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	<title>Netznirwana &#187; Nachgedacht</title>
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		<title>Mut oder&#160;Tollk&#252;hnheit</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Aug 2009 11:55:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nachgedacht]]></category>
		<category><![CDATA[Armee]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Kriegsdienstverweigerung]]></category>
		<category><![CDATA[Soldat]]></category>

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		<description><![CDATA[Kaum eine Kriegsszene in einem Film ist aufw&#252;hlender und realistischer gemacht, als die Landung an Frankreichs K&#252;ste in „Ein Soldat namens James Ryan“. Wie Ameisen springen Soldaten aus ihren Landungsbooten und waten schwer bepackt und schie&#223;end ans Ufer, an dem ein schier uneinnehmbarer Bunker der Reichswehr sie erwartet, bemannt mit Soldaten des Gegners und schweren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kaum eine Kriegsszene in einem Film ist aufw&#252;hlender und realistischer gemacht, als die Landung an Frankreichs K&#252;ste in „Ein Soldat namens James Ryan“. </p>
<p>Wie Ameisen springen Soldaten aus ihren Landungsbooten und waten schwer bepackt und schie&#223;end ans Ufer, an dem ein schier uneinnehmbarer Bunker der Reichswehr sie erwartet, bemannt mit Soldaten des Gegners und schweren Maschinengewehren. </p>
<p>Die amerikanischen GI marschieren nach vorne und sterben wie die Fliegen. Maschinengewehrfeuer rattert, M&#246;rsergranaten schlagen ein, und verst&#252;mmelte Soldaten, denen K&#246;rperteile fehlen, und bei denen die D&#228;rme aus dem aufgerissenem B&#228;uchen quellen pflastern den Strand. Sanit&#228;ter robben zwischen ihnen hin und her, ein Arzt bestimmt mit einem schnellen und ge&#252;bten Blick, wem geholfen wird und wer nur eine Morphiuminjektion bekommt, um m&#246;glichst schmerzfrei verbluten zu k&#246;nnen. </p>
<p>Bedr&#252;ckend, wie sich meine Haltung zu den dargestellten Greueln ver&#228;ndert.<br />
Haben mich die ersten explizit gezeigten verst&#252;mmelten Gliedma&#223;en noch erschreckt und verst&#246;rt, so sp&#252;re ich mit fortschreitender Dauer des brutalen Schlachtens, wie das schon zur Routine wird, wie sich mein Fokus wieder auf die Kampfhandlungen richtet, an denen die Hauptdarsteller beteiligt sind. Nat&#252;rlich wird noch gestorben und versehrt, aber die st&#252;rzenden Leiber der Getroffenen verkommen zur realit&#228;tsnahen Staffage der filmischen Dramaturgie. </p>
<p>In einem Moment des Innehaltens denke ich mich zur&#252;ck zu den realen Geschehnissen, die diesen bedr&#252;ckenden Szenen die Vorlage geboten haben, und frage mich, was wohl in den K&#246;pfen der jungen M&#228;nner vorgegangen sein muss, die in den Booten auf das Ufer zuglitten und die wissen mussten, dass die Eroberung der Gestade nach dem Muster eines einfachen blutigen Abz&#228;hlreimes vor sich gehen musste. Es m&#252;ssen so viele von ihnen geopfert werden, bis ein Teil den Weg an den Strand und in den toten Winkel des Bunkers schafft, aus dem heraus ein ebensolches Gemetzel an den vermeintlich „B&#246;sen“ geplant und in Angriff genommen werden kann, die selbst schon jung, als S&#246;hne, oder V&#228;ter kleiner Kinder von ihren Familien getrennt und in den Kampf geschickt wurden.<span id="more-88"></span> </p>
<p>Ich bin selbst Kriegsdientverweigerer, noch zu einer Zeit, als Pershingraketen und der Nato-Doppelbeschluss den Bl&#228;tterwald bestimmten, habe die letzten Jahre und das Ende des kalten Krieges erlebt. Doch interessiert mich hier nicht die moralische Frage, ob ein Krieg &#252;berhaupt zu rechtfertigen ist, sondern die Gedanken in den K&#246;pfen jener, die sich an einem solchen Tag zum Opferlamm machen – ein Tag, von dem sie vermeintlich wissen mussten, dass ihr &#220;berleben keine Frage k&#228;mpferischen Geschicks, sondern einfach eine Frage puren Gl&#252;cks sein musste. </p>
<p>Was bewegte diese Soldaten voranzust&#252;rmen, obwohl sie ein t&#246;dlicher Kugelhagel erwartete? </p>
<p>War es der Glaube an die Gute Sache und die Liebe zu ihrem Vaterland? War es insofern heroischer Mut, der sie antrieb &#8211; ein Mut, der jegliche Gefahr im Vertrauen auf g&#246;ttliche F&#252;gung in den K&#246;pfen auszublenden vermochte? Oder ist genau dieser Mut irreal, weil er nicht auf einer echten &#220;berwindung der Angst beruht,nach dem man ihr wachen Sinnes ins Auge gesehen hat? </p>
<p>War es nicht vielmehr die Kombination eines starren Prinzips von Befehl und Gehorsam, gekoppelt mit einem sich gegenseitig Aufputschen, sowie einem Angebtriebenwerden durch die Vorgesetzten, der die nat&#252;rlichen Selbsterhaltungsmechanismen au&#223;er Kraft gesetzt und durch eine widernat&#252;rliche Tollk&#252;hnheit ersetzt hatte? </p>
<p>Brauchte es wirklich mehr Tapferkeit, als die des ersten Schrittes, weil danach das Adrenalin die F&#252;hrung in Geist und K&#246;rper &#252;bernommen hatte, w&#228;hrend das Anrennen selbst wie in Trance erfolgte, bis eine Kugel t&#246;dlich traf, oder eine Granate einen Teil des K&#246;rpers vernichtete? </p>
<p>Wie wird wohl der Moment gewesen sein, wenn ein Geschoss den eben noch jugendlich starken K&#246;rper traf, so als sei er mit voller Wucht gegen eine Wand geprallt – ein Treffer, der den Atem raubte und die Beine unter dem K&#246;rper wegriss, bis man blutend und schreiend auf dem Boden lag, und, mit ein wenig Gl&#252;ck durch den Schock vor den &#228;rgsten Schmerzen gesch&#252;tzt, aufs Sterben wartete? </p>
<p>Diese Fragen habe ich mir gestellt, und auch wieviel Unterschied zwischen diesem pers&#246;nlichen, schmerzvollen Sterben, und dem unterk&#252;hlten Klang des Briefes von der Front an die Familie bestanden haben muss. Ein Mitglied der Familie sei im Kampf gefallen und habe gro&#223;e Tapferkeit bewiesen. Der Staat bedauert und betrauert den schweren Verlust und spricht sein Beileid daf&#252;r aus, dass ein junges Leben f&#252;r ein vermeintlich h&#246;heres Ziel geopfert werden musste? </p>
<p>Mir wird wieder ganz klar, dass hinter der Zahl der Gefallenen in den Nachrichten immer die genau gleiche Zahl von Einzelschicksalen steht, die jeder ganz individuell Menschen hinterlassen, die sie liebten und die sie geliebt haben, und dass jeder Einzelne, trotz der Vermassung einer statistischen Zahl, einen ganz pers&#246;nlichen Tod gestorben ist. </p>
<p>Und wieder, nach fast drei&#223;ig Jahren, bin ich mir sicher, dass ich wieder den Schritt von damals gehen w&#252;rde. Zu t&#246;ten und sich der Gefahr, get&#246;tet zu werden auszusetzen, darf immer nur meine pers&#246;nliche Entscheidung sein und bleiben – und ich darf mir diese Entscheidung nie durch andere abnehmen lassen&#8230; </p>
<p>Und wieder nehme ich mir vor, mit meinem Sohn ein weiteres Gespr&#228;ch zu f&#252;hren&#8230;. </p>
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		<title>Verbot von &#8220;Killerspielen&#8221; &#8211; meine Email an die Innenminister Beckstein (Bayern) und Sch&#252;nemann&#160;(Nds.)</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Dec 2006 12:36:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nachgedacht]]></category>
		<category><![CDATA[UMPF!!!]]></category>

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		<description><![CDATA[Guten Tag, mit gro&#223;em Interesse verfolge ich derzeit die politische Diskussion um das Verbot sogenannter &#8220;Killerspiele&#8221; und bin doch echt best&#252;rzt &#252;ber den von der Politik offenbar gewollten Eingriff in die Pers&#246;nlichkeitsrechte erwachsener B&#252;rger. Da sollen Computerspiele unter, zumindest z.Zt. noch, ziemlich diffusen Kriterien in &#8220;gute&#8221; und &#8220;b&#246;se&#8221; Spiele unterteilt werden und deren Hersteller, K&#228;ufer, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Guten Tag,</p>
<p>mit gro&#223;em Interesse verfolge ich derzeit die politische Diskussion um das Verbot sogenannter &#8220;Killerspiele&#8221; und bin doch echt best&#252;rzt &#252;ber den von der Politik offenbar gewollten Eingriff in die Pers&#246;nlichkeitsrechte erwachsener B&#252;rger.</p>
