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Niete im Bett

Kaum etwas gibt ein Mann weniger gern zu, als dass er ein schlechter Autofahrer ist.

Auch ich halte mich für einen sicheren und versierten PKW-Lenker, ausgestattet mit der Reaktionssicherheit eines Michael Schumacher und den Instinkten eines Walter Röhrl.
Davon lasse ich mich auch nicht so leicht durchs Fernsehen abbringen – schnell fahren kann ich auch, und um die Kurve schlittern und schleudern fällt mir auch nicht schwer, wenn mir das ESP auch manches Mal ein bisschen Hilfestellung leistet, sofern ich mal wieder meinen Bleifuß einen Tick zu lange auf dem falschen Pedal hatte. Überhaupt sind die Straßen zu schmal, die Kurven zu eng, und Fußgänger sollten die Fahrbahn nur an wenigen genau gekennzeichneten Stellen überschreiten dürfen, um den Verkehr nicht zu gefährden.

Aber ich schweife ab – wahrscheinlich um mich um ein Geständnis zu drücken, das mir seit ein paar Tagen auf der Seele lastet: ich bin vermutlich eine Flasche im Bett – und wer jetzt glaubt, ich, als typischer Mann, dächte dabei an einen brandheißen Molotowcocktail, der sieht sich getäuscht.
Offenbar bin ich eher ein Exemplar der Marke „nicht richtig zugeschraubte Cola, die zu lange in der Sonne gestanden hat“. Wie ich darauf komme? Gut, ich will es erklären.

Ich bin eine Nachteule und habe früh am Abend einen toten Punkt, der mich gegen 21:00 Uhr auf dem Sofa ins Röchelkoma fallen lässt. Männer kennen das: Kopf nach hinten, Garage auf und Platons Höhlengleichnis geben, während aus dem Rachen ein Geräusch von industrieller Kläranlage nach außen dringt. Zum Glück hält dieser Zustand nicht so lange an, bis Schwalben beginnen ihr Nest in der sich einladend öffnenden Höhle zu bauen, und gegen 22:00 Uhr bin ich dann wieder so fit wie ein Turnschuh, während der ausgetrocknete Gaumen dafür sorgt, dass ich auch in etwa so rieche. Also schnell ab ins Bad, Zähne putzen und… Aber ich schweife schon wieder ab… weiterlesen »

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Scha-hatz?!

Schahatz? Was denkst Du gerade.
Nichts, mein Engel.

Man kann aber doch nicht nichts denken
Doch, ich schon. Gute Nacht.

Schahatz, was fühlst Du gerade?
Nichts, mein Engel. Warum fragst Du?

Das Gefühl habe ich ja auch. Du liebst mich nicht mehr.
Doch, mein Engel, natürlich liebe ich dich noch. Wie kommst Du darauf?

Du sprichst nicht mehr mit mir.
Was tun wir denn gerade?

Was denkst Du denn, was wir tun?
Reden natürlich – sag mal was soll das?

Also, wenn du denkst, dass wir reden, dann denkst Du doch was?
Ach Engel, ich fühl mich so müde…

Siehst Du Schatz, und fühlen tust Du auch was. Nur reden willst Du nicht über Gefühle.
Engel ich liebe dich noch, und basta!

Wenn Du mich noch lieben würdest, wärst Du nicht so schroff zu mir.
Hör mal, Engel, wieso musst Du mich jetzt so aufregen.

Ja, ja, aufregen tue ich dich noch, erregen schon lange nicht mehr.
Aaargh, natürlich begehre ich dich noch.

Glaubst Du das, denkst Du das, oder fühlst Du das?
Ich fühle es – aber jetzt lass uns schlafen.

Vermutlich glaubst Du nur, dass Du es fühlst. Oder denkst Du das nur?
Ich weiß es einfach, mein Engel.

Aber ein Gefühl zu wissen ist doch Denken, von dem man glaubt, dass man es fühlt, oder nicht?
Also Engelchen: ich weiß, ich denke, ich glaube und ich fühle, dass ich dich liebe.

Und was davon am meisten?
Du machst mich wahnsinnig! Alles zugleich.

Aber glauben ist doch weniger als wissen.
Dafür ist es aber eine tiefe seelische Überzeugung!

