne bis hinten bedienen lassen, muss keine Dinge mehr schleppen, die ich als zu schwer deklariere, wie z.B. Tempopakete, Kosmetikwatte, oder Hackfleischfix und kann es mir abends auf der Couch gemütlich machen, während mein Kerl sich mit dem Esszimmerstuhl begnügen muss.

Auch die körperlichen Veränderungen begeistern mich. Mir wachsen fantastische Brüste und mein Bauch wird zum Schönheitsideal. Im Gegensatz zum Hefeballon des Mannes erhalte ich mehr Zuspruch und Wertschätzung je dicker, runder und vor allem tiefer meine Kugel sich entwickelt, und kann essen soviel ich mag, weil ich ja nun für zwei sorgen muss.

Irgendwann kann ich sogar die Werktätigkeit einstellen und mein Chef und die Krankenkasse zahlen fröhlich und freiwillig meinen Arbeitsausfall, während ich zuhause Britt gucke und meinen Bauch sanft mit einem Öl gegen Schwangerschaftsstreifen massiere, bis sich abends jemand findet, der meinen Füßen ebenso Gutes tut – ganz unabhängig davon, ob sie kürzlich gewaschen, die Fußnägel pedikürt, oder die Hornhaut abgerubbelt ist.

Die letzten Wochen behandelt man mich wie ein rohes Ei, wie eine Prinzessin auf der Erbse, trägt mich auf Händen, wird nicht müde mich zu beglückwünschen, mich mit leuchtenden Augen zu befragen, welch große Überraschung in meinem wunderschönen Bauch zu finden ist, und hört nicht damit auf, meine Kraft, meinen Mut und meine Schönheit zu preisen, weil mir die Schwangerschaft ja so hervorragend steht, und weil es ja ach so toll sein muss, ein junges Leben unter seinem Herzen zu tragen.

Alle lieben mich, alle achten mich, egal wie ich aussehe, alle kümmern sich um mich und sind einzig an meinem Wohlergehen interessiert. Es ist einfach wundervoll, und ich denke, ich könnte nicht genug davon kriegen. Als Mann kann man von soviel Zuwendung doch nur träumen. Es muss absolut herrlich sein, als Frau zu leben und zudem noch das Wunder der Geburt vor Augen zu haben.

Und dann kommt der große Tag. Die Wehen setzen langsam ein, mein Körper und meine Seele sind verzückt in der freudigen Erregung ein Leben schenken zu dürfen, und als zum Abschluss und zur Krönung der schönsten Zeit meines Lebens die Fruchtblase platzt, die Kontraktionen zunehmen und ich mich vollkommen beglückt auf dem Weg in die Klinik befinde –

bin ich doch wieder ganz froh am Steuer zu sitzen und auf die Frau an meiner Seite zu blicken.

Ich liebe sie sehr, ganz ohne Frage – aber Kinderkriegen ist Frauensache. Das hat die Natur sicher nicht ohne Grund so eingerichtet…

„Ich mach das sonst nie…“ oder: von der Last mit der Liebe in mittleren Jahren

Teil I: Ausgangssituation

Es ist schon eine Last mit der Liebe in mittleren Jahren.
Sicher gilt das nicht für alle jene, die in der Mitte des Lebens stehen, wohl aber für viele, deren meist erste Ehe, oder langjährige Beziehung an den harten Klippen des Alltags im Konflikt zerschellt, oder am schleichenden Übergang von großer Liebe und Vernarrtheit zur Gewöhnung und am Ende zur Gleichgültigkeit zerbrochen ist.

Nun ergibt es sprachlich ein schiefes Bild, wenn wir von den Scherben einer Liebe und damit einer ganzen Existenz sprechen, und eine spätere neue Beziehung als „Patchworkfamilie“ betiteln. Irgendwie ist es ja häufig mehr ein schiefes Kunstwerk hobbymäßig ungeschickter Bleiverglasung der umherliegenden Bruchstücke zweier Familien, dessen Entstehung und Erhalt nur allzu häufig den feigen und gemeinen Steinwürfen eines, oder gar beider Expartner ausgesetzt ist.

