Babybauch

Ihre Klagen klingen noch in meinen Ohren. Es sei ja so beschwerlich Mutter zu werden. Da kann ich als Mann aber nur herzlich lachen. Ich gäbe was drum, die Segnungen der Mutterschaft als Frau selbst erleben zu dürfen, die mir die Natur in so schnöder Weise vorenthält.

Das fängt schon mit dem Zeugungsakt an. Mich plagen weder Ängste um Potenz und vorzeitigen Samenerguss, noch muss ich viel mehr tun, als gleich einem abgestürzten Maikäfer auf dem Rücken zu liegen, und benötige zudem keinen Orgasmus, um hinterher zufrieden einzuschlafen. Der Verzicht auf ein paar Zärtlichkeiten, die ich als Mann ja schon komplett überflüssig finde, wird mir da sicher nicht so schwer fallen.

Außerdem fiele mit dem Einsetzen der Schwangerschaft das einzige Äquivalent für die tägliche Last des Mannes mit der Rasur, die monatliche Regelblutung aus, so dass ich mich als Frau von allen körperlichen Unbilden befreit auf die Geburt meines Kindes vorbereiten und freuen kann.

Von Stund an muss ich nur noch mit dem Finger schnippen und alles um mich herum fragt sofort, wie es mir geht, ob man mir etwas Gutes tun kann, und ob ich womöglich Schmerzen habe. Ich kann mich von vorne bis hinten bedienen lassen, muss keine Dinge mehr schleppen, die ich als zu schwer deklariere, wie z.B. Tempopakete, Kosmetikwatte, oder Hackfleischfix und kann es mir abends auf der Couch gemütlich machen, während mein Kerl sich mit dem Esszimmerstuhl begnügen muss.

Auch die körperlichen Veränderungen begeistern mich. Mir wachsen fantastische Brüste und mein Bauch wird zum Schönheitsideal. Im Gegensatz zum Hefeballon des Mannes erhalte ich mehr Zuspruch und Wertschätzung je dicker, runder und vor allem tiefer meine Kugel sich entwickelt, und kann essen soviel ich mag, weil ich ja nun für zwei sorgen muss.

Irgendwann kann ich sogar die Werktätigkeit einstellen und mein Chef und die Krankenkasse zahlen fröhlich und freiwillig meinen Arbeitsausfall, während ich zuhause Britt gucke und meinen Bauch sanft mit einem Öl gegen Schwangerschaftsstreifen massiere, bis sich abends jemand findet, der meinen Füßen ebenso Gutes tut – ganz unabhängig davon, ob sie kürzlich gewaschen, die Fußnägel pedikürt, oder die Hornhaut abgerubbelt ist.

Die letzten Wochen behandelt man mich wie ein rohes Ei, wie eine Prinzessin auf der Erbse, trägt mich auf Händen, wird nicht müde mich zu beglückwünschen, mich mit leuchtenden Augen zu befragen, welch große Überraschung in meinem wunderschönen Bauch zu finden ist, und hört nicht damit auf, meine Kraft, meinen Mut und meine Schönheit zu preisen, weil mir die Schwangerschaft ja so hervorragend steht, und weil es ja ach so toll sein muss, ein junges Leben unter seinem Herzen zu tragen.

Alle lieben mich, alle achten mich, egal wie ich aussehe, alle kümmern sich um mich und sind einzig an meinem Wohlergehen interessiert. Es ist einfach wundervoll, und ich denke, ich könnte nicht genug davon kriegen. Als Mann kann man von soviel Zuwendung doch nur träumen. Es muss absolut herrlich sein, als Frau zu leben und zudem noch das Wunder der Geburt vor Augen zu haben.

Und dann kommt der große Tag. Die Wehen setzen langsam ein, mein Körper und meine Seele sind verzückt in der freudigen Erregung ein Leben schenken zu dürfen, und als zum Abschluss und zur Krönung der schönsten Zeit meines Lebens die Fruchtblase platzt, die Kontraktionen zunehmen und ich mich vollkommen beglückt auf dem Weg in die Klinik befinde –

bin ich doch wieder ganz froh am Steuer zu sitzen und auf die Frau an meiner Seite zu blicken.

Ich liebe sie sehr, ganz ohne Frage – aber Kinderkriegen ist Frauensache. Das hat die Natur sicher nicht ohne Grund so eingerichtet…

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