Und Denken bedeutet doch entweder nur eine Art Glauben, oder Wissen ganz ohne Gefühl.
Engel, jetzt ist aber mal gut. Ich fühle, dass ich dich liebe.

Aber eben hast du noch gesagt, Du fühlst nichts – und dass Du auch nichts denkst.
Als Du mich gefragt hast, habe ich auch nichts gefühlt und nichts gedacht.

Aber wenn Du mich liebst, dann musst Du doch immer was fühlen?
Ja tue ich auch, aber mehr latent.

Das war früher aber ganz anders.
Nein, war es nicht, ich habe es nur öfter gesagt.

Siehst Du, Du redest nicht mehr richtig mit mir.
Nur weil, ich dir nicht mehr so oft sage, dass ich dich liebe, heißt das nicht…

Beweise es mir!
Wie denn?

Schlaf mit mir!
Na schön, Engelchen. Sag das doch gleich!

Das ist mal wieder typisch – für Sex bin ich grad noch gut genug!
Moment mal bitte, mein Engel.

Was machst du da mit dem Messer Schatz?
Ich glaube, Du gehst mir auf den Geist, ich denke, es ist Zeit daran etwas zu ändern, ich fühle mich am Rande des Wahsinns und ich weiß, es gibt keine andere Lösung!

SCHAHATZ!!!!!!!
Schlaf schön, mein Engel!

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Disclaimer: Der Autor weist vorsorglich darauf hin, dass dieser Text nicht frauenfeindlich gemeint ist, und dass jede Ähnlichkeit mit noch lebenden, bereits verstorbenen und Personen, die zwar noch leben, sich aber nicht mehr wehren können, rein zufällig ist.

Es ist mal wieder soweit. Die kommenden Ereignisse werfen schon seit Wochen ihre Schatten voraus, als wir uns in Schale für den wichtigsten Abend des Jahres werfen.
„Weiberfastnacht“ klingt es in unseren Ohren und löst einen Speichelflussreflex aus, gegen den selbst die Hunde Pawlows eine Wüste Gobi im Maul gehabt haben müssen.

Natürlich träumen wir der eher von einer wüsten Gabi, als wir den unaufhörlichen Speichelfluss mit einem ersten Bierchen zum Warmmachen in Jupps Bude bekämpfen.

„Vorglühen“ nennen wir das – und wir, das sind Jupp, Mattes und meine Wenigkeit, das Trio Infernale des Karnevals, dessen legendärer Ruf jedes Jahr mehr und mehr Väter dazu bewegt, ihre 40-jährigen Mädchen im Keller wegzusperren, damit sie nicht, ihrer letzten Illusionen über die holde Männlichkeit beraubt, einem ca. vierzig Jahre dauernden altjüngferlichen Lebensabend ins Auge sehen müssen.

Mit einem leichten Alkoholpegel gegen das gelegentlich aufkeimende schlechte Gewissen gewappnet, machen wir uns auf den Weg, der gepflastert ist mit Anekdötchen und Histörchen verblassender Männlichkeit aus den letzten Jahren, die nun, im Lichte gegenseitiger Beweihräucherung den Nimbus großartiger Legenden annehmen.

Als wir mental und alkoholisch gestärkt den Turnierplatz betreten, scheint ein Raunen durch die Menge zu gehen, die Musik verstummt für einen Moment und alle Blicke ruhen auf uns, die wir in drohlich erscheinender Phalanx mit stählernem Blick und erhabenen Ganges den Saal betreten.

Die Herren halten ihre Frauen fester und wissen nun, es wird ein harter Abend, voller Ängste von drohender Einsamkeit und der Gewissheit ihrer nur relativen männlichen Bedeutung vor dem maskulinen Orkan, der nun über sie hinwegzufegen beginnt.
Aufatmend und erst einmal beruhigt löst sich die Stimmung, als wir zuerst einmal ein Bier bestellen und uns im Eingangsbereich an einem Stehtisch platzieren, um den Zu- und Abfluss begattbaren Materials zu taxieren. weiterlesen »

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Fremde Haut

Wenn man den Statistiken glauben mag, gehen ein Großteil der Männer und eine wachsende, mittlerweile fast gleich große Zahl der Frauen fremd. Das Internet trägt natürlich seinen Teil dazu bei, in dem es ein altes Sprichwort bestätigt: „Gelegenheit macht Diebe“.