<p>Da sollen Computerspiele unter, zumindest z.Zt. noch, ziemlich diffusen Kriterien in &#8220;gute&#8221; und &#8220;b&#246;se&#8221; Spiele unterteilt werden und deren Hersteller, K&#228;ufer, Weiterverk&#228;ufer und Nutzer kriminalisiert werden.</p>
<p>Ich halte das f&#252;r sehr bedenklich.</p>
<p>Ich selbst habe vor &#252;ber 20 Jahren den Kriegsdienst verweigert und habe meine Haltung durch das Spielen auch aggressiverer Spiele in keiner Weise ge&#228;ndert.<br />
Im Gegenteil, ich bin und bleibe ein Gegner von Gewalt &#8211; was i&#220; auch soldatische Gewalt in sogenannten &#8220;Friedensmissonen&#8221; angeht, f&#252;r die unschuldige, junge Menschen faktisch in Kriegsgebiete geschickt werden.</p>
<p>Ich muss Ihnen mitteilen, dass ich das von der Politik propagierte Verbot von Computerspielen im Hinblick auf ein deutliches Verlangen nach sog. &#8220;robusten Mandaten&#8221; f&#252;r die Bundeswehr in Krisengebieten f&#252;r einen ziemlichen Hohn halte.</p>
<p>Meine PC-Soldaten sind rein virtuell und in meinen K&#228;mpfen sterben Polygonkreaturen und es flie&#223;t Pixelblut &#8211; wie sieht es bei der Politik aus?<br />
K&#246;nnen Sie nach dem Tod von Soldaten in Afghanistan einen &#228;lteren Spielstand laden, die K&#246;pfe der Gefallenen retten und das Leid und die Trauer ihrer Familien verhindern? Wohl kaum&#8230;</p>
<p>F&#252;r mich &#8211; ich bin ein 44-j&#228;hriger erwachsener Mann mit eigener Firma, einer Patchworkfamilie inkl. eines Sohnes, mit der dazu geh&#246;rigen Verantwortung &#8211; sind Computerspiele eine Abwechslung vom anstrengenden Alltag, moderne Geschicklichtkeits&#252;bungen, bei denen ich offen gesagt ganz froh bin, mal wenig nachdenken zu m&#252;ssen.<br />
Dennoch kann ich mich sonntags wieder gr&#252;belnd an den Schachbrettern meines Vereines einfinden, ohne Aggressionen gegen meinen Opponenten zu f&#252;hlen.</p>
<p>Meine Schachfiguren kehren nach geschlagenem Kampf in ihre Holzkiste zur&#252;ck &#8211; wie die Ihren auch, nur ist deren Holzkiste gr&#246;&#223;er und das Spiel kann von Ihren Figuren nur einmal gespielt werden.</p>
<p>Das Problem der Politik ist das Folgende:<br />
sie m&#246;chten eine gute Regelung &#252;ber die Zug&#228;nglichkeit von Erwachsenenspielen, die nur schlecht kontrolliert wird und vielleicht auch kontrolliert werden kann, durch eine schlechte und ebenso schlecht kontrollierbare Regelung ersetzen durch die m&#252;ndige B&#252;rger in Ihren Freiheiten beschr&#228;nkt und kriminalisiert werden.</p>
<p>Ich selbst habe im postapokalyptischen Scheidungskrieg meiner Lebensgef&#228;hrtin das f&#252;r das Sorgerecht zust&#228;ndige Gericht schriftlich darauf hingewiesen, dass deren Kinder beim Vater Zugang zu PC-Spielen haben, die keine Jugendfreigabe besitzen.<br />
Die Reaktion? Gleich null!</p>
<p>Und hier liegt der Hase im Pfeffer:<br />
Einzelne handeln unverantwortlich, Beh&#246;rden kommen ihren Kontrollpflichten nicht nach &#8211; sei es aus Bequemlichkeit oder &#220;berlastung &#8211; und deshalb soll das Problem mal eben popularit&#228;tswirksam aus der Welt geschafft werden.</p>
<p>Und wieder werden Sie ein Gremium ben&#246;tigen, das entscheidet, welche Spiele gut und b&#246;se sind, und wieder werden Sie ein b&#252;rokratisches Kontrollproblem haben &#8211; aber daf&#252;r vielleicht ein paar Stimmen mehr, welche die Politik erfolgreich von den wirklich dringenden ungel&#246;sten Problemen unserer Gesellschaft abgelenkt hat.</p>
<p>Das ist dann wie bei Robbespierre: der hat auch immer mehr Leute als Gegner der Revolution gek&#246;pft, damit die B&#252;rger sich im Blutrausch nicht soviele Gedanken &#252;ber den eigenen Hunger und die eigene Not machen mussten.</p>
<p>Das ist auch eine Art den sozialen Frieden zu wahren&#8230;</p>
<p>Mit freundlichen Gr&#252;&#223;en<br />
Thomas Spiekermann</p>
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		<title>Denglisch &#8211; Krismes vor Dammies (Weihnachten f&#252;r&#160;Sprachanf&#228;nger)</title>
		<link>http://www.netznirwana.de/2006/10/29/denglisch-krismes-vor-dammies-weihnachten-fuer-sprachanfaenger/</link>
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		<pubDate>Sun, 29 Oct 2006 12:00:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nachgedacht]]></category>

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		<description><![CDATA[Bald ist es soweit. Weihnachten steht vor der T&#252;r und mit ihm Vorboten in Form leuchtender Kinderaugen, welche morgens die bunte Prospektvielfalt bestaunen, die kleine Kinderh&#228;nde morgens aus der Tageszeitung geklaubt haben, noch bevor Papa auf dem WC einen Blick in dien Sportteil werfen konnte. Wir haben unseren Jungen gebeten, seinen Wunschzettel fr&#252;hzeitig bereitzuhalten, damit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bald ist es soweit.<br />
Weihnachten steht vor der T&#252;r und mit ihm Vorboten in Form leuchtender Kinderaugen, welche morgens die bunte Prospektvielfalt bestaunen, die kleine Kinderh&#228;nde morgens aus der Tageszeitung geklaubt haben, noch bevor Papa auf dem WC einen Blick in dien Sportteil werfen konnte.</p>
<p>Wir haben unseren Jungen gebeten, seinen Wunschzettel fr&#252;hzeitig bereitzuhalten, damit das Christkind sich nicht wieder mit &#252;berf&#252;llten Parkpl&#228;tzen und wild dr&#228;ngelnden <strong>&#8220;Lastminit-K&#228;ufern&#8221;</strong> auf der Rolltreppe rumschlagen muss &#8211; vor allem M&#228;nner auf der Jagd nach dem ultimativen Geschenk, mit dem man alle Fehler des Jahres auf einen Schlag wieder gutmachen kann.</p>
<p>Dieses Jahr darf er sich was Besonderes w&#252;nschen haben wir ihm er&#246;ffnet. Das Christkind sei stolz auf ihn, weil er so ein guter Sch&#252;ler ist.<br />
Na ja, au&#223;er Englisch &#8211; da hat er ein paar Probleme, obwohl ich das gar nicht verstehen kann. Wenn man seinen Freunden und ihm so zuh&#246;rt scheint alles in Ordnung zu sein mit seinen Fremdsprachenkenntnissen:</p>
<p>Da h&#246;rt man von <strong>&#8220;Friesteil-Sk&#228;tbording&#8221;</strong> , von <strong>&#8220;&#196;kschn-G&#228;ms&#8221;</strong> f&#252;r den <strong>&#8220;Kompjuter&#8221;</strong>, von <strong>&#8220;Pfeil-Sch&#228;ring-Kleienz&#8221;</strong> mit denen man die neuesten <strong>&#8220;Bietz Daunloden&#8221;</strong> kann und letztlich h&#246;rte ich, wie er seinen besten Kumpel aufzog und ihn einen <strong>&#8220;Onlein-Tschankie&#8221;</strong> nannte.</p>
<p>An den Vokabeln kann es also nicht liegen. Es muss was mit der Grammatik zu tun haben. Nun gut; demn&#228;chst ist ja Elternsprechtag, und damit Gelegenheit seine Klassenlehrerin mal danach zu fragen.</p>
<p>Mein Englisch ist ja nicht so toll. Ich kann mich noch grob erinnern, dass <strong>&#8220;Pie&#223;&#8221;</strong> Frieden hei&#223;t und dass eine <strong>&#8220;P&#246;rsching&#8221;</strong> eine Rakete war.<br />
Hat ja auch viel Spa&#223; gemacht damals mit der Trillerpfeife bei Franz Josef Strauss &#8211; ein richtiges <strong>&#8220;H&#228;ppening&#8221;</strong> .<br />
Ich wusste zwar nicht richtig worum es &#252;berhaupt ging, aber ich fand das lustig riechende Zeug so toll, von dem man so komische Gef&#252;hle bekam, wenn man es eingeatmet hat. <strong>&#8220;Doop&#8221;</strong> hie&#223; es, glaube ich&#8230;</p>
<p>Aber ich schweife ab&#8230;</p>
<p>Gestern Abend war es soweit und unser Junge brachte uns seinen Wunschzettel:<br />
<strong>&#8220;Hier is mei Wischlist.&#8221;</strong> grinste er, obwohl ich sicher war, dass er nicht notiert hatte, in welcher Zimmerreihenfolge er meiner Frau bei der w&#246;chentlichen Bodenpflege zur Hand gehen wollte. Er lie&#223; sie auf den Wohnzimmertisch gleiten, dr&#252;ckte ihr den Kuss auf die Wange, den er mir wie immer verweigerte, weil er K&#252;sse zwischen M&#228;nnern f&#252;r <strong>&#8220;unkuhl&#8221;</strong> h&#228;lt.</p>
<p><img style="FLOAT: left; MARGIN-RIGHT: 7px" height="132" alt="xbox" src="http://www.netznirwana.de/wp-content/uploads/xbox.jpg" width="199" />Was stand denn da? Mal sehen&#8230;<br />
