Meditationen über den Tod

Ich meditiere nicht, aber ich habe seltene und kostbare meditative Momente.

Der unermüdlich kreisende Gedankenlöffel in der großen Rührschüssel meines Kopfes kommt für eine Weile zu Ruhe und ich kann mich einen Moment zurückziehen aus der permanenten Produktion von Sinn und Unsinn, die in meinem Gehirn mit der Konstituierung meiner Welt einhergehen.

In diesen Momenten aber strebe ich nicht nach einer Befreiung vom Denken an und für sich, weil ich akzeptiert habe, dass die beständige Reflektion ein Grundbestandteil meines Charakters und damit auch meiner Existenz ist. Vielmehr ziehe ich mich in mich zurück und lasse die vielfältigen Ströme in meinem Kopf sich zu einem ruhigen Fluss vereinigen, indem es mir gelingt das wilde Spiel der Assoziationen zu bändigen und zum Verstummen zu bringen.

Sonderbarerweise erlebe ich diese meditativen Momente am stärksten, wenn ich mich mit schwersten und schwierigsten Gedanken beschäftige. Oftmals beschäftigen mich weltanschauliche Probleme, durch die mein Denken und Empfinden in diesem intensiven Moment gegen jede Störung von innen gefeit sind.

Oder ich blicke in den Himmel, oder in die Wipfel der Bäume und sehe Figuren, betrachte das leichte Wogen der Baumkronen und mache meinen Frieden mit meiner Endlichkeit.
Diese Momente sind nicht primär Rückzug aus der Welt, sondern vielmehr ein reichhaltiges Mich-Versenken in die Existenz – eine Art, meinem Kern am nächsten zu kommen und zu spüren, dass dieser Kern über ein energetisches Band mit der Welt verbunden ist.

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