{"id":308,"date":"2013-10-25T10:50:53","date_gmt":"2013-10-25T08:50:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.netznirwana.de\/?p=308"},"modified":"2017-11-01T09:59:24","modified_gmt":"2017-11-01T07:59:24","slug":"niete-im-bett-reloaded","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.netznirwana.de\/index.php\/2013\/10\/25\/niete-im-bett-reloaded\/","title":{"rendered":"Niete im Bett (reloaded)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kaum etwas gibt ein Mann weniger gern zu, als dass er ein schlechter Autofahrer ist.<\/strong><br \/>\n<strong> Auch ich halte mich f\u00fcr einen sicheren und versierten PKW-Lenker, ausgestattet mit der Reaktionssicherheit eines Michael Schumacher und den Instinkten eines Walter R\u00f6hrl.<\/strong><\/p>\n<p>Davon lasse ich mich auch nicht so leicht durchs Fernsehen abbringen \u2013 schnell fahren kann ich auch, und um die Kurve schlittern und schleudern f\u00e4llt mir auch nicht schwer, wenn mir das ESP auch manches Mal ein bisschen Hilfestellung leistet, sofern ich mal wieder meinen Bleifu\u00df einen Tick zu lange auf dem falschen Pedal hatte. \u00dcberhaupt sind die Stra\u00dfen zu schmal, die Kurven zu eng, und Fu\u00dfg\u00e4nger sollten die Fahrbahn nur an wenigen genau gekennzeichneten Stellen \u00fcberschreiten d\u00fcrfen, um den Verkehr nicht zu gef\u00e4hrden.<\/p>\n<p>Aber ich schweife ab \u2013 wahrscheinlich um mich um ein Gest\u00e4ndnis zu dr\u00fccken, das mir seit ein paar Tagen auf der Seele lastet: ich bin vermutlich eine Flasche im Bett &#8211; und wer jetzt glaubt, ich, als typischer Mann, d\u00e4chte dabei an einen brandhei\u00dfen Molotowcocktail, der sieht sich get\u00e4uscht.<br \/>\nOffenbar bin ich eher ein Exemplar der Marke \u201eOffene Cola, die zu lange in der Sonne gestanden hat\u201c. Wie ich darauf komme? Gut, ich will es erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Ich bin eine Nachteule und habe fr\u00fch am Abend einen toten Punkt, der mich gegen 21:00 Uhr auf dem Sofa ins R\u00f6chelkoma fallen l\u00e4sst. M\u00e4nner kennen das: Kopf nach hinten, Garage auf und Platons H\u00f6hlengleichnis geben, w\u00e4hrend aus dem Rachen ein Ger\u00e4usch von industrieller Kl\u00e4ranlage nach au\u00dfen dringt. Zum Gl\u00fcck h\u00e4lt dieser Zustand nicht so lange an, bis Schwalben beginnen ihr Nest in der sich einladend \u00f6ffnenden H\u00f6hle zu bauen, und gegen 22:00 Uhr bin ich dann wieder so fit wie ein Turnschuh, w\u00e4hrend der ausgetrocknete Gaumen daf\u00fcr sorgt, dass ich auch in etwa so rieche. Also schnell ab ins Bad, Z\u00e4hne putzen und&#8230; Aber ich schweife schon wieder ab&#8230;<\/p>\n<p><strong>Also raus mit der Sprache:<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Statt ins Bett zu gehen, setze ich mich noch ein Weilchen aufs Sofa, schl\u00fcrfe ein Gutenachtbierchen, kratze mich ausgiebig am Bauch und zappe im Feinripp durchs Sp\u00e4tabendprogramm. Die \u00fcblichen schl\u00fcpfrigen Telefonangebote ignoriere ich, weil ich es nicht n\u00f6tig habe, mir von irgendeiner Schantall im Neeklischee was von hei\u00dfer Liebe ins Ohr st\u00f6hnen zu lassen, die in Wirklichkeit Elfriede hei\u00dft und mit eingeklemmtem H\u00f6rer die Kr\u00e4henn\u00e4gel an ihren Schwielenf\u00fc\u00dfen bearbeitet.<\/p>\n<p>Es vergehen kaum f\u00fcnf Minuten und ich lande bei einem stinknormalen, zweitklassigen Krimi und Liebesfilm, dessen erotisches Highlight mich traditionell in etwa auf zwei Drittel der Filmdauer erwartet. Zwei unglaublich sch\u00f6ne Menschen schauen sich bedeutungsschwanger in die Augen und z\u00f6gern einen Moment bevor sie sich wie zwei ausgehungerte Hy\u00e4nen auf den Mund des anderen st\u00fcrzen, als wollten sie ihm die letzte Mahlzeit aus dem Magen saugen.<\/p>\n<p>R\u00fcde rempelt er sie gegen die Wand, was sie mit einem guttural unterlegten Lustlaut quittiert. w\u00e4hrend sie, schon nach ca. f\u00fcnf Sekunden prall erregt, ihren Schenkel nach oben zieht und ihren Gespielen einbeinig stehend, wie ein Flamingo damit umschlingt, als wolle sie ihm das Leben aus den Lenden pressen. Ihr viel zu kurzer Minirock rutscht nach oben und gibt den Blick auf einen makellosen, s\u00fcndhaft teuer bestrapsten Schenkel frei, der einen unwillk\u00fcrlich an den letzten Besuch beim Wienerwald denken l\u00e4sst \u2013 nur, dass dort die Haut irgendwie krosser war.