{"id":39,"date":"2006-10-17T08:01:32","date_gmt":"2006-10-17T06:01:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.netznirwana.de\/2006\/10\/17\/deutschland-ein-sommermaerchen\/"},"modified":"2006-10-19T13:09:44","modified_gmt":"2006-10-19T11:09:44","slug":"deutschland-ein-sommermaerchen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.netznirwana.de\/index.php\/2006\/10\/17\/deutschland-ein-sommermaerchen\/","title":{"rendered":"Deutschland, ein Sommerm\u00e4rchen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"margin-bottom: 0px; margin-right: 7px\" height=\"354\" alt=\"wortmannsommermaer\" src=\"http:\/\/www.netznirwana.de\/wp-content\/uploads\/wortmannsommermaer.jpg\" width=\"250\" align=\"left\" \/><\/p>\n<p>Gestern abend habe ich mit einem Freund im Kino &#8222;Deutschland ein Sommerm\u00e4rchen&#8220; von S\u00f6nke Wortmann gesehen (wurde auch langsam Zeit&#8230;).<\/p>\n<p>Ich muss sagen, der Film geht unter die Haut, auch weil er Einblicke erlaubt, die man sonst als unbedarfter Zuschauer der Ereignisse dieses Fussballsommers nicht mitbekommen hat.<\/p>\n<p>Viele der mannschaftlichen Abl\u00e4ufe hatten nat\u00fcrlich eine Art Deja Vu- Charakter, wenn ich an meine eigene verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig lange, aber ebenso verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig erfolglose? Karriere \ud83d\ude09 zur\u00fcckdenke&#8230;<\/p>\n<p>Im Bus gefeiert, rumgeflachst, mehr oder minder fruchtlos diskutiert wird in jeder Fussballmannschaft &#8211; gefeiert \u00fcbrigens auch (oder eben gerade) wenn man keinen Erfolg hat.<br \/>\nEs war nur interessant zu sehen, wie fussballerisch und sportlich-menschlich &#8222;normal&#8220; es auch bei einer Fussballweltmeisterschaft (darf ich das Wort benutzen ohne die Copyrights von Herrn Blatter zu verletzen?) zugeht, und mitzuerleben, wer die Leitw\u00f6lfe, die klugen K\u00f6pfe (sind nicht immer identisch&#8230;) und wer die Mitl\u00e4ufer und unersetzliche Wassertr\u00e4ger sind, die den Kitt zwischen den gro\u00dfen Protagonisten bilden &#8211; auf und neben dem Platz.<\/p>\n<p>Mir wurde aber auch klar, warum J\u00fcrgen Klinsmann, und ich sage ganz bewusst, <strong>einer<\/strong> der Architekten des Erfolges, nach der WM gegangen ist und ich denke auch, dass er schon lange vorher diesen Schritt geplant haben muss.<br \/>\nSo wie die Mannschaft vom Trainerstab auf den Punkt fit gemacht wurde, so hat er die Mannschaft auf den Punkt und bis in die Fussballstiefelspitzen motiviert.<\/p>\n<p>Von seinem Einstieg beim DFB bis zum Halbfinale hat er jedes Spiel f\u00fcr die Mannschaft ein Spiel des Lebens sein lassen, hat sie mit starken, teilweise brachialen Verbalmethoden f\u00fcr jedes Spiel eingepeitscht und eingeschworen, ihnen vermittelt, dass es die Chance zur Teilnahme an einer WM im eigenen Land rein statistisch nur einmal gibt und dass man einen Gegner, der mit mit dem R\u00fccken zu Wand steht f\u00fcr dieses Ziel eben auch mal durch die Wand durchtreten muss&#8230;<\/p>\n<p>Ich will solche Spr\u00fcche, wie den letzten moralisch nicht kritisieren, obwohl man es k\u00f6nnte. F\u00fcr mich war Fussball fr\u00fcher und ist Schach heute kein Krieg (was einer der Gr\u00fcnde daf\u00fcr sein mag, dass ich mangels Aufr\u00fcstung im Vorfeld und kriegerischer Haltung im Vollzuge nicht zu wirklich h\u00f6heren Weihen gelangt bin&#8230;).<br \/>\nSicher ist, dass eine solche Motivation sich abnutzt, dass die Spieler von dem schier unbezwinglichen Berg, den sie vom Trainer getrieben am Ende (fast ganz, oder eben doch vollkommen) besiegt haben, am Ende des Turniers wieder heruntersteigen m\u00fcssen und dass sie mit den selben Worten und Methoden da nie wieder hinaufkommen werden.