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Niete im Bett

Kaum etwas gibt ein Mann weniger gern zu, als dass er ein schlechter Autofahrer ist.

Auch ich halte mich für einen sicheren und versierten PKW-Lenker, ausgestattet mit der Reaktionssicherheit eines Michael Schumacher und den Instinkten eines Walter Röhrl.
Davon lasse ich mich auch nicht so leicht durchs Fernsehen abbringen – schnell fahren kann ich auch, und um die Kurve schlittern und schleudern fällt mir auch nicht schwer, wenn mir das ESP auch manches Mal ein bisschen Hilfestellung leistet, sofern ich mal wieder meinen Bleifuß einen Tick zu lange auf dem falschen Pedal hatte. Überhaupt sind die Straßen zu schmal, die Kurven zu eng, und Fußgänger sollten die Fahrbahn nur an wenigen genau gekennzeichneten Stellen überschreiten dürfen, um den Verkehr nicht zu gefährden.

Aber ich schweife ab – wahrscheinlich um mich um ein Geständnis zu drücken, das mir seit ein paar Tagen auf der Seele lastet: ich bin vermutlich eine Flasche im Bett – und wer jetzt glaubt, ich, als typischer Mann, dächte dabei an einen brandheißen Molotowcocktail, der sieht sich getäuscht.
Offenbar bin ich eher ein Exemplar der Marke „nicht richtig zugeschraubte Cola, die zu lange in der Sonne gestanden hat“. Wie ich darauf komme? Gut, ich will es erklären.

Ich bin eine Nachteule und habe früh am Abend einen toten Punkt, der mich gegen 21:00 Uhr auf dem Sofa ins Röchelkoma fallen lässt. Männer kennen das: Kopf nach hinten, Garage auf und Platons Höhlengleichnis geben, während aus dem Rachen ein Geräusch von industrieller Kläranlage nach außen dringt. Zum Glück hält dieser Zustand nicht so lange an, bis Schwalben beginnen ihr Nest in der sich einladend öffnenden Höhle zu bauen, und gegen 22:00 Uhr bin ich dann wieder so fit wie ein Turnschuh, während der ausgetrocknete Gaumen dafür sorgt, dass ich auch in etwa so rieche. Also schnell ab ins Bad, Zähne putzen und… Aber ich schweife schon wieder ab… weiterlesen »

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Scha-hatz?!

Schahatz? Was denkst Du gerade.
Nichts, mein Engel.

Man kann aber doch nicht nichts denken
Doch, ich schon. Gute Nacht.

Schahatz, was fühlst Du gerade?
Nichts, mein Engel. Warum fragst Du?

Das Gefühl habe ich ja auch. Du liebst mich nicht mehr.
Doch, mein Engel, natürlich liebe ich dich noch. Wie kommst Du darauf?

Du sprichst nicht mehr mit mir.
Was tun wir denn gerade?

Was denkst Du denn, was wir tun?
Reden natürlich – sag mal was soll das?

Also, wenn du denkst, dass wir reden, dann denkst Du doch was?
Ach Engel, ich fühl mich so müde…

Siehst Du Schatz, und fühlen tust Du auch was. Nur reden willst Du nicht über Gefühle.
Engel ich liebe dich noch, und basta!

Wenn Du mich noch lieben würdest, wärst Du nicht so schroff zu mir.
Hör mal, Engel, wieso musst Du mich jetzt so aufregen.

Ja, ja, aufregen tue ich dich noch, erregen schon lange nicht mehr.
Aaargh, natürlich begehre ich dich noch.

Glaubst Du das, denkst Du das, oder fühlst Du das?
Ich fühle es – aber jetzt lass uns schlafen.

Vermutlich glaubst Du nur, dass Du es fühlst. Oder denkst Du das nur?
Ich weiß es einfach, mein Engel.

Aber ein Gefühl zu wissen ist doch Denken, von dem man glaubt, dass man es fühlt, oder nicht?
Also Engelchen: ich weiß, ich denke, ich glaube und ich fühle, dass ich dich liebe.