Ich muss schon sagen &#8211; ich hatte Grund stolz zu sein auf meinen Jungen:<br />
Obwohl er doch aus dem Vollen h&#228;tte sch&#246;pfen k&#246;nnen, war er doch sehr bescheiden in seinen Anspr&#252;chen.<br />
Sch&#246;n zu erfahren, dass meine v&#228;terliche Einflussnahme, vor allem im Hinblick auf die immer mehr um sich greifende Konsumsucht der Jugend, hin und wieder doch mal nicht wirkungslos verpufft, und zu einem Umdenken bei dem Jungen gef&#252;hrt hatte.</p>
<p>Als erstes w&#252;nschte er sich eine X-Box:<br />
Wie sch&#246;n, dass er sich etwas selbst Gebasteltes von seinem Vater w&#252;nscht. Ich l&#228;chelte gl&#252;cklich und konnte mir meine Vorfreude im Hobbykeller schon vorstellen, wenn ich f&#252;r ihn am <strong>&#8220;Disein&#8221;</strong> der ultimativen X-Box feilte.</p>
<p><img style="FLOAT: left; MARGIN-RIGHT: 7px" height="100" alt="notebook" src="http://www.netznirwana.de/wp-content/uploads/notebook-1.jpg" width="180" />Dann las ich meiner Frau vor:<br />
<strong>&#8220;N-O-T-E-B-O-O-K&#8221;</strong> -<br />
Da wusste ich gar nicht, was er meinte, aber meine Liebste konnte sich erinnern, dass &#8220;book&#8221; das englische Wort f&#252;r &#8220;Buch&#8221; sei.<br />
Ich liebe meine Frau sehr &#8211; wir haben uns damals beim <strong>&#8220;Gruppensechs gegen das Ist&#228;blischment&#8221;</strong> kennen und lieben gelernt.<br />
Ja, ja: <strong>&#8220;M&#228;k Laaf not Wor!&#8221;</strong> war unsere Devise&#8230;</p>
<p>Wir haben dann besprochen, ihn aber zuerst mal zu fragen, welches Instrument er denn nun lernen wolle, was im &#252;brigen ganz neue T&#246;ne von ihm sind -<br />
bisher beschr&#228;nkte sich seine Art Musik zu machen auf das Qu&#228;len seiner <strong>&#8220;Saundmeschin&#8221;</strong> und seines <strong>&#8220;Sappwufers&#8221;</strong> , oder wie das Ding hei&#223;en mag.<br />
Es w&#228;re ja ungl&#252;cklich, Noten f&#252;rs Klavier zu kaufen, wenn er lieber Gitarre lernen wollte&#8230;</p>
<p>Der dritte Wunsch verwirrte mich ein wenig:<br />
Bisher schien er ja nicht soviel auf sein &#196;u&#223;eres Wert zu legen, aber jetzt w&#252;nscht er sich einen &#8211; uups, da war dem Jungen aber ein &#252;bler Rechtschreibfehler passiert:<br />
wenn er schon zuk&#252;nftig ein bisschen mehr auf seine Frisur achten wollte, so sollte er das entsprechende Ger&#228;t schon richtig schreiben: mit &#8220;k&#8221; und zwei &#8220;m&#8221;.<br />
<strong>&#8220;Digi&#8221;</strong> ist wahrscheinlich der Name einer Frisur, die nach einer der <strong>&#8220;B&#228;nds&#8221;</strong> benannt ist, deren Krach immer aus seinem <strong>&#8220;Sappwufer&#8221;</strong> dr&#246;hnt.<br />
Ich muss morgen unbedingt mal Willi, meinen Fris&#246;r, oder <strong>&#8220;H&#228;r-Steilist&#8221;</strong>, wie er sich lieber nennt, anrufen und nach dem neuen <strong>&#8220;Tr&#228;nt&#8221;</strong> fragen.</p>
<p>Kurz bevor er dann zu Bett gehen musste, kam der Junge nochmals ins Wohnzimmer gest&#252;rmt und teilte uns mit, dass er noch einen gro&#223;en Wunsch h&#228;tte:<br />
Jetzt war ich baff &#8211; nie hatte er Lust sich am Haushalt zu beteiligen, und sogar zum M&#252;ll raustragen musste man ihn wortreich &#252;berreden.<br />
Doch jetzt wollte er schon morgens bei der Zubereitung des Fr&#252;hst&#252;cks helfen.</p>
<p><img style="FLOAT: left; MARGIN-RIGHT: 7px" height="150" alt="eipott" src="http://www.netznirwana.de/wp-content/uploads/eipott-1.jpg" width="200" />Wie sch&#246;n, dass unsere Erziehung endlich fruchtet, und wie lieb und bescheiden der Junge geworden ist. Ich fragte mich nur, warum er unbedingt einen Topf f&#252;r die Fr&#252;hst&#252;ckseier haben wollte, wo wir doch &#252;ber so einen praktischen Eierkocher verf&#252;gen.<br />
Nun gut, wenn er unbedingt will, soll er seinen <strong>&#8220;Ei-Pott&#8221;</strong> bekommen &#8211; er ist ja so ein guter Junge.</p>
<p>Aber weil ich so stolz auf ihn bin, kaufe ich ihm einen <strong>&#8220;Empi-drei-Pl&#228;er&#8221;</strong>, damit er seine <strong>&#8220;daungelodeten Bietz&#8221;</strong> auch <strong>&#8220;onserot&#8221;</strong> h&#246;ren kann &#8211; den hat er sich redlich verdient.</p>
<p>Der Junge wird vielleicht Augen machen</p>
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		</item>
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		<title>Afghanistan und der Aufschrei der&#160;Moralapostel&#8230;</title>
		<link>http://www.netznirwana.de/2006/10/27/afghanistan-und-der-aufschrei-der-moralapostel/</link>
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		<pubDate>Fri, 27 Oct 2006 13:35:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nachgedacht]]></category>
		<category><![CDATA[Tageszeitung]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Aufschrei geht durch&#8217;s Land und verurteilt das Verhalten deutscher Soldaten &#8211; aber so einfach ist das nicht&#8230; Moralisieren ist aber der falsche Ansatz. Da werden junge M&#228;nner &#8211; teilweise unfertige Menschen &#8211; in Situationen versetzt, denen sie nicht gewachsen sein k&#246;nnen. Dazu kommt ein Gruppendruck, dem man sich nicht ohne Repression entziehen kann. Schuld [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img style="FLOAT: left; MARGIN-RIGHT: 7px" height="208" alt="kindwaffe" src="http://www.onesmallworld.de/netznirwana/wp-content/uploads/kindwaffe-1.jpg" width="150" />Ein Aufschrei geht durch&#8217;s Land und verurteilt das Verhalten deutscher Soldaten &#8211; aber so einfach ist das nicht&#8230;</p>
<p>Moralisieren ist aber der falsche Ansatz.<br />
Da werden junge M&#228;nner &#8211; teilweise unfertige Menschen &#8211; in Situationen versetzt, denen sie nicht gewachsen sein k&#246;nnen.</p>
<p>Dazu kommt ein Gruppendruck, dem man sich nicht ohne Repression entziehen kann.</p>
<p>Schuld an solchen Vorf&#228;llen sind erstmal immer die, die durch Krieg solche Eins&#228;tze erforderlich machen und auch diejenigen, die solche Eins&#228;tze (moralisch vertretbar oder nicht) befehlen.</p>
<p>Herr Jung wird von seinem Sessel in Berlin aus sicher nicht den seelischen Druck haben, dem unsere Soldaten in Afghanistan ausgesetzt sind, und wir Sofazapper zuhause schon gar nicht.</p>
<p>Kriegssituationen wirken immer und notwendig &#8220;dehumanisierend&#8221;, und es ist fast zuviel verlangt, dass ein junger Mann, der jeden Tag mit dem Tod konfrontiert ist, sich in jeder Situation als Musterbild moralischer Werte pr&#228;sentiert.</p>
<p>Da bauen sich Dr&#252;cke auf, die wir nicht erahnen k&#246;nnen, wenn wir uns hier &#252;ber drei Prozent mehr Mwst und die Gesundheitsreform aufregen.</p>
<p>Da wird diskutiert, ob man den Soldaten Prostituierte schicken sollte, aber f&#252;r eine anst&#228;ndige psychlogische Betreuung ist nicht gesorgt.</p>
<p>Und da sage mir keiner, dass ein Seelsorger den Jungs helfen kann. Diejenigen, die f&#252;r dessen Worte ein offenes Ohr haben, sind nicht unbedingt als Zeitsoldaten im Schatten des Hindukusch zu finden.</p>
<p>Ich habe vor 25 Jahren den Kriegsdienst verweigert weil ich der Meinung war, dass man in der Armee, wenn sie funktionieren soll, letztlich das Recht moralischer Entscheidungen in die H&#228;nde von Vorgesetzten legen muss, und dass man damit rechnen kann, Dinge tun zu m&#252;ssen, die sich vor dem eigenen Gewissen nicht verantworten lassen.</p>
<p>Um zu beurteilen, zu was selbst (gemessen an Afghanistan) geringer Stress f&#252;hren kann, muss man noch nicht mal Unfallhelfer heranziehen, die nach Flugzeugabst&#252;rzen psychologische Hilfe ben&#246;tigen.<br />
Da gen&#252;gt schon der Reiseleiter, der von 30 w&#252;tenden Kunden bearbeitet wird, weil das Hotel &#252;berbucht ist&#8230;</p>
<p>Man &#252;berlege einmal, wie k&#252;hl Mediziner auf Krebsstationen sein m&#252;ssen, damit sie erstens &#252;berhaupt noch in der Lage sind ihre Arbeit zu tun, und damit sie zweitens diesen Stress seelisch halbwegs schadlos &#252;berstehen k&#246;nnen.</p>
<p>Es hat sich was Luft gemacht bei den Soldaten, sich einen Weg gebahnt aus den Seelen der Kerle nach drau&#223;en.</p>
