Existiert Gott? - oder: Die Wette des Blaise Pascal” gegen “Ockhams Rasiermesser”
30. Oktober 2006 von Thomas
„Das ist aber eine große Aufgabe!” könnte man meinen, wenn man den Titel dieses Aufsatzes liest. Zum einen sicher sehr umfangreich, zum anderen nicht für jeden verständlich, wenn man wirklich in die Tiefe geht.
Nun zur Beruhigung: Das muss nicht so sein -
Wir benötigen für eine luftig-leichte Diskussion vier Zutaten:
- Einen Teil „Die Wette Blaise Pascals”
- Einen Teil „Ockhams Rasiermesser”
- Eine Prise „Camus” und
- einen Spritzer Existenzphilosophie
Die Wette des Blaise Pascal:
Blaise Pascal (1623-1662) war wie viele Denker seiner Epoche ein Universalarbeiter, der sich auf vielen Feldern der Forschung versuchte:
- so erfand er u.a. eine Rechenmaschine,
- stellte Untersuchungen zum Luftdruck an (weshalb heute die physikalische Einheit des Druckes nach ihm benannt ist),
- hinterließ mit den „Pensees” ein Bündel von ca. 1000 Zetteln mit Fragmenten und Notizen philosophisch-religiösen Inhaltes
- und beschäftigte sich zudem mit Wahrscheinlichkeitsrechnung
Seine berühmte Wette geht so:
- Man muss sich entscheiden, ob man glaubt, dass Gott existiert, oder eben nicht.
- Wenn man glaubt und er existiert, so gewinnt man das Himmelreich.
- Existiert Gott nicht, und man glaubt dennoch, so verliert und gewinnt man nichts.
- Existiert Gott nicht, und man glaubt nicht, so bleibt es ebenso gleichgültig
- Wenn Gott jedoch existiert und man sich ihm verweigert, so muss man zur Hölle fahren.
Daraus folgt, dass es vernünftig ist an Gott zu glauben, weil die beiden mittleren Möglichkeiten nichts verändern, und Wert und Unwert der ersten und letzten ja intuitiv einleuchten.
Nun gibt es eine ganze Menge scharfsinniger Einwände gegen diese Wette, die z.B. darauf beruhen, dass Gott ein bisschen anders „strukturiert” ist, als wir glauben.
Wenn wir z.B. unterstellen, dass es Gott egal ist, ob wir glauben und ihn anbeten, aber dass er auf ein moralisch anständiges Leben achtet, so könnte der ungläubige Gutmensch doch ins Himmelreich auffahren, obwohl ihm der eigentliche Glaube und damit die Verehrung Gottes fehlen.
Ich denke, dass Pascal bei seiner Wette aber weniger eine hundertprozentig logische Absicherung des Argumentes gegen alle Eventualitäten im Sinne hatte, sondern dass er einfach, wie im 17. Jahrhundert noch ganz normal, das damals vorherrschende Bild Gottes vorausgesetzt hat.
Das würde auch eines der cleversten Gegenargumente ein wenig entkräften, welches besagt, dass allein die Ausübung des Glaubens, wie z.B. im Gebet, oder beim Kirchenbesuch im Falle eines nicht existierenden Gottes ein Zeitverlust seien, der einen von wirklich wichtigen Dingen abhielte, was einem Qualitätsverlust des Lebens gleichkäme.
Im Gegenteil kann man aber auch argumentieren, dass man im vorliegenden Fall ein sinnerfülltes und gutes Leben führt, während der berechtigt Ungläubige Gefahr läuft, in einer großen Sinnkrise zu existieren und unglücklich zu sein.
Halten wir also fest, dass es nach Blaise Pascal sinnvoll ist an Gott zu glauben.
Jetzt packen wir die Sache mal anders an:
Der Mensch im Christentum glaubt an Gott u.a. deshalb, weil er Antworten auf sonst offene, nicht zu lösende und wohl manchen auch ängstigende Fragen für uns bereithält.

Andererseits besteht eine große Gefahr unserer bunten Glitzerwelt des Konsums und des lauthals vernehmbaren Werbegeschreies der Konzerne darin, dass uns alltäglich Träume in die Köpfe manipuliert werden, die für den größten Teil der Menschen unerreichbar sind, und die jene, die sich die Bewahrheitung eines solchen Trugbildes unter Anstrengungen ermöglichen können, seltsam leer lassen, und die keinesfalls die Erfüllung bieten, die uns vorher durch den multimedialen Overkill in Aussicht gestellt worden ist.
Der helle, in der Realität fußende und uns wach für die wahrhaft wertvollen Möglichkeiten des Seins machende Tagtraum aus Ernst Blochs “Das Prinzip Hoffnung”, und die gesellschaftlich gestalterische Kraft seines Begriffes der “konkreten Utopie” haben keine Chance gegen das flache Verlangen nach Zerstreuung und Erlösung aus dem Jammertal der wirtschaftlichen Angst und der existentiellen Frustration.