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Guten Tag,

mit großem Interesse verfolge ich derzeit die politische Diskussion um das Verbot sogenannter “Killerspiele” und bin doch echt bestürzt über den von der Politik offenbar gewollten Eingriff in die Persönlichkeitsrechte erwachsener Bürger.

Da sollen Computerspiele unter, zumindest z.Zt. noch, ziemlich diffusen Kriterien in “gute” und “böse” Spiele unterteilt werden und deren Hersteller, Käufer, Weiterverkäufer und Nutzer kriminalisiert werden.

Ich halte das für sehr bedenklich.

Ich selbst habe vor über 20 Jahren den Kriegsdienst verweigert und habe meine Haltung durch das Spielen auch aggressiverer Spiele in keiner Weise geändert.
Im Gegenteil, ich bin und bleibe ein Gegner von Gewalt - was iÜ auch soldatische Gewalt in sogenannten “Friedensmissonen” angeht, für die unschuldige, junge Menschen faktisch in Kriegsgebiete geschickt werden.

Ich muss Ihnen mitteilen, dass ich das von der Politik propagierte Verbot von Computerspielen im Hinblick auf ein deutliches Verlangen nach sog. “robusten Mandaten” für die Bundeswehr in Krisengebieten für einen ziemlichen Hohn halte.

Meine PC-Soldaten sind rein virtuell und in meinen Kämpfen sterben Polygonkreaturen und es fließt Pixelblut - wie sieht es bei der Politik aus?
Können Sie nach dem Tod von Soldaten in Afghanistan einen älteren Spielstand laden, die Köpfe der Gefallenen retten und das Leid und die Trauer ihrer Familien verhindern? Wohl kaum…

Für mich - ich bin ein 44-jähriger erwachsener Mann mit eigener Firma, einer Patchworkfamilie inkl. eines Sohnes, mit der dazu gehörigen Verantwortung - sind Computerspiele eine Abwechslung vom anstrengenden Alltag, moderne Geschicklichtkeitsübungen, bei denen ich offen gesagt ganz froh bin, mal wenig nachdenken zu müssen.
Dennoch kann ich mich sonntags wieder grübelnd an den Schachbrettern meines Vereines einfinden, ohne Aggressionen gegen meinen Opponenten zu fühlen.

Meine Schachfiguren kehren nach geschlagenem Kampf in ihre Holzkiste zurück - wie die Ihren auch, nur ist deren Holzkiste größer und das Spiel kann von Ihren Figuren nur einmal gespielt werden.

Das Problem der Politik ist das Folgende:
sie möchten eine gute Regelung über die Zugänglichkeit von Erwachsenenspielen, die nur schlecht kontrolliert wird und vielleicht auch kontrolliert werden kann, durch eine schlechte und ebenso schlecht kontrollierbare Regelung ersetzen durch die mündige Bürger in Ihren Freiheiten beschränkt und kriminalisiert werden.

Ich selbst habe im postapokalyptischen Scheidungskrieg meiner Lebensgefährtin das für das Sorgerecht zuständige Gericht schriftlich darauf hingewiesen, dass deren Kinder beim Vater Zugang zu PC-Spielen haben, die keine Jugendfreigabe besitzen.
Die Reaktion? Gleich null!

Und hier liegt der Hase im Pfeffer:
Einzelne handeln unverantwortlich, Behörden kommen ihren Kontrollpflichten nicht nach - sei es aus Bequemlichkeit oder Überlastung - und deshalb soll das Problem mal eben popularitätswirksam aus der Welt geschafft werden.

Und wieder werden Sie ein Gremium benötigen, das entscheidet, welche Spiele gut und böse sind, und wieder werden Sie ein bürokratisches Kontrollproblem haben - aber dafür vielleicht ein paar Stimmen mehr, welche die Politik erfolgreich von den wirklich dringenden ungelösten Problemen unserer Gesellschaft abgelenkt hat.

Das ist dann wie bei Robbespierre: der hat auch immer mehr Leute als Gegner der Revolution geköpft, damit die Bürger sich im Blutrausch nicht soviele Gedanken über den eigenen Hunger und die eigene Not machen mussten.

Das ist auch eine Art den sozialen Frieden zu wahren…

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Spiekermann

Am gestrigen Sonntag war wieder Mannschaftskampf angesagt.
Die Bergischen Schachfreunde III gegen uns, die erste Manschaft des SV 1947 Bayer Dormagen.

Von der Papierform her eine klare Sache, dachten wir, aber es war vor allem an der hinteren Brettern dann doch nicht so klar.
Durch Siege an den ersten Brettern (es spielen immer acht gegen acht) konnten wir den Sieg aber dann doch einfahren.

Mein Gegner, ein sehr sympathischer älterer Herr um die 70 erwies sich als zäher Gegner, der sich erst nach langer Gegenwehr bezwingen ließ.
Nach der Partie Spiekermann - Heger gab’s noch ein kurzes, nettes Schwätzchen und der Sonntag war erfolgreich für mich.

Danke an meinen fairen Gegner und - schade, dass es nicht immer so ist…

Obwohl ich bei meinem alten Provider Host Europe sehr zufrieden bin (meine Reisebürowebsite läuft und bleibt auch dort), habe ich meinen Blog testweise bei 1blu untergebracht.

Er läuft auf jetzt auf einem Hostingpaket mit “Performancegarantie”.
Da die ersten sechs Monate durch eine Kooperation von 1blu mit der PC Welt kostenlos sind, werde ich das mal in Ruhe testen.

Ich hatte gelegentlich zu Stoßzeiten den Eindruck, dass beim üblichen Shared Hosting (und das sicher nicht nur bei Hosteurope) die Datenbankzugriffe sehr verlangsamt sind.

Nachdem ich ein paar Hürden beim Datenbankumzug überwunden habe, sollte jetzt alles wieder laufen.

Mal sehen… :-)

Teil I: Ausgangssituation

Es ist schon eine Last mit der Liebe in mittleren Jahren.
Sicher gilt das nicht für alle jene, die in der Mitte des Lebens stehen, wohl aber für viele, deren meist erste Ehe, oder langjährige Beziehung an den harten Klippen des Alltags im Konflikt zerschellt, oder am schleichenden Übergang von großer Liebe und Vernarrtheit zur Gewöhnung und am Ende zur Gleichgültigkeit zerbrochen ist.

Nun ergibt es sprachlich ein schiefes Bild, wenn wir von den Scherben einer Liebe und damit einer ganzen Existenz sprechen, und eine spätere neue Beziehung als “Patchworkfamilie” betiteln. Irgendwie ist es ja häufig mehr ein schiefes Kunstwerk hobbymäßig ungeschickter Bleiverglasung der umherliegenden Bruchstücke zweier Familien, dessen Entstehung und Erhalt nur allzu häufig den feigen und gemeinen Steinwürfen eines, oder gar beider Expartner ausgesetzt ist.

