Afghanistan und der Aufschrei der Moralapostel…
27. Oktober 2006 von Thomas
Ein Aufschrei geht durch’s Land und verurteilt das Verhalten deutscher Soldaten – aber so einfach ist das nicht…
Moralisieren ist aber der falsche Ansatz.
Da werden junge Männer – teilweise unfertige Menschen – in Situationen versetzt, denen sie nicht gewachsen sein können.
Dazu kommt ein Gruppendruck, dem man sich nicht ohne Repression entziehen kann.
Schuld an solchen Vorfällen sind erstmal immer die, die durch Krieg solche Einsätze erforderlich machen und auch diejenigen, die solche Einsätze (moralisch vertretbar oder nicht) befehlen.
Herr Jung wird von seinem Sessel in Berlin aus sicher nicht den seelischen Druck haben, dem unsere Soldaten in Afghanistan ausgesetzt sind, und wir Sofazapper zuhause schon gar nicht.
Kriegssituationen wirken immer und notwendig “dehumanisierend”, und es ist fast zuviel verlangt, dass ein junger Mann, der jeden Tag mit dem Tod konfrontiert ist, sich in jeder Situation als Musterbild moralischer Werte präsentiert.
Da bauen sich Drücke auf, die wir nicht erahnen können, wenn wir uns hier über drei Prozent mehr Mwst und die Gesundheitsreform aufregen.
Da wird diskutiert, ob man den Soldaten Prostituierte schicken sollte, aber für eine anständige psychlogische Betreuung ist nicht gesorgt.
Und da sage mir keiner, dass ein Seelsorger den Jungs helfen kann. Diejenigen, die für dessen Worte ein offenes Ohr haben, sind nicht unbedingt als Zeitsoldaten im Schatten des Hindukusch zu finden.
Ich habe vor 25 Jahren den Kriegsdienst verweigert weil ich der Meinung war, dass man in der Armee, wenn sie funktionieren soll, letztlich das Recht moralischer Entscheidungen in die Hände von Vorgesetzten legen muss, und dass man damit rechnen kann, Dinge tun zu müssen, die sich vor dem eigenen Gewissen nicht verantworten lassen.
Um zu beurteilen, zu was selbst (gemessen an Afghanistan) geringer Stress führen kann, muss man noch nicht mal Unfallhelfer heranziehen, die nach Flugzeugabstürzen psychologische Hilfe benötigen.
Da genügt schon der Reiseleiter, der von 30 wütenden Kunden bearbeitet wird, weil das Hotel überbucht ist…
Man überlege einmal, wie kühl Mediziner auf Krebsstationen sein müssen, damit sie erstens überhaupt noch in der Lage sind ihre Arbeit zu tun, und damit sie zweitens diesen Stress seelisch halbwegs schadlos überstehen können.
Es hat sich was Luft gemacht bei den Soldaten, sich einen Weg gebahnt aus den Seelen der Kerle nach draußen.
Natürlich ist das falsch und natürlich muss das Konsequenzen haben. Aber es ist grundverkehrt, dass jetzt die Seniorenriege von Politik und Militär diese Soldaten aburteilt. Die können jeden Abend nach Hause zu ihren Familien und ein Fliegenschiss auf der Windschutzscheibe ist eine der größeren Katastrophen, die ihnen widerfahren können.
Allerdings fürchte ich, die Staatsräson wird Opfer fordern, allein schon um die arabische Welt zu beruhigen, und dieses Opfer wird nicht unser Verteidigungsminister sein, dem die bösen Jungs am Hindukusch den Spaß am und den Stolz auf’s neue Weißbuch der Bundeswehr verdorben haben…
Und – eine letze Bemerkung:
Ich glaube nicht, dass 19jährige Burschen, die sich zum Dienst bei der Bundeswehr verpflichten, in einer Männergesellschaft, die auf Befehl und Gehorsam basiert, wirklich erwachsen werden und moralisch reifen können, ohne dass ihnen eine Hilfe jenseits der Gehorsamsstruktur der Armee zuteil wird.
Es ist wichtiger nach Lösungen zu suchen, als die Volksseele durch Bauernopfer und durch zur Schau getragene kollektive Abscheu zu beruhigen…

Andererseits besteht eine große Gefahr unserer bunten Glitzerwelt des Konsums und des lauthals vernehmbaren Werbegeschreies der Konzerne darin, dass uns alltäglich Träume in die Köpfe manipuliert werden, die für den größten Teil der Menschen unerreichbar sind, und die jene, die sich die Bewahrheitung eines solchen Trugbildes unter Anstrengungen ermöglichen können, seltsam leer lassen, und die keinesfalls die Erfüllung bieten, die uns vorher durch den multimedialen Overkill in Aussicht gestellt worden ist.
Der helle, in der Realität fußende und uns wach für die wahrhaft wertvollen Möglichkeiten des Seins machende Tagtraum aus Ernst Blochs “Das Prinzip Hoffnung”, und die gesellschaftlich gestalterische Kraft seines Begriffes der “konkreten Utopie” haben keine Chance gegen das flache Verlangen nach Zerstreuung und Erlösung aus dem Jammertal der wirtschaftlichen Angst und der existentiellen Frustration.
“Was willst DU denn auf einer Ü30-Party?” musste ich mich letztlich fragen lassen, als ich meiner Freundin Mitteilung von der Idee meines besten Freundes machte, wie der letzte Samstag rein männerfreundschaftstechnisch zu begehen sei.
“Ein neues Gespenst geht um in Deutschland – das Gespenst der Unterschicht…”
Ich bin kein Autonarr, ganz und gar nicht.
Hier ein paar Rohdaten:
Und so empfinde ich ein solches Automobil nicht als wirklich schön, weil Schönheit in meinen Augen auch real sein muss.
Die Beauties und Pseudomaßstäbe der multimedialen Ex und Hopp-Kultur sind hübsch ausstaffierte Schaufensterpuppen des Konsums und abschreckende Vogelscheuchen vorgegaukelter Sehnsüchte zugleich. Ihr Streben nach Perfektion, respektive dessen, was die Konsumpropheten uns als solche weismachen wollen, nimmt mitunter groteske Züge an, und sonderbarerweise lässt sich dieses quichotische Anrennen gegen die Windmühlen des Alters genauso vermarkten, wie ihre frühere faltenlose Präsenz im Rampenlicht.
Die Post verlagert “ein paar hundert” Stellen von Köln nach Leipzig, um dort den Ausbau ihre neuen DHL-Logistikzentrums voranzutreiben.
Netznirwana