<p>Nat&#252;rlich ist das falsch und nat&#252;rlich muss das Konsequenzen haben. Aber es ist grundverkehrt, dass jetzt die Seniorenriege von Politik und Milit&#228;r diese Soldaten aburteilt. Die k&#246;nnen jeden Abend nach Hause zu ihren Familien und ein Fliegenschiss auf der Windschutzscheibe ist eine der gr&#246;&#223;eren Katastrophen, die ihnen widerfahren k&#246;nnen.</p>
<p>Allerdings f&#252;rchte ich, die Staatsr&#228;son wird Opfer fordern, allein schon um die arabische Welt zu beruhigen, und dieses Opfer wird nicht unser Verteidigungsminister sein, dem die b&#246;sen Jungs am Hindukusch den Spa&#223; am und den Stolz auf&#8217;s neue Wei&#223;buch der Bundeswehr verdorben haben&#8230;</p>
<p>Und &#8211; eine letze Bemerkung:<br />
Ich glaube nicht, dass 19j&#228;hrige Burschen, die sich zum Dienst bei der Bundeswehr verpflichten, in einer M&#228;nnergesellschaft, die auf Befehl und Gehorsam basiert, wirklich erwachsen werden und moralisch reifen k&#246;nnen, ohne dass ihnen eine Hilfe jenseits der Gehorsamsstruktur der Armee zuteil wird.</p>
<p>Es ist wichtiger nach L&#246;sungen zu suchen, als die Volksseele durch Bauernopfer und durch zur Schau getragene kollektive Abscheu zu beruhigen&#8230;</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Traurig gr&#252;&#223; ich den, der ich h&#228;tte sein k&#246;nnen.&#8221; &#8211; oder:  vom Leben im&#160;Konjunktiv</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Oct 2006 11:31:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nachgedacht]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn wir die Menschen um uns herum betrachten, wie sie in schwierigen Zeiten versuchen ihr Leben zu organisieren, und sich einen Pfad durch das Dickicht wirtschaftlicher und existentieller &#196;ngste und Gefahren zu bahnen, so stellen wir gelegentlich fest, dass sie sich au&#223;erhalb der hektischen Besorgung allt&#228;glicher Gesch&#228;fte zu einer Reise aufgemacht haben. Irgendwann, frustriert vom [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn wir die Menschen um uns herum betrachten, wie sie in schwierigen Zeiten versuchen ihr Leben zu organisieren, und sich einen Pfad durch das Dickicht wirtschaftlicher und existentieller &#196;ngste und Gefahren zu bahnen, so stellen wir gelegentlich fest, dass sie sich au&#223;erhalb der hektischen Besorgung allt&#228;glicher Gesch&#228;fte zu einer Reise aufgemacht haben.</p>
<p>Irgendwann, frustriert vom Anreiten gegen die t&#228;glichen Windm&#252;hlen, haben sie innerlich ihr B&#252;ndel geschn&#252;rt und sich auf den Weg gemacht in eine neue, verhei&#223;ungsvolle Heimat &#8211; das Land des Konjunktivs.</p>
<p>Wenn man diese Reisenden antrifft und mit ihnen spricht, so vernimmt man einen Hang zu den f&#252;r den Konjunktiv bezeichnenden Vokabeln &#8220;k&#246;nnte&#8221;, &#8220;sollte&#8221; und &#8220;w&#252;rde&#8221;, bzw. wortreichen Ersetzungen derselben, die dann wiederum oft einen sich selbst entschuldigenden Beiklang haben -</p>
<p>eine Entschuldigung daf&#252;r, dass man meint, dem Konjunktiv aus ach so vielen pers&#246;nlichen und fremdbestimmenden Gr&#252;nden nicht entgehen zu k&#246;nnen.</p>
<p>In einer globalisierten und von Ellbogen dominierten Welt wird es zunehmend schwieriger sich selbst kleine Tr&#228;ume zu erf&#252;llen und existentiell dr&#228;ngende Vors&#228;tze in die Tat umzusetzen.</p>
<p><img style="float: left; margin-right: 7px;" src="http://www.onesmallworld.de/netznirwana/wp-content/uploads/picca.jpg" alt="picca" width="225" height="168" />Andererseits besteht eine gro&#223;e Gefahr unserer bunten Glitzerwelt des Konsums und des lauthals vernehmbaren Werbegeschreis der Konzerne darin, dass uns allt&#228;glich Tr&#228;ume in die K&#246;pfe manipuliert werden, die f&#252;r den gr&#246;&#223;ten Teil der Menschen unerreichbar sind, und die jene, die sich die Bewahrheitung eines solchen Trugbildes unter Anstrengungen erm&#246;glichen k&#246;nnen, seltsam leer lassen, und die keinesfalls die Erf&#252;llung bieten, die uns vorher durch den multimedialen Overkill in Aussicht gestellt worden ist.</p>
<p>Beide Gruppen verbindet die unerf&#252;llte Hatz auf das, was sie f&#228;lschlich f&#252;r traumhaft und erstrebenswert halten, eine Jagd auf Chim&#228;ren, die sich Konzerne und falsche Propheten wiederum zunutze machen, um sich an den durch ihr Leben irrenden Menschen weiter bereichern zu k&#246;nnen.</p>
<p>Und so fl&#252;chten sich die Unzufriedenen in eine Welt des &#8220;Vielleicht&#8221;, der hochtrabenden, und Linderung von Hektik und Stress versprechenden Ziele, von denen sie aber weiter entfernt sind als unser Erdball von Alpha Centauri.</p>
<p>Sie sagen:&#8221; Ich m&#252;sste dringend etwas &#228;ndern&#8221;, oder wiederholen gebetsm&#252;hlenartig ihr t&#228;gliches &#8220;Ich w&#252;rde mir einen Traum erf&#252;llen, wenn nicht die Umst&#228;nde so gegen mich w&#228;ren.&#8221;</p>
<p>Das &#8220;sollte&#8221; und &#8220;w&#228;re&#8221;, das &#8220;k&#246;nnte&#8221;, &#8220;m&#252;sste&#8221; und &#8220;w&#252;rde&#8221; werden zur nichtssagenden Terminologie ihrer Existenz, die sich augenscheinlich nur noch im schalen D&#228;mmertraum von einer besseren Welt ertragen l&#228;sst.</p>
<p><img style="float: right;" src="http://www.onesmallworld.de/netznirwana/wp-content/uploads/bloch.jpg" alt="bloch" width="200" height="230" />Der helle, in der Realit&#228;t fu&#223;ende und uns wach f&#252;r die wahrhaft wertvollen M&#246;glichkeiten des Seins machende Tagtraum aus Ernst Blochs &#8220;Das Prinzip Hoffnung&#8221;, und die gesellschaftlich gestalterische Kraft seines Begriffes der &#8220;konkreten Utopie&#8221; haben keine Chance gegen das flache Verlangen nach Zerstreuung und Erl&#246;sung aus dem Jammertal der wirtschaftlichen Angst und der existentiellen Frustration.</p>
<p>Manchmal spielt der Konjunktiv ein sich verstellendes Versteckspiel mit uns und kleidet sich in das Gewand strengerer Vokabeln -</p>
<p>ein &#8220;ich w&#252;rde&#8221; mutiert verbal zu einem &#8220;ich werde&#8221; und ein &#8220;ich m&#252;sste&#8221; zum moralisch st&#228;rkeren, weil keinen Widerspruch zu dulden scheinenden Appell, obwohl tiefinnerlich das resignative Gef&#252;hl schon l&#228;ngst oder immer noch die Oberhand hat.</p>
<p>Den gr&#246;&#223;ten Schritt ab vom Weg zum wahren Gl&#252;ck machen diejenigen, bei denen der Konjunktiv einer der Vergangenheit und keiner der unbestimmten Zukunft ist.</p>
<p>F&#252;r sie wird das &#8220;Wei&#223;t Du noch als wir&#8230;&#8221; und &#8220;Wenn ich noch einmal jung w&#228;re&#8230;&#8221; zum Credo ihres durch den gesellschaftlichen Massendruck als verdorben empfundenen Lebens, und sie berauben sich g&#228;nzlich einer Ver&#228;nderung des zwar als &#252;berm&#228;chtig gef&#252;hlten, aber immerhin noch formbaren &#8220;Was da kommen mag&#8221;.</p>
<p>So streben wir nach Zielen, die keine sind und jagen nach dem Haben, weil wir den Wert des Seins und des Ruhens in uns selbst vergessen zu haben scheinen.</p>
<p>Das gr&#246;&#223;te Verbrechen begehen wir an unseren Kindern, die ebenso schon vom Virus der &#8220;Generation Statussymbol&#8221; infiziert sind.</p>
<p>Da wo wir als Kinder aus bunten Legoquadern die wunderbarsten Kunstwerke schufen, ben&#246;tigen unsere Kinder heute einen 200-Euro Bausatz, der sich ohne eine buchdicke Bauanleitung nicht in etwas Vorzeigbares verwandeln l&#228;sst.</p>
<p>Ihre W&#252;nsche sind bereits vom Statusdenken und nicht mehr von den Grundbed&#252;rfnissen des Kindseins gesteuert, und es ist unsere Aufgabe, ihnen das zur&#252;ckzuschenken, was wir verloren haben und ihnen aus diesem Grund nicht geben konnten.</p>
<p>Doch manchmal h&#246;ren auch wir leise den Ruf unserer versch&#252;tten Kindheitstr&#228;ume &#8211; Tr&#228;ume, die uns Gl&#252;ck verhie&#223;en und Fr&#246;hlichkeit versprachen &#8211; Tr&#228;ume, die kein Geld ben&#246;tigten, um realisiert zu werden, die in den kleinen Dingen lagen, der Freude am Spiel, der Freundschaft und Liebe und in der Kreativit&#228;t und der Phantasie.</p>