Zum einen verändert das Netz Moralvorstellungen insofern, als durch seine anarchische Struktur auch teils fragwürdige Wertvorstellungen eine Plattform erhalten, die diesen im praktischen Leben nicht möglich wäre, andererseits schafft es auch ein Füllhorn von Kontaktmöglichkeiten, die in ihrer Menge real kaum zu realisieren sind, zumal dann, wenn man in sich einer festen Beziehung mit geregelten zeitlich Abläufen befindet.

Doch was bewegt Menschen dazu, sich real oder online eine kürzere oder längere entweder nur erotische, oder auch amouröse Erfahrung zu suchen?

Es gibt eine Form von Nähe, die einem nur die Partnerschaft geben kann und die von großer, fast allumfassender Bedeutung ist. Diese Nähe hat aber nicht unbedingt zuerst mit erotischer Nähe zu tun, sondern mit einem Gefühl von Geborgenheit und Verlässlichkeit, das man nicht für das Linsengericht einiger schneller sexueller Erlebnisse aufs Spiel setzen möchte.

Eine Folge dieser Art von Verlässlichkeit ist aber auch eine starke Gewöhnung aneinander, und wo man positiv sagen kann: „Ich habe mich so an dich gewöhnt.“, so muss man in der Paarbeziehung sehr darauf achten, dass aus dieser positiven Gewöhnung nicht ein „Du bist mir so gewöhnlich geworden.“ wird. Sicher sollte ein Großteil der Beziehungsarbeit ihr Augenmerk darauf legen, was aber im Alltag, der allzuoft von einer rasanten Eigendynamik geprägt ist, sehr häufig vernachlässigt wird.

Deshalb aber, laufen nicht nur schon beschädigte Beziehungen Gefahr, zum Opfer einer Affäre zu werden, sondern auch sehr gut funktionierende Partnerschaften, und darunter auch solche, in denen die Erotik durchaus noch einen besonderen, wenn, vielleicht auch zu Recht, nicht mehr den ersten Stellenwert hat. weiterlesen »

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Hallo, mein Name ist Julius, und wer bist Du Hübsches?
Ich.. ich… bin die Roswitha…
Hallo Roswitha, was treibt dich her?
Ich… ich… suche eine Beziehung…
Was machst Du beruflich?
Ich… ääh… Kommu…ni…kationspsychologin – und Du?
Hans Dampf, hahaha, ich verkaufe Dampfreiniger.
Im Fernsehen…?
Nein an der Haustür. Hast du ein Hobby?
Ja ähm… Makramee und Bonsai und… Du?
Ikebana und Sado Maso.
Ist das was … mit Kampfsport?
Nein, hat was mit Meditation zu tun.
Möchtest Du meine Num…?

NÄCHSTER!

Frank, Hallo.
Hi Frank
Und wie heißt Du ?
Birgit. Du siehst nett aus…
Ist „nett“ nicht die kleine Schwester von…?
Nein, nein, wirklich, was machst Du so?
Ich leite eine Surfschule.
Super, ich surfe für mein Leben gern. Ich bin Sportlehrerin.
Ich finde dich auch hübsch. Schon was dabei gewesen heute für dich?
Nein, nicht wirklich, aber ich habe das Gefühl…
Geht mir ähnlich. Wollen wir vielleicht mal…
Magst Du Kinder?
Ähm, ja schon, wieso?
Ich habe zwei - vier und sechs.
Zwölf?
Nein zwei - vier und sechs Jahre alt.
Also drei?
Nein, zwei Kinder, je vier und sechs Jahre.
Ach Du… weißt Du… ich glaube… ich bin noch nicht…
Schon gut…

NÄCHSTER!

Huhu, ich heiße Saaabine,
Du heiße Sabine? Ich lustige Hans! Haha! Servus!
Du hast aber viele Muskeln?!
Jo, von nix kommt nix, was machst Du so?
Stenotypistin und Bürokauffrau, und Du?
Hundefriseur.
Ich reise gern, ich war schon in Italien, Ägypten, Mallorca, Gran Canaria, Mexiko, Malaysia, Sri Lanka, Corfu, Dubai, Frankreich, Bulgarien…
Vulgarien, haha,
Kreta, Türkei… und Du?
Wacken!
Eigentlich mag ich ja keine langen Haare bei Männern…
Magst Du Motorradfahren?
Nicht so sehr… ich hab ein Pferherd.
Hm!
…und einen Hund, zwei Katzen, drei Kaninchen und…
…einen Vogel, so wie’s aussieht.
Ja, einen Wellensittich – woher wusstest Du…?
Hier, meine Karte, falls dein Hund…
Mein Hund fährt auch kein Motorrad…
Aaargh…

NÄCHSTER!

