{"id":61,"date":"2006-11-20T09:06:00","date_gmt":"2006-11-20T08:06:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.netznirwana.de\/2006\/11\/08\/ich-mach-das-sonst-nie-oder-von-der-last-mit-der-liebe-in-mittleren-jahren\/"},"modified":"2017-11-01T11:25:18","modified_gmt":"2017-11-01T09:25:18","slug":"ich-mach-das-sonst-nie-oder-von-der-last-mit-der-liebe-in-mittleren-jahren","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.netznirwana.de\/index.php\/2006\/11\/20\/ich-mach-das-sonst-nie-oder-von-der-last-mit-der-liebe-in-mittleren-jahren\/","title":{"rendered":"&#8222;Ich mach das sonst nie&#8230;&#8220; oder: von der Last mit der Liebe in mittleren Jahren"},"content":{"rendered":"<p><strong>Teil I: Ausgangssituation<\/strong><\/p>\n<p>Es ist schon eine Last mit der Liebe in mittleren Jahren.<br \/>\nSicher gilt das nicht f\u00fcr alle jene, die in der Mitte des Lebens stehen, wohl aber f\u00fcr viele, deren meist erste Ehe, oder langj\u00e4hrige Beziehung an den harten Klippen des Alltags im Konflikt zerschellt, oder am schleichenden \u00dcbergang von gro\u00dfer Liebe und Vernarrtheit zur Gew\u00f6hnung und am Ende zur Gleichg\u00fcltigkeit zerbrochen ist.<\/p>\n<p>Nun ergibt es sprachlich ein schiefes Bild, wenn wir von den Scherben einer Liebe und damit einer ganzen Existenz sprechen, und eine sp\u00e4tere neue Beziehung als &#8222;Patchworkfamilie&#8220; betiteln. Irgendwie ist es ja h\u00e4ufig mehr ein schiefes Kunstwerk hobbym\u00e4\u00dfig ungeschickter Bleiverglasung der umherliegenden Bruchst\u00fccke zweier Familien, dessen Entstehung und Erhalt nur allzu h\u00e4ufig den feigen und gemeinen Steinw\u00fcrfen eines, oder gar beider Expartner ausgesetzt ist.<\/p>\n<p>Na ja &#8211; sofern nicht einer der beiden neuen Partner das frisch gefundene Gl\u00fcck dadurch belastet, dass er sich selber im Werfen von Geschossen gegen die alte Liebe ersch\u00f6pft und damit die neu gefundene Chance durch einen Grabenkrieg gegen die alte Verbindung aufs Spiel setzt.<br \/>\nAber auch hier gibt es einen interessanten Seitenweg: der neue Partner beteiligt sich an der Hexenjagd gegen den verflossenen und hilft damit der neuen Beziehung, wenn auch keinen tieferen, so doch (in Ermangelung eines Besseren) einen f\u00fcr eine gewisse Zeit tragf\u00e4higen Sinn zu geben.<\/p>\n<p>Aber letztlich ist das nicht das Thema, weil hier schon andiskutiert wurde, was im (manchmal zweifelhaften) Idealfall am langen Ende des Leidensweges steht, den Getrennte, Verlassene, Betrogene und irgendwie verlorenen Seelen des Mittelalters zu gehen haben.<\/p>\n<p>Flachbr\u00fcstiges Schlagergetr\u00e4ller im Stil von &#8222;Du hast mich 1000x belogen&#8230;&#8220; wird zur Hymne einer ganzen Generation von Liebesentt\u00e4uschten, die im wom\u00f6glich vorher geschehenen Seitensprung des Partners eine moralisch eindimensionale Begr\u00fcndung f\u00fcr ihr Ungl\u00fcck sehen, aber nicht gleichzeitig in der Lage sind zu realisieren, dass das Fremdgehen in vielen F\u00e4llen nur eine Folge der schleichenden Entfremdung beider ist, an der auch der scheinbar integrere Partner einen Teil Verantwortung zu tragen hat.