<p>Es kommt darauf an, dass wir diesen Stimmen wieder Geh&#246;r verschaffen und ihr Versprechen zu leben versuchen, weg von den Dingen, hin zu seelischen Werten, die auf ein Gl&#252;ck jenseits einer durch den Konsum stimulierten fragw&#252;rdigen Zufriedenheit hoffen lassen.</p>
<p>Dazu gibt es keine Alternative, und es d&#252;rfen keine ausweichenden Ausreden ins Feld gef&#252;hrt werden.</p>
<p>Hier muss das unbedingte &#8220;Du bist, was Du tust!&#8221; des Existentialismus gelten, damit wir einen Weg aus den uns aufgezwungenen Irrg&#228;rten des Gl&#252;cks finden, und damit wir endlich aufh&#246;ren bis zum Ende als zweibeinige Absichtserkl&#228;rungen vor uns hinzuleben&#8230;</p>
<blockquote><p>&#8220;Der Mensch lebt noch &#252;berall in der Vorgeschichte, ja alles und jedes steht noch vor Erschaffung der Welt, als einer rechten. Die wirkliche Genesis ist nicht am Anfang, sondern am Ende, und sie beginnt erst anzufangen, wenn Gesellschaft und Dasein radikal werden, das hei&#223;t sich an der Wurzel fassen. Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und &#252;berholende Mensch. Hat er sich erfa&#223;t und das Seine ohne Ent&#228;u&#223;erung und Entfremdung in realer Demokratie begr&#252;ndet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.&#8221;</p>
<p>- Ernst Bloch: Das Prinzip Hoffnung -</p>
<p><strong><br />
Im Konjunktiv</strong></p>
<p>Zu viele leben exzessiv<br />
in fremden Dimensionen,<br />
ihr Leben spielt im Konjunktiv<br />
voll leerer Ambitionen.</p>
<p>Die wahre Welt ist zwar real,<br />
doch kennt sie keine Helden,<br />
so tr&#228;umt man sich ins Ideal,<br />
hat endlich was zu melden.</p>
<p>Ein “h&#228;tte” wird zum ist-Ersatz,<br />
das “k&#246;nnte” zur Parole,<br />
und selbst der gr&#246;&#223;te Hosenmatz<br />
schwenkt seine Gloriole.</p>
<p>Im gro&#223; zu tun, statt gro&#223;em Tun<br />
verlegt man sich aufs “sollte”,<br />
lebt g&#228;nzlich wirklichkeitsimmun,<br />
bepreist sein schales “wollte”.</p>
<p>Die W&#252;rde stirbt als Korrektiv,<br />
das “w&#252;rde” scheint zu lohnen,<br />
den Tagtraum tr&#228;umt man obsessiv,<br />
lebt blind in Illusionen.</p></blockquote>
<blockquote></blockquote>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Ein graues Nasenhaar, oder warum ich nicht mehr auf eine &#220;30-Party&#160;gehe&#8230;</title>
		<link>http://www.netznirwana.de/2006/10/25/ein-graues-nasenhaar/</link>
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		<pubDate>Wed, 25 Oct 2006 11:24:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mann & Frau]]></category>
		<category><![CDATA[Nachgedacht]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Was willst DU denn auf einer &#220;30-Party?&#8221; musste ich mich letztlich fragen lassen, als ich meiner Freundin Mitteilung von der Idee meines besten Freundes machte, wie der letzte Samstag rein m&#228;nnerfreundschaftstechnisch zu begehen sei. Nun muss man wissen: ich bin 44 und erf&#252;lle damit zumindest die von den Ausrichtern geforderte Grundbedingung zum Besuch eines solchen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img height="301" alt="altertuemchen" src="http://www.onesmallworld.de/netznirwana/wp-content/uploads/altertuemchen.gif" width="225" align="left" />&#8220;Was willst DU denn auf einer &#220;30-Party?&#8221; musste ich mich letztlich fragen lassen, als ich meiner Freundin Mitteilung von der Idee meines besten Freundes machte, wie der letzte Samstag rein m&#228;nnerfreundschaftstechnisch zu begehen sei.</p>
<p>Nun muss man wissen: ich bin 44 und erf&#252;lle damit zumindest die von den Ausrichtern geforderte Grundbedingung zum Besuch eines solchen profilneurotischen, weil vorwiegend marktwertbestimmenden Gro&#223;ereignisses &#8211; doch fand ich es irgendwie kl&#252;ger, ihre nicht ganz ausschlie&#223;lich rhetorisch gemeinte Frage auf das vermutlich &#252;bergro&#223;e Angebot paarungswilliger und mehr oder minder alleinstehender Frauen zur&#252;ckzuf&#252;hren, statt es als einen Hinweis auf meine doch schon erheblich fortgeschrittene Zahl an Lenzen zu schieben.</p>
<p>Nat&#252;rlich wei&#223; ich noch aus Zeiten, in denen mich vor dem Verlassen des Hauses keine langwierigen Dehn&#252;bungen und der vorbeugende Genuss elektrolythaltiger Speisen und Getr&#228;nke vom gr&#246;&#223;tm&#246;glichen Einsatz bei der K&#246;rperpflege abgehalten haben, dass die beste Gelegenheit f&#252;r einen ann&#228;hernd Vierzigj&#228;hrigen, eine Frau von Mitte 20 in die heimische Bettstatt zu man&#246;vrieren eben eine jener Parties zur Unterhaltung angehender geriatrischer Problemf&#228;lle ist, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem vertrocknenden Humus des gelangweilten Mittelalters geschossen sind;<br />
und so schienen mir ihre Einw&#228;nde nat&#252;rlich nur allzu verst&#228;ndlich&#8230;</p>
<p>Beim sp&#228;teren Blick in den Spiegel im heimischen Badezimmer &#252;berfielen mich dann jedoch zuerst leise, dann sich aber immer dr&#228;ngender geb&#228;rdende Zweifel -</p>
<p>Ich musste zugeben, der Zahn der Zeit hat das Seine an mir vollbracht:</p>
<p>Mit Mitte 40 f&#252;hlt man sich ja so ein bisschen, wie ein Kicker in der achzigsten Minute im gro&#223;en Fu&#223;ballspiel des Lebens, von dem der gro&#223;e Sportreporter im Himmel sagt: &#8220;Es ist Zeit f&#252;r ein erstes Fazit.&#8221;, und hat das fast sichere Gef&#252;hl, als wollte das johlende Publikum das einem eigene, schon nah gef&#252;hlte Karriereende fr&#252;her herbeiskandieren, als man es selber wahrhaben will&#8230;</p>
<p>Mein K&#246;rper gemahnt weniger an die vier Marathons, durch die ich mich qu&#228;lte, als an die Menge Muffins, Margarine und Mascarpone, die ich mit den Jahren durch meinen Stoffwechsel geschleust habe&#8230;</p>
<p>Die optische F&#252;lle meines Kopfbewuches ist eher einem allmorgendlichen hochfiligranen Legespiel zu verdanken, denn einem jugendlichen &#220;berfluss an willigen Kappillaren und den sie steuernden m&#228;nnlichen Hormonen&#8230;</p>
<p>Mein Herz &#252;berschl&#228;gt sich schon beim Bef&#252;llen einer Kaffeetasse in einem wirbelnden Stakkato rhythmusgest&#246;rter Hyperaktivit&#228;t, den ich in fr&#252;heren Jahren auch unter intensivsten Trainingsanstrengungen nicht herbeizuf&#252;hren vermochte&#8230;</p>
<p>Magen und Darm sind in einem derart bedauernswerten Zustand, dass mir Averna, Ramazotti und Fernet Branca wie die letzten mir noch als wirksam bekannten Ballaststoffe vorkommen&#8230;</p>
<p>&#8230;und erotisch bilde ich mir ein, h&#246;here Ebenen der eigenen Lust durch eine reifebedingt gesteigerte Genussf&#228;higkeit zu erreichen, und die Lust des Gegen&#252;bers durch ein Mehr erfahrungsbegr&#252;ndeter tantragleicher sexueller Kniffe zu steigern &#8211; wo sich doch eigentlich die erlahmende Potenz als verzweifelte und vermutlich g&#228;nzlich unbegr&#252;ndete Altershybris maskiert&#8230;</p>
<p>Doch um mich noch einmal dem Haarwuchs, als dem schlechthinnigen Muster m&#228;nnlicher Verfallserscheinung zu n&#228;hern:</p>
<p>Beim kritischen Blick in den Spiegel f&#228;llt mir auf, dass mein Haarwuchs an all jenen Stellen neue Rekordmarken erreicht, die eben nicht unbedingt von samsongleicher M&#228;nnlichkeit zeugen, w&#228;hrend er in den f&#252;r das eigene Selbstbild so wichtigen Arealen (jenseits der zu buschigen Raupen mutierten Augenbrauen) vielerlei Grund f&#252;r mannigfaltige Frustration liefert, weil dort die Haarwurzeln ein vergebliches R&#252;ckzugsgefecht gegen die verebbende Versorgung aus der mit den Jahren geschw&#228;chten Epidermis des Kopfes k&#228;mpfen&#8230;</p>
<p>Ein einziges graues Haar in einem meiner polypenverengten Nasenl&#246;cher &#252;berzeugt mich dann endg&#252;ltig von der Entscheidung, vom Besuch der eingangs erw&#228;hnten Volksbelustigung Abstand zu nehmen.</p>
<p>Wie kann ich sicher sein, nicht auf dem H&#246;hepunkt der abendlichen pr&#228;geriatrischen Balz pl&#246;tzlich von einer dieser unvermeidbaren Gei&#223;eln des Alters kompromittiert zu werden?</p>