Na ja - sofern nicht einer der beiden neuen Partner das frisch gefundene Glück dadurch belastet, dass er sich selber im Werfen von Geschossen gegen die alte Liebe erschöpft und damit die neu gefundene Chance durch einen Grabenkrieg gegen die alte Verbindung aufs Spiel setzt.
Aber auch hier gibt es einen interessanten Seitenweg: der neue Partner beteiligt sich an der Hexenjagd gegen den verflossenen und hilft damit der neuen Beziehung, wenn auch keinen tieferen, so doch (in Ermangelung eines Besseren) einen für eine gewisse Zeit tragfähigen Sinn zu geben.

Aber letztlich ist das nicht das Thema, weil hier schon andiskutiert wurde, was im (manchmal zweifelhaften) Idealfall am langen Ende des Leidensweges steht, den Getrennte, Verlassene, Betrogene und irgendwie verlorenen Seelen des Mittelalters zu gehen haben.

Flachbrüstiges Schlagergeträller im Stil von “Du hast mich 1000x belogen…” wird zur Hymne einer ganzen Generation von Liebesenttäuschten, die im womöglich vorher geschehenen Seitensprung des Partners eine moralisch eindimensionale Begründung für ihr Unglück sehen, aber nicht gleichzeitig in der Lage sind zu realisieren, dass das Fremdgehen in vielen Fällen nur eine Folge der schleichenden Entfremdung beider ist, an der auch der scheinbar integrere Partner einen Teil Verantwortung zu tragen hat.

Betrachten wir nun die Rolle der Geschlechter am Anfang des Weges in ein neues Glück etwas genauer:

Auferstanden als etwas flügelsteifer Phönix aus den Ruinen und der Asche des alten Glücks unternimmt man die ersten zaghaften Flugversuche und holt sich zumeist ein paar dicke Beulen, weil man den perfekten Start, einen im Idealfall majestätisch anmutenden Flug und eine gelungene Landung erst wieder neu erlernen muss.
In gewisser Weise ist man ja mit den Jahren zu einem domestizierten Wildvogel mutiert, der sich erst wieder in freier Wildbahn zurechtfinden muss.
Diese Auswilderung birgt neben neuen spannenden Abenteuern natürlich auch Gefahren in sich - besonders für Frauen…

So ganz werden wir in der Diskussion nicht ohne Platitüden auskommen können.
Man möge dem Autor das großherzig nachsehen und bedenken, dass eine Platitüde ja nicht notwendig falsch, sondern häufig im Gegenteil eher richtig ist, auch wenn sie zu Recht daran leidet, dass sie Einzelfälle ausblendet, und die verbliebene Verkürzung der Wirklichkeit eher wie ein plakatives Schlagwort und weniger wie ein echtes Argument daherkommt.

Am Ende einer Beziehung gibt es meistens keinen Gewinner.
Auch wenn sich nicht beide zugleich und gegenseitig das Scheitern ihrer Beziehung eingestehen können, und nur einer der Partner als Triebfeder der Auflösung zu sehen ist, so verlieren doch beide gleichermaßen: der gemeinsame Traum ist gescheitert, die Seifenblase vom gemeinsamen Glück jäh und schmerzhaft zerplatzt.

Abgesehen von Einzelfällen und unabhängig von Schuldfragen leiden Frauen häufig “tiefer” und Männer “breiter”.

Frauen leiden in ihrer Seele - ein fast tödlicher Stachel hat sich tief in ihr Herz gebohrt und verursacht manchmal schier unmenschiche Schmerzen. Hinzu kommt (gerade wenn Kinder im Spiel sind) die oftmals nicht unbegründete Angst auf das soziale Abstellgleis zu geraten.

Auch Männer leiden (entgegen anders lautender Vorurteile) diesen Schmerz.
Dieser wird jedoch überlagert durch den häufig vom Vater ererbten und durch die Sozialisation in einer Männergesellschaft vertieften männlichen Stolz und ein irgendwie schiefes Männlichkeitsideal.
Insofern dringt der Herzstachel beim Mann nicht so tief - sein Problem ist eher die breit gestreute Schrotladung, die sein Ego perforiert hat.

Frauen durchleiden ihren Schmerz und verfügen als emotional geübtere Wesen über ein gut sortiertes Instrumentarium zur Schmerzbewältigung.
Eines ihrer besten Mittel im Kampf gegen des Leiden sind die Fähigkeit und der Mut den Dingen ins Gesicht zu sehen, sich mit den Tatsachen und dem aus ihnen geborenen Schmerz auseinanderzusetzen, während der Mann eher ausweichend-ängstlich auf eine Vogel-Strauß-Politik setzt.
Da wo die Frau schon “durchzustehen” begonnen hat, ist der Mann häufig noch Gefangener seines Kopfes und seiner durch das tradierte Männerbild verursachten Verstockheit. Es ist ihm oft nicht möglich, rational zu verstehen, was zum Scheitern des gemeinsamen Glücks geführt hat.
Das ist so lange auch kein Wunder, wie er die Ursachen geschlechtstypisch mit seinem Verstand zu ergründen versucht.

Männer sind Konstrukteure. Sie sind die Architekten einer Beziehung und fühlen sich verantwortlich und zuständig für den funktionierenden Rahmen des gemeinsamen Glücks, während die Frau in gewisser Weise den innenarchtiketonischen Part übernimmt und für den emotionalen Teil der Gemeinsamkeit verantwortlich zeichnet.
In gewisser Weise ist es wie in der Kindheit - für den Mann ist eine Beziehung eine Art Bausatz von Fischer Technik, während die Partnerin alles für eine bunte Puppenstube voller glücklicher Familenpüppchen zu tun bereit ist.

Männer beweisen ihre Liebe durch den Bau von Häusern, den Kauf und die Pflege der heimischen Familienkutsche und das Herankarren und Schleppen von Wasserkästen.
Frauen ersehnen sich Liebe in Form von Zärtlichkeit, guten Gesprächen und einer lang anhaltenden und tiefen Zuwendung der Partner.
Nur allzu oft hört man getrennte Männer klagen, dass sie doch a-l-l-e-s für das gemeinsame Glück getan hätten, während die Frau betrauert, dass ihr Mann sie in all den Jahren emotional nicht erreicht hat. Wie sollte er auch - er war ja dauernd im Baumarkt…

Teil II: Gehversuche

Der Volksmund besagt: “Männer sind Jungs in langen Hosen.” - und so gebärden sie sich auch nach dem Scheitern einer Beziehung.
Sie schimpfen auf ihr zusammengestürztes, windschiefes Kartenhaus, an dem sie doch so lange und vermeintlich erfolgreich gebaut haben, und wollen nicht begreifen, dass es ohne eine tiefe emotionale Bindung an die Partnerin auf Treibsand gebaut war.