Und was davon am meisten?
Du machst mich wahnsinnig! Alles zugleich.

Aber glauben ist doch weniger als wissen.
Dafür ist es aber eine tiefe seelische Überzeugung!

Und Denken bedeutet doch entweder nur eine Art Glauben, oder Wissen ganz ohne Gefühl.
Engel, jetzt ist aber mal gut. Ich fühle, dass ich dich liebe.

Aber eben hast du noch gesagt, Du fühlst nichts – und dass Du auch nichts denkst.
Als Du mich gefragt hast, habe ich auch nichts gefühlt und nichts gedacht.

Aber wenn Du mich liebst, dann musst Du doch immer was fühlen?
Ja tue ich auch, aber mehr latent.

Das war früher aber ganz anders.
Nein, war es nicht, ich habe es nur öfter gesagt.

Siehst Du, Du redest nicht mehr richtig mit mir.
Nur weil, ich dir nicht mehr so oft sage, dass ich dich liebe, heißt das nicht…

Beweise es mir!
Wie denn?

Schlaf mit mir!
Na schön, Engelchen. Sag das doch gleich!

Das ist mal wieder typisch – für Sex bin ich grad noch gut genug!
Moment mal bitte, mein Engel.

Was machst du da mit dem Messer Schatz?
Ich glaube, Du gehst mir auf den Geist, ich denke, es ist Zeit daran etwas zu ändern, ich fühle mich am Rande des Wahsinns und ich weiß, es gibt keine andere Lösung!

SCHAHATZ!!!!!!!
Schlaf schön, mein Engel!

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Disclaimer: Der Autor weist vorsorglich darauf hin, dass dieser Text nicht frauenfeindlich gemeint ist, und dass jede Ähnlichkeit mit noch lebenden, bereits verstorbenen und Personen, die zwar noch leben, sich aber nicht mehr wehren können, rein zufällig ist.

Es ist mal wieder soweit. Die kommenden Ereignisse werfen schon seit Wochen ihre Schatten voraus, als wir uns in Schale für den wichtigsten Abend des Jahres werfen.
„Weiberfastnacht“ klingt es in unseren Ohren und löst einen Speichelflussreflex aus, gegen den selbst die Hunde Pawlows eine Wüste Gobi im Maul gehabt haben müssen.

Natürlich träumen wir der eher von einer wüsten Gabi, als wir den unaufhörlichen Speichelfluss mit einem ersten Bierchen zum Warmmachen in Jupps Bude bekämpfen.

„Vorglühen“ nennen wir das – und wir, das sind Jupp, Mattes und meine Wenigkeit, das Trio Infernale des Karnevals, dessen legendärer Ruf jedes Jahr mehr und mehr Väter dazu bewegt, ihre 40-jährigen Mädchen im Keller wegzusperren, damit sie nicht, ihrer letzten Illusionen über die holde Männlichkeit beraubt, einem ca. vierzig Jahre dauernden altjüngferlichen Lebensabend ins Auge sehen müssen.

Mit einem leichten Alkoholpegel gegen das gelegentlich aufkeimende schlechte Gewissen gewappnet, machen wir uns auf den Weg, der gepflastert ist mit Anekdötchen und Histörchen verblassender Männlichkeit aus den letzten Jahren, die nun, im Lichte gegenseitiger Beweihräucherung den Nimbus großartiger Legenden annehmen.

Als wir mental und alkoholisch gestärkt den Turnierplatz betreten, scheint ein Raunen durch die Menge zu gehen, die Musik verstummt für einen Moment und alle Blicke ruhen auf uns, die wir in drohlich erscheinender Phalanx mit stählernem Blick und erhabenen Ganges den Saal betreten.