<p>Und m&#246;chte ich wirklich meinen im Freudeskreis legend&#228;ren, leichtlockeren und &#252;beraus eloquenten Flirtstil gegen ein angestrengt anmutendes Verkaufsgespr&#228;ch tauschen, in dem der unredliche Verk&#228;ufer die wenigen Vorz&#252;ge des Produktes preist, w&#228;hrend er den &#220;berhang an Gegenargumenten f&#252;r den Kauf geflissentlich unter den Teppich kehrt, nur um auf Teufel komm raus zum Abschluss zu kommen?</p>
<p>Eindeutig nein &#8211; da bewahre ich mir lieber unter mangelndem Aufweis des Gegenteiles den Nimbus vergangener Tage und geselle mich abends zu meiner Freundin aufs gem&#252;tliche heimische Sofa.</p>
<p>Es l&#228;uft eine interessante Reportage &#252;ber die Tierwelt Afrikas und noch bevor ich schwerlidrig in das allabendliche Wachkoma falle h&#246;re ich sie verliebt fl&#246;ten: &#8220;Schatz, h&#246;r mal die Flusspferde&#8230; Fast so wie Du, wenn du nachts an meiner Seite liegst&#8230;&#8221;</p>
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		</item>
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		<title>Unterschicht &#8211; oder: an ihren Worten sollt Ihr sie&#160;erkennen&#8230;</title>
		<link>http://www.netznirwana.de/2006/10/24/unterschicht-oder-an-ihren-worten-sollt-ihr-sie-erkennen/</link>
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		<pubDate>Tue, 24 Oct 2006 07:31:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nachgedacht]]></category>
		<category><![CDATA[Tageszeitung]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Ein neues Gespenst geht um in Deutschland &#8211; das Gespenst der Unterschicht&#8230;&#8221; Es macht einen sonderbaren Sinn, zur Einleitung ein Zitat aus dem kommunistischen Manifest zu modifizieren, weil es zum einen den m&#246;glichen klassenk&#228;mpferischen Aspekt des neuen Modewortes &#8220;Unterschicht&#8221; betont, zum anderen aber eine Analogie zum &#8220;Gespenst des Kommunismus&#8221; insofern durchscheinen l&#228;sst, als der neue [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img style="FLOAT: left; MARGIN-RIGHT: 7px" height="159" alt="goebbels" src="http://www.onesmallworld.de/netznirwana/wp-content/uploads/goebbels.jpg" width="225" />&#8220;Ein neues Gespenst geht um in Deutschland &#8211; das Gespenst der Unterschicht&#8230;&#8221;</p>
<p>Es macht einen sonderbaren Sinn, zur Einleitung ein Zitat aus dem kommunistischen Manifest zu modifizieren, weil es zum einen den m&#246;glichen klassenk&#228;mpferischen Aspekt des neuen Modewortes &#8220;Unterschicht&#8221; betont, zum anderen aber eine Analogie zum &#8220;Gespenst des Kommunismus&#8221; insofern durchscheinen l&#228;sst, als der neue und zugleich doch so alte Begriff der Unterschicht &#228;hnlich diffus und nebelhaft gebraucht und verstanden wird, wie der des Marxismus in seinen Anf&#228;ngen.</p>
<p>Sprache ist ein ganz au&#223;ergew&#246;hnliches Werkzeug.<br />
Sie kann ein filigraner, wohl nuancierter Pinselstrich in den H&#228;nden eines Meisters sein, aber zugleich auch &#252;ber diverse Abstufungen zur Waffe in den H&#228;nden intelligenter und damit ungemein gef&#228;hrlicher Agitatoren mutieren, bei denen das Zusammentreffen von Intelligenz, Sprachverm&#246;gen und Skrupellosigkeit eine kritische Masse der Manipulation ergibt, welche Gesellschaften zu untergraben und Regierungssysteme hinwegzusp&#252;len vermag.</p>
<p>Setzt man sich mit diesem neuen Unwort einmal genauer auseinander, so muss auffallen, dass seine Anst&#246;&#223;igkeit weniger im Begriff selbst, sondern vielmehr in dessen Gebrauch und dem Kontext geborgen ist, in dem dieses Wort verwendet wird.</p>
<p>In der begrifflichen Triole &#8220;Oberschicht-Mittelschicht-Unterschicht&#8221; hat es den einfachen Charakter einer begrifflichen Abgrenzung gesellschaftlicher Schichten und erscheint wenig abschreckend, zumal sich hier zun&#228;chst niemand pers&#246;nlich angesprochen f&#252;hlen muss.</p>
<p>Wird es jedoch alleinstehend gebraucht, ohne das Ger&#252;st der ihm verwandten Begriffe, so stellen sich pl&#246;tzlich Assoziationen ein, die es z.B. mit dem Begriff des &#8220;Untermenschen&#8221; verbinden, und die ungute Folgen f&#252;r die Debatte &#252;ber das eigentliche Problem haben, in deren Verlauf dieses Wort &#252;berhaupt zu unn&#246;tiger und zweideutiger Ber&#252;hmtheit gelangt ist.</p>
<p>Witzigerweise funktioniert eine analoge Triole zu der eingangs erw&#228;hnten ganz und gar nicht:<br />
ein &#220;bermensch ist etwas ganz anderes als das genaue Gegenteil des Untermenschen, und ein &#8220;Mittelmensch&#8221; existiert schon gar nicht und hat mit dem Ersatzbegriff des &#8220;Durschnittsmenschen&#8221; auch nur ein Surrogat, das sich in seiner Betonung erheblich von einer Begriffsverwandschaft zum Untermenschen distanziert.</p>
<p>In der Debatte &#252;ber dieses neue Unwort, welches unter dem Deckmantel vermeintlich unverbl&#252;mter Nennung von Ross und Reiter des offensichtlich nicht mehr wegzudiskutierenden Armutsproblems daherkommt werden wir alle das kollektive Opfer eines sprachlichen Trends unserer Zeit, n&#228;mlich der &#8220;Verschlagwortung&#8221; komplexer gesellschaftlicher Zusammenh&#228;nge.</p>
<p>Initiiert und beschleunigt durch den meistenteils uns&#228;glichen sprachlichen Tenor der Boulevardjournaille, werden wir zum Opfer einer Reduzierung der Wurzeln unserer Meinungsbildung auf Parolen &#8211; was die latente Gefahr einer zunehmenden Verarmung unserer Sprache und damit unseres Denkens auf das Niveau totalit&#228;rer Regime in sich birgt.</p>
<p>Wir t&#228;ten gut daran, unser Augenmerk mehr auf die sachlichen und um Objektivit&#228;t bem&#252;hten Inhalte anspruchsvoller journalistischer Arbeit zu legen und sollten weniger dem bequemen Impuls nachgeben, der uns meinen l&#228;sst, dass das &#220;berfliegen der gr&#246;&#223;ten Schlagzeilen am Kiosk auf unserem Arbeitsweg dazu angetan sein k&#246;nnte unsere politische Meinungsbildung auf ein gesundes Fundament zu stellen.</p>
<p>Nur so k&#246;nnen wir der schleichenden Gefahr entgehen, dass uns jene agitatorisch ausman&#246;vrieren, die uns aus pers&#246;nlicher Betroffenheit, weltverbesserlichem &#220;bereifer, oder aus metallisch kaltem politischen Kalk&#252;l auf ihre Seite ziehen und instrumentalisieren wollen.</p>
<p>Denn wenn uns eines klar sein sollte, so ist es die Einsicht, dass kein politisch-soziales Ding in unserer modernen Gesellschaft von eindimensionaler Struktur ist.</p>
<p>Die diversen Facetten und Betrachtungswinkel eines solchen Dinges aus einer Bequemlichkeit des Denkens heraus auszublenden und zu ignorieren, macht den Menschen geistig arm und gef&#228;hrdet die Gesellschaft weitaus mehr, als das gelegentliche Auf- und wieder Abtauchen von politischen Ex-und-Hopp-Begriffen, deren bedeutungstechnische Halbwertszeit schon alleine durch die Schnelllebigkeit der heutigen Zeit und ihrer Nachrichtenwelt limitiert ist.</p>
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		<item>
		<title>Wunderwerk der Technik, oder der sch&#246;ne&#160;Schein&#8230;</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Oct 2006 07:16:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nachgedacht]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich bin kein Autonarr, ganz und gar nicht. Im Gegenteil &#8211; ich empfinde das Fahren, um von einem Punkt zum anderen zu gelangen als eher l&#228;stiges, aber h&#228;ufig notwendiges und eigentlich langweiliges &#220;bel. Ich bin auch kein Fan von Technik in dem Sinne, dass mich die Geheimnisse der Ingenieurskunst auf physikalisch-formelhafter Ebene interessieren &#8211; aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img style="float: left; margin-right: 7px" height="140" alt="buga2" src="http://www.netznirwana.de/wp-content/uploads/buga2.jpg" width="250" />Ich bin kein Autonarr, ganz und gar nicht.<br />
Im Gegenteil &#8211; ich empfinde das Fahren, um von einem Punkt zum anderen zu gelangen als eher l&#228;stiges, aber h&#228;ufig notwendiges und eigentlich langweiliges &#220;bel.</p>