<\/p>\n<p>So wie dieses Turnier f\u00fcr jeden Spieler einmalig war, so war es dieses?  Grossereignis einer Fu\u00dfballerkarriere auch mental und emotional, und in gewisser Weise hat Klinsmann sich f\u00fcr die Jungs und das Ziel geopfert, weil er wissen musste, dass seine Art die Mannschaft zu f\u00fchren zwar die Kraft einer Saturnrakete haben w\u00fcrde, dass? diese? aber? am Ende ihrer Mission, nachdem alle Triebwerkstufen ausgebrannt und abgeworfen waren, ihre Aufgabe erf\u00fcllt, aber sich eben darin unwiderruflich verbraucht haben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Man muss wegen dieses &#8222;Opfers&#8220; Klinsmann aber nicht zum altruistischen Heroen des deutschen Fu\u00dfballs hochsterilisieren (Danke, Bruno&#8230;).<br \/>\nDass er als eher suboptimaler Fu\u00dfballer in technischer Hinsicht zu einem der besten Angreifer der Fussballgeschichte wurde, verdankt der B\u00e4ckersjunge aus dem Schwabenland nicht? nur seinem unb\u00e4ndigen Willen, seiner angeborenen, aber auch hart antrainierten Dynamik, sondern auch seinem gro\u00dfen (auch positiven) Egoismus, gepaart mit der F\u00e4higkeit sich immer wieder auf das n\u00e4chste Ziel zu fokussieren.<\/p>\n<p>So, wie er spielte, Puls immer auf 200, volle Pulle, wie ein aufgezogener hochenergetischer Brummkreisel am Deuserband seiner kleinb\u00fcrgerlichen Herkunft, so trainierte er auch das Team &#8211;<br \/>\nund so, wie er seine Karriere beendete, ausgebrannt, die Nase voll von der Schinderei und Plackerei und alles endlich hinter sich lassen wollend, so hat er auch sein Traineramt niedergelegt.<\/p>\n<p>Er hat wirklich f\u00fcr das Ziel alles gegeben, und sogar seinen Nimbus des semi-intellektuellen Sonnyboywunderst\u00fcrmers auf dem Altar der medialen Transparenz geopfert, die sich bei einem solchen Ereignis nicht vermeiden l\u00e4sst.<br \/>\nWir sollten dankbar sein, dass er die Gr\u00f6\u00dfe hat sich zur\u00fcckzuziehen und nicht der Versuchung anheimf\u00e4llt, sich hier im Lichte des Erfolges als Lichtgestalt des deutschen Fussballs von allen den Bauch pinseln zu lassen.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr haben wir ja schon den Kaiser Franz und das wei\u00df auch der J\u00fcrgen&#8230; \ud83d\ude09<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern abend habe ich mit einem Freund im Kino &#8222;Deutschland ein Sommerm\u00e4rchen&#8220; von S\u00f6nke Wortmann gesehen (wurde auch langsam Zeit&#8230;). Ich muss sagen, der Film geht unter die Haut, auch weil er Einblicke erlaubt, die man sonst als unbedarfter Zuschauer der Ereignisse dieses Fussballsommers nicht mitbekommen hat. Viele der mannschaftlichen<span class=\"more-link\"><a href=\"http:\/\/www.netznirwana.de\/index.php\/2006\/10\/17\/deutschland-ein-sommermaerchen\/\">MEHR LESEN <\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.netznirwana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/39"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.netznirwana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.netznirwana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.netznirwana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.netznirwana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=39"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.netznirwana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/39\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.netznirwana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=39"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.netznirwana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=39"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.netznirwana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=39"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}