Insofern leiden Männer länger als Frauen. Auch wenn sie schon längst “entliebt” sind, hängen sie noch ihrem alten Traum nach, betrauern dessen Scheitern und können sich so lange Zeit nicht wirklich von der Expartnerin lösen, die dauerhaft wie eine drohende Wolke über ihren neuen Beziehungsversuchen schwebt und lange kalte Schatten wirft…

Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die ersten Anläufe eine neue Liebe zu finden oftmals kläglich scheitern.
Frau und Mann beginnen ihre Suche von unterschiedlichen Ausgangspunkten, mit unterschiedlichen Hoffnungen, Vorstellungen und Wünschen.
Während die Frau nach durchlittenem Schmerz einen Schlusstrich zu ziehen in der Lage und damit offen für einen Neuanfang ist, kämpft der Mann immer noch gegen sein übermächtiges verletztes Ego an und bleibt teilweise dauerhaft unfähig, sich ganz auf eine neue Partnerin einzulassen und sich neu zu binden.
Auf der Seite der Frauen führt das zu vielen Enttäuschungen, weil sich der vermeintliche Prinz als glibbriger, grasgrüner Frosch entpuppt, der sich auch mittels einer Vielzahl von Küssen nicht zur gewünschten Metamorphose in einen Edelmann bewegen lässt.

Es gibt Meinungen, dass Männer eben so sind -
Jäger, immer auf der Pirsch nach neuer Beute, nach einem neuen Reh, dass sie schlagen können - und dass sie dazu durch ihre Natur gezwungen sind, weil animalisch-archaische Urinstinkte sie dazu treiben ihren Samen auf möglichst viele Weibchen zu verteilen, um ihre Nachkommenschaft zu sichern. Nun ist das Letztere selbstverständlich nicht das Ziel, aber als Motor ihrer Bemühungen zu interpretieren.

In gewisser Weise stimmt das auch, ist aber für eine vollständige Beurteilung des Mannes nicht zureichend.
Die Frau, auf der Suche nach eine neuen Bindung und damit einem neuen Nest, möchte sich Zeit lassen und sorgsam auswählen.
Der Mann geht eher nach dem Gießkannenprinzip vor und versucht mehr über Quote als über Intensität zum Ziel zu kommen. Er ist entgegen landläufiger Meinung eher der, welcher über das Küssen vieler Froschfrauen seine “Prinzessin” zu finden versucht.

Auf keinem anderen Feld in dieser Phase der Neurorientierung prallen die Widersprüche der Geschlechter mehr aufeinander, als auf dem Gebiet der Erotik und der Sexualität. Sexualität ist ein Kreuzweg, auf dem Mann und Frau sich auf ihrer Wanderschaft immer wieder begegnen und - sich gegenseitig missverstehen und enttäuschen.
Um es prinzipiell zu fassen und plakativ zu sagen: Während der Mann Sex möchte und dabei schaut, ob es mit dem Verlieben klappt, möchte die Frau sich verlieben und hofft dann, dass auch eine erfüllte Sexualität möglich ist. Oder anders: der Mann möchte Spaß und nimmt in Kauf, dass sich mehr daraus entwickeln kann, während die Frau auf der Suche nach dem “Mehr” ist und widrigenfalls auch gegen ein wenig Spaß gelegentlich nichts einzuwenden hat.

Zum Unglück der Frau ist der Mann dabei aber in der stärkeren Position. Zum einen gelingt es ihm eher, die Spreu der Erotik vom Weizen der Liebe zu trennen. Der Mann ist wegen seines kopfgesteuerten Seelenlebens eher in der Lage, so eine Art “Konzept der erotischen Freundschaft zu leben”.
Dieses Konzept beinhaltet eine ganze Reihe von Beziehungsmerkmalen, wie gelegentliches Ausgehen, romantische Abende und natürlich auch mehr oder minder leidenschaftlichen Sex, ohne ihn jedoch in den (ihm wegen seiner unaufgearbeiteten Trennung drohlich erscheinenden) Strudel der Liebe zu ziehen. Das Ganze wird zudem beziehungsähnlich mit einer gewissen Exklusivität verbunden, wobei die kleine Vokabel “gewissen” einen für die Frau nicht zu vernachlässigenden Pferdefuß in sich birgt: “gewiss” kommt hier nicht von Gewissheit, sondern drückt vorsichtig gesagt “eine entspannte Haltung zum Treugelöbnis innnerhalb dieser Art von Übergangsbeziehung” aus.
Männer werden wissen was ich meine - und Frauen es am eigenen Leib, bzw. am Leib der anderen erfahren…

Teil III: Dramatik

Nun sind beileibe nicht alle Männer gewissenlos und so kommt es im Ent- und Bestehen solcher Mikrobeziehungen zu lustigen Missverständnissen. Und das geht so:

Man lernt sich kennen - in freier Wildbahn, oder immer häufiger in einer der mittlerweise zahllosen Partnerbörsen im Internet (die übrigens eine Menge Stoff für einen weiteren Artikel bieten), trifft sich ein, zwei, oder ganz züchtig auch ein drittes Mal und steht dann vor der schwerwiegenden Entscheidung, ob man es zu sexuell eingefärbten Schleimhautkontakten kommen lassen möchte.
Eine kluge Frau, auf der Suche nach etwas dauerhafterem als einer erotischen Sternschnuppe täte gut daran sich noch etwas zu zieren, so wie ein Pokerspieler, der auch nicht gleich sein Blatt offenbart, um den Gegner möglichst weit aus der Reserve zu locken.

Aber hier kämpft sie den aussichtslosen Kampf gegen den Vorteil des Mannes, dem es zunächst einmal um Erotik und weniger um Beziehung geht.
Wie eine rastlose Honigbiene summt er weiter zur nächsten Blume, wenn ihm die die Blüte der einen nicht den versprochenen Nektar liefert.
Mitunter bleibt die Frau frustriert und traurig zurück, weil der Mann in der vorherigen Akquisitonsphase eine ganzes Arsenal von Signalen auf sie abgefeuert hat, das Beziehungswillig- und -fähigkeit zu signalisieren schien.
Der Mann mutiert da mitunter unbewusst zu einer Art glubschäugigen und grabschhändigen Chamäleon, das in der Lage ist genau das Gewand anzulegen, das sein weibliches Gegenüber in der jeweiligen Situation maximal zu becircen in der Lage ist.

