Denglisch – Krismes vor Dammies (Weihnachten für Sprachanfänger)
29. Oktober 2006 von Thomas
Bald ist es soweit.
Weihnachten steht vor der Tür und mit ihm Vorboten in Form leuchtender Kinderaugen, welche morgens die bunte Prospektvielfalt bestaunen, die kleine Kinderhände morgens aus der Tageszeitung geklaubt haben, noch bevor Papa auf dem WC einen Blick in dien Sportteil werfen konnte.
Wir haben unseren Jungen gebeten, seinen Wunschzettel frühzeitig bereitzuhalten, damit das Christkind sich nicht wieder mit überfüllten Parkplätzen und wild drängelnden “Lastminit-Käufern” auf der Rolltreppe rumschlagen muss – vor allem Männer auf der Jagd nach dem ultimativen Geschenk, mit dem man alle Fehler des Jahres auf einen Schlag wieder gutmachen kann.
Dieses Jahr darf er sich was Besonderes wünschen haben wir ihm eröffnet. Das Christkind sei stolz auf ihn, weil er so ein guter Schüler ist.
Na ja, außer Englisch – da hat er ein paar Probleme, obwohl ich das gar nicht verstehen kann. Wenn man seinen Freunden und ihm so zuhört scheint alles in Ordnung zu sein mit seinen Fremdsprachenkenntnissen:
Da hört man von “Friesteil-Skätbording” , von “Äkschn-Gäms” für den “Kompjuter”, von “Pfeil-Schäring-Kleienz” mit denen man die neuesten “Bietz Daunloden” kann und letztlich hörte ich, wie er seinen besten Kumpel aufzog und ihn einen “Onlein-Tschankie” nannte.
An den Vokabeln kann es also nicht liegen. Es muss was mit der Grammatik zu tun haben. Nun gut; demnächst ist ja Elternsprechtag, und damit Gelegenheit seine Klassenlehrerin mal danach zu fragen.
Mein Englisch ist ja nicht so toll. Ich kann mich noch grob erinnern, dass “Pieß” Frieden heißt und dass eine “Pörsching” eine Rakete war.
Hat ja auch viel Spaß gemacht damals mit der Trillerpfeife bei Franz Josef Strauss – ein richtiges “Häppening” .
Ich wusste zwar nicht richtig worum es überhaupt ging, aber ich fand das lustig riechende Zeug so toll, von dem man so komische Gefühle bekam, wenn man es eingeatmet hat. “Doop” hieß es, glaube ich…
Aber ich schweife ab…
Gestern Abend war es soweit und unser Junge brachte uns seinen Wunschzettel:
“Hier is mei Wischlist.” grinste er, obwohl ich sicher war, dass er nicht notiert hatte, in welcher Zimmerreihenfolge er meiner Frau bei der wöchentlichen Bodenpflege zur Hand gehen wollte. Er ließ sie auf den Wohnzimmertisch gleiten, drückte ihr den Kuss auf die Wange, den er mir wie immer verweigerte, weil er Küsse zwischen Männern für “unkuhl” hält.
Was stand denn da? Mal sehen…
Ich muss schon sagen – ich hatte Grund stolz zu sein auf meinen Jungen:
Obwohl er doch aus dem Vollen hätte schöpfen können, war er doch sehr bescheiden in seinen Ansprüchen.
Schön zu erfahren, dass meine väterliche Einflussnahme, vor allem im Hinblick auf die immer mehr um sich greifende Konsumsucht der Jugend, hin und wieder doch mal nicht wirkungslos verpufft, und zu einem Umdenken bei dem Jungen geführt hatte.
Als erstes wünschte er sich eine X-Box:
Wie schön, dass er sich etwas selbst Gebasteltes von seinem Vater wünscht. Ich lächelte glücklich und konnte mir meine Vorfreude im Hobbykeller schon vorstellen, wenn ich für ihn am “Disein” der ultimativen X-Box feilte.
Dann las ich meiner Frau vor:
“N-O-T-E-B-O-O-K” -
Da wusste ich gar nicht, was er meinte, aber meine Liebste konnte sich erinnern, dass “book” das englische Wort für “Buch” sei.
Ich liebe meine Frau sehr – wir haben uns damals beim “Gruppensechs gegen das Istäblischment” kennen und lieben gelernt.
Ja, ja: “Mäk Laaf not Wor!” war unsere Devise…
Wir haben dann besprochen, ihn aber zuerst mal zu fragen, welches Instrument er denn nun lernen wolle, was im übrigen ganz neue Töne von ihm sind -
bisher beschränkte sich seine Art Musik zu machen auf das Quälen seiner “Saundmeschin” und seines “Sappwufers” , oder wie das Ding heißen mag.
