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kindwaffeEin Aufschrei geht durch’s Land und verurteilt das Verhalten deutscher Soldaten – aber so einfach ist das nicht…

Moralisieren ist aber der falsche Ansatz.
Da werden junge Männer – teilweise unfertige Menschen – in Situationen versetzt, denen sie nicht gewachsen sein können.

Dazu kommt ein Gruppendruck, dem man sich nicht ohne Repression entziehen kann.

Schuld an solchen Vorfällen sind erstmal immer die, die durch Krieg solche Einsätze erforderlich machen und auch diejenigen, die solche Einsätze (moralisch vertretbar oder nicht) befehlen.

Herr Jung wird von seinem Sessel in Berlin aus sicher nicht den seelischen Druck haben, dem unsere Soldaten in Afghanistan ausgesetzt sind, und wir Sofazapper zuhause schon gar nicht.

Kriegssituationen wirken immer und notwendig “dehumanisierend”, und es ist fast zuviel verlangt, dass ein junger Mann, der jeden Tag mit dem Tod konfrontiert ist, sich in jeder Situation als Musterbild moralischer Werte präsentiert.

Da bauen sich Drücke auf, die wir nicht erahnen können, wenn wir uns hier über drei Prozent mehr Mwst und die Gesundheitsreform aufregen.

Da wird diskutiert, ob man den Soldaten Prostituierte schicken sollte, aber für eine anständige psychlogische Betreuung ist nicht gesorgt.

Und da sage mir keiner, dass ein Seelsorger den Jungs helfen kann. Diejenigen, die für dessen Worte ein offenes Ohr haben, sind nicht unbedingt als Zeitsoldaten im Schatten des Hindukusch zu finden.

Ich habe vor 25 Jahren den Kriegsdienst verweigert weil ich der Meinung war, dass man in der Armee, wenn sie funktionieren soll, letztlich das Recht moralischer Entscheidungen in die Hände von Vorgesetzten legen muss, und dass man damit rechnen kann, Dinge tun zu müssen, die sich vor dem eigenen Gewissen nicht verantworten lassen.

Um zu beurteilen, zu was selbst (gemessen an Afghanistan) geringer Stress führen kann, muss man noch nicht mal Unfallhelfer heranziehen, die nach Flugzeugabstürzen psychologische Hilfe benötigen.
Da genügt schon der Reiseleiter, der von 30 wütenden Kunden bearbeitet wird, weil das Hotel überbucht ist…

Man überlege einmal, wie kühl Mediziner auf Krebsstationen sein müssen, damit sie erstens überhaupt noch in der Lage sind ihre Arbeit zu tun, und damit sie zweitens diesen Stress seelisch halbwegs schadlos überstehen können.

Es hat sich was Luft gemacht bei den Soldaten, sich einen Weg gebahnt aus den Seelen der Kerle nach draußen.

Natürlich ist das falsch und natürlich muss das Konsequenzen haben. Aber es ist grundverkehrt, dass jetzt die Seniorenriege von Politik und Militär diese Soldaten aburteilt. Die können jeden Abend nach Hause zu ihren Familien und ein Fliegenschiss auf der Windschutzscheibe ist eine der größeren Katastrophen, die ihnen widerfahren können.

Allerdings fürchte ich, die Staatsräson wird Opfer fordern, allein schon um die arabische Welt zu beruhigen, und dieses Opfer wird nicht unser Verteidigungsminister sein, dem die bösen Jungs am Hindukusch den Spaß am und den Stolz auf’s neue Weißbuch der Bundeswehr verdorben haben…

Und – eine letze Bemerkung:
Ich glaube nicht, dass 19jährige Burschen, die sich zum Dienst bei der Bundeswehr verpflichten, in einer Männergesellschaft, die auf Befehl und Gehorsam basiert, wirklich erwachsen werden und moralisch reifen können, ohne dass ihnen eine Hilfe jenseits der Gehorsamsstruktur der Armee zuteil wird.