Und so gibt sie sich ihm letzendlich hin, in der Hoffnung, dass mit ihm das Mehr möglich ist, dass sie sich so sehr wünscht.
Dabei übersieht sie jedoch die Signale von seiner Seite, die - leider mehrdeutig - auch auf seinen Mangel an Beziehungsbereitschaft hinweisen.
Dieses Senden mehrdeutiger Zeichen ist die eigentliche Kunst des Verführers in mittleren Jahren.
Denn, obwohl er sich in seiner vorherigen Beziehung meist geweigert hat seiner Partnerin emotional das zu geben, nachdem es sie so sehr verlangte, hat er doch rational gelernt, welches ihre Bedürfnisse sind, und setzt dieses Wissen beim Werben um das nachfolgende Weibchen konsequent, wenn auch nicht immer aus bösem Kalkül ein.

Und während sie sich noch einredet, dass er mehr möchte als nur Sexualität und gemeinsame Freizeitaktivitäten, weil sie seine Signale hoffnunggeschwängert so interpretiert, wie sie in ihre Träume passen, so belügt er sich selbst (und sie wohl auch) ebenso.
Die Frau, im Willen ihn nicht zu bedrängen und ihm Zeit zu lassen auf dem Weg zu ihr, gibt nämlich ebenso Uneindeutiges von sich.

Rein verbal möchte auch sie “es erstmal locker angehen” und mal “ganz unbefangen aufeinander zu- und miteinander umgehen”, während sie zwischenzeilig zwar zart, aber dennoch relativ unverblümt den Wunsch nach seelischer und lebenspraktischer Verschmelzung durchscheinen lässt.
Ihr männlicher Gegenpart aber blendet diese, in ihren Worten mitschwingende Melodie vollkommen aus, obwohl er meist durchaus in der Lage ist, sie zu hören.
Und so lieben sie aneinander vorbei: sie ignoriert seine Signale der Distanz und er die ihren, die mehr Nähe bedeuten, und beide reden sich damit etwas ein, das ihr Gewissen beruhigt.

Vielfach enden solche Mikrobeziehungen nach einem ähnlichen Schema: irgendwann kann die Frau den Spagat auf dem schmalen Grat zwischen Tändelei und Liebe nicht mehr halten. Sie möchte z.B. “etwas mit den Kindern gemeinsam unternehmen”, oder an einem Wochenende mit ihm verreisen, das eigentlich männlichen Kumpaneiritualen vorbehalten ist.
Was immer auch der Auslöser ist: für ihn ist es das Zeichen der Zeit, endlich auch offiziell Bewusstsein darüber zu erlangen, dass er “nach seiner Trennung noch nicht soweit ist”, dass “der Stachel seiner Verletztheit noch zu tief sitzt, um ihm das Vertrauen zu ermöglichen, dass sie unbedingt verdient”. Er “möchte sie nicht verletzen”, “es täte ihm Leid” und “überhaupt war das gar nicht so abgemacht mit den Gefühlen, die da so plötzlich und unerwartet im Spiel sind”…

…womit er ihr elegant den schwarzen Peter zuschiebt für die verfahrene Situation…

Danach summt die Biene weiter zur nächsten Blüte, während die Blume zuvor ihm noch leise hinterherruft: “Wie konnest Du all diese Dinge so tun und so sagen, obwohl Du doch sowenig für mich empfunden hast…?”

Und so endet die Geschichte, die auf seinem Sofa mit einem von ihr gehauchten “Ich mach sowas sonst nie.” begann und mit seinem “Es tut mir Leid, aber ich bin noch nicht soweit.” zum Abschluss kommt.
Auf der Strecke bleibt die Chance, die beide vielleicht gehabt hätten, wenn ihre Kotflügel der Liebe beim Unfall der ersten großen Beziehung nicht zum Totalschaden zerdellt worden wären…

dialogGestern war ein wichtiger Tag.

Der Wechsel meines Sohnes auf die weiterführende Schule steht bevor:

„INFORMATONSVERANSTALTUNG ZUM THEMA WEITERFÜHRENDE SCHULE“

stand sperrig auf dem nachmittags noch hastig ausgedrucken Hinweisschild an der Tür zu Mini-Aula seiner Grundschule, die bis auf den letzen Platz prallgefüllt war.

Ich hatte mich mit meiner Exfrau und der Mutter meines Sohnes pünktlich eingefunden, um den Ausführungen des Abends zu lauschen.

Mit uns waren sie alle da: die feinen Leute, wie auch die Vorstände der Familien aus einfacheren Verhältnissen und die zwischen beiden Extremen oszillierenden Nuancen sozialer Gruppenzugehörigkeit.

Zehn Jahre alt ist man ja schließlich unabhängig vom sozialen Status und der Schulbildung seiner Eltern, und so trifft man bei solchen Veranstaltungen einen gesunden Querschnitt aus der Gesellschaft, was ganz normal und auch so okay ist.

Wenn da nicht…

…ja wenn da nicht die sechs Hauptstörenfriede wären, die aus einer solchen Veranstaltung ein Panoptikum zu machen in der Lage sind, wenn die Moderation nicht unheimlich auf der Hut ist:

  • DER KLUGSCHEISSER,
  • DER POSSENREISSER und
  • DER FEINE PINKEL

Ganz besonders kritisch kann die Situation werden, wenn sich zwei, oder gar alle drei Charaktere in Personalunion bei einem der Väter (meistens sind es ja die Herren, die meinen eine Balz aufführen zu müssen…) zusammenfinden.

Aber auch bei Frauen gibt es das Phänomen.
Auch hier kann ich kann grobschlächtig drei Hauptkategorien ausmachen:

  • DIE BESORGTE HAUSFRAU UND MUTTER
  • DIE SICH SELBST BEWEIHRÄUCHERNDE KARRIEREFRAU und die
  • IN WOLLSOCKEN UND NORWEGER GEWANDETE ÖKOTUSSI, MIT SOZIALEM BUWUSSTSEIN

Kaum zu sagen, welcher der sechs Typen am schlimmsten zu ertragen ist.
Sicher ist, dass einen gelegentlich das Gefühl überfällt, in einer Comdeyshow zu sitzen, bei der das Publikum der Hauptact des Abends, und die Moderatoren die staunenden und interaktiv mit einbezogenen Zuschauer sind.

So ein Abend war gestern und ich muss sagen: meine Erwartungen und Befürchtungen wurden nicht enttäuscht.
Sie waren alle da, so als hätte man ihnen Freibier versprochen dafür, dass sie das Festzelt auf dem heimischen Schützenplatz unterhalten.

Es kam zu tumultartigen Zuständen, weil der Klugscheißer, der Possenreißer und der feine Pinkel sich permanent ins Wort fielen und sich entweder in der Formulierung der absonderlichsten Thesen gegenseitig überboten, oder mit kleinen polemischen Spitzen versuchten, die Aussage des anderen ins Lächerliche zu ziehen.