Die Herren halten ihre Frauen fester und wissen nun, es wird ein harter Abend, voller Ängste von drohender Einsamkeit und der Gewissheit ihrer nur relativen männlichen Bedeutung vor dem maskulinen Orkan, der nun über sie hinwegzufegen beginnt.
Aufatmend und erst einmal beruhigt löst sich die Stimmung, als wir zuerst einmal ein Bier bestellen und uns im Eingangsbereich an einem Stehtisch platzieren, um den Zu- und Abfluss begattbaren Materials zu taxieren. weiterlesen »

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Fremde Haut

Wenn man den Statistiken glauben mag, gehen ein Großteil der Männer und eine wachsende, mittlerweile fast gleich große Zahl der Frauen fremd. Das Internet trägt natürlich seinen Teil dazu bei, in dem es ein altes Sprichwort bestätigt: „Gelegenheit macht Diebe“.

Zum einen verändert das Netz Moralvorstellungen insofern, als durch seine anarchische Struktur auch teils fragwürdige Wertvorstellungen eine Plattform erhalten, die diesen im praktischen Leben nicht möglich wäre, andererseits schafft es auch ein Füllhorn von Kontaktmöglichkeiten, die in ihrer Menge real kaum zu realisieren sind, zumal dann, wenn man in sich einer festen Beziehung mit geregelten zeitlich Abläufen befindet.

Doch was bewegt Menschen dazu, sich real oder online eine kürzere oder längere entweder nur erotische, oder auch amouröse Erfahrung zu suchen?

Es gibt eine Form von Nähe, die einem nur die Partnerschaft geben kann und die von großer, fast allumfassender Bedeutung ist. Diese Nähe hat aber nicht unbedingt zuerst mit erotischer Nähe zu tun, sondern mit einem Gefühl von Geborgenheit und Verlässlichkeit, das man nicht für das Linsengericht einiger schneller sexueller Erlebnisse aufs Spiel setzen möchte.

Eine Folge dieser Art von Verlässlichkeit ist aber auch eine starke Gewöhnung aneinander, und wo man positiv sagen kann: „Ich habe mich so an dich gewöhnt.“, so muss man in der Paarbeziehung sehr darauf achten, dass aus dieser positiven Gewöhnung nicht ein „Du bist mir so gewöhnlich geworden.“ wird. Sicher sollte ein Großteil der Beziehungsarbeit ihr Augenmerk darauf legen, was aber im Alltag, der allzuoft von einer rasanten Eigendynamik geprägt ist, sehr häufig vernachlässigt wird.

Deshalb aber, laufen nicht nur schon beschädigte Beziehungen Gefahr, zum Opfer einer Affäre zu werden, sondern auch sehr gut funktionierende Partnerschaften, und darunter auch solche, in denen die Erotik durchaus noch einen besonderen, wenn, vielleicht auch zu Recht, nicht mehr den ersten Stellenwert hat. weiterlesen »

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Freier Wille, oder was?

Freier Wille, oder nicht?

Wir Menschen sind es gewohnt jeden Tag Entscheidungen zu treffen. Schon der ersten Handlung des Tages, dem Aufstehen, liegt eine Willensentscheidung zu Grunde. Wir könnten ja auch liegen bleiben, den Arbeitstag Arbeitstag und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen.

Die freie Willensbildung ist vermutlich der Eckpfeiler, der die menschliche Existenz von der Instinkthaftigkeit des Tieres unterscheidet. Unser Leben besteht aus freien Wahl unter den Möglichkeiten, die jeden Tag an uns herantreten und die wir für uns entwerfen.

Natürlich hören wir uns selbst und andere oft sagen: „Ich kann das nicht weil…“, aber dieser Satz ist in den meisten Fällen ja nur eine Übersetzung eines: „Es hat keinen Sinn, das zu probieren, weil…“, was bedeutet, dass wir sehr wohl Anstrengungen in die angesprochenen Richtung unternehmen könnten, wenn wir wollten. Wir treffen lediglich die pragmatische Entscheidung, dass eine Handlung in diese Richtung deshalb sinnlos ist, weil das erwünschte Ergebnis nicht erreichbr scheint.