Es ist wichtiger nach Lösungen zu suchen, als die Volksseele durch Bauernopfer und durch zur Schau getragene kollektive Abscheu zu beruhigen…

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Wenn wir die Menschen um uns herum betrachten, wie sie in schwierigen Zeiten versuchen ihr Leben zu organisieren, und sich einen Pfad durch das Dickicht wirtschaftlicher und existentieller Ängste und Gefahren zu bahnen, so stellen wir gelegentlich fest, dass sie sich außerhalb der hektischen Besorgung alltäglicher Geschäfte zu einer Reise aufgemacht haben.

Irgendwann, frustiert vom Anreiten gegen die täglichen Windmühlen, haben sie innerlich ihr Bündlein geschnürt und sich auf den Weg gemacht in eine neue, verheißungsvolle Heimat – das Land des Konjunktivs.

Wenn man diese Reisenden antrifft und mit ihnen spricht, so vernimmt man einen Hang zu den für den Konjunktiv bezeichenden Vokabeln “könnte”, “sollte” und “würde”, bzw. wortreichen Ersetzungen derselben, die dann wiederum oft einen sich selbst entschuldigenden Beiklang haben -
eine Entschuldigung dafür, dass man meint, dem Konjunktiv aus ach so vielen persönlichen und fremdbestimmenden Gründen nicht entgehen zu können.

In einer globalisierten und von Ellbogen dominierten Welt wird es zunehmend schwieriger sich selbst kleine Träume zu erfüllen und existentiell drängende Vorsätze in die Tat umzusetzen.

piccaAndererseits besteht eine große Gefahr unserer bunten Glitzerwelt des Konsums und des lauthals vernehmbaren Werbegeschreies der Konzerne darin, dass uns alltäglich Träume in die Köpfe manipuliert werden, die für den größten Teil der Menschen unerreichbar sind, und die jene, die sich die Bewahrheitung eines solchen Trugbildes unter Anstrengungen ermöglichen können, seltsam leer lassen, und die keinesfalls die Erfüllung bieten, die uns vorher durch den multimedialen Overkill in Aussicht gestellt worden ist.

Beide Gruppen verbindet die unerfüllte Hatz auf das, was sie fälschlich für traumhaft und erstebenswert halten, eine Jagd auf Chimären, die sich Konzerne und falsche Propheten wiederum zunutze machen, um sich an den durch ihr Leben irrenden Menschen weiter bereichern zu können.

Und so flüchten sich die Unzufriedenen in eine Welt des “Vielleicht”, der hochtrabenden, und Linderung von Hektik und Stress versprechenden Ziele, von denen sie aber weiter entfernt sind als unser Erdball von Alpha Centauri.

Sie sagen:” Ich müsste dringend etwas ändern”, oder wiederholen gebetsmühlenartig ihr tägliches “Ich würde mir einen Traum erfüllen, wenn nicht die Umstände so gegen mich wären.”
Das “sollte” und “wäre”, das “könnte”, “müsste” und “würde” werden zur nichtssagenden Terminologie ihrer Existenz, die sich augenscheinlich nur noch im schalen Dämmertraum von einer besseren Welt ertragen lässt.

blochDer helle, in der Realität fußende und uns wach für die wahrhaft wertvollen Möglichkeiten des Seins machende Tagtraum aus Ernst Blochs “Das Prinzip Hoffnung”, und die gesellschaftlich gestalterische Kraft seines Begriffes der “konkreten Utopie” haben keine Chance gegen das flache Verlangen nach Zerstreuung und Erlösung aus dem Jammertal der wirtschaftlichen Angst und der existentiellen Frustration.

Manchmal spielt der Konjunktiv ein sich verstellendes Versteckspiel mit uns und kleidet sich in das Gewand strengerer Vokabeln -
ein “ich würde” mutiert verbal zu einem “ich werde” und ein “ich müsste” zum moralisch stärkeren, weil keinen Widerspruch zu dulden scheinenden Appell, obwohl tiefinnerlich das resignative Gefühl schon längst oder immer noch die Oberhand hat.

Den größten Schritt ab vom Weg zum wahren Glück machen diejenigen, bei denen der Konjunktiv einer der Vergangenheit und keiner der unbestimmten Zukunft ist.
Für sie wird das “Weißt Du noch als wir…” und “Wenn ich noch einmal jung wäre…” zum Credo ihres durch den gesellschaftlichen Massendruck als verdorben empfundenen Lebens, und sie berauben sich gänzlich einer Veränderung des zwar als übermächtig gefühlten, aber immerhin noch formbaren “Was da kommen mag”.