Erwähnte ich schon, was noch schlimmmer ist als zwei oder drei der Männertypen in Personalunion? Nein?

Wenn alle drei Typen in Reinkkultur auftreten und am Tag zuvor eine private Niederlage, oder einen geschäftlichen Rückschlag zu verkraften hatten.
Dann wollen sie sich nämlich am Abend das Selbstvertrauen wieder aufbauen, das am Tage gelitten hat, und gebärden sich wie wildgewordene Auerhähne auf der Balz nach dem Weibchen mit den dicksten Schenkeln…

Gelegentlich, und nur wenn die Männer mal eine Atempause machen müssen, (so ähnlich wie dicke Wale, die auch von Zeit zu Zeit aus ihrem Primärelement auftauchen müssen, um ihre Lungen wieder mit Luft zu füllen), melden sich die Frauen zu Wort.

Der Typ „besorgte Hausfrau und Mutter“ stellt gelegentlich Fragen, deren Zusammenhang mit dem Thema des abends nur zu erahnen ist, während die „sich selbst beweihräuchernde Karrierefrau“ mit jeder Äußerung raushängen lässt, dass die Schule sich doch bitte ihrem modernen und progressiven Lebenstil als Powerfrau anzupassen hat, und dass nicht sie Rücksicht nehmen muss auf die Vielfalt der schulischen Aufgaben vor dem Hintergrund gravierender sozialer Unterschiede in der Schülerschaft.

Der dritte Typ „in Wollsocken und Norweger usw…“ sagt erstmal nichts.
Kaum dass sie den Mund öffnet, beschleicht einen das Gefühl, sie würde sich danach erkundigen wollen, ob es in der Schule auch eine Ecke gibt, wo die Schüler legal Cannabis konsumieren dürfen.
Tatsächlich konfrontiert sie einen dann aber doch nur mit den neuesten sozialwisschenschaftlichen und psychologischen Studien zur pubertären Entwicklung sozialschwacher Kinder.

TOTAAAAAAL SPANNEND –

Zum Glück dürfen die Frauen nicht lange reden, weil ihnen die Streithammel von eben das Wort abschneiden, um ihren Kampf um den Preis für den “Am schönsten geschwollenen Hahnenkamm des Abends“ wieder aufzunehmen.
Und überhaupt gehören Frauen an den Herd und nicht in eine Diskussion – das ist widernatürlich. (Das sagen sie zwar nicht, aber es trieft wie altes Frittenfett zwischen ihren Worten heraus…)

Ganz zum Schluss, als die Wogen schon geglättet und die Flut profilneurotisch zu erklärender Worthülsen abgeebbt zu sein scheinen, meldet sich der Totengräber jeder Diskussion zu Wort:

  • DIE LANGATMIGE, WEIT AUSHOLENDE UND JEDEN ASPEKT DES THEMAS AUFS GENAUESTE BELEUCHTENDE LABERTASCHE

Ihre Sätze beginnen meist mit einer Konstruktion der Art:
„AAAAAAAAAALSOOOOOOOO…“

Leider legte mir meine Exfrau beschwichtigend ihre Hand auf den Unterarm, fiel mir ins Wort und meinte: “Lass mal gut sein - wir kriegen doch gleich ein Informationsblatt auf dem alles steht…”

„Das ist aber eine große Aufgabe!” könnte man meinen, wenn man den Titel dieses Aufsatzes liest. Zum einen sicher sehr umfangreich, zum anderen nicht für jeden verständlich, wenn man wirklich in die Tiefe geht.

Nun zur Beruhigung: Das muss nicht so sein -

Wir benötigen für eine luftig-leichte Diskussion vier Zutaten:

  • Einen Teil „Die Wette Blaise Pascals”
  • Einen Teil „Ockhams Rasiermesser”
  • Eine Prise „Camus” und
  • einen Spritzer Existenzphilosophie

Die Wette des Blaise Pascal:
Blaise Pascal (1623-1662) war wie viele Denker seiner Epoche ein Universalarbeiter, der sich auf vielen Feldern der Forschung versuchte:

  • so erfand er u.a. eine Rechenmaschine,
  • stellte Untersuchungen zum Luftdruck an (weshalb heute die physikalische Einheit des Druckes nach ihm benannt ist),
  • hinterließ mit den „Pensees” ein Bündel von ca. 1000 Zetteln mit Fragmenten und Notizen philosophisch-religiösen Inhaltes
  • und beschäftigte sich zudem mit Wahrscheinlichkeitsrechnung

Seine berühmte Wette geht so:

  • Man muss sich entscheiden, ob man glaubt, dass Gott existiert, oder eben nicht.
  • Wenn man glaubt und er existiert, so gewinnt man das Himmelreich.
  • Existiert Gott nicht, und man glaubt dennoch, so verliert und gewinnt man nichts.
  • Existiert Gott nicht, und man glaubt nicht, so bleibt es ebenso gleichgültig
  • Wenn Gott jedoch existiert und man sich ihm verweigert, so muss man zur Hölle fahren.

Daraus folgt, dass es vernünftig ist an Gott zu glauben, weil die beiden mittleren Möglichkeiten nichts verändern, und Wert und Unwert der ersten und letzten ja intuitiv einleuchten.

 

Nun gibt es eine ganze Menge scharfsinniger Einwände gegen diese Wette, die z.B. darauf beruhen, dass Gott ein bisschen anders „strukturiert” ist, als wir glauben.
Wenn wir z.B. unterstellen, dass es Gott egal ist, ob wir glauben und ihn anbeten, aber dass er auf ein moralisch anständiges Leben achtet, so könnte der ungläubige Gutmensch doch ins Himmelreich auffahren, obwohl ihm der eigentliche Glaube und damit die Verehrung Gottes fehlen.

Ich denke, dass Pascal bei seiner Wette aber weniger eine hundertprozentig logische Absicherung des Argumentes gegen alle Eventualitäten im Sinne hatte, sondern dass er einfach, wie im 17. Jahrhundert noch ganz normal, das damals vorherrschende Bild Gottes vorausgesetzt hat.

Das würde auch eines der cleversten Gegenargumente ein wenig entkräften, welches besagt, dass allein die Ausübung des Glaubens, wie z.B. im Gebet, oder beim Kirchenbesuch im Falle eines nicht existierenden Gottes ein Zeitverlust seien, der einen von wirklich wichtigen Dingen abhielte, was einem Qualitätsverlust des Lebens gleichkäme.

Im Gegenteil kann man aber auch argumentieren, dass man im vorliegenden Fall ein sinnerfülltes und gutes Leben führt, während der berechtigt Ungläubige Gefahr läuft, in einer großen Sinnkrise zu existieren und unglücklich zu sein.

Halten wir also fest, dass es nach Blaise Pascal sinnvoll ist an Gott zu glauben.

