Verbot von „Killerspielen“ – meine Email an die Innenminister Beckstein (Bayern) und Schünemann (Nds.)

Guten Tag,

mit großem Interesse verfolge ich derzeit die politische Diskussion um das Verbot sogenannter „Killerspiele“ und bin doch echt bestürzt über den von der Politik offenbar gewollten Eingriff in die Persönlichkeitsrechte erwachsener Bürger.

Da sollen Computerspiele unter, zumindest z.Zt. noch, ziemlich diffusen Kriterien in „gute“ und „böse“ Spiele unterteilt werden und deren Hersteller, Käufer, Weiterverkäufer und Nutzer kriminalisiert werden.

Ich halte das für sehr bedenklich.

Ich selbst habe vor über 20 Jahren den Kriegsdienst verweigert und habe meine Haltung durch das Spielen auch aggressiverer Spiele in keiner Weise geändert.
Im Gegenteil, ich bin und bleibe ein Gegner von Gewalt – was iÜ auch soldatische Gewalt in sogenannten „Friedensmissonen“ angeht, für die unschuldige, junge Menschen faktisch in Kriegsgebiete geschickt werden.

Ich muss Ihnen mitteilen, dass ich das von der Politik propagierte Verbot von Computerspielen im Hinblick auf ein deutliches Verlangen nach sog. „robusten Mandaten“ für die Bundeswehr in Krisengebieten für einen ziemlichen Hohn halte.

Meine PC-Soldaten sind rein virtuell und in meinen Kämpfen sterben Polygonkreaturen und es fließt Pixelblut – wie sieht es bei der Politik aus?
Können Sie nach dem Tod von Soldaten in Afghanistan einen älteren Spielstand laden, die Köpfe der Gefallenen retten und das Leid und die Trauer ihrer Familien verhindern? Wohl kaum…

Für mich – ich bin ein 44-jähriger erwachsener Mann mit eigener Firma, einer Patchworkfamilie inkl. eines Sohnes, mit der dazu gehörigen Verantwortung – sind Computerspiele eine Abwechslung vom anstrengenden Alltag, moderne Geschicklichtkeitsübungen, bei denen ich offen gesagt ganz froh bin, mal wenig nachdenken zu müssen.
Dennoch kann ich mich sonntags wieder grübelnd an den Schachbrettern meines Vereines einfinden, ohne Aggressionen gegen meinen Opponenten zu fühlen.

Meine Schachfiguren kehren nach geschlagenem Kampf in ihre Holzkiste zurück – wie die Ihren auch, nur ist deren Holzkiste größer und das Spiel kann von Ihren Figuren nur einmal gespielt werden.

Das Problem der Politik ist das Folgende:
sie möchten eine gute Regelung über die Zugänglichkeit von Erwachsenenspielen, die nur schlecht kontrolliert wird und vielleicht auch kontrolliert werden kann, durch eine schlechte und ebenso schlecht kontrollierbare Regelung ersetzen durch die mündige Bürger in Ihren Freiheiten beschränkt und kriminalisiert werden.

Ich selbst habe im postapokalyptischen Scheidungskrieg meiner Lebensgefährtin das für das Sorgerecht zuständige Gericht schriftlich darauf hingewiesen, dass deren Kinder beim Vater Zugang zu PC-Spielen haben, die keine Jugendfreigabe besitzen.
Die Reaktion? Gleich null!

Und hier liegt der Hase im Pfeffer:
Einzelne handeln unverantwortlich, Behörden kommen ihren Kontrollpflichten nicht nach – sei es aus Bequemlichkeit oder Überlastung – und deshalb soll das Problem mal eben popularitätswirksam aus der Welt geschafft werden.

Und wieder werden Sie ein Gremium benötigen, das entscheidet, welche Spiele gut und böse sind, und wieder werden Sie ein bürokratisches Kontrollproblem haben – aber dafür vielleicht ein paar Stimmen mehr, welche die Politik erfolgreich von den wirklich dringenden ungelösten Problemen unserer Gesellschaft abgelenkt hat.

Das ist dann wie bei Robbespierre: der hat auch immer mehr Leute als Gegner der Revolution geköpft, damit die Bürger sich im Blutrausch nicht soviele Gedanken über den eigenen Hunger und die eigene Not machen mussten.

Das ist auch eine Art den sozialen Frieden zu wahren…

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Spiekermann

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