<\/p>\n<p><strong>Mann, muss der Kerl k\u00fcssen k\u00f6nnen&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Die Hirne lustumnebelt, torkeln die zwei ins Schlafzimmer, sofern Kamin und B\u00e4renfell nicht vorhanden sind, und verteilen den gr\u00f6\u00dften Teil ihrer Designerklamotten \u00fcberall in der Wohnung, so wie H\u00e4nsel und Gretel die Brotkr\u00fcmel, damit sie wieder nach Hause finden. Sie sinken aufs Bett. Zuerst ist er auf ihr, um ihr zu zeigen, dass ein ganzer Kerl die Z\u00fcgel in der Hand h\u00e4lt, presst sie mit seinem ganzen Gewicht aufs Laken und k\u00fcsst sie, als g\u00e4be es kein Morgen, w\u00e4hrend sie ein wie verdurstend klingendes \u201eIch will dich\u201c herausst\u00f6hnt, das er mit einem ebenso ger\u00f6chelten \u201eDein Mann muss ein Idiot sein!\u201c quittiert, was zumindest deshalb ein bisschen sonderbar klingt, weil der benannte Idiot schon, von den zwei hei\u00df erregten Verschw\u00f6reren massakriert, im Vestib\u00fcl liegt.<\/p>\n<p>Dann drehen sie sich um, und sie setzt sich auf ihn. W\u00e4hrend er an ihren Knien fummelt, schaut sie ihn mit funkelnden Augen an, kreuzt ihre unglaublich schlanken Arme, reckt ihren Schwanenhals und streift sich das nat\u00fcrlich viel zu knappe Top \u00fcber den Kopf, w\u00e4hrend das Mondlicht romantisch auf ein paar Br\u00fcste von der Gr\u00f6\u00dfe neuseel\u00e4ndischer Braeburn f\u00e4llt. Unruhig wogt ihr Oberk\u00f6rper hin und her, was vermuten l\u00e4sst, dass sie auf etwas sitzen muss, dass sich jeglicher Beschreibung zu entziehen scheint.<\/p>\n<p><strong>Mann, muss der Kerl gebaut sein&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Er setzt sich auf und nestelt an ihrem B\u00fcstenhalter, w\u00e4hrend sie zugleich an seinem Shirt zieht, als wolle sie ihm, wie der Adler dem Prometheus, ein St\u00fcck Leber aus dem Bauch rei\u00dfen. Sein freigelegter Brustkorb wirkt im Mondenschein, als h\u00e4tte man zwei Pflastersteine vom B\u00fcrgersteig direkt vor sein Herz transplantiert, und sein Bauch ist so fettfrei wie eine Blumenwiese, aber zugleich so hart, dass eine Pistolenkugel davon abgeprallt w\u00e4re, wenn der arme Idiot im Vestib\u00fcl ein bisschen schneller gewesen w\u00e4re und geschossen h\u00e4tte, statt weinerlich um sein Leben zu winseln.<\/p>\n<p><strong>Mann hat der Kerl eine Figur&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Die Slips haben sich unterdessen wie von selbst in Wohlgefallen aufgel\u00f6st, so als seien sie aus einem geheimen Material gefertigt, dass sich bei aufkeimender Lust in zarten Rauch aufl\u00f6st, der nach feinen arabischen Gew\u00fcrzen duftet und noch zus\u00e4tzlich aphrosisierend wirkt. Kaum sind beide nackt beginnt er in seiner Trickkiste zu kramen. Er hat die H\u00e4nde an ihren Rippen, w\u00e4hrend sie mit geschlossenen Augen auf ihm d\u00fcmpelt, wie ein vollgeladener Lastkahn auf der Havel und unverst\u00e4ndliche Worte brabbelt.<\/p>\n<p>Er setzt sich auf und schlabbert mit spitzen Lippen an ihrem Dekollete, w\u00e4hrend ihr Haupt, wie an einem Scharnier geklappt, nach hinten kippt und ihre langen Haare an ihrem absolut pickelfreien R\u00fccken nach unten flie\u00dfen, wie ein subtropischer Wasserfall. Sie vergr\u00e4bt ihre tadellos manik\u00fcrten, weil mit k\u00fcnstlichen N\u00e4geln versehenen Finger, in seinem nat\u00fcrlich mehr als vollen Haupthaar, zappelt wie ein frisch gefangener Fisch an Land und st\u00f6hnt: \u201eOooooh mein Gott&#8230;!\u201c w\u00e4hrend ihr makelloser K\u00f6rper zu erschauern scheint, als h\u00e4tte man sie aus dem hei\u00dfen Whirlpool direkt in einen Trog mit Eiswasser geworfen.<\/p>\n<p><strong>Man muss der Kerl ein Liebhaber sein&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>So sitze ich, vollkommen entr\u00fcckt, vor der Flimmerkiste, das schal gewordene Bier in der Hand, das verschwitzte Unterhemd am Leib, und frage mich, ob mich eine Frau im Schlafzimmer schon mal \u201eGott!\u201c gerufen hat.<\/p>\n<p>Dem wahren &#8222;Herrn&#8220; sei Dank, bin ich wenigstens ein hervorragender Autofahrer, wenn auch offenbar eine absolute Niete im Bett&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10px;\"><a title=\"Foto: brandy74 &quot;Sensual Evening&quot;\" href=\"http:\/\/piqs.de\/fotos\/171060.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Foto: brandy74, \u201eSensual evening\u201c,<\/a><br \/>\nCC-Lizenz (BY 2.0)<\/span>: <span style=\"font-size: 10px;\"><a title=\"Some Rights Reserved\" href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.0\/de\/deed.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.0\/de\/deed.de<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10px;\"> Alle Bilder stammen aus der kostenlosen Bilddatenbank <a title=\"piqs.de\" href=\"http:\/\/www.piqs.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">piqs.de<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum etwas gibt ein Mann weniger gern zu, als dass er ein schlechter Autofahrer ist. 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