Kaffeefahrt ins Internet

Was schon Vergil seinen Lakoon sagen ließ: „Timeo Danaos et dona ferentes: Ich fürchte die Danaer, selbst wenn sie Geschenke bringen“, sollte auch uns warnen: Kostenlose Angebote im Internet sind oft Danergeschenke mit erheblichen Risiken und Nebenwirkungen.

Lenin mit und ohne TrotzkiWir müssen uns doch sehr fragen, wie gerade wir Älteren, die wir die DDR noch kennen und noch etwas von Geschichte wissen – über Nazideutschland, Mussolinis Italien, Pinochets Chile, Baby Docs Haiti, Idi Amins Uganda (die Liste ließe sich endlos fortsetzen), uns der Beeinflussung durch das Internet aussetzen, als hätten wir nie davon gehört, wie gefilterte Informationen Menschen manipulieren können.

Im Augenblick kämpfen wir Individuen einen Kampf gegen Politik und Wirtschaft um frei verfügbare und, soweit möglich, objektive Information im Internet.
Wer das Internet beherrscht, bestimmt, welche Informationen wir erhalten, auf deren Basis wir unsere Meinungen bilden und unsere Überzeugungen entwickeln. In totalitären Staaten dominieren technische Zensurverfahren, in der freien Welt geschieht dies weitaus subtiler.

Hier regiert das „Prinzip kostenlos“ und funktioniert über verlockende Angebote, die unsere Matrix im Kopf so befüllen oder auch leeren, wie ihre Initiatoren es wünschen. Gleichzeitig werden wir verführt, teils intime Informationen über uns preiszugeben, von denen nur die Blauäugigsten annehmen können, dass wir „nur ein bisschen personalisierte Werbung, die keinem wehtut“ dafür erhalten.

Der Trick mit der Kaffeefahrt

Das funktioniert wie bei einer Kaffeefahrt und der Deal ist perfide: Während wir noch glauben, gegen ein paar Daten auf kostenlosem Weg bereichert zu werden, beutet man uns bereits aus und nutzt die gewonnene Information dazu, uns noch subtiler manipulieren und ausbeuten zu können. Hier handelt es sich um eine Spirale, in der das Individuum nur verlieren kann, obwohl es sich auf einer Gewinnerstraße wähnt. Die Kunst der Profiteure liegt einfach darin, die Ströme der User zu den Orten zu leiten, an denen ihre Werkzeuge greifen und die Nutzer von den Plätzen fernzuhalten, die freie Information möglich machen. Dabei ist unsere Abhängigkeit das Analoge zum abgelegenen Landgasthof, von dem man nicht mehr weg kann, bis auch die letzte Heizdecke an den letzten endlich weichgeklopften Gallier verhökert ist.

Machen wir es wie die Profis unter den Kaffeefahrtenfans: Die Leistungen der „digitalen Busunternehmen“ mitnehmen, unsere Kritikfähigkeit und Widerstandskraft aber zu bewahren – und vor allem: bei wichtigen Fragen mehrere sicher unabhängige Quellen zu bemühen. Genießen wir die Kommunikation, den digitalen Schinken und die anderen fadenscheinigen Geschenke – lassen aber „Powervital“, den „EnergieMeister“ und „Orthomagon“, die Wundermatratze links liegen.

Und wenn wir wirklich gute Information suchen, gehen wir zum Fachhändler unseres Vertrauens, statt sie unreflektiert von zwielichtigen fliegenden Ganoven als Ramsch an der Haustür zu kaufen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.