<p>Ich bin auch kein Fan von Technik in dem Sinne, dass mich die Geheimnisse der Ingenieurskunst auf physikalisch-formelhafter Ebene interessieren &#8211; aber ich bin ein erkl&#228;rter Fan des menschlichen Geistes und dessen, was er zu schaffen und zu sch&#246;pfen in der Lage ist.</p>
<p>Das kann ein tiefsinniges philosophisches Buch, ein Meisterst&#252;ck bildender K&#252;nste, oder wie hier ein technisches Wunderwerk in Form eines Traumautos sein: der Bugatti Veyron&#8230;</p>
<p><img style="float: right; margin-left: 7px" height="140" alt="buga3" src="http://www.netznirwana.de/wp-content/uploads/buga3-2.jpg" width="250" />Hier ein paar Rohdaten:</p>
<ul>
<li>16 Zylinder, 4 Turbolader</li>
<li>7993 ccm Hubraum</li>
<li>736 KW &#8211; 1001 PS</li>
<li>0-100 km/h: 2,5 Sekunden</li>
<li>0-200 km/h: 7,3 Sekunden</li>
<li>0-300 km/h: 16,7 Sekunden</li>
<li>Max. Geschw.: 407 km/h</li>
</ul>
<p>Das Ganze wird einem auf der Stra&#223;e pr&#228;sentiert zu einem Preis von 1 Mio. Euro (zzgl. Mwst.) und mit 6000 U/min bei einem maximalen Drehoment von 1250 Nm bei 2500 U/min (bei der letzten Angabe wei&#223; ich gar nicht, was sie bedeutet &#8211; aber es h&#246;rt sich beeindruckend an, nicht wahr&#8230;?)</p>
<p>Nun ist es aber mit solcherlei Autos wie mit den sch&#246;nen Frauen in Film und Fernsehen:<br />
sie n&#246;tigen uns ein hohes &#228;sthetisches Urteil ab; wir empfinden ihre Zugeh&#246;rigkeit zu einer besonderen Klasse naturaler, wie kultureller Sch&#246;pfung, aber sie lassen uns oft innerlich k&#252;hl, weil sie zu sehr einer platonischen Idee &#228;hneln, zu sehr Modell f&#252;r etwas zu sein scheinen, dass in seiner Einzigartigkeit jeglichen Realit&#228;tscharakters enthoben ist.</p>
<p><img style="float: left; margin-right: 7px" height="140" alt="buga1" src="http://www.netznirwana.de/wp-content/uploads/buga1.jpg" width="249" />Und so empfinde ich ein solches Automobil nicht als wirklich sch&#246;n, weil Sch&#246;nheit in meinen Augen auch real sein muss.<br />
Traumautos und ebenso Traumfrauen (zumindest das, was man daf&#252;r h&#228;lt) sind zwar real existent, aber mitunter nur Muster ohne praktischen Wert, so eine Art goldener Schnitt, der nur die Geschm&#228;cker verdirbt und falsche Signale in die praktische Wirklichkeit des Menschen sendet.</p>
<p>Und so sollten wir Sch&#246;nheit nicht nur nach &#228;sthetischen Maximalma&#223;st&#228;ben messen, sondern als Gradmesser die St&#228;rke heranziehen, mit der das betrachtetete Wesen uns innerlich erreicht und die Art und Weise, wie dessen innere Lebendigkeit die unsere befruchtet und motiviert.</p>
<p>Und schnell werden wir sp&#252;ren, dass uns der vermeintlich maximale &#228;sthetische Wert in sonderbarer Weise kalt l&#228;sst, dass er unseren Intellekt erreicht, welcher ein wohlfeiles Urteil fein kalkulierter Denkt&#228;tigkeit liefert, aber dass in unserer Seele und unserem Sp&#252;ren keine wirkliche Attraktion und Begeisterung sp&#252;rbar wird.</p>
<p><img height="137" alt="buga4" src="http://www.netznirwana.de/wp-content/uploads/buga4.jpg" width="249" align="right" />Die Beauties und Pseudoma&#223;st&#228;be der multimedialen Ex und Hopp-Kultur sind h&#252;bsch ausstaffierte Schaufensterpuppen des Konsums und abschreckende Vogelscheuchen vorgegaukelter Sehns&#252;chte zugleich. Ihr Streben nach Perfektion, respektive dessen, was die Konsumpropheten uns als solche weismachen wollen, nimmt mitunter groteske Z&#252;ge an, und sonderbarerweise l&#228;sst sich dieses quichotische Anrennen gegen die Windm&#252;hlen des Alters genauso vermarkten, wie ihre fr&#252;here faltenlose Pr&#228;senz im Rampenlicht.</p>
<p>Und so machen die Sch&#246;nheiten der televison&#228;ren &#220;berfrachtung gleich zweimal Karriere in den Gazetten: zuerst in der Bl&#252;te ihrer Jahre, zur Zeit ihrer k&#252;nstlichen &#220;berh&#246;hung durch Journaille und Paparazzitum und dann, in eben den gleichen Medien, durch ihren Fall aus den unerreichbaren Sph&#228;ren ihres &#228;sthetischen Olymps in die Tiefen des ihre Sch&#246;nheit vernichtenden Hades.</p>
<p>In gewisser Weise sehen wir sie an uns vorbei fallen &#8211; so als st&#252;rzten sie im Treppenhaus aus der obersten Etage des Hochhauses in den Keller, w&#228;hrend wir Normalsterblichen flei&#223;ig und nimmerm&#252;de um jede Stufe des pers&#246;nlichen Emporkommens und gegen jede Stufe des nahenden Abstieges ank&#228;mpfen.</p>
<p>Und so wandelt sich Bewunderung und &#220;berh&#246;hung in Schadenfreude und ein schales Gef&#252;hl von falsch empfundener Gerechtigkeit und sp&#228;ter Genugtuung.<br />
Es ist beruhigend zu sehen, wenn G&#246;tter fallen, denn in dem Ma&#223;e, in dem sie im Fall dem Menschen &#228;hnlicher werden, empfindet sich dieser ohne eigene Leistung n&#228;her an den Heroen des Olymp und kann den sch&#246;nen Schein unbegr&#252;ndeter Hybris warm auf seiner irdisch-faltigen Haut genie&#223;en.</p>
<p>Dabei ist und bleibt er jedoch ein Abh&#228;ngiger der ihm vorgegaukelten Scheinwelt, bleibt eine Marionette eben jener surrealer Ideale, die sein Leben bestimmen. Denn f&#252;r jene, die fallen, folgen neue, die aufsteigen und die uns ebenso gefangen nehmen, wie die gest&#252;rzten G&#246;tter zuvor.</p>
<p>Diesem Teufelskreis und dieser Abh&#228;ngigkeit l&#228;sst sich nur entgehen, wenn ein aufgekl&#228;rter Geist die Samstagabendshow mit der gegenseitigen Selbstbeweihr&#228;ucherung der Sch&#246;nen und Reichen als das begreift was es eigentlich ist: eine Fiktion, eine Flucht, eine Art Alkoholisierung mittels manipulierender bunter Bilder und ihrer vermeintlichen Beherrschung durch den Zauberstab der Moderne, den wir Fernbedienung nennen.</p>
<p><strong>Und so ist die Frau, die ich liebe die sch&#246;nste Frau der Welt f&#252;r mich</strong> -<br />
weil sich in ihr die Lebendigkeit und das Leben &#8211; auch das bereits gelebte &#8211; widerspiegelt, vor dem die Vogelscheuchenschaufensterpuppen eine solche Angst haben, dass sie sich mit Spritzen, Einlagen und allerlei chirurgische Tand zwar eine gewisse optische Zeitlosigkeit, aber zugleich einen Verlust an innerer Gr&#246;&#223;e und ganzheitlicher menschlicher Sch&#246;nheit einhandeln.</p>
<p>Nun schlie&#223;e ich den Kreis zur&#252;ck zum exemplarischen Automobil, genie&#223;e den Blick auf den Bugatti und sch&#228;tze ihn als ein ganz besonderes Beispiel dessen, zu was der Mensch bef&#228;higt ist (wenn er sich nicht gen&#246;tigt sieht, seine Potenz in den Dienst der R&#252;stungslobby zu stellen&#8230;).<br />
Ich behalte aber meinen Blick auf die Realit&#228;t und den praktischen Wert meines heimischen Pkw, der mich treu und wohlbeh&#252;tet von A nach B transportiert.</p>
<p>Was mehr will ich von einem Auto verlangen&#8230;?</p>
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		<title>Dreifach solidarisch &#8211; die Post geht von K&#246;ln nach&#160;Leipzig</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Oct 2006 12:06:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nachgedacht]]></category>
		<category><![CDATA[Tageszeitung]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Post verlagert &#8220;ein paar hundert&#8221; Stellen von K&#246;ln nach Leipzig, um dort den Ausbau ihre neuen DHL-Logistikzentrums voranzutreiben. Dem Vernehmen nach werde der Abbau &#8220;sozialvertr&#228;glich&#8221; (wenn das mal kein &#8220;Widerspruch in der Beif&#252;gung&#8221; ist&#8230;) erfolgen und die betroffenen Mitarbeiter erhielten &#8220;gute Abfindungen&#8221; (so eine Art Gl&#252;ck im Ungl&#252;ck&#8230;). Nun will ich die Post selbst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img style="MARGIN-RIGHT: 7px" height="153" alt="aufderstrasse" src="http://www.onesmallworld.de/netznirwana/wp-content/uploads/aufderstrasse.jpg" width="225" align="left" />Die Post verlagert &#8220;ein paar hundert&#8221; Stellen von K&#246;ln nach Leipzig, um dort den Ausbau ihre neuen DHL-Logistikzentrums voranzutreiben.</p>
<p>Dem Vernehmen nach werde der Abbau &#8220;sozialvertr&#228;glich&#8221; (wenn das mal kein &#8220;Widerspruch in der Beif&#252;gung&#8221; ist&#8230;) erfolgen und die betroffenen Mitarbeiter erhielten &#8220;gute Abfindungen&#8221; (so eine Art Gl&#252;ck im Ungl&#252;ck&#8230;).</p>