Aber auch hier spricht der freie Wille. Wir sind letztlich sogar in der Lage, schweren Herzens auf einen Weg zur Selbstverwirklichung zu verzichten, wenn wir diesen Weg als zu beschwerlich, oder das Ziel als unerreichbar ansehen. Ein anderer wiederum mag den Weg bereits als das Ziel betrachten und geht mutig voran – allen Erschwernissen und allen Zweifeln zum Trotz.

Interessanterweise setzen zwei wesentliche, aber grundsätzlich verschiedenen Weltanschauungen gleichermaßen auf den freien Willen als bestimmendes Element des Menschseins: das Christentum und der Existentialismus, wobei der zweite in der Auslegung Sartres ganz bewusst eine atheistische Philosophie sein soll. weiterlesen »

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Mut oder Tollkühnheit

Kaum eine Kriegsszene in einem Film ist aufwühlender und realistischer gemacht, als die Landung an Frankreichs Küste in „Ein Soldat namens James Ryan“.

Wie Ameisen springen Soldaten aus ihren Landungsbooten und waten schwer bepackt und schießend ans Ufer, an dem ein schier uneinnehmbarer Bunker der Reichswehr sie erwartet, bemannt mit Soldaten des Gegners und schweren Maschinengewehren.

Die amerikanischen GI marschieren nach vorne und sterben wie die Fliegen. Maschinengewehrfeuer rattert, Mörsergranaten schlagen ein, und verstümmelte Soldaten, denen Körperteile fehlen, und bei denen die Därme aus dem aufgerissenem Bäuchen quellen pflastern den Strand. Sanitäter robben zwischen ihnen hin und her, ein Arzt bestimmt mit einem schnellen und geübten Blick, wem geholfen wird und wer nur eine Morphiuminjektion bekommt, um möglichst schmerzfrei verbluten zu können.

Bedrückend, wie sich meine Haltung zu den dargestellten Greueln verändert.
Haben mich die ersten explizit gezeigten verstümmelten Gliedmaßen noch erschreckt und verstört, so spüre ich mit fortschreitender Dauer des brutalen Schlachtens, wie das schon zur Routine wird, wie sich mein Fokus wieder auf die Kampfhandlungen richtet, an denen die Hauptdarsteller beteiligt sind. Natürlich wird noch gestorben und versehrt, aber die stürzenden Leiber der Getroffenen verkommen zur realitätsnahen Staffage der filmischen Dramaturgie.

In einem Moment des Innehaltens denke ich mich zurück zu den realen Geschehnissen, die diesen bedrückenden Szenen die Vorlage geboten haben, und frage mich, was wohl in den Köpfen der jungen Männer vorgegangen sein muss, die in den Booten auf das Ufer zuglitten und die wissen mussten, dass die Eroberung der Gestade nach dem Muster eines einfachen blutigen Abzählreimes vor sich gehen musste. Es müssen so viele von ihnen geopfert werden, bis ein Teil den Weg an den Strand und in den toten Winkel des Bunkers schafft, aus dem heraus ein ebensolches Gemetzel an den vermeintlich „Bösen“ geplant und in Angriff genommen werden kann, die selbst schon jung, als Söhne, oder Väter kleiner Kinder von ihren Familien getrennt und in den Kampf geschickt wurden. weiterlesen »

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Auf der Suche nach dem Sinn

Die Welt ist ein Panoptikum – dies ist für mich eine unumstößliche Tatsache.
Ein buntes Kaleidoskop sonderbarer Gestalten bevölkert unseren Planeten und fristet sein existentiell kärgliches Dasein auf der Suche nach dem Sinn des Lebens.

