Die Wahrheit liegt auf dem Platz
6. Mai 2011 von Thomas
Otto Rehagel ist ein Fußballweiser. Aber damit steht er nicht allein. Nahezu jeder, der sich am Wochenende ein Fußballspiel live oder am TV ansieht, hält sich für ebenso kompetent. Schlimmer noch: Alle wissen alles besser. Und alle fordern sofort und zuerst den Kopf des Trainers, wenn der eigene Verein nicht den Erfolg hat, den sich der Zuschauer wünscht.
Wenn ein paar Spiele verloren gehen, werden die Helden von vor ein paar Wochen in den Herzen der Fans plötzlich zu arbeitsscheuen Ackergäulen. Auf der Tribüne regt sich der Unmut in Form von verbalen Pöbeleien, wenig schmeichelhaften Spruchbändern und geworfenen Sitzkissen. Trainer und Spieler werden allzu schnell der Arbeitsverweigerung bezichtigt, obwohl sie nur Formschwankungen unterliegen, die im Arbeitsprozess immer mal wieder vorkommen können. Und auch die Zuschauer selbst sind im Beruf nicht frei davon, wenn sie ehrlich sind.
Dabei vergessen die Fans oft ein paar grundlegende Tatsachen. Verdiente Millionen machen nicht per se schneller, nicht stärker und nicht automatisch erfolgreicher. Insbesondere geben sie nicht mehr Anlass dazu, alles zu geben, als es die Löhne und Gehälter der Zuschauer tun. Denn ob ein paar Millionen oder ein paar Tausend Euro pro Jahr: Ich bin immer verpflichtet, für mein Geld alles zu geben. Und nur daran sollte das Stadionrund die Spieler messen.
Profi-Fußballer sind Spitzensportler und das gilt auch für die Spieler der gegnerischen Mannschaft. Leichte Siege sind nicht selbstverständlich, wenn der Gegner gut eingestellt ist und aufopferungsvoll kämpft. Ein Fußballspiel ist ein zähes Ringen mit oft ungewissem und gelegentlich überraschendem Ausgang. Sein Team ausschließlich am Erfolg zu messen, geht deshalb an der Realität vorbei. Was zählt, ist einzig und allein der unbedingte Wille zum Sieg, den die Spieler an Tag legen. Doch die Formel scheint zu einfach und zu verlockend, um sie zu hinterfragen: Kein Erfolg = zu faul zu Laufen. weiterlesen »

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