<p>Nun will ich die Post selbst nicht kritisieren. Durch die Entscheidung f&#252;r Leipzig als Ort ihres neuen Mammutprojektes schafft sie inklusive der ihr zuarbeitenden Unternehmen ca. 10.000 Stellen, f&#252;r die auch ein Standort in Belgien durchaus in Frage gekommen w&#228;re. Auch von dort, aus Br&#252;ssel und aus Berlin werden Stellen nach Leipzig transferiert -</p>
<p>Betrachtet man das aber aus Sicht der betroffenen Mitarbeiter, so bekommt das ganze ein &#252;blen Beigeschmack:</p>
<p>Einer der wichtigsten Gr&#252;nde der Deutschen Post f&#252;r die Standortentscheidung war ein dickes Subventionspaket des Bundes aus dem F&#246;rderprogramm f&#252;r die neuen Bundesl&#228;nder in H&#246;he von 70 Millionen Euro, mit dem die Regierung der Post den neuen Standort wirtschaftlich schmackhaft gemacht hat.</p>
<p>Nun will ich auch die Politik nicht kritisieren, dass sie was f&#252;r den Osten tut&#8230;</p>
<p>&#8230;aber die betroffenen Mitarbeiter aus K&#246;ln haben auch einen Teil der Subvention in den Steuers&#228;ckel gezahlt und jahrelang brav ihren Solidarit&#228;tszuschlag entrichtet &#8211; Gelder, die nun anteilig im Subventionskuchen der Deutschen Post mitverbacken werden.</p>
<p>So zahlen die rheinischen Postler vermutlich dreimal f&#252;r die Entwicklung unserer wirtschaftlichen Diaspora:</p>
<ol>
<li>mit ihren Steuern</li>
<li>mit ihrem Solidarit&#228;tszuschlag</li>
<li>und fatalerweise mit ihrem Arbeitsplatz</li>
</ol>
<p>Aber zum Gl&#252;ck gibt&#8217;s ja Hartz 4 &#8211; da k&#246;nnen sie ich die Kohle sicher zur&#252;ckholen&#8230;</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Deutschland, ein&#160;Sommerm&#228;rchen</title>
		<link>http://www.netznirwana.de/2006/10/17/deutschland-ein-sommermaerchen/</link>
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		<pubDate>Tue, 17 Oct 2006 06:01:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fußball]]></category>
		<category><![CDATA[Nachgedacht]]></category>

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		<description><![CDATA[Gestern abend habe ich mit einem Freund im Kino &#8220;Deutschland ein Sommerm&#228;rchen&#8221; von S&#246;nke Wortmann gesehen (wurde auch langsam Zeit&#8230;). Ich muss sagen, der Film geht unter die Haut, auch weil er Einblicke erlaubt, die man sonst als unbedarfter Zuschauer der Ereignisse dieses Fussballsommers nicht mitbekommen hat. Viele der mannschaftlichen Abl&#228;ufe hatten nat&#252;rlich eine Art [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img style="margin-bottom: 0px; margin-right: 7px" height="354" alt="wortmannsommermaer" src="http://www.netznirwana.de/wp-content/uploads/wortmannsommermaer.jpg" width="250" align="left" /></p>
<p>Gestern abend habe ich mit einem Freund im Kino &#8220;Deutschland ein Sommerm&#228;rchen&#8221; von S&#246;nke Wortmann gesehen (wurde auch langsam Zeit&#8230;).</p>
<p>Ich muss sagen, der Film geht unter die Haut, auch weil er Einblicke erlaubt, die man sonst als unbedarfter Zuschauer der Ereignisse dieses Fussballsommers nicht mitbekommen hat.</p>
<p>Viele der mannschaftlichen Abl&#228;ufe hatten nat&#252;rlich eine Art Deja Vu- Charakter, wenn ich an meine eigene verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig lange, aber ebenso verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig erfolglose? Karriere <img src='http://www.netznirwana.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  zur&#252;ckdenke&#8230;</p>
<p>Im Bus gefeiert, rumgeflachst, mehr oder minder fruchtlos diskutiert wird in jeder Fussballmannschaft &#8211; gefeiert &#252;brigens auch (oder eben gerade) wenn man keinen Erfolg hat.<br />
Es war nur interessant zu sehen, wie fussballerisch und sportlich-menschlich &#8220;normal&#8221; es auch bei einer Fussballweltmeisterschaft (darf ich das Wort benutzen ohne die Copyrights von Herrn Blatter zu verletzen?) zugeht, und mitzuerleben, wer die Leitw&#246;lfe, die klugen K&#246;pfe (sind nicht immer identisch&#8230;) und wer die Mitl&#228;ufer und unersetzliche Wassertr&#228;ger sind, die den Kitt zwischen den gro&#223;en Protagonisten bilden &#8211; auf und neben dem Platz.</p>
<p>Mir wurde aber auch klar, warum J&#252;rgen Klinsmann, und ich sage ganz bewusst, <strong>einer</strong> der Architekten des Erfolges, nach der WM gegangen ist und ich denke auch, dass er schon lange vorher diesen Schritt geplant haben muss.<br />
So wie die Mannschaft vom Trainerstab auf den Punkt fit gemacht wurde, so hat er die Mannschaft auf den Punkt und bis in die Fussballstiefelspitzen motiviert.</p>
<p>Von seinem Einstieg beim DFB bis zum Halbfinale hat er jedes Spiel f&#252;r die Mannschaft ein Spiel des Lebens sein lassen, hat sie mit starken, teilweise brachialen Verbalmethoden f&#252;r jedes Spiel eingepeitscht und eingeschworen, ihnen vermittelt, dass es die Chance zur Teilnahme an einer WM im eigenen Land rein statistisch nur einmal gibt und dass man einen Gegner, der mit mit dem R&#252;cken zu Wand steht f&#252;r dieses Ziel eben auch mal durch die Wand durchtreten muss&#8230;</p>
<p>Ich will solche Spr&#252;che, wie den letzten moralisch nicht kritisieren, obwohl man es k&#246;nnte. F&#252;r mich war Fussball fr&#252;her und ist Schach heute kein Krieg (was einer der Gr&#252;nde daf&#252;r sein mag, dass ich mangels Aufr&#252;stung im Vorfeld und kriegerischer Haltung im Vollzuge nicht zu wirklich h&#246;heren Weihen gelangt bin&#8230;).<br />
Sicher ist, dass eine solche Motivation sich abnutzt, dass die Spieler von dem schier unbezwinglichen Berg, den sie vom Trainer getrieben am Ende (fast ganz, oder eben doch vollkommen) besiegt haben, am Ende des Turniers wieder heruntersteigen m&#252;ssen und dass sie mit den selben Worten und Methoden da nie wieder hinaufkommen werden.</p>
<p>So wie dieses Turnier f&#252;r jeden Spieler einmalig war, so war es dieses?  Grossereignis einer Fu&#223;ballerkarriere auch mental und emotional, und in gewisser Weise hat Klinsmann sich f&#252;r die Jungs und das Ziel geopfert, weil er wissen musste, dass seine Art die Mannschaft zu f&#252;hren zwar die Kraft einer Saturnrakete haben w&#252;rde, dass? diese? aber? am Ende ihrer Mission, nachdem alle Triebwerkstufen ausgebrannt und abgeworfen waren, ihre Aufgabe erf&#252;llt, aber sich eben darin unwiderruflich verbraucht haben w&#252;rde.</p>
<p>Man muss wegen dieses &#8220;Opfers&#8221; Klinsmann aber nicht zum altruistischen Heroen des deutschen Fu&#223;balls hochsterilisieren (Danke, Bruno&#8230;).<br />
Dass er als eher suboptimaler Fu&#223;baller in technischer Hinsicht zu einem der besten Angreifer der Fussballgeschichte wurde, verdankt der B&#228;ckersjunge aus dem Schwabenland nicht? nur seinem unb&#228;ndigen Willen, seiner angeborenen, aber auch hart antrainierten Dynamik, sondern auch seinem gro&#223;en (auch positiven) Egoismus, gepaart mit der F&#228;higkeit sich immer wieder auf das n&#228;chste Ziel zu fokussieren.</p>
<p>So, wie er spielte, Puls immer auf 200, volle Pulle, wie ein aufgezogener hochenergetischer Brummkreisel am Deuserband seiner kleinb&#252;rgerlichen Herkunft, so trainierte er auch das Team -<br />
und so, wie er seine Karriere beendete, ausgebrannt, die Nase voll von der Schinderei und Plackerei und alles endlich hinter sich lassen wollend, so hat er auch sein Traineramt niedergelegt.</p>
<p>Er hat wirklich f&#252;r das Ziel alles gegeben, und sogar seinen Nimbus des semi-intellektuellen Sonnyboywunderst&#252;rmers auf dem Altar der medialen Transparenz geopfert, die sich bei einem solchen Ereignis nicht vermeiden l&#228;sst.<br />
Wir sollten dankbar sein, dass er die Gr&#246;&#223;e hat sich zur&#252;ckzuziehen und nicht der Versuchung anheimf&#228;llt, sich hier im Lichte des Erfolges als Lichtgestalt des deutschen Fussballs von allen den Bauch pinseln zu lassen.</p>
<p>Daf&#252;r haben wir ja schon den Kaiser Franz und das wei&#223; auch der J&#252;rgen&#8230; <img src='http://www.netznirwana.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
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