<\/p>\n<p>Betrachten wir nun die Rolle der Geschlechter am Anfang des Weges in ein neues Gl\u00fcck etwas genauer:<\/p>\n<p>Auferstanden als etwas fl\u00fcgelsteifer Ph\u00f6nix aus den Ruinen und der Asche des alten Gl\u00fccks unternimmt man die ersten zaghaften Flugversuche und holt sich zumeist ein paar dicke Beulen, weil man den perfekten Start, einen im Idealfall majest\u00e4tisch anmutenden Flug und eine gelungene Landung erst wieder neu erlernen muss.<br \/>\nIn gewisser Weise ist man ja mit den Jahren zu einem domestizierten Wildvogel mutiert, der sich erst wieder in freier Wildbahn zurechtfinden muss.<br \/>\nDiese Auswilderung birgt neben neuen spannenden Abenteuern nat\u00fcrlich auch Gefahren in sich &#8211; besonders f\u00fcr Frauen&#8230;<\/p>\n<p>So ganz werden wir in der Diskussion nicht ohne Platit\u00fcden auskommen k\u00f6nnen.<br \/>\nMan m\u00f6ge dem Autor das gro\u00dfherzig nachsehen und bedenken, dass eine Platit\u00fcde ja nicht notwendig falsch, sondern h\u00e4ufig im Gegenteil eher richtig ist, auch wenn sie zu Recht daran leidet, dass sie Einzelf\u00e4lle ausblendet, und die verbliebene Verk\u00fcrzung der Wirklichkeit eher wie ein plakatives Schlagwort und weniger wie ein echtes Argument daherkommt.<\/p>\n<p>Am Ende einer Beziehung gibt es meistens keinen Gewinner.<br \/>\nAuch wenn sich nicht beide zugleich und gegenseitig das Scheitern ihrer Beziehung eingestehen k\u00f6nnen, und nur einer der Partner als Triebfeder der Aufl\u00f6sung zu sehen ist, so verlieren doch beide gleicherma\u00dfen: der gemeinsame Traum ist gescheitert, die Seifenblase vom gemeinsamen Gl\u00fcck j\u00e4h und schmerzhaft zerplatzt.<\/p>\n<p>Abgesehen von Einzelf\u00e4llen und unabh\u00e4ngig von Schuldfragen leiden Frauen h\u00e4ufig &#8222;tiefer&#8220; und M\u00e4nner &#8222;breiter&#8220;.<\/p>\n<p>Frauen leiden in ihrer Seele &#8211; ein fast t\u00f6dlicher Stachel hat sich tief in ihr Herz gebohrt und verursacht manchmal schier unmenschiche Schmerzen. Hinzu kommt (gerade wenn Kinder im Spiel sind) die oftmals nicht unbegr\u00fcndete Angst auf das soziale Abstellgleis zu geraten.<\/p>\n<p>Auch M\u00e4nner leiden (entgegen anders lautender Vorurteile) diesen Schmerz.<br \/>\nDieser wird jedoch \u00fcberlagert durch den h\u00e4ufig vom Vater ererbten und durch die Sozialisation in einer M\u00e4nnergesellschaft vertieften m\u00e4nnlichen Stolz und ein irgendwie schiefes M\u00e4nnlichkeitsideal.<br \/>\nInsofern dringt der Herzstachel beim Mann nicht so tief &#8211; sein Problem ist eher die breit gestreute Schrotladung, die sein Ego perforiert hat.<\/p>\n<p>Frauen durchleiden ihren Schmerz und verf\u00fcgen als emotional ge\u00fcbtere Wesen \u00fcber ein gut sortiertes Instrumentarium zur Schmerzbew\u00e4ltigung.<br \/>\nEines ihrer besten Mittel im Kampf gegen des Leiden sind die F\u00e4higkeit und der Mut den Dingen ins Gesicht zu sehen, sich mit den Tatsachen und dem aus ihnen geborenen Schmerz auseinanderzusetzen, w\u00e4hrend der Mann eher ausweichend-\u00e4ngstlich auf eine Vogel-Strau\u00df-Politik setzt.<br \/>\nDa wo die Frau schon &#8222;durchzustehen&#8220; begonnen hat, ist der Mann h\u00e4ufig noch Gefangener seines Kopfes und seiner durch das tradierte M\u00e4nnerbild verursachten Verstockheit. Es ist ihm oft nicht m\u00f6glich, rational zu verstehen, was zum Scheitern des gemeinsamen Gl\u00fccks gef\u00fchrt hat.<br \/>\nDas ist so lange auch kein Wunder, wie er die Ursachen geschlechtstypisch mit seinem Verstand zu ergr\u00fcnden versucht.