Jetzt packen wir die Sache mal anders an:

Der Mensch im Christentum glaubt an Gott u.a. deshalb, weil er Antworten auf sonst offene, nicht zu lösende und wohl manchen auch ängstigende Fragen für uns bereithält.

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Midlife Crisis

schoenmachzeug

Ich liebe es, mein Eheweib,
und auch ihren vollen Leib,
Na ja, zumindest im Prinzip,
find ich sie schön und hab sie lieb.

Hat um die Augen ein paar Falten,
und ihr BH muss besser halten,
denn ihre Brüste sind jetzt schlaffer,
und auch die Haut war schonmal straffer.

Ihr Haar ist heute etwas grau,
und rundlicher ihr Körperbau,
und wo’s der Haut an Glätte fehlt,
wird halt gecremt und auch gegelt.

Der Po, na ja, ist nicht mehr rund,
und die paar Runzeln um den Mund,
sowie am Lid die Krähenfüße
betonen eher ihre Süße.

Mit sündhaft teuren Wundermitteln,
die meist sehr schwierig sich betiteln,
bekämpft sie die Orangenhaut,
die sich an ihren Schenkeln staut.

Ich als Mann hab’s da viel besser
muss nicht zum Schönsein unters Messer,
weil Du als Mann, was sicher ist,
ohne Bauch ein Krüppel bist.

Die grauen Schläfen wie bekannt,
sind männlich und zudem markant,
und fehlt es mal an rechter Steife,
gleicht man das aus mit Charme und Reife.

Das Schnarchen nachts im Ehebett,
klingt nicht so schön und so adrett,
doch ist’s wie meine Stinkefüße
wohl kein Problem für meine Süße,

die wenn sie’s Bad poliert und wischt,
mein Haupthaar aus der Wanne fischt,
das langsam, was mich traurig stimmt,
Reißaus von meiner Kopfhaut nimmt.

Doch hab als Mann, wie ich wohl weiß,
gegen manch Raubbau und Verschleiß,
ein Mittel, das die Schmerzen lindert,
und den Frust des Alterns lindert.

So parallel für nebenbei,
zu meinem Eheeinerlei,
such ich mir ‘nen jungen Hüpfer,
mit drallem Po und knappem Schlüpfer.

Die wirkt dann wie Erotikdünger
und macht mich um Jahre jünger.
Sie kümmert sich um die Bewegung,
und’s Weib zuhaus um die Verpflegung.

Doch was ist das, ein scharfer Stich,
durchrast die Brust, ich fürchte mich.
Mein Herz, es krampft und zuckt gefährlich,
pulst nicht nach Plan heiß und begehrlich,

sondern scheint wie wild zu hetzen
und manchmal einfach auszusetzen.
Ich wünschte meine Frau wär da,
um mich zu retten - aaaaahhhh…

Bald ist es soweit.
Weihnachten steht vor der Tür und mit ihm Vorboten in Form leuchtender Kinderaugen, welche morgens die bunte Prospektvielfalt bestaunen, die kleine Kinderhände morgens aus der Tageszeitung geklaubt haben, noch bevor Papa auf dem WC einen Blick in dien Sportteil werfen konnte.

Wir haben unseren Jungen gebeten, seinen Wunschzettel frühzeitig bereitzuhalten, damit das Christkind sich nicht wieder mit überfüllten Parkplätzen und wild drängelnden “Lastminit-Käufern” auf der Rolltreppe rumschlagen muss - vor allem Männer auf der Jagd nach dem ultimativen Geschenk, mit dem man alle Fehler des Jahres auf einen Schlag wieder gutmachen kann.

Dieses Jahr darf er sich was Besonderes wünschen haben wir ihm eröffnet. Das Christkind sei stolz auf ihn, weil er so ein guter Schüler ist.
Na ja, außer Englisch - da hat er ein paar Probleme, obwohl ich das gar nicht verstehen kann. Wenn man seinen Freunden und ihm so zuhört scheint alles in Ordnung zu sein mit seinen Fremdsprachenkenntnissen:

Da hört man von “Friesteil-Skätbording” , von “Äkschn-Gäms” für den “Kompjuter”, von “Pfeil-Schäring-Kleienz” mit denen man die neuesten “Bietz Daunloden” kann und letztlich hörte ich, wie er seinen besten Kumpel aufzog und ihn einen “Onlein-Tschankie” nannte.

An den Vokabeln kann es also nicht liegen. Es muss was mit der Grammatik zu tun haben. Nun gut; demnächst ist ja Elternsprechtag, und damit Gelegenheit seine Klassenlehrerin mal danach zu fragen.

Mein Englisch ist ja nicht so toll. Ich kann mich noch grob erinnern, dass “Pieß” Frieden heißt und dass eine “Pörsching” eine Rakete war.
Hat ja auch viel Spaß gemacht damals mit der Trillerpfeife bei Franz Josef Strauss - ein richtiges “Häppening” .
Ich wusste zwar nicht richtig worum es überhaupt ging, aber ich fand das lustig riechende Zeug so toll, von dem man so komische Gefühle bekam, wenn man es eingeatmet hat. “Doop” hieß es, glaube ich…

Aber ich schweife ab…

Gestern Abend war es soweit und unser Junge brachte uns seinen Wunschzettel:
“Hier is mei Wischlist.” grinste er, obwohl ich sicher war, dass er nicht notiert hatte, in welcher Zimmerreihenfolge er meiner Frau bei der wöchentlichen Bodenpflege zur Hand gehen wollte. Er ließ sie auf den Wohnzimmertisch gleiten, drückte ihr den Kuss auf die Wange, den er mir wie immer verweigerte, weil er Küsse zwischen Männern für “unkuhl” hält.

xboxWas stand denn da? Mal sehen…
Ich muss schon sagen - ich hatte Grund stolz zu sein auf meinen Jungen:
Obwohl er doch aus dem Vollen hätte schöpfen können, war er doch sehr bescheiden in seinen Ansprüchen.
Schön zu erfahren, dass meine väterliche Einflussnahme, vor allem im Hinblick auf die immer mehr um sich greifende Konsumsucht der Jugend, hin und wieder doch mal nicht wirkungslos verpufft, und zu einem Umdenken bei dem Jungen geführt hatte.