Wer bist denn Du?
Steht doch auf dem Schild. Machst Du dir immer so wenig Mühe?

Sicher wieder so einer, der nix tut, nur faul in der Gegend rumsitzt, und…

…den ganzen Tag den Fernseher laufen und die leeren Bierflaschen rumstehen lässt.

Davon hab ich schon genug gehabt. Ich will mal was Richtiges. Einen ganzen Kerl halt.

Aber Du kriegst ja nicht mal den Mund auf.

Sag mal, ist das eine echte Rolex?
Jepp!
Ich bin die Ellen, und für den Richtigen könnte ich mir auch vorstellen nur noch Hausfrau zu sein…

NÄCHSTER!

Grüß Dich – Angie…
Hallo, ich Ahmed,






Ja, dann…

NÄCHSTER!

Hallo
Hallo.
Ich bin der Sebastian, 42, Werbekaufmann, leitende Position und Du?
Susanne, 38. Ich habe eine Putzstelle.
Tja dann… Ich denke nicht, das wir gesellsch…
Ich bin Nymphomanin…
…und ich hab ein Cabrio…wollen wir…?

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Ich will einen Babybauch!

Ihre Klagen klingen noch in meinen Ohren. Es sei ja so beschwerlich Mutter zu werden. Da kann ich als Mann aber nur herzlich lachen. Ich gäbe was drum, die Segnungen der Mutterschaft als Frau selbst erleben zu dürfen, die mir die Natur in so schnöder Weise vorenthält.

Das fängt schon mit dem Zeugungsakt an. Mich plagen weder Ängste um Potenz und vorzeitigen Samenerguss, noch muss ich viel mehr tun, als gleich einem abgestürzten Maikäfer auf dem Rücken zu liegen, und benötige zudem keinen Orgasmus, um hinterher zufrieden einzuschlafen. Der Verzicht auf ein paar Zärtlichkeiten, die ich als Mann ja schon komplett überflüssig finde, wird mir da sicher nicht so schwer fallen.

Außerdem fiele mit dem Einsetzen der Schwangerschaft das einzige Äquivalent für die tägliche Last des Mannes mit der Rasur, die monatliche Regelblutung aus, so dass ich mich als Frau von allen körperlichen Unbilden befreit auf die Geburt meines Kindes vorbereiten und freuen kann.

Von Stund an muss ich nur noch mit dem Finger schnippen und alles um mich herum fragt sofort, wie es mir geht, ob man mir etwas Gutes tun kann, und ob ich womöglich Schmerzen habe. Ich kann mich von vorne bis hinten bedienen lassen, muss keine Dinge mehr schleppen, die ich als zu schwer deklariere, wie z.B. Tempopakete, Kosmetikwatte, oder Hackfleischfix und kann es mir abends auf der Couch gemütlich machen, während mein Kerl sich mit dem Esszimmerstuhl begnügen muss.

Auch die körperlichen Veränderungen begeistern mich. Mir wachsen fantastische Brüste und mein Bauch wird zum Schönheitsideal. Im Gegensatz zum Hefeballon des Mannes erhalte ich mehr Zuspruch und Wertschätzung je dicker, runder und vor allem tiefer meine Kugel sich entwickelt, und kann essen soviel ich mag, weil ich ja nun für zwei sorgen muss.

Irgendwann kann ich sogar die Werktätigkeit einstellen und mein Chef und die Krankenkasse zahlen fröhlich und freiwillig meinen Arbeitsausfall, während ich zuhause Britt gucke und meinen Bauch sanft mit einem Öl gegen Schwangerschaftsstreifen massiere, bis sich abends jemand findet, der meinen Füßen ebenso Gutes tut – ganz unabhängig davon, ob sie kürzlich gewaschen, die Fußnägel pedikürt, oder die Hornhaut abgerubbelt ist.