Na ja – sofern nicht einer der beiden neuen Partner das frisch gefundene Glück dadurch belastet, dass er sich selber im Werfen von Geschossen gegen die alte Liebe erschöpft und damit die neu gefundene Chance durch einen Grabenkrieg gegen die alte Verbindung aufs Spiel setzt.
Aber auch hier gibt es einen interessanten Seitenweg: der neue Partner beteiligt sich an der Hexenjagd gegen den verflossenen und hilft damit der neuen Beziehung, wenn auch keinen tieferen, so doch (in Ermangelung eines Besseren) einen für eine gewisse Zeit tragfähigen Sinn zu geben.

Aber letztlich ist das nicht das Thema, weil hier schon andiskutiert wurde, was im (manchmal zweifelhaften) Idealfall am langen Ende des Leidensweges steht, den Getrennte, Verlassene, Betrogene und irgendwie verlorenen Seelen des Mittelalters zu gehen haben.

Flachbrüstiges Schlagergeträller im Stil von „Du hast mich 1000x belogen…“ wird zur Hymne einer ganzen Generation von Liebesenttäuschten, die im womöglich vorher geschehenen Seitensprung des Partners eine moralisch eindimensionale Begründung für ihr Unglück sehen, aber nicht gleichzeitig in der Lage sind zu realisieren, dass das Fremdgehen in vielen Fällen nur eine Folge der schleichenden Entfremdung beider ist, an der auch der scheinbar integrere Partner einen Teil Verantwortung zu tragen hat.

Betrachten wir nun die Rolle der Geschlechter am Anfang des Weges in ein neues Glück etwas genauer:

Auferstanden als etwas flügelsteifer Phönix aus den Ruinen und der Asche des alten Glücks unternimmt man die ersten zaghaften Flugversuche und holt sich zumeist ein paar dicke Beulen, weil man den perfekten Start, einen im Idealfall majestätisch anmutenden Flug und eine gelungene Landung erst wieder neu erlernen muss.
In gewisser Weise ist man ja mit den Jahren zu einem domestizierten Wildvogel mutiert, der sich erst wieder in freier Wildbahn zurechtfinden muss.
Diese Auswilderung birgt neben neuen spannenden Abenteuern natürlich auch Gefahren in sich – besonders für Frauen…

So ganz werden wir in der Diskussion nicht ohne Platitüden auskommen können.
Man möge dem Autor das großherzig nachsehen und bedenken, dass eine Platitüde ja nicht notwendig falsch, sondern häufig im Gegenteil eher richtig ist, auch wenn sie zu Recht daran leidet, dass sie Einzelfälle ausblendet, und die verbliebene Verkürzung der Wirklichkeit eher wie ein plakatives Schlagwort und weniger wie ein echtes Argument daherkommt.

Am Ende einer Beziehung gibt es meistens keinen Gewinner.
Auch wenn sich nicht beide zugleich und gegenseitig das Scheitern ihrer Beziehung eingestehen können, und nur einer der Partner als Triebfeder der Auflösung zu sehen ist, so verlieren doch beide gleichermaßen: der gemeinsame Traum ist gescheitert, die Seifenblase vom gemeinsamen Glück jäh und schmerzhaft zerplatzt.

Abgesehen von Einzelfällen und unabhängig von Schuldfragen leiden Frauen häufig „tiefer“ und Männer „breiter“.

Frauen leiden in ihrer Seele – ein fast tödlicher Stachel hat sich tief in ihr Herz gebohrt und verursacht manchmal schier unmenschiche Schmerzen. Hinzu kommt (gerade wenn Kinder im Spiel sind) die oftmals nicht unbegründete Angst auf das soziale Abstellgleis zu geraten.

Auch Männer leiden (entgegen anders lautender Vorurteile) diesen Schmerz.
Dieser wird jedoch überlagert durch den häufig vom Vater ererbten und durch die Sozialisation in einer Männergesellschaft vertieften männlichen Stolz und ein irgendwie schiefes Männlichkeitsideal.
Insofern dringt der Herzstachel beim Mann nicht so tief – sein Problem ist eher die breit gestreute Schrotladung, die sein Ego perforiert hat.