Es wäre ja unglücklich, Noten fürs Klavier zu kaufen, wenn er lieber Gitarre lernen wollte…
Der dritte Wunsch verwirrte mich ein wenig:
Bisher schien er ja nicht soviel auf sein Äußeres Wert zu legen, aber jetzt wünscht er sich einen – uups, da war dem Jungen aber ein übler Rechtschreibfehler passiert:
wenn er schon zukünftig ein bisschen mehr auf seine Frisur achten wollte, so sollte er das entsprechende Gerät schon richtig schreiben: mit “k” und zwei “m”.
“Digi” ist wahrscheinlich der Name einer Frisur, die nach einer der “Bänds” benannt ist, deren Krach immer aus seinem “Sappwufer” dröhnt.
Ich muss morgen unbedingt mal Willi, meinen Frisör, oder “Här-Steilist”, wie er sich lieber nennt, anrufen und nach dem neuen “Tränt” fragen.
Kurz bevor er dann zu Bett gehen musste, kam der Junge nochmals ins Wohnzimmer gestürmt und teilte uns mit, dass er noch einen großen Wunsch hätte:
Jetzt war ich baff – nie hatte er Lust sich am Haushalt zu beteiligen, und sogar zum Müll raustragen musste man ihn wortreich überreden.
Doch jetzt wollte er schon morgens bei der Zubereitung des Frühstücks helfen.
Wie schön, dass unsere Erziehung endlich fruchtet, und wie lieb und bescheiden der Junge geworden ist. Ich fragte mich nur, warum er unbedingt einen Topf für die Frühstückseier haben wollte, wo wir doch über so einen praktischen Eierkocher verfügen.
Nun gut, wenn er unbedingt will, soll er seinen “Ei-Pott” bekommen – er ist ja so ein guter Junge.
Aber weil ich so stolz auf ihn bin, kaufe ich ihm einen “Empi-drei-Pläer”, damit er seine “daungelodeten Bietz” auch “onserot” hören kann – den hat er sich redlich verdient.
Der Junge wird vielleicht Augen machen

Ein Aufschrei geht durch’s Land und verurteilt das Verhalten deutscher Soldaten – aber so einfach ist das nicht…
Andererseits besteht eine große Gefahr unserer bunten Glitzerwelt des Konsums und des lauthals vernehmbaren Werbegeschreis der Konzerne darin, dass uns alltäglich Träume in die Köpfe manipuliert werden, die für den größten Teil der Menschen unerreichbar sind, und die jene, die sich die Bewahrheitung eines solchen Trugbildes unter Anstrengungen ermöglichen können, seltsam leer lassen, und die keinesfalls die Erfüllung bieten, die uns vorher durch den multimedialen Overkill in Aussicht gestellt worden ist.
Der helle, in der Realität fußende und uns wach für die wahrhaft wertvollen Möglichkeiten des Seins machende Tagtraum aus Ernst Blochs “Das Prinzip Hoffnung”, und die gesellschaftlich gestalterische Kraft seines Begriffes der “konkreten Utopie” haben keine Chance gegen das flache Verlangen nach Zerstreuung und Erlösung aus dem Jammertal der wirtschaftlichen Angst und der existentiellen Frustration.
“Was willst DU denn auf einer Ü30-Party?” musste ich mich letztlich fragen lassen, als ich meiner Freundin Mitteilung von der Idee meines besten Freundes machte, wie der letzte Samstag rein männerfreundschaftstechnisch zu begehen sei.
“Ein neues Gespenst geht um in Deutschland – das Gespenst der Unterschicht…”
Ich bin kein Autonarr, ganz und gar nicht.
Hier ein paar Rohdaten:
Und so empfinde ich ein solches Automobil nicht als wirklich schön, weil Schönheit in meinen Augen auch real sein muss.
Die Beauties und Pseudomaßstäbe der multimedialen Ex und Hopp-Kultur sind hübsch ausstaffierte Schaufensterpuppen des Konsums und abschreckende Vogelscheuchen vorgegaukelter Sehnsüchte zugleich. Ihr Streben nach Perfektion, respektive dessen, was die Konsumpropheten uns als solche weismachen wollen, nimmt mitunter groteske Züge an, und sonderbarerweise lässt sich dieses quichotische Anrennen gegen die Windmühlen des Alters genauso vermarkten, wie ihre frühere faltenlose Präsenz im Rampenlicht.
Die Post verlagert “ein paar hundert” Stellen von Köln nach Leipzig, um dort den Ausbau ihre neuen DHL-Logistikzentrums voranzutreiben.
Netznirwana