Als erstes wünschte er sich eine X-Box:
Wie schön, dass er sich etwas selbst Gebasteltes von seinem Vater wünscht. Ich lächelte glücklich und konnte mir meine Vorfreude im Hobbykeller schon vorstellen, wenn ich für ihn am “Disein” der ultimativen X-Box feilte.

notebookDann las ich meiner Frau vor:
“N-O-T-E-B-O-O-K” -
Da wusste ich gar nicht, was er meinte, aber meine Liebste konnte sich erinnern, dass “book” das englische Wort für “Buch” sei.
Ich liebe meine Frau sehr - wir haben uns damals beim “Gruppensechs gegen das Istäblischment” kennen und lieben gelernt.
Ja, ja: “Mäk Laaf not Wor!” war unsere Devise…

Wir haben dann besprochen, ihn aber zuerst mal zu fragen, welches Instrument er denn nun lernen wolle, was im übrigen ganz neue Töne von ihm sind -
bisher beschränkte sich seine Art Musik zu machen auf das Quälen seiner “Saundmeschin” und seines “Sappwufers” , oder wie das Ding heißen mag.
Es wäre ja unglücklich, Noten fürs Klavier zu kaufen, wenn er lieber Gitarre lernen wollte…

Der dritte Wunsch verwirrte mich ein wenig:
Bisher schien er ja nicht soviel auf sein Äußeres Wert zu legen, aber jetzt wünscht er sich einen - uups, da war dem Jungen aber ein übler Rechtschreibfehler passiert:
wenn er schon zukünftig ein bisschen mehr auf seine Frisur achten wollte, so sollte er das entsprechende Gerät schon richtig schreiben: mit “k” und zwei “m”.
“Digi” ist wahrscheinlich der Name einer Frisur, die nach einer der “Bänds” benannt ist, deren Krach immer aus seinem “Sappwufer” dröhnt.
Ich muss morgen unbedingt mal Willi, meinen Frisör, oder “Här-Steilist”, wie er sich lieber nennt, anrufen und nach dem neuen “Tränt” fragen.

Kurz bevor er dann zu Bett gehen musste, kam der Junge nochmals ins Wohnzimmer gestürmt und teilte uns mit, dass er noch einen großen Wunsch hätte:
Jetzt war ich baff - nie hatte er Lust sich am Haushalt zu beteiligen, und sogar zum Müll raustragen musste man ihn wortreich überreden.
Doch jetzt wollte er schon morgens bei der Zubereitung des Frühstücks helfen.

eipottWie schön, dass unsere Erziehung endlich fruchtet, und wie lieb und bescheiden der Junge geworden ist. Ich fragte mich nur, warum er unbedingt einen Topf für die Frühstückseier haben wollte, wo wir doch über so einen praktischen Eierkocher verfügen.
Nun gut, wenn er unbedingt will, soll er seinen “Ei-Pott” bekommen - er ist ja so ein guter Junge.

Aber weil ich so stolz auf ihn bin, kaufe ich ihm einen “Empi-drei-Pläer”, damit er seine “daungelodeten Bietz” auch “onserot” hören kann - den hat er sich redlich verdient.

Der Junge wird vielleicht Augen machen

kindwaffeEin Aufschrei geht durch’s Land und verurteilt das Verhalten deutscher Soldaten - aber so einfach ist das nicht…

Moralisieren ist aber der falsche Ansatz.
Da werden junge Männer - teilweise unfertige Menschen - in Situationen versetzt, denen sie nicht gewachsen sein können.

Dazu kommt ein Gruppendruck, dem man sich nicht ohne Repression entziehen kann.

Schuld an solchen Vorfällen sind erstmal immer die, die durch Krieg solche Einsätze erforderlich machen und auch diejenigen, die solche Einsätze (moralisch vertretbar oder nicht) befehlen.

Herr Jung wird von seinem Sessel in Berlin aus sicher nicht den seelischen Druck haben, dem unsere Soldaten in Afghanistan ausgesetzt sind, und wir Sofazapper zuhause schon gar nicht.

Kriegssituationen wirken immer und notwendig “dehumanisierend”, und es ist fast zuviel verlangt, dass ein junger Mann, der jeden Tag mit dem Tod konfrontiert ist, sich in jeder Situation als Musterbild moralischer Werte präsentiert.

Da bauen sich Drücke auf, die wir nicht erahnen können, wenn wir uns hier über drei Prozent mehr Mwst und die Gesundheitsreform aufregen.

Da wird diskutiert, ob man den Soldaten Prostituierte schicken sollte, aber für eine anständige psychlogische Betreuung ist nicht gesorgt.

Und da sage mir keiner, dass ein Seelsorger den Jungs helfen kann. Diejenigen, die für dessen Worte ein offenes Ohr haben, sind nicht unbedingt als Zeitsoldaten im Schatten des Hindukusch zu finden.

Ich habe vor 25 Jahren den Kriegsdienst verweigert weil ich der Meinung war, dass man in der Armee, wenn sie funktionieren soll, letztlich das Recht moralischer Entscheidungen in die Hände von Vorgesetzten legen muss, und dass man damit rechnen kann, Dinge tun zu müssen, die sich vor dem eigenen Gewissen nicht verantworten lassen.

Um zu beurteilen, zu was selbst (gemessen an Afghanistan) geringer Stress führen kann, muss man noch nicht mal Unfallhelfer heranziehen, die nach Flugzeugabstürzen psychologische Hilfe benötigen.
Da genügt schon der Reiseleiter, der von 30 wütenden Kunden bearbeitet wird, weil das Hotel überbucht ist…

Man überlege einmal, wie kühl Mediziner auf Krebsstationen sein müssen, damit sie erstens überhaupt noch in der Lage sind ihre Arbeit zu tun, und damit sie zweitens diesen Stress seelisch halbwegs schadlos überstehen können.

Es hat sich was Luft gemacht bei den Soldaten, sich einen Weg gebahnt aus den Seelen der Kerle nach draußen.

Natürlich ist das falsch und natürlich muss das Konsequenzen haben. Aber es ist grundverkehrt, dass jetzt die Seniorenriege von Politik und Militär diese Soldaten aburteilt. Die können jeden Abend nach Hause zu ihren Familien und ein Fliegenschiss auf der Windschutzscheibe ist eine der größeren Katastrophen, die ihnen widerfahren können.

Allerdings fürchte ich, die Staatsräson wird Opfer fordern, allein schon um die arabische Welt zu beruhigen, und dieses Opfer wird nicht unser Verteidigungsminister sein, dem die bösen Jungs am Hindukusch den Spaß am und den Stolz auf’s neue Weißbuch der Bundeswehr verdorben haben…

Und - eine letze Bemerkung:
Ich glaube nicht, dass 19jährige Burschen, die sich zum Dienst bei der Bundeswehr verpflichten, in einer Männergesellschaft, die auf Befehl und Gehorsam basiert, wirklich erwachsen werden und moralisch reifen können, ohne dass ihnen eine Hilfe jenseits der Gehorsamsstruktur der Armee zuteil wird.