<\/p>\n<p>M\u00e4nner sind Konstrukteure. Sie sind die Architekten einer Beziehung und f\u00fchlen sich verantwortlich und zust\u00e4ndig f\u00fcr den funktionierenden Rahmen des gemeinsamen Gl\u00fccks, w\u00e4hrend die Frau in gewisser Weise den innenarchtiketonischen Part \u00fcbernimmt und f\u00fcr den emotionalen Teil der Gemeinsamkeit verantwortlich zeichnet.<br \/>\nIn gewisser Weise ist es wie in der Kindheit &#8211; f\u00fcr den Mann ist eine Beziehung eine Art Bausatz von Fischer Technik, w\u00e4hrend die Partnerin alles f\u00fcr eine bunte Puppenstube voller gl\u00fccklicher Familenp\u00fcppchen zu tun bereit ist.<\/p>\n<p>M\u00e4nner beweisen ihre Liebe durch den Bau von H\u00e4usern, den Kauf und die Pflege der heimischen Familienkutsche und das Herankarren und Schleppen von Wasserk\u00e4sten.<br \/>\nFrauen ersehnen sich Liebe in Form von Z\u00e4rtlichkeit, guten Gespr\u00e4chen und einer lang anhaltenden und tiefen Zuwendung der Partner.<br \/>\nNur allzu oft h\u00f6rt man getrennte M\u00e4nner klagen, dass sie doch <strong>a-l-l-e-s<\/strong> f\u00fcr das gemeinsame Gl\u00fcck getan h\u00e4tten, w\u00e4hrend die Frau betrauert, dass ihr Mann sie in all den Jahren emotional nicht erreicht hat. Wie sollte er auch &#8211; er war ja dauernd im Baumarkt&#8230;<\/p>\n<p><strong>Teil II: Gehversuche<\/strong><\/p>\n<p>Der Volksmund besagt: &#8222;M\u00e4nner sind Jungs in langen Hosen.&#8220; &#8211; und so geb\u00e4rden sie sich auch nach dem Scheitern einer Beziehung.<br \/>\nSie schimpfen auf ihr zusammengest\u00fcrztes, windschiefes Kartenhaus, an dem sie doch so lange und vermeintlich erfolgreich gebaut haben, und wollen nicht begreifen, dass es ohne eine tiefe emotionale Bindung an die Partnerin auf Treibsand gebaut war.<\/p>\n<p>Insofern leiden M\u00e4nner l\u00e4nger als Frauen. Auch wenn sie schon l\u00e4ngst &#8222;entliebt&#8220; sind, h\u00e4ngen sie noch ihrem alten Traum nach, betrauern dessen Scheitern und k\u00f6nnen sich so lange Zeit nicht wirklich von der Expartnerin l\u00f6sen, die dauerhaft wie eine drohende Wolke \u00fcber ihren neuen Beziehungsversuchen schwebt und lange kalte Schatten wirft&#8230;<\/p>\n<p>Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die ersten Anl\u00e4ufe eine neue Liebe zu finden oftmals kl\u00e4glich scheitern.<br \/>\nFrau und Mann beginnen ihre Suche von unterschiedlichen Ausgangspunkten, mit unterschiedlichen Hoffnungen, Vorstellungen und W\u00fcnschen.<br \/>\nW\u00e4hrend die Frau nach durchlittenem Schmerz einen Schlusstrich zu ziehen in der Lage und damit offen f\u00fcr einen Neuanfang ist, k\u00e4mpft der Mann immer noch gegen sein \u00fcberm\u00e4chtiges verletztes Ego an und bleibt teilweise dauerhaft unf\u00e4hig, sich ganz auf eine neue Partnerin einzulassen und sich neu zu binden.<br \/>\nAuf der Seite der Frauen f\u00fchrt das zu vielen Entt\u00e4uschungen, weil sich der vermeintliche Prinz als glibbriger, grasgr\u00fcner Frosch entpuppt, der sich auch mittels einer Vielzahl von K\u00fcssen nicht zur gew\u00fcnschten Metamorphose in einen Edelmann bewegen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Es gibt Meinungen, dass M\u00e4nner eben so sind &#8211;<br \/>\nJ\u00e4ger, immer auf der Pirsch nach neuer Beute, nach einem neuen Reh, dass sie schlagen k\u00f6nnen &#8211; und dass sie dazu durch ihre Natur gezwungen sind, weil animalisch-archaische Urinstinkte sie dazu treiben ihren Samen auf m\u00f6glichst viele Weibchen zu verteilen, um ihre Nachkommenschaft zu sichern. Nun ist das Letztere selbstverst\u00e4ndlich nicht das Ziel, aber als Motor ihrer Bem\u00fchungen zu interpretieren.