Frauen durchleiden ihren Schmerz und verfügen als emotional geübtere Wesen über ein gut sortiertes Instrumentarium zur Schmerzbewältigung.
Eines ihrer besten Mittel im Kampf gegen des Leiden sind die Fähigkeit und der Mut den Dingen ins Gesicht zu sehen, sich mit den Tatsachen und dem aus ihnen geborenen Schmerz auseinanderzusetzen, während der Mann eher ausweichend-ängstlich auf eine Vogel-Strauß-Politik setzt.
Da wo die Frau schon „durchzustehen“ begonnen hat, ist der Mann häufig noch Gefangener seines Kopfes und seiner durch das tradierte Männerbild verursachten Verstockheit. Es ist ihm oft nicht möglich, rational zu verstehen, was zum Scheitern des gemeinsamen Glücks geführt hat.
Das ist so lange auch kein Wunder, wie er die Ursachen geschlechtstypisch mit seinem Verstand zu ergründen versucht.

Männer sind Konstrukteure. Sie sind die Architekten einer Beziehung und fühlen sich verantwortlich und zuständig für den funktionierenden Rahmen des gemeinsamen Glücks, während die Frau in gewisser Weise den innenarchtiketonischen Part übernimmt und für den emotionalen Teil der Gemeinsamkeit verantwortlich zeichnet.
In gewisser Weise ist es wie in der Kindheit – für den Mann ist eine Beziehung eine Art Bausatz von Fischer Technik, während die Partnerin alles für eine bunte Puppenstube voller glücklicher Familenpüppchen zu tun bereit ist.

Männer beweisen ihre Liebe durch den Bau von Häusern, den Kauf und die Pflege der heimischen Familienkutsche und das Herankarren und Schleppen von Wasserkästen.
Frauen ersehnen sich Liebe in Form von Zärtlichkeit, guten Gesprächen und einer lang anhaltenden und tiefen Zuwendung der Partner.
Nur allzu oft hört man getrennte Männer klagen, dass sie doch a-l-l-e-s für das gemeinsame Glück getan hätten, während die Frau betrauert, dass ihr Mann sie in all den Jahren emotional nicht erreicht hat. Wie sollte er auch – er war ja dauernd im Baumarkt…

Teil II: Gehversuche

Der Volksmund besagt: „Männer sind Jungs in langen Hosen.“ – und so gebärden sie sich auch nach dem Scheitern einer Beziehung.
Sie schimpfen auf ihr zusammengestürztes, windschiefes Kartenhaus, an dem sie doch so lange und vermeintlich erfolgreich gebaut haben, und wollen nicht begreifen, dass es ohne eine tiefe emotionale Bindung an die Partnerin auf Treibsand gebaut war.

Insofern leiden Männer länger als Frauen. Auch wenn sie schon längst „entliebt“ sind, hängen sie noch ihrem alten Traum nach, betrauern dessen Scheitern und können sich so lange Zeit nicht wirklich von der Expartnerin lösen, die dauerhaft wie eine drohende Wolke über ihren neuen Beziehungsversuchen schwebt und lange kalte Schatten wirft…

Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die ersten Anläufe eine neue Liebe zu finden oftmals kläglich scheitern.
Frau und Mann beginnen ihre Suche von unterschiedlichen Ausgangspunkten, mit unterschiedlichen Hoffnungen, Vorstellungen und Wünschen.
Während die Frau nach durchlittenem Schmerz einen Schlusstrich zu ziehen in der Lage und damit offen für einen Neuanfang ist, kämpft der Mann immer noch gegen sein übermächtiges verletztes Ego an und bleibt teilweise dauerhaft unfähig, sich ganz auf eine neue Partnerin einzulassen und sich neu zu binden.
Auf der Seite der Frauen führt das zu vielen Enttäuschungen, weil sich der vermeintliche Prinz als glibbriger, grasgrüner Frosch entpuppt, der sich auch mittels einer Vielzahl von Küssen nicht zur gewünschten Metamorphose in einen Edelmann bewegen lässt.

Es gibt Meinungen, dass Männer eben so sind –
Jäger, immer auf der Pirsch nach neuer Beute, nach einem neuen Reh, dass sie schlagen können – und dass sie dazu durch ihre Natur gezwungen sind, weil animalisch-archaische Urinstinkte sie dazu treiben ihren Samen auf möglichst viele Weibchen zu verteilen, um ihre Nachkommenschaft zu sichern. Nun ist das Letztere selbstverständlich nicht das Ziel, aber als Motor ihrer Bemühungen zu interpretieren.