Die letzten Wochen behandelt man mich wie ein rohes Ei, wie eine Prinzessin auf der Erbse, trägt mich auf Händen, wird nicht müde mich zu beglückwünschen, mich mit leuchtenden Augen zu befragen, welch große Überraschung in meinem wunderschönen Bauch zu finden ist, und hört nicht damit auf, meine Kraft, meinen Mut und meine Schönheit zu preisen, weil mir die Schwangerschaft ja so hervorragend steht, und weil es ja ach so toll sein muss, ein junges Leben unter seinem Herzen zu tragen.

Alle lieben mich, alle achten mich, egal wie ich aussehe, alle kümmern sich um mich und sind einzig an meinem Wohlergehen interessiert. Es ist einfach wundervoll, und ich denke, ich könnte nicht genug davon kriegen. Als Mann kann man von soviel Zuwendung doch nur träumen. Es muss absolut herrlich sein, als Frau zu leben und zudem noch das Wunder der Geburt vor Augen zu haben.

Und dann kommt der große Tag. Die Wehen setzen langsam ein, mein Körper und meine Seele sind verzückt in der freudigen Erregung ein Leben schenken zu dürfen, und als zum Abschluss und zur Krönung der schönsten Zeit meines Lebens die Fruchtblase platzt, die Kontraktionen zunehmen und ich mich vollkommen beglückt auf dem Weg in die Klinik befinde –

bin ich doch wieder ganz froh am Steuer zu sitzen und auf die Frau an meiner Seite zu blicken.

Ich liebe sie sehr, ganz ohne Frage – aber Kinderkriegen ist Frauensache. Das hat die Natur sicher nicht ohne Grund so eingerichtet…

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Teil I: Ausgangssituation

Es ist schon eine Last mit der Liebe in mittleren Jahren.
Sicher gilt das nicht für alle jene, die in der Mitte des Lebens stehen, wohl aber für viele, deren meist erste Ehe, oder langjährige Beziehung an den harten Klippen des Alltags im Konflikt zerschellt, oder am schleichenden Übergang von großer Liebe und Vernarrtheit zur Gewöhnung und am Ende zur Gleichgültigkeit zerbrochen ist.

Nun ergibt es sprachlich ein schiefes Bild, wenn wir von den Scherben einer Liebe und damit einer ganzen Existenz sprechen, und eine spätere neue Beziehung als “Patchworkfamilie” betiteln. Irgendwie ist es ja häufig mehr ein schiefes Kunstwerk hobbymäßig ungeschickter Bleiverglasung der umherliegenden Bruchstücke zweier Familien, dessen Entstehung und Erhalt nur allzu häufig den feigen und gemeinen Steinwürfen eines, oder gar beider Expartner ausgesetzt ist.

Na ja – sofern nicht einer der beiden neuen Partner das frisch gefundene Glück dadurch belastet, dass er sich selber im Werfen von Geschossen gegen die alte Liebe erschöpft und damit die neu gefundene Chance durch einen Grabenkrieg gegen die alte Verbindung aufs Spiel setzt.
Aber auch hier gibt es einen interessanten Seitenweg: der neue Partner beteiligt sich an der Hexenjagd gegen den verflossenen und hilft damit der neuen Beziehung, wenn auch keinen tieferen, so doch (in Ermangelung eines Besseren) einen für eine gewisse Zeit tragfähigen Sinn zu geben.

Aber letztlich ist das nicht das Thema, weil hier schon andiskutiert wurde, was im (manchmal zweifelhaften) Idealfall am langen Ende des Leidensweges steht, den Getrennte, Verlassene, Betrogene und irgendwie verlorenen Seelen des Mittelalters zu gehen haben.

Flachbrüstiges Schlagergeträller im Stil von “Du hast mich 1000x belogen…” wird zur Hymne einer ganzen Generation von Liebesenttäuschten, die im womöglich vorher geschehenen Seitensprung des Partners eine moralisch eindimensionale Begründung für ihr Unglück sehen, aber nicht gleichzeitig in der Lage sind zu realisieren, dass das Fremdgehen in vielen Fällen nur eine Folge der schleichenden Entfremdung beider ist, an der auch der scheinbar integrere Partner einen Teil Verantwortung zu tragen hat.