So streben wir nach Zielen, die keine sind und jagen nach dem Haben, weil wir den Wert des Seins und des Ruhens in uns selbst vergessen zu haben scheinen.

Das größte Verbrechen begehen wir an unseren Kindern, die ebenso schon vom Virus der “Generation Statussymbol” infiziert sind.
Da wo wir als Kinder aus bunten Legoquadern die wunderbarsten Kunstwerke schufen, benötigen unsere Kinder heute einen 200-Euro Bausatz, der sich ohne eine buchdicke Bauanleitug nicht in etwas Vorzeigbares verwandeln lässt.
Ihre Wünsche sind bereits vom Statusdenken und nicht mehr von den Grundbedürfnbissen des Kindseins gesteuert, und es ist unsere Aufgabe, ihnen das zurückzuschenken, was wir verloren haben und ihnen aus diesem Grund nicht geben konnten.

Doch manchmal hören auch wir leise den Ruf unserer verschütten Kindheitsträume – Träume, die uns Glück verhießen und Fröhlichkeit versprachen – Träume, die kein Geld benötigten, um realisiert zu werden, die in den kleinen Dingen lagen, der Freude am Spiel, der Freundschaft und Liebe und in der Kreativität und der Phantasie.

Es kommt darauf an, dass wir diesen Stimmen wieder Gehör verschaffen und ihr Versprechen zu leben versuchen, weg von den Dingen, hin zu seelischen Werten, die auf ein Glück jenseits einer durch den Konsum stimulierten fragwürdigen Zufriedenheit hoffen lassen.

Dazu gibt es keine Alternative, und es dürfen keine ausweichenden Ausreden ins Feld geführt werden.
Hier muss das unbedingte “Du bist, was Du tust!” des Existentialismus gelten, damit wir einen Weg aus den uns aufgezwungenen Irrgärten des Glücks finden, und damit wir endlich aufhören bis zum Ende als zweibeinige Absichtserklärungen vor uns hinzuleben…

“Der Mensch lebt noch überall in der Vorgeschichte, ja alles und jedes steht noch vor Erschaffung der Welt, als einer rechten. Die wirkliche Genesis ist nicht am Anfang, sondern am Ende, und sie beginnt erst anzufangen, wenn Gesellschaft und Dasein radikal werden, das heißt sich an der Wurzel fassen. Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfaßt und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.”

- Ernst Bloch: Das Prinzip Hoffnung -

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Der Schnarchkönig…

schnarch

Was schnarchst Du so laut bei Nacht und Wind? -
Es sind die Rachenmuskeln, die schwächlich sind. -
Dreh Dich zur Seite auf Deinen Arm -
Ach Frau dann stört Dich die Luft aus meinem Darm. -

Geliebter, stört es Dich selber nicht? -
Kaum mehr, als abends Dein Leselicht. -
Dein Sägen macht mich museumsreif -
Und mir wird auf der Seite der Nacken steif. -

Jetzt dreh Dich bitte doch weg von mir. -
Ein Küsschen zur Nacht noch, schenk ich Dir. -
Ob’s ruhig jetzt wird, da ich bin gespannt. -
Wenn nicht, so hau mit der flachen Hand… -

Dann tu ich Dir weh – und das will ich nicht. -
Dann bleibt er wohl ewig, der Grund für’s Gedicht. -
Ich glaub, dass zu lang wir verheiratet sind. -
Was ich mitunter genauso empfind… -

So musst Du wohl aus dem Zimmer gehn! -
Ich hab es befürchtet und kommen sehn. -
Was könnte ‘ne andere Lösung sein? -
Zieh DU in den Keller und lass mich hier sein! -

Mein Mann, Mein Mann, welch böses Wort,
erst schnarchst Du mich voll, dann schickst Du mich fort? -
Mir bleibt keine Wahl für Dich liebe Frau,
ich bin hier der Hausherr, das weißt Du genau. -

Der Mangel an Schlaf, er macht mich schnell alt. -
Jetzt schweig endlich Frau, sonst mach ich Dich kalt. -
Mein Mann, oh Gott, wie fasst Du mich an?
Ich helfe Dir jetzt, so gut ich es kann. -

Die Frau sie stöhnt, ihr Blut rötlich rinnt,
weil ihm die Nerven glatt durchgebrannt sind.
So schnarcht er friedlich im Morgenrot,
an seiner Seite die Frau ist tot…

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altertuemchen“Was willst DU denn auf einer Ü30-Party?” musste ich mich letztlich fragen lassen, als ich meiner Freundin Mitteilung von der Idee meines besten Freundes machte, wie der letzte Samstag rein männerfreundschaftstechnisch zu begehen sei.