In gewisser Weise stimmt das auch, ist aber für eine vollständige Beurteilung des Mannes nicht zureichend.
Die Frau, auf der Suche nach eine neuen Bindung und damit einem neuen Nest, möchte sich Zeit lassen und sorgsam auswählen.
Der Mann geht eher nach dem Gießkannenprinzip vor und versucht mehr über Quote als über Intensität zum Ziel zu kommen. Er ist entgegen landläufiger Meinung eher der, welcher über das Küssen vieler Froschfrauen seine „Prinzessin“ zu finden versucht.

Auf keinem anderen Feld in dieser Phase der Neurorientierung prallen die Widersprüche der Geschlechter mehr aufeinander, als auf dem Gebiet der Erotik und der Sexualität. Sexualität ist ein Kreuzweg, auf dem Mann und Frau sich auf ihrer Wanderschaft immer wieder begegnen und – sich gegenseitig missverstehen und enttäuschen.
Um es prinzipiell zu fassen und plakativ zu sagen: Während der Mann Sex möchte und dabei schaut, ob es mit dem Verlieben klappt, möchte die Frau sich verlieben und hofft dann, dass auch eine erfüllte Sexualität möglich ist. Oder anders: der Mann möchte Spaß und nimmt in Kauf, dass sich mehr daraus entwickeln kann, während die Frau auf der Suche nach dem „Mehr“ ist und widrigenfalls auch gegen ein wenig Spaß gelegentlich nichts einzuwenden hat.

Zum Unglück der Frau ist der Mann dabei aber in der stärkeren Position. Zum einen gelingt es ihm eher, die Spreu der Erotik vom Weizen der Liebe zu trennen. Der Mann ist wegen seines kopfgesteuerten Seelenlebens eher in der Lage, so eine Art „Konzept der erotischen Freundschaft zu leben“.
Dieses Konzept beinhaltet eine ganze Reihe von Beziehungsmerkmalen, wie gelegentliches Ausgehen, romantische Abende und natürlich auch mehr oder minder leidenschaftlichen Sex, ohne ihn jedoch in den (ihm wegen seiner unaufgearbeiteten Trennung drohlich erscheinenden) Strudel der Liebe zu ziehen. Das Ganze wird zudem beziehungsähnlich mit einer gewissen Exklusivität verbunden, wobei die kleine Vokabel „gewissen“ einen für die Frau nicht zu vernachlässigenden Pferdefuß in sich birgt: „gewiss“ kommt hier nicht von Gewissheit, sondern drückt vorsichtig gesagt „eine entspannte Haltung zum Treugelöbnis innnerhalb dieser Art von Übergangsbeziehung“ aus.
Männer werden wissen was ich meine – und Frauen es am eigenen Leib, bzw. am Leib der anderen erfahren…

Teil III: Dramatik

Nun sind beileibe nicht alle Männer gewissenlos und so kommt es im Ent- und Bestehen solcher Mikrobeziehungen zu lustigen Missverständnissen. Und das geht so:

Man lernt sich kennen – in freier Wildbahn, oder immer häufiger in einer der mittlerweise zahllosen Partnerbörsen im Internet (die übrigens eine Menge Stoff für einen weiteren Artikel bieten), trifft sich ein, zwei, oder ganz züchtig auch ein drittes Mal und steht dann vor der schwerwiegenden Entscheidung, ob man es zu sexuell eingefärbten Schleimhautkontakten kommen lassen möchte.
Eine kluge Frau, auf der Suche nach etwas dauerhafterem als einer erotischen Sternschnuppe täte gut daran sich noch etwas zu zieren, so wie ein Pokerspieler, der auch nicht gleich sein Blatt offenbart, um den Gegner möglichst weit aus der Reserve zu locken.

Aber hier kämpft sie den aussichtslosen Kampf gegen den Vorteil des Mannes, dem es zunächst einmal um Erotik und weniger um Beziehung geht.
Wie eine rastlose Honigbiene summt er weiter zur nächsten Blume, wenn ihm die die Blüte der einen nicht den versprochenen Nektar liefert.
Mitunter bleibt die Frau frustriert und traurig zurück, weil der Mann in der vorherigen Akquisitonsphase eine ganzes Arsenal von Signalen auf sie abgefeuert hat, das Beziehungswillig- und -fähigkeit zu signalisieren schien.
Der Mann mutiert da mitunter unbewusst zu einer Art glubschäugigen und grabschhändigen Chamäleon, das in der Lage ist genau das Gewand anzulegen, das sein weibliches Gegenüber in der jeweiligen Situation maximal zu becircen in der Lage ist.