<\/p>\n<p>In gewisser Weise stimmt das auch, ist aber f\u00fcr eine vollst\u00e4ndige Beurteilung des Mannes nicht zureichend.<br \/>\nDie Frau, auf der Suche nach eine neuen Bindung und damit einem neuen Nest, m\u00f6chte sich Zeit lassen und sorgsam ausw\u00e4hlen.<br \/>\nDer Mann geht eher nach dem Gie\u00dfkannenprinzip vor und versucht mehr \u00fcber Quote als \u00fcber Intensit\u00e4t zum Ziel zu kommen. Er ist entgegen landl\u00e4ufiger Meinung eher der, welcher \u00fcber das K\u00fcssen vieler Froschfrauen seine &#8222;Prinzessin&#8220; zu finden versucht.<\/p>\n<p>Auf keinem anderen Feld in dieser Phase der Neurorientierung prallen die Widerspr\u00fcche der Geschlechter mehr aufeinander, als auf dem Gebiet der Erotik und der Sexualit\u00e4t. Sexualit\u00e4t ist ein Kreuzweg, auf dem Mann und Frau sich auf ihrer Wanderschaft immer wieder begegnen und &#8211; sich gegenseitig missverstehen und entt\u00e4uschen.<br \/>\nUm es prinzipiell zu fassen und plakativ zu sagen: W\u00e4hrend der Mann Sex m\u00f6chte und dabei schaut, ob es mit dem Verlieben klappt, m\u00f6chte die Frau sich verlieben und hofft dann, dass auch eine erf\u00fcllte Sexualit\u00e4t m\u00f6glich ist. Oder anders: der Mann m\u00f6chte Spa\u00df und nimmt in Kauf, dass sich mehr daraus entwickeln kann, w\u00e4hrend die Frau auf der Suche nach dem &#8222;Mehr&#8220; ist und widrigenfalls auch gegen ein wenig Spa\u00df gelegentlich nichts einzuwenden hat.<\/p>\n<p>Zum Ungl\u00fcck der Frau ist der Mann dabei aber in der st\u00e4rkeren Position. Zum einen gelingt es ihm eher, die Spreu der Erotik vom Weizen der Liebe zu trennen. Der Mann ist wegen seines kopfgesteuerten Seelenlebens eher in der Lage, so eine Art &#8222;Konzept der erotischen Freundschaft zu leben&#8220;.<br \/>\nDieses Konzept beinhaltet eine ganze Reihe von Beziehungsmerkmalen, wie gelegentliches Ausgehen, romantische Abende und nat\u00fcrlich auch mehr oder minder leidenschaftlichen Sex, ohne ihn jedoch in den (ihm wegen seiner unaufgearbeiteten Trennung drohlich erscheinenden) Strudel der Liebe zu ziehen. Das Ganze wird zudem beziehungs\u00e4hnlich mit einer gewissen Exklusivit\u00e4t verbunden, wobei die kleine Vokabel &#8222;gewissen&#8220; einen f\u00fcr die Frau nicht zu vernachl\u00e4ssigenden Pferdefu\u00df in sich birgt: &#8222;gewiss&#8220; kommt hier nicht von Gewissheit, sondern dr\u00fcckt vorsichtig gesagt &#8222;eine entspannte Haltung zum Treugel\u00f6bnis innnerhalb dieser Art von \u00dcbergangsbeziehung&#8220; aus.<br \/>\nM\u00e4nner werden wissen was ich meine &#8211; und Frauen es am eigenen Leib, bzw. am Leib der anderen erfahren&#8230;<\/p>\n<p><strong>Teil III: Dramatik<\/strong><\/p>\n<p>Nun sind beileibe nicht alle M\u00e4nner gewissenlos und so kommt es im Ent- und Bestehen solcher Mikrobeziehungen zu lustigen Missverst\u00e4ndnissen. Und das geht so:<\/p>\n<p>Man lernt sich kennen &#8211; in freier Wildbahn, oder immer h\u00e4ufiger in einer der mittlerweise zahllosen Partnerb\u00f6rsen im Internet (die \u00fcbrigens eine Menge Stoff f\u00fcr einen weiteren Artikel bieten), trifft sich ein, zwei, oder ganz z\u00fcchtig auch ein drittes Mal und steht dann vor der schwerwiegenden Entscheidung, ob man es zu sexuell eingef\u00e4rbten Schleimhautkontakten kommen lassen m\u00f6chte.