Nun muss man wissen: ich bin 44 und erfülle damit zumindest die von den Ausrichtern geforderte Grundbedingung zum Besuch eines solchen profilneurotischen, weil vorwiegend marktwertbestimmenden Großereignisses – doch fand ich es irgendwie klüger, ihre nicht ganz ausschließlich rhetorisch gemeinte Frage auf das vermutlich übergroße Angebot paarungswilliger und mehr oder minder alleinstehender Frauen zurückzuführen, statt es als einen Hinweis auf meine doch schon erheblich fortgeschrittene Zahl an Lenzen zu schieben.

Natürlich weiß ich noch aus Zeiten, in denen mich vor dem Verlassen des Hauses keine langwierigen Dehnübungen und der vorbeugende Genuss elektrolythaltiger Speisen und Getränke vom größtmöglichen Einsatz bei der Körperpflege abgehalten haben, dass die beste Gelegenheit für einen annähernd Vierzigjährigen, eine Frau von Mitte 20 in die heimische Bettstatt zu manövrieren eben eine jener Parties zur Unterhaltung angehender geriatrischer Problemfälle ist, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem vertrocknenden Humus des gelangweilten Mittelalters geschossen sind;
und so schienen mir ihre Einwände natürlich nur allzu verständlich…

Beim späteren Blick in den Spiegel im heimischen Badezimmer überfielen mich dann jedoch zuerst leise, dann sich aber immer drängender gebärdende Zweifel -

Ich musste zugeben, der Zahn der Zeit hat das Seine an mir vollbracht:

Mit Mitte 40 fühlt man sich ja so ein bisschen, wie ein Kicker in der achzigsten Minute im großen Fußballspiel des Lebens, von dem der große Sportreporter im Himmel sagt: “Es ist Zeit für ein erstes Fazit.”, und hat das fast sichere Gefühl, als wollte das johlende Publikum das einem eigene, schon nah gefühlte Karriereende früher herbeiskandieren, als man es selber wahrhaben will…

Mein Körper gemahnt weniger an die vier Marathons, durch die ich mich quälte, als an die Menge Muffins, Margarine und Mascarpone, die ich mit den Jahren durch meinen Stoffwechsel geschleust habe…

Die optische Fülle meines Kopfbewuches ist eher einem allmorgendlichen hochfiligranen Legespiel zu verdanken, denn einem jugendlichen Überfluss an willigen Kappillaren und den sie steuernden männlichen Hormonen…

Mein Herz überschlägt sich schon beim Befüllen einer Kaffeetasse in einem wirbelnden Stakkato rhythmusgestörter Hyperaktivität, den ich in früheren Jahren auch unter intensivsten Trainingsanstrengungen nicht herbeizuführen vermochte…

Magen und Darm sind in einem derart bedauernswerten Zustand, dass mir Averna, Ramazotti und Fernet Branca wie die letzten mir noch als wirksam bekannten Ballaststoffe vorkommen…

…und erotisch bilde ich mir ein, höhere Ebenen der eigenen Lust durch eine reifebedingt gesteigerte Genussfähigkeit zu erreichen, und die Lust des Gegenübers durch ein Mehr erfahrungsbegründeter tantragleicher sexueller Kniffe zu steigern – wo sich doch eigentlich die erlahmende Potenz als verzweifelte und vermutlich gänzlich unbegründete Altershybris maskiert…

Doch um mich noch einmal dem Haarwuchs, als dem schlechthinnigen Muster männlicher Verfallserscheinung zu nähern:

Beim kritischen Blick in den Spiegel fällt mir auf, dass mein Haarwuchs an all jenen Stellen neue Rekordmarken erreicht, die eben nicht unbedingt von samsongleicher Männlichkeit zeugen, während er in den für das eigene Selbstbild so wichtigen Arealen (jenseits der zu buschigen Raupen mutierten Augenbrauen) vielerlei Grund für mannigfaltige Frustration liefert, weil dort die Haarwurzeln ein vergebliches Rückzugsgefecht gegen die verebbende Versorgung aus der mit den Jahren geschwächten Epidermis des Kopfes kämpfen…

Ein einziges graues Haar in einem meiner polypenverengten Nasenlöcher überzeugt mich dann endgültig von der Entscheidung, vom Besuch der eingangs erwähnten Volksbelustigung Abstand zu nehmen.

Wie kann ich sicher sein, nicht auf dem Höhepunkt der abendlichen prägeriatrischen Balz plötzlich von einer dieser unvermeidbaren Geißeln des Alters kompromittiert zu werden?

Und möchte ich wirklich meinen im Freudeskreis legendären, leichtlockeren und überaus eloquenten Flirtstil gegen ein angestrengt anmutendes Verkaufsgespräch tauschen, in dem der unredliche Verkäufer die wenigen Vorzüge des Produktes preist, während er den Überhang an Gegenargumenten für den Kauf geflissentlich unter den Teppich kehrt, nur um auf Teufel komm raus zum Abschluss zu kommen?

Eindeutig nein – da bewahre ich mir lieber unter mangelndem Aufweis des Gegenteiles den Nimbus vergangener Tage und geselle mich abends zu meiner Freundin aufs gemütliche heimische Sofa.

Es läuft eine interessante Reportage über die Tierwelt Afrikas und noch bevor ich schwerlidrig in das allabendliche Wachkoma falle höre ich sie verliebt flöten: “Schatz, hör mal die Flusspferde… Fast so wie Du, wenn du nachts an meiner Seite liegst…”

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goebbels“Ein neues Gespenst geht um in Deutschland – das Gespenst der Unterschicht…”

Es macht einen sonderbaren Sinn, zur Einleitung ein Zitat aus dem kommunistischen Manifest zu modifizieren, weil es zum einen den möglichen klassenkämpferischen Aspekt des neuen Modewortes “Unterschicht” betont, zum anderen aber eine Analogie zum “Gespenst des Kommunismus” insofern durchscheinen lässt, als der neue und zugleich doch so alte Begriff der Unterschicht ähnlich diffus und nebelhaft gebraucht und verstanden wird, wie der des Marxismus in seinen Anfängen.

Sprache ist ein ganz außergewöhnliches Werkzeug.
Sie kann ein filigraner, wohl nuancierter Pinselstrich in den Händen eines Meisters sein, aber zugleich auch über diverse Abstufungen zur Waffe in den Händen intelligenter und damit ungemein gefährlicher Agitatoren mutieren, bei denen das Zusammentreffen von Intelligenz, Sprachvermögen und Skrupellosigkeit eine kritische Masse der Manipulation ergibt, welche Gesellschaften zu untergraben und Regierungssysteme hinwegzuspülen vermag.

Setzt man sich mit diesem neuen Unwort einmal genauer auseinander, so muss auffallen, dass seine Anstößigkeit weniger im Begriff selbst, sondern vielmehr in dessen Gebrauch und dem Kontext geborgen ist, in dem dieses Wort verwendet wird.

In der begrifflichen Triole “Oberschicht-Mittelschicht-Unterschicht” hat es den einfachen Charakter einer begrifflichen Abgrenzung gesellschaftlicher Schichten und erscheint wenig abschreckend, zumal sich hier zunächst niemand persönlich angesprochen fühlen muss.

Wird es jedoch alleinstehend gebraucht, ohne das Gerüst der ihm verwandten Begriffe, so stellen sich plötzlich Assoziationen ein, die es z.B. mit dem Begriff des “Untermenschen” verbinden, und die ungute Folgen für die Debatte über das eigentliche Problem haben, in deren Verlauf dieses Wort überhaupt zu unnötiger und zweideutiger Berühmtheit gelangt ist.