Und so gibt sie sich ihm letzendlich hin, in der Hoffnung, dass mit ihm das Mehr möglich ist, dass sie sich so sehr wünscht.
Dabei übersieht sie jedoch die Signale von seiner Seite, die – leider mehrdeutig – auch auf seinen Mangel an Beziehungsbereitschaft hinweisen.
Dieses Senden mehrdeutiger Zeichen ist die eigentliche Kunst des Verführers in mittleren Jahren.
Denn, obwohl er sich in seiner vorherigen Beziehung meist geweigert hat seiner Partnerin emotional das zu geben, nachdem es sie so sehr verlangte, hat er doch rational gelernt, welches ihre Bedürfnisse sind, und setzt dieses Wissen beim Werben um das nachfolgende Weibchen konsequent, wenn auch nicht immer aus bösem Kalkül ein.

Und während sie sich noch einredet, dass er mehr möchte als nur Sexualität und gemeinsame Freizeitaktivitäten, weil sie seine Signale hoffnunggeschwängert so interpretiert, wie sie in ihre Träume passen, so belügt er sich selbst (und sie wohl auch) ebenso.
Die Frau, im Willen ihn nicht zu bedrängen und ihm Zeit zu lassen auf dem Weg zu ihr, gibt nämlich ebenso Uneindeutiges von sich.

Rein verbal möchte auch sie „es erstmal locker angehen“ und mal „ganz unbefangen aufeinander zu- und miteinander umgehen“, während sie zwischenzeilig zwar zart, aber dennoch relativ unverblümt den Wunsch nach seelischer und lebenspraktischer Verschmelzung durchscheinen lässt.
Ihr männlicher Gegenpart aber blendet diese, in ihren Worten mitschwingende Melodie vollkommen aus, obwohl er meist durchaus in der Lage ist, sie zu hören.
Und so lieben sie aneinander vorbei: sie ignoriert seine Signale der Distanz und er die ihren, die mehr Nähe bedeuten, und beide reden sich damit etwas ein, das ihr Gewissen beruhigt.

Vielfach enden solche Mikrobeziehungen nach einem ähnlichen Schema: irgendwann kann die Frau den Spagat auf dem schmalen Grat zwischen Tändelei und Liebe nicht mehr halten. Sie möchte z.B. „etwas mit den Kindern gemeinsam unternehmen“, oder an einem Wochenende mit ihm verreisen, das eigentlich männlichen Kumpaneiritualen vorbehalten ist.
Was immer auch der Auslöser ist: für ihn ist es das Zeichen der Zeit, endlich auch offiziell Bewusstsein darüber zu erlangen, dass er „nach seiner Trennung noch nicht soweit ist“, dass „der Stachel seiner Verletztheit noch zu tief sitzt, um ihm das Vertrauen zu ermöglichen, dass sie unbedingt verdient“. Er „möchte sie nicht verletzen“, „es täte ihm Leid“ und „überhaupt war das gar nicht so abgemacht mit den Gefühlen, die da so plötzlich und unerwartet im Spiel sind“…

…womit er ihr elegant den schwarzen Peter zuschiebt für die verfahrene Situation…

Danach summt die Biene weiter zur nächsten Blüte, während die Blume zuvor ihm noch leise hinterherruft: „Wie konnest Du all diese Dinge so tun und so sagen, obwohl Du doch sowenig für mich empfunden hast…?“

Und so endet die Geschichte, die auf seinem Sofa mit einem von ihr gehauchten „Ich mach sowas sonst nie.“ begann und mit seinem „Es tut mir Leid, aber ich bin noch nicht soweit.“ zum Abschluss kommt.
Auf der Strecke bleibt die Chance, die beide vielleicht gehabt hätten, wenn ihre Kotflügel der Liebe beim Unfall der ersten großen Beziehung nicht zum Totalschaden zerdellt worden wären…

Schulwechsel – ein Infoabend mit Modellcharakter

KlassenzimmerGestern war ein wichtiger Tag.

Der Wechsel meines Sohnes auf die weiterführende Schule steht bevor:

„INFORMATONSVERANSTALTUNG ZUM THEMA WEITERFÜHRENDE SCHULE“

stand sperrig auf dem nachmittags noch hastig ausgedrucken Hinweisschild an der Tür zu Mini-Aula seiner Grundschule, die bis auf den letzen Platz prallgefüllt war.