Es ist wichtiger nach Lösungen zu suchen, als die Volksseele durch Bauernopfer und durch zur Schau getragene kollektive Abscheu zu beruhigen…

Wenn wir die Menschen um uns herum betrachten, wie sie in schwierigen Zeiten versuchen ihr Leben zu organisieren, und sich einen Pfad durch das Dickicht wirtschaftlicher und existentieller Ängste und Gefahren zu bahnen, so stellen wir gelegentlich fest, dass sie sich außerhalb der hektischen Besorgung alltäglicher Geschäfte zu einer Reise aufgemacht haben.

Irgendwann, frustiert vom Anreiten gegen die täglichen Windmühlen, haben sie innerlich ihr Bündlein geschnürt und sich auf den Weg gemacht in eine neue, verheißungsvolle Heimat - das Land des Konjunktivs.

Wenn man diese Reisenden antrifft und mit ihnen spricht, so vernimmt man einen Hang zu den für den Konjunktiv bezeichenden Vokabeln “könnte”, “sollte” und “würde”, bzw. wortreichen Ersetzungen derselben, die dann wiederum oft einen sich selbst entschuldigenden Beiklang haben -
eine Entschuldigung dafür, dass man meint, dem Konjunktiv aus ach so vielen persönlichen und fremdbestimmenden Gründen nicht entgehen zu können.

In einer globalisierten und von Ellbogen dominierten Welt wird es zunehmend schwieriger sich selbst kleine Träume zu erfüllen und existentiell drängende Vorsätze in die Tat umzusetzen.

piccaAndererseits besteht eine große Gefahr unserer bunten Glitzerwelt des Konsums und des lauthals vernehmbaren Werbegeschreies der Konzerne darin, dass uns alltäglich Träume in die Köpfe manipuliert werden, die für den größten Teil der Menschen unerreichbar sind, und die jene, die sich die Bewahrheitung eines solchen Trugbildes unter Anstrengungen ermöglichen können, seltsam leer lassen, und die keinesfalls die Erfüllung bieten, die uns vorher durch den multimedialen Overkill in Aussicht gestellt worden ist.

Beide Gruppen verbindet die unerfüllte Hatz auf das, was sie fälschlich für traumhaft und erstebenswert halten, eine Jagd auf Chimären, die sich Konzerne und falsche Propheten wiederum zunutze machen, um sich an den durch ihr Leben irrenden Menschen weiter bereichern zu können.

Und so flüchten sich die Unzufriedenen in eine Welt des “Vielleicht”, der hochtrabenden, und Linderung von Hektik und Stress versprechenden Ziele, von denen sie aber weiter entfernt sind als unser Erdball von Alpha Centauri.

Sie sagen:” Ich müsste dringend etwas ändern”, oder wiederholen gebetsmühlenartig ihr tägliches “Ich würde mir einen Traum erfüllen, wenn nicht die Umstände so gegen mich wären.”
Das “sollte” und “wäre”, das “könnte”, “müsste” und “würde” werden zur nichtssagenden Terminologie ihrer Existenz, die sich augenscheinlich nur noch im schalen Dämmertraum von einer besseren Welt ertragen lässt.

blochDer helle, in der Realität fußende und uns wach für die wahrhaft wertvollen Möglichkeiten des Seins machende Tagtraum aus Ernst Blochs “Das Prinzip Hoffnung”, und die gesellschaftlich gestalterische Kraft seines Begriffes der “konkreten Utopie” haben keine Chance gegen das flache Verlangen nach Zerstreuung und Erlösung aus dem Jammertal der wirtschaftlichen Angst und der existentiellen Frustration.

Manchmal spielt der Konjunktiv ein sich verstellendes Versteckspiel mit uns und kleidet sich in das Gewand strengerer Vokabeln -
ein “ich würde” mutiert verbal zu einem “ich werde” und ein “ich müsste” zum moralisch stärkeren, weil keinen Widerspruch zu dulden scheinenden Appell, obwohl tiefinnerlich das resignative Gefühl schon längst oder immer noch die Oberhand hat.

Den größten Schritt ab vom Weg zum wahren Glück machen diejenigen, bei denen der Konjunktiv einer der Vergangenheit und keiner der unbestimmten Zukunft ist.
Für sie wird das “Weißt Du noch als wir…” und “Wenn ich noch einmal jung wäre…” zum Credo ihres durch den gesellschaftlichen Massendruck als verdorben empfundenen Lebens, und sie berauben sich gänzlich einer Veränderung des zwar als übermächtig gefühlten, aber immerhin noch formbaren “Was da kommen mag”.

So streben wir nach Zielen, die keine sind und jagen nach dem Haben, weil wir den Wert des Seins und des Ruhens in uns selbst vergessen zu haben scheinen.

Das größte Verbrechen begehen wir an unseren Kindern, die ebenso schon vom Virus der “Generation Statussymbol” infiziert sind.
Da wo wir als Kinder aus bunten Legoquadern die wunderbarsten Kunstwerke schufen, benötigen unsere Kinder heute einen 200-Euro Bausatz, der sich ohne eine buchdicke Bauanleitug nicht in etwas Vorzeigbares verwandeln lässt.
Ihre Wünsche sind bereits vom Statusdenken und nicht mehr von den Grundbedürfnbissen des Kindseins gesteuert, und es ist unsere Aufgabe, ihnen das zurückzuschenken, was wir verloren haben und ihnen aus diesem Grund nicht geben konnten.

Doch manchmal hören auch wir leise den Ruf unserer verschütten Kindheitsträume - Träume, die uns Glück verhießen und Fröhlichkeit versprachen - Träume, die kein Geld benötigten, um realisiert zu werden, die in den kleinen Dingen lagen, der Freude am Spiel, der Freundschaft und Liebe und in der Kreativität und der Phantasie.

Es kommt darauf an, dass wir diesen Stimmen wieder Gehör verschaffen und ihr Versprechen zu leben versuchen, weg von den Dingen, hin zu seelischen Werten, die auf ein Glück jenseits einer durch den Konsum stimulierten fragwürdigen Zufriedenheit hoffen lassen.

Dazu gibt es keine Alternative, und es dürfen keine ausweichenden Ausreden ins Feld geführt werden.
Hier muss das unbedingte “Du bist, was Du tust!” des Existentialismus gelten, damit wir einen Weg aus den uns aufgezwungenen Irrgärten des Glücks finden, und damit wir endlich aufhören bis zum Ende als zweibeinige Absichtserklärungen vor uns hinzuleben…

“Der Mensch lebt noch überall in der Vorgeschichte, ja alles und jedes steht noch vor Erschaffung der Welt, als einer rechten. Die wirkliche Genesis ist nicht am Anfang, sondern am Ende, und sie beginnt erst anzufangen, wenn Gesellschaft und Dasein radikal werden, das heißt sich an der Wurzel fassen. Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfaßt und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.”

- Ernst Bloch: Das Prinzip Hoffnung -

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