Witzigerweise funktioniert eine analoge Triole zu der eingangs erwähnten ganz und gar nicht:
ein Übermensch ist etwas ganz anderes als das genaue Gegenteil des Untermenschen, und ein “Mittelmensch” existiert schon gar nicht und hat mit dem Ersatzbegriff des “Durschnittsmenschen” auch nur ein Surrogat, das sich in seiner Betonung erheblich von einer Begriffsverwandschaft zum Untermenschen distanziert.

In der Debatte über dieses neue Unwort, welches unter dem Deckmantel vermeintlich unverblümter Nennung von Ross und Reiter des offensichtlich nicht mehr wegzudiskutierenden Armutsproblems daherkommt werden wir alle das kollektive Opfer eines sprachlichen Trends unserer Zeit, nämlich der “Verschlagwortung” komplexer gesellschaftlicher Zusammenhänge.

Initiiert und beschleunigt durch den meistenteils unsäglichen sprachlichen Tenor der Boulevardjournaille, werden wir zum Opfer einer Reduzierung der Wurzeln unserer Meinungsbildung auf Parolen – was die latente Gefahr einer zunehmenden Verarmung unserer Sprache und damit unseres Denkens auf das Niveau totalitärer Regime in sich birgt.

Wir täten gut daran, unser Augenmerk mehr auf die sachlichen und um Objektivität bemühten Inhalte anspruchsvoller journalistischer Arbeit zu legen und sollten weniger dem bequemen Impuls nachgeben, der uns meinen lässt, dass das Überfliegen der größten Schlagzeilen am Kiosk auf unserem Arbeitsweg dazu angetan sein könnte unsere politische Meinungsbildung auf ein gesundes Fundament zu stellen.

Nur so können wir der schleichenden Gefahr entgehen, dass uns jene agitatorisch ausmanövrieren, die uns aus persönlicher Betroffenheit, weltverbesserlichem Übereifer, oder aus metallisch kaltem politischen Kalkül auf ihre Seite ziehen und instrumentalisieren wollen.

Denn wenn uns eines klar sein sollte, so ist es die Einsicht, dass kein politisch-soziales Ding in unserer modernen Gesellschaft von eindimensionaler Struktur ist.

Die diversen Facetten und Betrachtungswinkel eines solchen Dinges aus einer Bequemlichkeit des Denkens heraus auszublenden und zu ignorieren, macht den Menschen geistig arm und gefährdet die Gesellschaft weitaus mehr, als das gelegentliche Auf- und wieder Abtauchen von politischen Ex-und-Hopp-Begriffen, deren bedeutungstechnische Halbwertszeit schon alleine durch die Schnelllebigkeit der heutigen Zeit und ihrer Nachrichtenwelt limitiert ist.

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buga2Ich bin kein Autonarr, ganz und gar nicht.
Im Gegenteil – ich empfinde das Fahren, um von einem Punkt zum anderen zu gelangen als eher lästiges, aber häufig notwendiges und eigentlich langweiliges Übel.

Ich bin auch kein Fan von Technik in dem Sinne, dass mich die Geheimnisse der Ingenieurskunst auf physikalisch-formelhafter Ebene interessieren – aber ich bin ein erklärter Fan des menschlichen Geistes und dessen, was er zu schaffen und zu schöpfen in der Lage ist.

Das kann ein tiefsinniges philosophisches Buch, ein Meisterstück bildender Künste, oder wie hier ein technisches Wunderwerk in Form eines Traumautos sein: der Bugatti Veyron…

buga3Hier ein paar Rohdaten:

  • 16 Zylinder, 4 Turbolader
  • 7993 ccm Hubraum
  • 736 KW – 1001 PS
  • 0-100 km/h: 2,5 Sekunden
  • 0-200 km/h: 7,3 Sekunden
  • 0-300 km/h: 16,7 Sekunden
  • Max. Geschw.: 407 km/h

Das Ganze wird einem auf der Straße präsentiert zu einem Preis von 1 Mio. Euro (zzgl. Mwst.) und mit 6000 U/min bei einem maximalen Drehoment von 1250 Nm bei 2500 U/min (bei der letzten Angabe weiß ich gar nicht, was sie bedeutet – aber es hört sich beeindruckend an, nicht wahr…?)