Ich hatte mich mit meiner Exfrau und der Mutter meines Sohnes pünktlich eingefunden, um den Ausführungen des Abends zu lauschen.

Mit uns waren sie alle da: die feinen Leute, wie auch die Vorstände der Familien aus einfacheren Verhältnissen und die zwischen beiden Extremen oszillierenden Nuancen sozialer Gruppenzugehörigkeit.

Zehn Jahre alt ist man ja schließlich unabhängig vom sozialen Status und der Schulbildung seiner Eltern, und so trifft man bei solchen Veranstaltungen einen gesunden Querschnitt aus der Gesellschaft, was ganz normal und auch so okay ist.

Wenn da nicht…

…ja wenn da nicht die sechs Hauptstörenfriede wären, die aus einer solchen Veranstaltung ein Panoptikum zu machen in der Lage sind, wenn die Moderation nicht unheimlich auf der Hut ist:

  • DER KLUGSCHEISSER,
  • DER POSSENREISSER und
  • DER FEINE PINKEL

Ganz besonders kritisch kann die Situation werden, wenn sich zwei, oder gar alle drei Charaktere in Personalunion bei einem der Väter (meistens sind es ja die Herren, die meinen eine Balz aufführen zu müssen…) zusammenfinden.

Aber auch bei Frauen gibt es das Phänomen.
Auch hier kann ich kann grobschlächtig drei Hauptkategorien ausmachen:

  • DIE BESORGTE HAUSFRAU UND MUTTER
  • DIE SICH SELBST BEWEIHRÄUCHERNDE KARRIEREFRAU und die
  • IN WOLLSOCKEN UND NORWEGER GEWANDETE ÖKOTUSSI, MIT SOZIALEM BUWUSSTSEIN

Kaum zu sagen, welcher der sechs Typen am schlimmsten zu ertragen ist.
Sicher ist, dass einen gelegentlich das Gefühl überfällt, in einer Comdeyshow zu sitzen, bei der das Publikum der Hauptact des Abends, und die Moderatoren die staunenden und interaktiv mit einbezogenen Zuschauer sind.

So ein Abend war gestern und ich muss sagen: meine Erwartungen und Befürchtungen wurden nicht enttäuscht.
Sie waren alle da, so als hätte man ihnen Freibier versprochen dafür, dass sie das Festzelt auf dem heimischen Schützenplatz unterhalten.

Es kam zu tumultartigen Zuständen, weil der Klugscheißer, der Possenreißer und der feine Pinkel sich permanent ins Wort fielen und sich entweder in der Formulierung der absonderlichsten Thesen gegenseitig überboten, oder mit kleinen polemischen Spitzen versuchten, die Aussage des anderen ins Lächerliche zu ziehen.

Erwähnte ich schon, was noch schlimmmer ist als zwei oder drei der Männertypen in Personalunion? Nein?

Wenn alle drei Typen in Reinkkultur auftreten und am Tag zuvor eine private Niederlage, oder einen geschäftlichen Rückschlag zu verkraften hatten.
Dann wollen sie sich nämlich am Abend das Selbstvertrauen wieder aufbauen, das am Tage gelitten hat, und gebärden sich wie wildgewordene Auerhähne auf der Balz nach dem Weibchen mit den dicksten Schenkeln…

Gelegentlich, und nur wenn die Männer mal eine Atempause machen müssen, (so ähnlich wie dicke Wale, die auch von Zeit zu Zeit aus ihrem Primärelement auftauchen müssen, um ihre Lungen wieder mit Luft zu füllen), melden sich die Frauen zu Wort.

Der Typ „besorgte Hausfrau und Mutter“ stellt gelegentlich Fragen, deren Zusammenhang mit dem Thema des abends nur zu erahnen ist, während die „sich selbst beweihräuchernde Karrierefrau“ mit jeder Äußerung raushängen lässt, dass die Schule sich doch bitte ihrem modernen und progressiven Lebenstil als Powerfrau anzupassen hat, und dass nicht sie Rücksicht nehmen muss auf die Vielfalt der schulischen Aufgaben vor dem Hintergrund gravierender sozialer Unterschiede in der Schülerschaft.