Nun ist die Suche natürlich keine einfache – manch einer glaubt, der Sinn fliege durch die Luft und kann eingefangen werden wie
ein farbenfroher Schmetterling. Er jagt ihm nach, hascht nach ihm und kann ihn dennoch nicht fassen.
Die anderen sehen sein Hüpfen und fröhliches Rudern mit den Armen und bedauern den armen Irren, der beständig den Bodenkontakt zu verlieren scheint und am Ende mehr wie eine plumpe Motte wirkt, die versucht einen Schmetterling zum Beischlaf zu überreden.

Ein anderer glaubt den Sinn in der Erde zu finden. Er wühlt im Dreck und versucht dort den Dingen auf den Grund zu gehen.
Er sucht den Sinn in dem Teil der Welt, der von seinen Artgenossen vornehmlich mit Füßen getreten wird, die Finger wund vom Kampf gegen das Erdreich und die Nase schmutzig vom Stöbern im Unrat nach der ultimativen existentiellen Trüffel.

Gemeinhin fühlt sich gerade die Wühlmaus der Motte überlegen, weil sie glaubt die Welt verstanden zu haben und frei von
Illusionen zu sein. Doch sie wühlt so lange, bis ihr die Kraft ausgeht und ein anderer ihr die Grube gräbt, in der ihr Sinn zu finden ist. weiterlesen »

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Meditationen über den Tod

Ich meditiere nicht, aber ich habe seltene und kostbare meditative Momente.

Der unermüdlich kreisende Gedankenlöffel in der großen Rührschüssel meines Kopfes kommt für eine Weile zu Ruhe und ich kann mich einen Moment zurückziehen aus der permanenten Produktion von Sinn und Unsinn, die in meinem Gehirn mit der Konstituierung meiner Welt einhergehen.

In diesen Momenten aber strebe ich nicht nach einer Befreiung vom Denken an und für sich, weil ich akzeptiert habe, dass die beständige Reflektion ein Grundbestandteil meines Charakters und damit auch meiner Existenz ist. Vielmehr ziehe ich mich in mich zurück und lasse die vielfältigen Ströme in meinem Kopf sich zu einem ruhigen Fluss vereinigen, indem es mir gelingt das wilde Spiel der Assoziationen zu bändigen und zum Verstummen zu bringen.

Sonderbarerweise erlebe ich diese meditativen Momente am stärksten, wenn ich mich mit schwersten und schwierigsten Gedanken beschäftige. Oftmals beschäftigen mich weltanschauliche Probleme, durch die mein Denken und Empfinden in diesem intensiven Moment gegen jede Störung von innen gefeit sind.

Oder ich blicke in den Himmel, oder in die Wipfel der Bäume und sehe Figuren, betrachte das leichte Wogen der Baumkronen und mache meinen Frieden mit meiner Endlichkeit.
Diese Momente sind nicht primär Rückzug aus der Welt, sondern vielmehr ein reichhaltiges Mich-Versenken in die Existenz – eine Art, meinem Kern am nächsten zu kommen und zu spüren, dass dieser Kern über ein energetisches Band mit der Welt verbunden ist.

Manchmal konfrontiere ich mich mit dem Tod. Statt ihm in allerlei Gedanken zu Alltagsgeschäften und Trivialitäten auszuweichen, denke ich mich voran zu dem Tag, an dem er mich ereilen wird, und frage mich, wie sich dieser letzte Moment, sofern ich ihn wachen Sinnes erleben kann, anfühlen mag, welches Bewusstsein mich in jenem Augenblick überfallen wird, und auf wen ich an meiner Seite hoffen darf. weiterlesen »

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Halt Polizei!

Es ist noch früh am Morgen. Die Sonne ist eben aufgegangen und der Verkehr auf der Autobahn fließt störungsfrei dahin. Aus meinem CD-Spieler klingt meine Lieblingsband, und obwohl ich kein begeisterter Autofahrer bin, genieße ich die Minuten für mich auf dem täglich gleichen Weg zur Arbeit, bevor mich Kollegen, Kunden und Vorgesetzte wie jeden Tag gegen eine geringe monatliche Aufwandsentschädigung in die Maske des freundlichen Hans Dampf zwingen, der für jeden stets ein offenes Ohr und eine hilfsbereite Hand zur Verfügung hat.