Nun ist es aber mit solcherlei Autos wie mit den schönen Frauen in Film und Fernsehen:
sie nötigen uns ein hohes ästhetisches Urteil ab; wir empfinden ihre Zugehörigkeit zu einer besonderen Klasse naturaler, wie kultureller Schöpfung, aber sie lassen uns oft innerlich kühl, weil sie zu sehr einer platonischen Idee ähneln, zu sehr Modell für etwas zu sein scheinen, dass in seiner Einzigartigkeit jeglichen Realitätscharakters enthoben ist.

buga1Und so empfinde ich ein solches Automobil nicht als wirklich schön, weil Schönheit in meinen Augen auch real sein muss.
Traumautos und ebenso Traumfrauen (zumindest das, was man dafür hält) sind zwar real existent, aber mitunter nur Muster ohne praktischen Wert, so eine Art goldener Schnitt, der nur die Geschmäcker verdirbt und falsche Signale in die praktische Wirklichkeit des Menschen sendet.

Und so sollten wir Schönheit nicht nur nach ästhetischen Maximalmaßstäben messen, sondern als Gradmesser die Stärke heranziehen, mit der das betrachtetete Wesen uns innerlich erreicht und die Art und Weise, wie dessen innere Lebendigkeit die unsere befruchtet und motiviert.

Und schnell werden wir spüren, dass uns der vermeintlich maximale ästhetische Wert in sonderbarer Weise kalt lässt, dass er unseren Intellekt erreicht, welcher ein wohlfeiles Urteil fein kalkulierter Denktätigkeit liefert, aber dass in unserer Seele und unserem Spüren keine wirkliche Attraktion und Begeisterung spürbar wird.

buga4Die Beauties und Pseudomaßstäbe der multimedialen Ex und Hopp-Kultur sind hübsch ausstaffierte Schaufensterpuppen des Konsums und abschreckende Vogelscheuchen vorgegaukelter Sehnsüchte zugleich. Ihr Streben nach Perfektion, respektive dessen, was die Konsumpropheten uns als solche weismachen wollen, nimmt mitunter groteske Züge an, und sonderbarerweise lässt sich dieses quichotische Anrennen gegen die Windmühlen des Alters genauso vermarkten, wie ihre frühere faltenlose Präsenz im Rampenlicht.

Und so machen die Schönheiten der televisonären Überfrachtung gleich zweimal Karriere in den Gazetten: zuerst in der Blüte ihrer Jahre, zur Zeit ihrer künstlichen Überhöhung durch Journaille und Paparazzitum und dann, in eben den gleichen Medien, durch ihren Fall aus den unerreichbaren Sphären ihres ästhetischen Olymps in die Tiefen des ihre Schönheit vernichtenden Hades.

In gewisser Weise sehen wir sie an uns vorbei fallen – so als stürzten sie im Treppenhaus aus der obersten Etage des Hochhauses in den Keller, während wir Normalsterblichen fleißig und nimmermüde um jede Stufe des persönlichen Emporkommens und gegen jede Stufe des nahenden Abstieges ankämpfen.

Und so wandelt sich Bewunderung und Überhöhung in Schadenfreude und ein schales Gefühl von falsch empfundener Gerechtigkeit und später Genugtuung.
Es ist beruhigend zu sehen, wenn Götter fallen, denn in dem Maße, in dem sie im Fall dem Menschen ähnlicher werden, empfindet sich dieser ohne eigene Leistung näher an den Heroen des Olymp und kann den schönen Schein unbegründeter Hybris warm auf seiner irdisch-faltigen Haut genießen.

Dabei ist und bleibt er jedoch ein Abhängiger der ihm vorgegaukelten Scheinwelt, bleibt eine Marionette eben jener surrealer Ideale, die sein Leben bestimmen. Denn für jene, die fallen, folgen neue, die aufsteigen und die uns ebenso gefangen nehmen, wie die gestürzten Götter zuvor.

Diesem Teufelskreis und dieser Abhängigkeit lässt sich nur entgehen, wenn ein aufgeklärter Geist die Samstagabendshow mit der gegenseitigen Selbstbeweihräucherung der Schönen und Reichen als das begreift was es eigentlich ist: eine Fiktion, eine Flucht, eine Art Alkoholisierung mittels manipulierender bunter Bilder und ihrer vermeintlichen Beherrschung durch den Zauberstab der Moderne, den wir Fernbedienung nennen.