Der dritte Typ „in Wollsocken und Norweger usw…“ sagt erstmal nichts.
Kaum dass sie den Mund öffnet, beschleicht einen das Gefühl, sie würde sich danach erkundigen wollen, ob es in der Schule auch eine Ecke gibt, wo die Schüler legal Cannabis konsumieren dürfen.
Tatsächlich konfrontiert sie einen dann aber doch nur mit den neuesten sozialwisschenschaftlichen und psychologischen Studien zur pubertären Entwicklung sozialschwacher Kinder.

TOTAAAAAAL SPANNEND –

Zum Glück dürfen die Frauen nicht lange reden, weil ihnen die Streithammel von eben das Wort abschneiden, um ihren Kampf um den Preis für den „Am schönsten geschwollenen Hahnenkamm des Abends“ wieder aufzunehmen.
Und überhaupt gehören Frauen an den Herd und nicht in eine Diskussion – das ist widernatürlich. (Das sagen sie zwar nicht, aber es trieft wie altes Frittenfett zwischen ihren Worten heraus…)

Ganz zum Schluss, als die Wogen schon geglättet und die Flut profilneurotisch zu erklärender Worthülsen abgeebbt zu sein scheinen, meldet sich der Totengräber jeder Diskussion zu Wort:

  • DIE LANGATMIGE, WEIT AUSHOLENDE UND JEDEN ASPEKT DES THEMAS AUFS GENAUESTE BELEUCHTENDE LABERTASCHE

Ihre Sätze beginnen meist mit einer Konstruktion der Art:
„AAAAAAAAAALSOOOOOOOO…“

Leider legte mir meine Exfrau beschwichtigend ihre Hand auf den Unterarm, fiel mir ins Wort, noch bevor ich etwas sagen konnte,  und meinte: „Lass mal gut sein – wir kriegen doch gleich ein Informationsblatt auf dem alles steht…“

Midlife Crisis

schoenmachzeug

Ich liebe es, mein Eheweib,
und auch ihren vollen Leib,
Na ja, zumindest im Prinzip,
find ich sie schön und hab sie lieb.

Hat um die Augen ein paar Falten,
und ihr BH muss besser halten,
denn ihre Brüste sind jetzt schlaffer,
und auch die Haut war schonmal straffer.

Ihr Haar ist heute etwas grau,
und rundlicher ihr Körperbau,
und wo’s der Haut an Glätte fehlt,
wird halt gecremt und auch gegelt.

Der Po, na ja, ist nicht mehr rund,
und die paar Runzeln um den Mund,
sowie am Lid die Krähenfüße
betonen eher ihre Süße.

Mit sündhaft teuren Wundermitteln,
die meist sehr schwierig sich betiteln,
bekämpft sie die Orangenhaut,
die sich an ihren Schenkeln staut.

Ich als Mann hab’s da viel besser
muss nicht zum Schönsein unters Messer,
weil Du als Mann, was sicher ist,
ohne Bauch ein Krüppel bist.

Die grauen Schläfen wie bekannt,
sind männlich und zudem markant,
und fehlt es mal an rechter Steife,
gleicht man das aus mit Charme und Reife.

Das Schnarchen nachts im Ehebett,
klingt nicht so schön und so adrett,
doch ist’s wie meine Stinkefüße
wohl kein Problem für meine Süße,

die wenn sie’s Bad poliert und wischt,
mein Haupthaar aus der Wanne fischt,
das langsam, was mich traurig stimmt,
Reißaus von meiner Kopfhaut nimmt.

Doch hab als Mann, wie ich wohl weiß,
gegen manch Raubbau und Verschleiß,
ein Mittel, das die Schmerzen lindert,
und den Frust des Alterns lindert.

So parallel für nebenbei,
zu meinem Eheeinerlei,
such ich mir ‘nen jungen Hüpfer,
mit drallem Po und knappem Schlüpfer.

Die wirkt dann wie Erotikdünger
und macht mich um Jahre jünger.
Sie kümmert sich um die Bewegung,
und’s Weib zuhaus um die Verpflegung.

Doch was ist das, ein scharfer Stich,
durchrast die Brust, ich fürchte mich.
Mein Herz, es krampft und zuckt gefährlich,
pulst nicht nach Plan heiß und begehrlich,

sondern scheint wie wild zu hetzen
und manchmal einfach auszusetzen.
Ich wünschte meine Frau wär da,
um mich zu retten – aaaaahhhh…