Die Autobahn ist durchaus befahren, aber noch lange nicht voll, und ich fahre jeden Morgen eine halbe Stunde früher als nötig, um dem Stau zu entgehen, der sich in in paar Minuten am Autobahnkreuz hinter mir in die Straße ergießen wird, als würde ein Vulkan heißes Metall speien und seine chromglänzende Lava in den engen Kanal zwischen den Leitplanken fließen lassen.

Ich blicke nach vorn, das Lenkrad locker in der linken Hand, während die Finger der rechten im Takt zur Musik auf meinen Schenkel trommeln. Neben mir auf dem Beifahrersitz finden sich wie immer mein Handy und mein Akkurasierer – beide Zeichen meines Morgenrituals, das einen Anruf bei meinem Sohn, kurz bevor er zur Schule geht, und eine Rasur bei 120km/h vorsieht.

Während ich mich mit meinem Gefährt geschmeidig durch die langsam anschwellende Woge des Berufsverkehrs schlängele, nähere ich mich einer jener typischen Lendkradschnecken, die sich angstvoll an ihr Volant krallen, die Nase an die Windschutzscheibe drücken und versuchen ihr Auto vernunftwidrig mit Hilfe des Bremspedals zum Ziel zu bugsieren.
Das Steuer in der Linken, den Rasierer in der Rechten und ein Auge im Rückspiegel, um die ordnungsgemäße Schur zu gewährleisten, lenke ich meinen Wagen routiniert auf die Überholspur und sehe im letzten Moment einen grünen Farbtupfer im Seitenspiegel aufpoppen.

Polizei!

Ich lasse den Rasierer fallen und setze blitzschnell den Blinker, um nicht unangenehm aufzufallen und wegen einer Lappalie ein Knöllchen zu bekommen, nur weil der Staat in Zeiten der Wirtschaftskrise auf jeden rostigen Heller angewiesen ist. Schnell bin ich an der Schnecke vorbei, entspanne mich etwas und steuere zurück auf die rechte Spur.

Mir ist immer ein bisschen mulmig, wenn unser aller Freunde und Helfer mir auf der Autobahn begegnen, und auch heute habe ich das Gefühl, dass sie es nur auf mich abgesehen haben. Irgendwie scheinen sie ihre Geschwindigkeit über aus exakt der meinen anzupassen und nur auf einen kleinen Fehler zu warten, um unter dem Deckmantel der Verkehrssicherheit das Säckel des Verwaltungswasserkopfes zu füllen.

Ich konzentriere mich aufs Fahren, überlege fieberhaft, wie nochmal die Abstandsberechnung funktioniert, und frage mich zweifelnd, wann ich zuletzt die Rücklichter auf ihre Tauglichkeit überprüft habe. Meines Wissens müssen sie in Ordnung sein, zumindest kann ich mich grob erinnern, sie zuletzt beim Beladen des Hecks am Baumarkt in Aktion gesehen zu haben.
Bei dem Bremsleuchten bin ich da gar nicht so sicher. Ich werde nervös und beginne meine Geschwindigkeit so zu wählen, dass ich nach Möglichkeit nicht bremsen muss.

TÜV und ASU sind ok, Reifenprofil sollte in Ordnung sein – aber Mist – habe ich eine Warnweste im Auto? Mich plagt das schlechte Gewissen und meine Hände werden zunehmend feuchter.
Trotz meiner nun defensiven Fahrweise lässt sich der nächste Schneckenüberholvorgang nicht vermeiden, ich besinne mich kurz der Position des Blinkers, der in meinen Augen ansonsten nur Staffage ist, drücke aufgeregt den Hebel nach unten und…

verdammt! –

rechts blinken, links überholen, und der Jagdinstinkt der grünberockten Exekutive wäre geweckt. Schnell den Hebel nach oben, kurz aufs Gas…