Betrachten wir nun die Rolle der Geschlechter am Anfang des Weges in ein neues Glück etwas genauer:

Auferstanden als etwas flügelsteifer Phönix aus den Ruinen und der Asche des alten Glücks unternimmt man die ersten zaghaften Flugversuche und holt sich zumeist ein paar dicke Beulen, weil man den perfekten Start, einen im Idealfall majestätisch anmutenden Flug und eine gelungene Landung erst wieder neu erlernen muss.
In gewisser Weise ist man ja mit den Jahren zu einem domestizierten Wildvogel mutiert, der sich erst wieder in freier Wildbahn zurechtfinden muss.
Diese Auswilderung birgt neben neuen spannenden Abenteuern natürlich auch Gefahren in sich – besonders für Frauen…

So ganz werden wir in der Diskussion nicht ohne Platitüden auskommen können.
Man möge dem Autor das großherzig nachsehen und bedenken, dass eine Platitüde ja nicht notwendig falsch, sondern häufig im Gegenteil eher richtig ist, auch wenn sie zu Recht daran leidet, dass sie Einzelfälle ausblendet, und die verbliebene Verkürzung der Wirklichkeit eher wie ein plakatives Schlagwort und weniger wie ein echtes Argument daherkommt.

Am Ende einer Beziehung gibt es meistens keinen Gewinner.
Auch wenn sich nicht beide zugleich und gegenseitig das Scheitern ihrer Beziehung eingestehen können, und nur einer der Partner als Triebfeder der Auflösung zu sehen ist, so verlieren doch beide gleichermaßen: der gemeinsame Traum ist gescheitert, die Seifenblase vom gemeinsamen Glück jäh und schmerzhaft zerplatzt.

Abgesehen von Einzelfällen und unabhängig von Schuldfragen leiden Frauen häufig “tiefer” und Männer “breiter”.

Frauen leiden in ihrer Seele – ein fast tödlicher Stachel hat sich tief in ihr Herz gebohrt und verursacht manchmal schier unmenschiche Schmerzen. Hinzu kommt (gerade wenn Kinder im Spiel sind) die oftmals nicht unbegründete Angst auf das soziale Abstellgleis zu geraten.

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dialogGestern war ein wichtiger Tag.

Der Wechsel meines Sohnes auf die weiterführende Schule steht bevor:

„INFORMATONSVERANSTALTUNG ZUM THEMA WEITERFÜHRENDE SCHULE“

stand sperrig auf dem nachmittags noch hastig ausgedrucken Hinweisschild an der Tür zu Mini-Aula seiner Grundschule, die bis auf den letzen Platz prallgefüllt war.

Ich hatte mich mit meiner Exfrau und der Mutter meines Sohnes pünktlich eingefunden, um den Ausführungen des Abends zu lauschen.

Mit uns waren sie alle da: die feinen Leute, wie auch die Vorstände der Familien aus einfacheren Verhältnissen und die zwischen beiden Extremen oszillierenden Nuancen sozialer Gruppenzugehörigkeit.

Zehn Jahre alt ist man ja schließlich unabhängig vom sozialen Status und der Schulbildung seiner Eltern, und so trifft man bei solchen Veranstaltungen einen gesunden Querschnitt aus der Gesellschaft, was ganz normal und auch so okay ist.

Wenn da nicht…

…ja wenn da nicht die sechs Hauptstörenfriede wären, die aus einer solchen Veranstaltung ein Panoptikum zu machen in der Lage sind, wenn die Moderation nicht unheimlich auf der Hut ist:

  • DER KLUGSCHEISSER,
  • DER POSSENREISSER und
  • DER FEINE PINKEL

Ganz besonders kritisch kann die Situation werden, wenn sich zwei, oder gar alle drei Charaktere in Personalunion bei einem der Väter (meistens sind es ja die Herren, die meinen eine Balz aufführen zu müssen…) zusammenfinden.

Aber auch bei Frauen gibt es das Phänomen.
Auch hier kann ich kann grobschlächtig drei Hauptkategorien ausmachen:

  • DIE BESORGTE HAUSFRAU UND MUTTER
  • DIE SICH SELBST BEWEIHRÄUCHERNDE KARRIEREFRAU und die
  • IN WOLLSOCKEN UND NORWEGER GEWANDETE ÖKOTUSSI, MIT SOZIALEM BUWUSSTSEIN

Kaum zu sagen, welcher der sechs Typen am schlimmsten zu ertragen ist.
Sicher ist, dass einen gelegentlich das Gefühl überfällt, in einer Comdeyshow zu sitzen, bei der das Publikum der Hauptact des Abends, und die Moderatoren die staunenden und interaktiv mit einbezogenen Zuschauer sind.