<br \/>\nEine kluge Frau, auf der Suche nach etwas dauerhafterem als einer erotischen Sternschnuppe t\u00e4te gut daran sich noch etwas zu zieren, so wie ein Pokerspieler, der auch nicht gleich sein Blatt offenbart, um den Gegner m\u00f6glichst weit aus der Reserve zu locken.<\/p>\n<p>Aber hier k\u00e4mpft sie den aussichtslosen Kampf gegen den Vorteil des Mannes, dem es zun\u00e4chst einmal um Erotik und weniger um Beziehung geht.<br \/>\nWie eine rastlose Honigbiene summt er weiter zur n\u00e4chsten Blume, wenn ihm die die Bl\u00fcte der einen nicht den versprochenen Nektar liefert.<br \/>\nMitunter bleibt die Frau frustriert und traurig zur\u00fcck, weil der Mann in der vorherigen Akquisitonsphase eine ganzes Arsenal von Signalen auf sie abgefeuert hat, das Beziehungswillig- und -f\u00e4higkeit zu signalisieren schien.<br \/>\nDer Mann mutiert da mitunter unbewusst zu einer Art glubsch\u00e4ugigen und grabschh\u00e4ndigen Cham\u00e4leon, das in der Lage ist genau das Gewand anzulegen, das sein weibliches Gegen\u00fcber in der jeweiligen Situation maximal zu becircen in der Lage ist.<\/p>\n<p>Und so gibt sie sich ihm letzendlich hin, in der Hoffnung, dass mit ihm das Mehr m\u00f6glich ist, dass sie sich so sehr w\u00fcnscht.<br \/>\nDabei \u00fcbersieht sie jedoch die Signale von seiner Seite, die &#8211; leider mehrdeutig &#8211; auch auf seinen Mangel an Beziehungsbereitschaft hinweisen.<br \/>\nDieses Senden mehrdeutiger Zeichen ist die eigentliche Kunst des Verf\u00fchrers in mittleren Jahren.<br \/>\nDenn, obwohl er sich in seiner vorherigen Beziehung meist geweigert hat seiner Partnerin emotional das zu geben, nachdem es sie so sehr verlangte, hat er doch rational gelernt, welches ihre Bed\u00fcrfnisse sind, und setzt dieses Wissen beim Werben um das nachfolgende Weibchen konsequent, wenn auch nicht immer aus b\u00f6sem Kalk\u00fcl ein.<\/p>\n<p>Und w\u00e4hrend sie sich noch einredet, dass er mehr m\u00f6chte als nur Sexualit\u00e4t und gemeinsame Freizeitaktivit\u00e4ten, weil sie seine Signale hoffnunggeschw\u00e4ngert so interpretiert, wie sie in ihre Tr\u00e4ume passen, so bel\u00fcgt er sich selbst (und sie wohl auch) ebenso.<br \/>\nDie Frau, im Willen ihn nicht zu bedr\u00e4ngen und ihm Zeit zu lassen auf dem Weg zu ihr, gibt n\u00e4mlich ebenso Uneindeutiges von sich.<\/p>\n<p>Rein verbal m\u00f6chte auch sie &#8222;es erstmal locker angehen&#8220; und mal &#8222;ganz unbefangen aufeinander zu- und miteinander umgehen&#8220;, w\u00e4hrend sie zwischenzeilig zwar zart, aber dennoch relativ unverbl\u00fcmt den Wunsch nach seelischer und lebenspraktischer Verschmelzung durchscheinen l\u00e4sst.<br \/>\nIhr m\u00e4nnlicher Gegenpart aber blendet diese, in ihren Worten mitschwingende Melodie vollkommen aus, obwohl er meist durchaus in der Lage ist, sie zu h\u00f6ren.<br \/>\nUnd so lieben sie aneinander vorbei: sie ignoriert seine Signale der Distanz und er die ihren, die mehr N\u00e4he bedeuten, und beide reden sich damit etwas ein, das ihr Gewissen beruhigt.