Und so ist die Frau, die ich liebe die schönste Frau der Welt für mich -
weil sich in ihr die Lebendigkeit und das Leben – auch das bereits gelebte – widerspiegelt, vor dem die Vogelscheuchenschaufensterpuppen eine solche Angst haben, dass sie sich mit Spritzen, Einlagen und allerlei chirurgische Tand zwar eine gewisse optische Zeitlosigkeit, aber zugleich einen Verlust an innerer Größe und ganzheitlicher menschlicher Schönheit einhandeln.

Nun schließe ich den Kreis zurück zum exemplarischen Automobil, genieße den Blick auf den Bugatti und schätze ihn als ein ganz besonderes Beispiel dessen, zu was der Mensch befähigt ist (wenn er sich nicht genötigt sieht, seine Potenz in den Dienst der Rüstungslobby zu stellen…).
Ich behalte aber meinen Blick auf die Realität und den praktischen Wert meines heimischen Pkw, der mich treu und wohlbehütet von A nach B transportiert.

Was mehr will ich von einem Auto verlangen…?

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aufderstrasseDie Post verlagert “ein paar hundert” Stellen von Köln nach Leipzig, um dort den Ausbau ihre neuen DHL-Logistikzentrums voranzutreiben.

Dem Vernehmen nach werde der Abbau “sozialverträglich” (wenn das mal kein “Widerspruch in der Beifügung” ist…) erfolgen und die betroffenen Mitarbeiter erhielten “gute Abfindungen” (so eine Art Glück im Unglück…).

Nun will ich die Post selbst nicht kritisieren. Durch die Entscheidung für Leipzig als Ort ihres neuen Mammutprojektes schafft sie inklusive der ihr zuarbeitenden Unternehmen ca. 10.000 Stellen, für die auch ein Standort in Belgien durchaus in Frage gekommen wäre. Auch von dort, aus Brüssel und aus Berlin werden Stellen nach Leipzig transferiert -

Betrachtet man das aber aus Sicht der betroffenen Mitarbeiter, so bekommt das ganze ein üblen Beigeschmack:

Einer der wichtigsten Gründe der Deutschen Post für die Standortentscheidung war ein dickes Subventionspaket des Bundes aus dem Förderprogramm für die neuen Bundesländer in Höhe von 70 Millionen Euro, mit dem die Regierung der Post den neuen Standort wirtschaftlich schmackhaft gemacht hat.

Nun will ich auch die Politik nicht kritisieren, dass sie was für den Osten tut…

…aber die betroffenen Mitarbeiter aus Köln haben auch einen Teil der Subvention in den Steuersäckel gezahlt und jahrelang brav ihren Solidaritätszuschlag entrichtet – Gelder, die nun anteilig im Subventionskuchen der Deutschen Post mitverbacken werden.

So zahlen die rheinischen Postler vermutlich dreimal für die Entwicklung unserer wirtschaftlichen Diaspora:

  1. mit ihren Steuern
  2. mit ihrem Solidaritätszuschlag
  3. und fatalerweise mit ihrem Arbeitsplatz

Aber zum Glück gibt’s ja Hartz 4 – da können sie ich die Kohle sicher zurückholen…

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Ich habe zwei neue Lieblingsworte:

Hier meine neue Topliste:

  1. Präsenzritual
  2. Prekariat
  3. suboptimal
  4. semiprofessionell
  5. quasi und per se

to be continued…

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…war und ist ein Zitat unserer Familienministerin Ursula von der Laien (schreibt man das so?):

“Wir wissen alle, dass Fernsehen dick, dumm, traurig
und gewalttätig macht.”

Ich werde ab jetzt ein wachsames Auge und Ohr auf sie haben – wer hat schon was gegen kostenlosen und lustigen Content für sein Weblog…?

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Habe eben mal meine Mails gecheckt und die Viagra-Schreibweisen des? heutigen Tages geerntet:?

  • VleAGRA
  • VlrAGRA

Es muss scheinbar doch Typen geben, die so blöd sind, diese Mails zu öffnen -?
Die Welt bleibt wohl auf ewig ein Panotikum, das von den Doofen beherrscht wird…

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