So ein Abend war gestern und ich muss sagen: meine Erwartungen und Befürchtungen wurden nicht enttäuscht.
Sie waren alle da, so als hätte man ihnen Freibier versprochen dafür, dass sie das Festzelt auf dem heimischen Schützenplatz unterhalten.

Es kam zu tumultartigen Zuständen, weil der Klugscheißer, der Possenreißer und der feine Pinkel sich permanent ins Wort fielen und sich entweder in der Formulierung der absonderlichsten Thesen gegenseitig überboten, oder mit kleinen polemischen Spitzen versuchten, die Aussage des anderen ins Lächerliche zu ziehen.

Erwähnte ich schon, was noch schlimmmer ist als zwei oder drei der Männertypen in Personalunion? Nein?

Wenn alle drei Typen in Reinkkultur auftreten und am Tag zuvor eine private Niederlage, oder einen geschäftlichen Rückschlag zu verkraften hatten.
Dann wollen sie sich nämlich am Abend das Selbstvertrauen wieder aufbauen, das am Tage gelitten hat, und gebärden sich wie wildgewordene Auerhähne auf der Balz nach dem Weibchen mit den dicksten Schenkeln…

Gelegentlich, und nur wenn die Männer mal eine Atempause machen müssen, (so ähnlich wie dicke Wale, die auch von Zeit zu Zeit aus ihrem Primärelement auftauchen müssen, um ihre Lungen wieder mit Luft zu füllen), melden sich die Frauen zu Wort.

Der Typ „besorgte Hausfrau und Mutter“ stellt gelegentlich Fragen, deren Zusammenhang mit dem Thema des abends nur zu erahnen ist, während die „sich selbst beweihräuchernde Karrierefrau“ mit jeder Äußerung raushängen lässt, dass die Schule sich doch bitte ihrem modernen und progressiven Lebenstil als Powerfrau anzupassen hat, und dass nicht sie Rücksicht nehmen muss auf die Vielfalt der schulischen Aufgaben vor dem Hintergrund gravierender sozialer Unterschiede in der Schülerschaft.

Der dritte Typ „in Wollsocken und Norweger usw…“ sagt erstmal nichts.
Kaum dass sie den Mund öffnet, beschleicht einen das Gefühl, sie würde sich danach erkundigen wollen, ob es in der Schule auch eine Ecke gibt, wo die Schüler legal Cannabis konsumieren dürfen.
Tatsächlich konfrontiert sie einen dann aber doch nur mit den neuesten sozialwisschenschaftlichen und psychologischen Studien zur pubertären Entwicklung sozialschwacher Kinder.

TOTAAAAAAL SPANNEND –

Zum Glück dürfen die Frauen nicht lange reden, weil ihnen die Streithammel von eben das Wort abschneiden, um ihren Kampf um den Preis für den “Am schönsten geschwollenen Hahnenkamm des Abends“ wieder aufzunehmen.
Und überhaupt gehören Frauen an den Herd und nicht in eine Diskussion – das ist widernatürlich. (Das sagen sie zwar nicht, aber es trieft wie altes Frittenfett zwischen ihren Worten heraus…)

Ganz zum Schluss, als die Wogen schon geglättet und die Flut profilneurotisch zu erklärender Worthülsen abgeebbt zu sein scheinen, meldet sich der Totengräber jeder Diskussion zu Wort:

  • DIE LANGATMIGE, WEIT AUSHOLENDE UND JEDEN ASPEKT DES THEMAS AUFS GENAUESTE BELEUCHTENDE LABERTASCHE

Ihre Sätze beginnen meist mit einer Konstruktion der Art:
„AAAAAAAAAALSOOOOOOOO…“

Leider legte mir meine Exfrau beschwichtigend ihre Hand auf den Unterarm, fiel mir ins Wort, noch bevor ich etwas sagen konnte,  und meinte: “Lass mal gut sein – wir kriegen doch gleich ein Informationsblatt auf dem alles steht…”

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Midlife Crisis

schoenmachzeug

Ich liebe es, mein Eheweib,
und auch ihren vollen Leib,
Na ja, zumindest im Prinzip,
find ich sie schön und hab sie lieb.