<\/p>\n<p>Vielfach enden solche Mikrobeziehungen nach einem \u00e4hnlichen Schema: irgendwann kann die Frau den Spagat auf dem schmalen Grat zwischen T\u00e4ndelei und Liebe nicht mehr halten. Sie m\u00f6chte z.B. &#8222;etwas mit den Kindern gemeinsam unternehmen&#8220;, oder an einem Wochenende mit ihm verreisen, das eigentlich m\u00e4nnlichen Kumpaneiritualen vorbehalten ist.<br \/>\nWas immer auch der Ausl\u00f6ser ist: f\u00fcr ihn ist es das Zeichen der Zeit, endlich auch offiziell Bewusstsein dar\u00fcber zu erlangen, dass er &#8222;nach seiner Trennung noch nicht soweit ist&#8220;, dass &#8222;der Stachel seiner Verletztheit noch zu tief sitzt, um ihm das Vertrauen zu erm\u00f6glichen, dass sie unbedingt verdient&#8220;. Er &#8222;m\u00f6chte sie nicht verletzen&#8220;, &#8222;es t\u00e4te ihm Leid&#8220; und &#8222;\u00fcberhaupt war das gar nicht so abgemacht mit den Gef\u00fchlen, die da so pl\u00f6tzlich und unerwartet im Spiel sind&#8220;&#8230;<\/p>\n<p>&#8230;womit er ihr elegant den schwarzen Peter zuschiebt f\u00fcr die verfahrene Situation&#8230;<\/p>\n<p>Danach summt die Biene weiter zur n\u00e4chsten Bl\u00fcte, w\u00e4hrend die Blume zuvor ihm noch leise hinterherruft: &#8222;Wie konnest Du all diese Dinge so tun und so sagen, obwohl Du doch sowenig f\u00fcr mich empfunden hast&#8230;?&#8220;<\/p>\n<p>Und so endet die Geschichte, die auf seinem Sofa mit einem von ihr gehauchten &#8222;Ich mach sowas sonst nie.&#8220; begann und mit seinem &#8222;Es tut mir Leid, aber ich bin noch nicht soweit.&#8220; zum Abschluss kommt.<br \/>\nAuf der Strecke bleibt die Chance, die beide vielleicht gehabt h\u00e4tten, wenn ihre Kotfl\u00fcgel der Liebe beim Unfall der ersten gro\u00dfen Beziehung nicht zum Totalschaden zerdellt worden w\u00e4ren&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Teil I: Ausgangssituation Es ist schon eine Last mit der Liebe in mittleren Jahren. Sicher gilt das nicht f\u00fcr alle jene, die in der Mitte des Lebens stehen, wohl aber f\u00fcr viele, deren meist erste Ehe, oder langj\u00e4hrige Beziehung an den harten Klippen des Alltags im Konflikt zerschellt, oder am<span class=\"more-link\"><a href=\"http:\/\/www.netznirwana.de\/index.php\/2006\/11\/20\/ich-mach-das-sonst-nie-oder-von-der-last-mit-der-liebe-in-mittleren-jahren\/\">MEHR LESEN <\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":925,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.netznirwana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.netznirwana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.netznirwana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.netznirwana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.netznirwana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=61"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.netznirwana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.netznirwana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/925"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.netznirwana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=61"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.netznirwana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=61"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.netznirwana.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=61"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}