KRACK! – weiterlesen »

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Hallo, mein Name ist Julius, und wer bist Du Hübsches?
Ich.. ich… bin die Roswitha…
Hallo Roswitha, was treibt dich her?
Ich… ich… suche eine Beziehung…
Was machst Du beruflich?
Ich… ääh… Kommu…ni…kationspsychologin – und Du?
Hans Dampf, hahaha, ich verkaufe Dampfreiniger.
Im Fernsehen…?
Nein an der Haustür. Hast du ein Hobby?
Ja ähm… Makramee und Bonsai und… Du?
Ikebana und Sado Maso.
Ist das was … mit Kampfsport?
Nein, hat was mit Meditation zu tun.
Möchtest Du meine Num…?

NÄCHSTER!

Frank, Hallo.
Hi Frank
Und wie heißt Du ?
Birgit. Du siehst nett aus…
Ist „nett“ nicht die kleine Schwester von…?
Nein, nein, wirklich, was machst Du so?
Ich leite eine Surfschule.
Super, ich surfe für mein Leben gern. Ich bin Sportlehrerin.
Ich finde dich auch hübsch. Schon was dabei gewesen heute für dich?
Nein, nicht wirklich, aber ich habe das Gefühl…
Geht mir ähnlich. Wollen wir vielleicht mal…
Magst Du Kinder?
Ähm, ja schon, wieso?
Ich habe zwei - vier und sechs.
Zwölf?
Nein zwei - vier und sechs Jahre alt.
Also drei?
Nein, zwei Kinder, je vier und sechs Jahre.
Ach Du… weißt Du… ich glaube… ich bin noch nicht…
Schon gut…

NÄCHSTER!

Huhu, ich heiße Saaabine,
Du heiße Sabine? Ich lustige Hans! Haha! Servus!
Du hast aber viele Muskeln?!
Jo, von nix kommt nix, was machst Du so?
Stenotypistin und Bürokauffrau, und Du?
Hundefriseur.
Ich reise gern, ich war schon in Italien, Ägypten, Mallorca, Gran Canaria, Mexiko, Malaysia, Sri Lanka, Corfu, Dubai, Frankreich, Bulgarien…
Vulgarien, haha,
Kreta, Türkei… und Du?
Wacken!
Eigentlich mag ich ja keine langen Haare bei Männern…
Magst Du Motorradfahren?
Nicht so sehr… ich hab ein Pferherd.
Hm!
…und einen Hund, zwei Katzen, drei Kaninchen und…
…einen Vogel, so wie’s aussieht.
Ja, einen Wellensittich – woher wusstest Du…?
Hier, meine Karte, falls dein Hund…
Mein Hund fährt auch kein Motorrad…
Aaargh…

NÄCHSTER!

Wer bist denn Du?
Steht doch auf dem Schild. Machst Du dir immer so wenig Mühe?

Sicher wieder so einer, der nix tut, nur faul in der Gegend rumsitzt, und…

…den ganzen Tag den Fernseher laufen und die leeren Bierflaschen rumstehen lässt.

Davon hab ich schon genug gehabt. Ich will mal was Richtiges. Einen ganzen Kerl halt.

Aber Du kriegst ja nicht mal den Mund auf.

Sag mal, ist das eine echte Rolex?
Jepp!
Ich bin die Ellen, und für den Richtigen könnte ich mir auch vorstellen nur noch Hausfrau zu sein…

NÄCHSTER!

Grüß Dich – Angie…
Hallo, ich Ahmed,






Ja, dann…

NÄCHSTER!

Hallo
Hallo.
Ich bin der Sebastian, 42, Werbekaufmann, leitende Position und Du?
Susanne, 38. Ich habe eine Putzstelle.
Tja dann… Ich denke nicht, das wir gesellsch…
Ich bin Nymphomanin…
…und ich hab ein Cabrio…wollen wir…?

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