Hat um die Augen ein paar Falten,
und ihr BH muss besser halten,
denn ihre Brüste sind jetzt schlaffer,
und auch die Haut war schonmal straffer.

Ihr Haar ist heute etwas grau,
und rundlicher ihr Körperbau,
und wo’s der Haut an Glätte fehlt,
wird halt gecremt und auch gegelt.

Der Po, na ja, ist nicht mehr rund,
und die paar Runzeln um den Mund,
sowie am Lid die Krähenfüße
betonen eher ihre Süße.

Mit sündhaft teuren Wundermitteln,
die meist sehr schwierig sich betiteln,
bekämpft sie die Orangenhaut,
die sich an ihren Schenkeln staut.

Ich als Mann hab’s da viel besser
muss nicht zum Schönsein unters Messer,
weil Du als Mann, was sicher ist,
ohne Bauch ein Krüppel bist.

Die grauen Schläfen wie bekannt,
sind männlich und zudem markant,
und fehlt es mal an rechter Steife,
gleicht man das aus mit Charme und Reife.

Das Schnarchen nachts im Ehebett,
klingt nicht so schön und so adrett,
doch ist’s wie meine Stinkefüße
wohl kein Problem für meine Süße,

die wenn sie’s Bad poliert und wischt,
mein Haupthaar aus der Wanne fischt,
das langsam, was mich traurig stimmt,
Reißaus von meiner Kopfhaut nimmt.

Doch hab als Mann, wie ich wohl weiß,
gegen manch Raubbau und Verschleiß,
ein Mittel, das die Schmerzen lindert,
und den Frust des Alterns lindert.

So parallel für nebenbei,
zu meinem Eheeinerlei,
such ich mir ‘nen jungen Hüpfer,
mit drallem Po und knappem Schlüpfer.

Die wirkt dann wie Erotikdünger
und macht mich um Jahre jünger.
Sie kümmert sich um die Bewegung,
und’s Weib zuhaus um die Verpflegung.

Doch was ist das, ein scharfer Stich,
durchrast die Brust, ich fürchte mich.
Mein Herz, es krampft und zuckt gefährlich,
pulst nicht nach Plan heiß und begehrlich,

sondern scheint wie wild zu hetzen
und manchmal einfach auszusetzen.
Ich wünschte meine Frau wär da,
um mich zu retten – aaaaahhhh…

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Der Schnarchkönig…

schnarch

Was schnarchst Du so laut bei Nacht und Wind? -
Es sind die Rachenmuskeln, die schwächlich sind. -
Dreh Dich zur Seite auf Deinen Arm -
Ach Frau dann stört Dich die Luft aus meinem Darm. -

Geliebter, stört es Dich selber nicht? -
Kaum mehr, als abends Dein Leselicht. -
Dein Sägen macht mich museumsreif -
Und mir wird auf der Seite der Nacken steif. -

Jetzt dreh Dich bitte doch weg von mir. -
Ein Küsschen zur Nacht noch, schenk ich Dir. -
Ob’s ruhig jetzt wird, da ich bin gespannt. -
Wenn nicht, so hau mit der flachen Hand… -

Dann tu ich Dir weh – und das will ich nicht. -
Dann bleibt er wohl ewig, der Grund für’s Gedicht. -
Ich glaub, dass zu lang wir verheiratet sind. -
Was ich mitunter genauso empfind… -

So musst Du wohl aus dem Zimmer gehn! -
Ich hab es befürchtet und kommen sehn. -
Was könnte ‘ne andere Lösung sein? -
Zieh DU in den Keller und lass mich hier sein! -

Mein Mann, Mein Mann, welch böses Wort,
erst schnarchst Du mich voll, dann schickst Du mich fort? -
Mir bleibt keine Wahl für Dich liebe Frau,
ich bin hier der Hausherr, das weißt Du genau. -

Der Mangel an Schlaf, er macht mich schnell alt. -
Jetzt schweig endlich Frau, sonst mach ich Dich kalt. -
Mein Mann, oh Gott, wie fasst Du mich an?
Ich helfe Dir jetzt, so gut ich es kann. -

Die Frau sie stöhnt, ihr Blut rötlich rinnt,
weil ihm die Nerven glatt durchgebrannt sind.
So schnarcht er friedlich im Morgenrot,
an seiner Seite die Frau ist tot…

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